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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Steinort (Sztynort) in Masuren, Polen

Verwahrlost sieht das ehemalige Domizil der ostpreußischen Junkerfamilie von Lehndorff im masurischen Steinort (Sztynort) aus. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Der Putz bröckelt, vom Balkon an der vorderen Fassade ragen nur noch ein paar Stahlträger quer in die Luft. Nur die großzügig angelegte, heute ungepflegte Parkanlage mit ihren uralten Eichenalleen zeugt noch von der ursprünglichen Pracht der gräflichen Anlage. Trotz des Verfalls lohnt sich ein Ausflug zum Gut, das eingebettet ist in eine prachtvolle Landschaft am Steinorter See (Jezioro Sztynorckie).

Schloss in Steinort (Sztynort)Polen Fotos
Das verfallene Schloss in Steinort. Der neogotische und ein wenig verspielt anmutende Risalit stammt aus dem 19. Jahrhundert. Fotos: Frank Hilbert

Seit 1420 oder 1556 (Über das genaue Datum streiten sich die Historiker.) war Steinort der Stammsitz der Grafen von Lehndorff, die ursprünglich aus dem Kulmer Land kamen. Die Lehndorffs stiegen zu einer der bedeutendsten preußischen Adelsfamilien auf und brachten im 17. Jahrhundert bedeutende Staatsmänner, Diplomaten und Militärs hervor. Zum Beispiel Gerhard Lehndorff (1634-1688). Der umtriebige Adlige brach im zarten Alter von 13 Jahren zu einer Bildungsreise quer durch Europa auf, die ihn nach Dänemark, Holland, England, Frankreich, Italien und nach Malta führte. Später machte er Karriere an den Höfen der Fürsten von Brandenburg, der niederländischen Fürsten von Oranien und am dänischen Königshof. Seiner dritten Ehefrau, geb. Marie Eleonore von Dönhoff (1664-1724), haben wir den Bau des barocken Schlosses und den angrenzenden barocken Park zu verdanken, in dem sie zwischen 1650 und 1680 die erste Eichenallee anlegen ließ.

Für jeden Familienspross eine Eiche

Der Legende nach wurde bei jeder Geburt eines Kindes im Hause Lehndorff traditionsgemäß eine Eiche gepflanzt. Im Laufe der Zeit kam eine beachtliche Anzahl der ehrwürdigen Baumriesen zustande. Jeder Spross und Erbe der in Steinort ansässigen Familie Lehndorff sah es als seine Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen an, hier einen sichtbaren Abdruck seines Wirkens zu hinterlassen. So lesen wir in einem Tagebucheintrag des Grafen Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff (1727-1811) aus dem Jahr 1783:

Ich lächle in meiner Einsamkeit, und wenn ich über die Aufregungen an all den Höfen, die ich kenne, über das Leben und Treiben auf den Gesellschaften nachgedacht habe, dann ziehe ich mich in meine Wälder zurück, mache Spaziergänge und sehe die jungen Eichen wachsen, die ich mit meinen Kindern aus der Frucht gezogen habe.

Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff, der Kammerherr von Elisabeth Christine von Preußen, der Gemahlin Friedrich II., war, verdanken wir recht intime und zum Teil sehr amüsante und bissig kommentierte Einblicke in den Alltag am Königshof in Berlin.
Trotz seines romantischen Blicks auf das Leben in Steinort, auf das er sich später ganz zurückzog, ein Kind von Traurigkeit war Heinrich nicht. Als er das Zepter im Steinorter Schloss in den Händen hielt, blühte das gesellschaftliche Leben auf. Rauschende Feste mit Feuerwerken richtete er aus und erfreute seine Gäste mit Theateraufführungen.
Nebenher unterhielt er enge Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit. Ignacy Krasicki (1735-1801) war einer von ihnen. Der ermländische Bischof, Aufklärer und Schriftsteller, der 1773 die damals gerade neu errichtete Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin weihte, war oft in Steinort zu Besuch.

Schlosspark in Steinort (Sztynort) mit Eichen
Eichen im Schlosspark von Steinort (Sztynort). Die ersten Exemplare ließen die Lehndorffs im 17. Jahrhundert pflanzen.

Viele lustige Geschichten über den wohl kauzigsten Schlossherren von Steinort, Graf Karol Meinhard von Lehndorff (-1936), erzählen die mit dem Hause Lehndorff verwandten Grafen Marion Gräfin Dönhoff und Alexander zu Dohna-Schlobitten in ihren Erinnerungen. Der vergnügte, eingefleischte Junggeselle Karol von Lehndorff verwirtschaftete das Gut, ließ das Schloss verkommen und hielt gern deftige Saufgelage ab. Ende des 19. Jahrhunderts stand es um die Finanzen dermaßen schlecht, dass ein Zwangsverwalter vorübergehend die Geschäfte übernehmen musste. Karol erhielt in dieser Zeit ein jährliches Gehalt, von dem er seine Ausgaben bestreiten musste.

Sippenhaft für Frau und Kinder

Der letzte und wohl berühmteste deutsche Eigentümer von Steinort, Heinrich von Lehndorff (1909 - 1944), war aktives Mitglied des Widerstands gegen Hitler. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler in der benachbarten Wolfsschanze wurde er am 4. September 1944 zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee gehenkt.
Seine hochschwangere Frau Gottliebe und seine Kinder wurden getrennt voneinander in Sippenhaft genommen. Die Kinder Vera, Eleonore und Gabriele verschleppten die Nationalsozialisten in ein Kinderlager bei Bad Sachsa, Gottliebe kam zunächst in ein Gefängnis in Torgau. In Torgau entband sie auch ihre vierte Tochter Catharina.

Im Schloss - und nicht im nahe gelegenden Führerhauptquartier Wolfsschanze - residierte ab 1941 gegen den Willen der Lehndorffs der deutsche Außenminister Joachim von Rippentrop, wenn er nach Ostpreußen kam, um sich mit Reichskanzler und Diktator Adolf Hitler zu treffen oder an Staatsempfängen teilzunehmen. Seine masurische Residenz ließ er mit Möbeln aus Berlin einrichten. Die 200 Jahre alten Möbeln schienen nicht standesgemäß und entsprachen ganz offensichtlich nicht seinem Geschmack. In dieser Zeit mussten die Lehndorffs mit einem Seitenflügel ihres Schlosses vorliebnehmen. Rippentrops Mitarbeiter hatten ihr Quartier im nahe gelegenen Hotel Jägerhöhe am Schwenzaitsee (Jezioro Święcajty) aufgeschlagen.

Die wertvolle Inneneinrichtung des Schlosses ging 1945 verloren. Als Rippentrop Ostpreußen wegen der sich nähernden Front verließ, nahm er alle Wertgegenstände aus dem Schloss mit und ließ sie nach Burg Kriebstein in Sachsen bringen. Sowjetische Soldaten transportierten die wertvollen Möbel, Gemälde und flämischen Gobelin von dort als Beutegut in die damalige Sowjetunion.
Nur einige Porträts von Familienmitgliedern und Urkunden blieben in Steinort zurück und wurden in das Allensteiner Museum bzw. Archiv gebracht. Eine Sonnenuhr aus dem Jahr 1741 steht heute im Hof des Herder-Museums (Muzeum im. J.G. Herdera. Oddział Muzeum Warmii i Mazur) in Mohrungen (Morąg).
1986 fand man - eingemauert in einem Kamin - einige Gegenstände (Porzellan, Gold und einen großen Gobelin) aus dem Besitz der Familie Lehndorff in der Burg Kriebstein, wo sie heute ausgestellt sind.

Zum Gut gehörte ein Jagd- und Forsthaus aus dem 19. Jahrhundert, das nach dem Krieg verfiel. Aleksander Potocki, Sohn des polnischen Grafen Władysław Potocki und der deutschen Journalistin Renate Marsch, kaufte und zerlegte es in seine Einzelteile und baute es im 80 Kilometer entfernten Galkowen (Gałkowo) wieder auf. In dem wunderschönen Holzhaus betreibt er heute eine Gaststätte.

Erste Sicherungsmaßnahmen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schlösschen als Verwaltungsschule eines staatlichen Landwirtschaftsbetriebes genutzt, der seinen Betrieb nach der politischen Wende in Polen 1989 einstellte. 1998 erwarb ein privates Yachtunternehmen das Schloss und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude. Die geplante Sanierung des historischen Bauwerks überforderte die Firma jedoch. Die Finanzen reichten gerade für eine grobe Renovierung des rechten Schlossflügels aus. Schließlich schenkte das Unternehmen 2009 das Anwesen der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, die nun bemüht ist, die erforderlichen Mittel für die Sanierung des Schlosses zu beschaffen. Die Bundesregierung beteiligte sich bereits mit 60.000 Euro an dem Vorhaben. Zwischen 2009 und 2016 konnte die Stiftung eine halbe Million privater Spenden und Födergelder für die notwendigsten Sicherungsmaßnahmen einsammeln. Eine Gruppe deutscher und polnischer Historiker, Architekten und Denkmalpfleger nahm auch Kontakt zu Heinrich Lehndorffs Tochter, Vera von Lehndorff, auf. Dieses in den 1960ern berühmte Model besuchte 2007 den ehemaligen Familiensitz zum ersten Mal seit der Vertreibung der Familie im Jahr 1944 wieder und möchte nun die Sanierung des Schlosses mit unterstützen. 2009 wurde am Schloss zudem anlässlich des 100. Geburtstages von Heinrich Lehndorff eine Gedenktafel enthüllt. An der Feier nahm die Enkelin des letzten Schlossherrn teil.

Etwa um diese Zeit kam die Idee auf, in Steinort eine Forschungsstätte einzurichten, die sich mit der wechselvollen Geschichte der Region auseinandersetzt. Doch ist bisher wenig passiert. Noch immer sind die Fenster mit Brettern vernagelt. Noch immer bröckelt der Putz von der Fassade und noch immer ragen vom Balkon an der vorderen Fassade nur ein paar Stahlträger in die Luft.

Paradies für Segler

Am Ufer des Steinorter Sees, unweit des Schlosses, gibt es eine bei Seglern sehr beliebte Marina mit mehreren Dutzend Liegeplätzen für Segel- und Motorboote. Der Hafen hat eine gut ausgebaute Infrastrukur mit modernen sanitären Einrichtungen. Auf dem Hafengelände befindet sich auch eine Gaststätte. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Schloss der Familie Lehndorff aus dem 17. Jahrhundert, kann nicht besichtigt werden
  • Barocker Schlosspark mit Eichen, die mehrere hundert Jahre als sind
  • Neogotische Grabkapelle der Familie Lehndorff im Schlosspark, geplündert und verfallen
  • Teehaus von 1812 im Schlosspark
  • Ein Speicher, der auf den Fundamenten eines Brauhauses aus dem Jahr 1693 errichtet worden ist
  • Yachthafen

Hotels

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Film über die Geschichte des Schlosses der Lehndorffs in Steinort und den Stand der Restaurierungsarbeiten.

Karte

Landkarte von Polen mit Steinort (Sztynort)

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Steinort (Sztynort), Polen12.11.2019 – 15:17 Uhr
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Wirtschaft

Touristmus, Landwirtschaft

Einwohner

ca. 170

  1. Deutsch-Polnische Stiftung - Informationen über Steinort

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