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Protestanten in der Teschener Region (Śląsk Cieszyński)

Einen zentralen Raum in der Ortsmitte Wisłas nimmt das Gebäude der evangelisch-augsburgischen Kirche ein. Über 80 Prozent der Einwohner Wisłas sind evangelisch. So auch der in Wisła geborene weltbekannte Skispringer Adama Malysz oder der ebenfalls aus dem Teschener Schlesien stammende ehemalige Premier Polens Jerzy Buzek. In der gesamten Teschener Region machen die Protestenten bis zu 50 Prozent der Bevölkerung aus, was im überwiegend katholischen Polen eine Besonderheit darstellt.

Evangelisch-augsburgischen Kirche in Wisła
Evangelisch-augsburgischen Kirche in Wisła. Foto: Frank Hilbert

Die Lehren Martin Luthers erreichten das Teschener Schlesien über Tschechien in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts. Das liberale Programm der reformierten Kirche, zu dem auch die Befreiung von zahlreichen Steuern und Leistungen gehörten, fiel sowohl beim Adel wie auch bei den Bürgern und Bauern auf einen fruchtbaren Boden. Bereits 1540 machte der Teschener Fürst Wacław III. den evangelisch-lutherischen Glauben zur Staatsreligion. Schätzungsweise waren über 90 Prozent seiner Untertanen evangelisch. Doch die katholischen Habsburger, die zunehmend Einfluss auf die Region gewannen, übten immer mehr Druck auf die Teschener Fürsten aus. Im Jahr 1610 konvertierte der Sohn Wacłas III., Adam, wieder zum Katholizismus. 1653, nach dem Tod der Teschener Fürstin Elisabeth, übernahmen die Habsburger die Regierungsgeschäfte in Teschener Schlesien. Mit ihnen zog im Teschener Land die Gegenreformation ein. Den Protestanten wurden sämtliche Kirchen weggenommen, der Besitz von Schriften mit lutherischen Inhalten wurde strafbar. Viele Protestanten verließen das Land oder praktizierten ihren Glauben im Verborgenen, oft an schwer zugänglichen geheimen Orten an Berghängen.

Nach seinem Sieg im Nordischen Krieg erzwang der schwedische König Karl XII. in der Altranstädter Konvention von 1707 die Glaubensfreiheit für die schlesischen Protestanten. Kaiser Josef I. genehmigte die Rückgabe von 121 konfiszierten protestantischen Kirchen sowie den Bau von sechs neuen „Gnadenkirchen“ (Der Name leitet sich von der Gnade des Kaisers ab, der den Bau bewilligte). Die Gegenreformation endete mit dem Erlass des Toleranzpatents im Jahr 1781 durch Kaiser Joseph II, der den Protestanten freie Religionsausübung zusicherte. Sie durften von nun an auch Schulen und Gotteshäuser bauen (jedoch ohne Glockentürme und Eingänge von der Straße). Einen gleichberechtigten Status mit dem katholischen Glauben erlangte der Protestantismus allerdings erst 1848 im Zuge des Völkerfrühlings. (fh)

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