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Barbara Anna Woyno M. A. – Übersetzungen Polnisch-Deutsch-Polnisch

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Arbeitslosigkeit in Polen

Die politische Wende in Polen, die sich Ende der 1980er Jahre vollzog, ließ die ohnehin marode Wirtschaft des Landes zusammenbrechen und machte Wirtschaftsreformen dringend notwendig. Der Umbau der Wirtschaft von einer zentralistisch hin zu einer marktwirtschaftlich orientierten begann 1990 mit der Umsetzung des nach dem damaligen Finanzminister Leszek Balcerowicz benannten "Balserowicz-Plans". Die Reformen hatten ihre Schattenseiten. Die Arbeitslosigkeit stieg von Januar bis Dezember 1990 von 0,3 auf 6,5 Prozent sprunghaft an. Die Inflation schoss auf 585 Prozent in die Höhe. Das führte zu sozialen Härten für die Menschen, auch weil es kein soziales Netz wie in der Bundesrepublik Deutschland gab. 
Obwohl Polen schon in den 1990er Jahren ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum verzeichnete, ging die Arbeitslosigkeit erst nach dem EU-Beitritt des Landes 2004 spürbar zurück. Sie sank von 19,0 Prozent im Dezember 2004 immer weiter, bis sie Ende 2019 die Marke von 5,2 Prozent erreichte und seitdem auf diesem Niveau verharrt.

Eine Baustelle in Polen
Heute herrscht in Polen ein Fachkräftemangel. Vor allem qualifizierte Handwerker im Baugewerbe fehlen. Sie sind teuer und schwer zu bekommen. Foto: Frank Hilbert

Am 1. Mai 2004 ist Polen der Europäischen Union beigetreten. Der Beitritt wirkte sich positiv auf die Wirtschaft aus. Sie wuchs in der ersten Jahreshälfte um sechs Prozent. 2003 exportierte Polen Waren im Wert von 53,450 Milliarden Dollar, ein Jahr später betrug das Exportvolumen bereits 73,781 Milliarden Dollar. Positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte das starke Wirtschaftswachstum zunächst nicht. Im Dezember 2004 zählten die Statistiker rund 2.999.600 Erwerbslose. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 19 Prozent. Erst 2006 sankt sie spürbar. Im November registrierten die Statistiker 2.287.300 Erwerbslose. Davon waren 1.304.300 Frauen. Die Arbeitslosenquote lag bei 14,8 Prozent, also sechs Prozent unterhalb der zwei Jahre zuvor. Aber es war immer noch die höchste innerhalb der Europäischen Union.
Erst 2008 sank die Arbeitslosigkeit unter die Zehn-Prozent-Marke, um danach wieder auf 13,4 Prozent im Dezember 2013 anzusteigen. Es gibt einen zeitlichen Zusammenhang mit der internationalen Finanzkrise, die mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers am 15. September 2008 begann und die Weltwirtschaft erschütterte.
Inzwischen hat sich die Arbeitslosenquote bei etwa fünf Prozent eingependelt. Im November 2019 lag sie bei 5,1 Prozentpunkten. Zum Vergleich: In Deutschland waren in diesem Monat ebenfalls 5,1 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung auf Jobsuche (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

Die positiven Zahlen vom polnischen Arbeitsmarkt werden jedoch durch die Tatsache relativiert, dass viele Polen ihr Land verlassen haben, um im EU-Ausland ihr Geld verdienen. 2015 waren es 2,2 Millionen. Nehmen wir das Beispiel Großbritannien. Von den hier lebenden 3,3 Millionen EU-Ausländern hatten 2017  853.000 einen polnischen Pass. Vor allem gut ausgebildete junge Menschen verlassen Polen, weil sie keine berufliche Perspektive in ihrem Heimatland sehen oder die Löhne im Ausland höher sind. Viele Arbeitnehmer bekommen zudem nur befristete Arbeitsverträge, die abfällig "Müllverträge" (poln. umowy śmieciowe) genannt werden.

Wie in Deutschland auch herrscht in Polen Arbeitskräftemangel. Zwar schottet sich Polen gegenüber Migranten aus Nicht-EU-Ländern ab. Das gilt aber nicht für die Ukraine. Inzwischen jobben tausende ukrainische Staatsbürger, die seit dem Einmarsch der russischen Truppen im Jahr 2014 aus ihrem Land geflüchtet sind, in polnischen Restaurants, Hotels und auf dem Bau. Ihre Zahl ist seit der Eskalation des Krieges am 24. Februar 2022 noch einmal sprunghaft angestiegen (1.544.074 Flüchtlinge, Stand 20.12.2022, Quelle: UNHCR).

Die Corona-Pandemie hat auf den polnischen Arbeitsmarkt kaum Auswirkungen gehabt. Von Dezember 2019 bis Dezember 2019 stieg die Arbeitslosenquote lediglich von 5,2 auf 6,8 Prozentpunkte. Inzwischen ist sie wieder auf das Niveau von vor der Pandemie gesunken. Im Oktober 2022  betrug sie 5,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit in Prozent und Zahl der Erwerbslosen in Polen
Jahr Erwerbslose
(in Tausend, Monat Dezember)
Arbeitslosigkeit in
Prozent
(registrierte Arbeitslose, Monat Dezember)
1990 1126,1 6,5 (0,3 im Januar)
1991 2155,6 12,2
1992 2509,3 14,3
1993 2889,6 16,4
1994 2838,0 16,0
1995 2628,8 14,9
1996 2359,5 13,2
1997 1826,4 10,3
1998 1831,4 10,4
1999 2349,8 13,1
2000 2702,6 15,1
2001 3115,1 17,5
2002 3217,0 20,0
2003 3175,7 20,0
2004* 2999,6 19,0
2005 2773,0 17,6
2006 2309,4 14,8
2007 1746,6 11,2
2008 1473,8 9,5
2009 1892,7 12,1
2010 1954,7 12,4
2011 1982,7 12,5
2012 2136,8 13,4
2013 2157,9 13,4
2014 1825,2 11,4
2015 1563,3 9,7
2016 1335,2 8,2
2017 1081,7 6,6
2018 950,5 5,8
2019 849,6 5,2
2020 1046,4 6,3
2021 895,2 5,4
2022 - -
Quelle: Głowny Urząd Statystyczny (Polnisches Statistisches Hauptamt)
* EU-Beitritt Polens
Arbeitslosigkeit aufgeteilt auf die Woiwodschaften
Arbeitslosigkeit in Prozent, Stand Dezember
Woiwodschaften 2010 2014 2018
Dolnośląskie 13,1 10,4 5,2
Kujawsko-Pomorskie 17,0 15,5 8,8
Lubuskie 15,5 12,5 5,8
Lubelskie 13,1 12,6 8,0
Łódzkie 12,2 11,8 6,1
Małopolskie 10,4 9,7 4,7
Mazowieckie 9,7 9,6 4,9
Opolskie 13,6 11,8 6,3
Podkarpackie 15,4 14,6 8,7
Podlaskie 13,8 12,9 7,7
Pomorskie 12,3 11,1 4,9
Sląskie 10,0 9,6 4,3
Swiętokrzyskie 15,2 14,1 8,3
Warmińsko-Mazurskie 20,0 18,7 10,4
Wielkopolskie 9,2 7,6 3,2
Zachodnio-
pomorskie
17,8 15,5 7,4
Arbeitslosigkeit aufgeteilt auf die Woiwodschaften
Arbeitslosigkeit in Prozent, Stand Dezember
Woiwodschaften 2019 2020 2021
Dolnośląskie 4,6 5,6 4,9
Kujawsko-Pomorskie 7,9 9,0 8,1
Lubuskie 4,9 6,3 5,1
Lubelskie 7,5 8,2 8,7
Łódzkie 5,4 6,2 6,1
Małopolskie 4,1 5,3 5,0
Mazowieckie 4,4 5,2 4,7
Opolskie 5,8 6,9 6,4
Podkarpackie 7,9 9,1 9,9
Podlaskie 6,9 7,8 7,8
Pomorskie 4,5 5,9 5,2
Sląskie 3,6 4,9 4,3
Swiętokrzyskie 8,0 8,5 8,7
Warmińsko-Mazurskie 9,1 10,2 9,1
Wielkopolskie 2,8 3,7 3,2
Zachodnio-
pomorskie
6,8 8,4 7,3
Quelle: Głowny Urząd Statystyczny (Polnisches Statistisches Hauptamt)
Arbeitslosigkeit aufgeteilt auf die Woiwodschaften
Arbeitslosigkeit in Prozent, Stand Dezember
Woiwodschaften 2022 2023 2024
Dolnośląskie - - -
Kujawsko-Pomorskie - - -
Lubuskie - - -
Lubelskie - - -
Łódzkie - - -
Małopolskie - - -
Mazowieckie - - -
Opolskie - - -
Podkarpackie - - -
Podlaskie - - -
Pomorskie - - -
Sląskie - - -
Swiętokrzyskie - - -
Warmińsko-Mazurskie - - -
Wielkopolskie - - -
Zachodnio-
pomorskie
- - -
Quelle: Głowny Urząd Statystyczny (Polnisches Statistisches Hauptamt)

(Alle Angaben ohne Gewähr)

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