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Schlacht von Tarnow-Gorlice - Gründe für den Erfolg der Offensive

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Mehrere Faktoren waren für den Erfolg der Offensive verantwortlich. Diese liegen in den Unterschieden zwischen den Mittelmächten (insbesondere Deutschland) und dem russischen Zarenreich im Hinblick auf Dichte des Eisenbahnnetzes, der Ausrüstung und der Ausbildung der Truppen und der Menge und der Schnelligkeit des Nachschubs begründet.

Grabstein von sieben österreichisch-ungarische Infanteristen
Grabstein von sieben österreichisch-ungarische Artilleristen. Foto: Frank Hilbert

Die weit besseren Eisenbahnverbindungen erlaubten es den Mittelmächten, schnell Truppen zu konzentrieren. Damit war das Überraschungsmoment und die Überlegenheit vor Ort gesichert, da das russische Heer auf Grund des dünnen und weniger leistungsfähigen Eisenbahnnetzes seine Einheiten nur erheblich langsamer verstärken konnte. So verfügten die Mittelmächte im Raum Tarnow-Gorlice über eine Truppenüberlegenheit von zwei zu eins und eine Artillerieüberlegenheit von fünf zu eins. Zu den Eisenbahnverbindungen schreibt Churchill:

Die Zahl der Züge, die auf deutscher Seite Truppen nach Norden und nach Süden befördern können, ist wenigstens dreimal so groß wie auf russischer Seite. Der Vorteil, auf der 800 Meilen langen Front schnell Truppenverschiebungen von einem Flügel zum anderen vornehmen zu können, hat die Deutschen instand gesetzt, vernichtende Offensiven durchzuführen. Aus dieser wichtigen Tatsache ist der Ruhm Hindenburgs und Mackensens zum großen Teil begründet.

Die deutsche Überlegenheit bei der Eisenbahn und der Industrieproduktion sicherte weiterhin den laufenden Nachschub, den jede Armee bedarf schon für ihren bloßen Unterhalt einer großen Menge logistischer Güter. Dieser Bedarf steigt bei einer Offensive allein schon wegen des Munitionsverbrauchs exorbitant an. Genau in diesem Punkt lag eine weitere Schwäche der zaristischen Armee. Churchill weist in diesem Zusammenhang auf auf folgenden Umstand hin:

Während der ersten drei Kriegsmonate verfeuerten die Russen im Durchschnitt 45.000 Granaten am Tag. Die russische Industrie produzierte nicht mehr als 35.000 Granaten im Monat. Gegen Anfang Dezember 1914 waren kaum noch 300.000 Granaten, d.h. der Bedarf für eine Woche, von den anfänglich vorhandenen Reservebeständen vorhanden. Gerade als die russischen Heere den größten Bedarf für ihre Artillerie hatten, litten sie plötzlich schwer unter Munitionsmangel. Nicht weniger verderblich war der Mangel an Gewehren. Während der heftigen unaufhörlichen und regellosen Kämpfe der ersten drei Monate gingen von den vorhandenen 5½ Millionen Gewehren über eine Million Gewehre verloren, die genommen oder zerstört wurden. Gegen Ende des Jahres (1914) waren 1.350.000 Russen gefallen, verwundet oder gefangen. Die Kasernen des (russischen) Kaiserreichs waren voll von frischen Truppen. 800.000 ausgebildete Mannschaften konnten zur Front abrücken. Man konnte sie jedoch nicht bewaffnen. Die russischen Batterien waren verstummt; die Kopfstärke der Bataillone auf zwei Drittel ihres Sollbestandes zusammengeschmolzen. Viele Monate mochten noch ins Land gehen, bevor die Munitionsvorräte ergänzt werden konnten; noch längere Zeit war erforderlich, bis der tägliche Abgang an Gewehren ersetzt werden konnte. Inzwischen mußten die russischen Heere geschwächt und gelähmt die Rache ihrer Feinde erwarten und über sich ergehen lassen.

Des weiteren litt die zaristische Armee unter einer grundsätzlichen Schwäche, die in der Struktur der russischen Gesellschaft begründet war. Bereits in Friedenszeiten war die Zahl der Offiziere und Unteroffiziere im Verhältnis zu den Mannschaften verglichen mit westlichen Armeen erheblich schlechter. Dazu kam, daß das Unteroffizierskorps weder den Zusammenhalt noch die Professionalität aufwies, wie es bei westlichen Armeen der Fall war. Die hohen Offiziersverluste des Jahres 1914 wogen daher besonders schwer. Alle Armeen des 1. Weltkrieges hatten diesen Aderlaß zu verkraften, doch war die Fähigkeiten der westlichen Armeen zur Rekrutierung neuer Offiziere und Unteroffiziere unglich größer.

Als ein weiterer Faktor ist die unterschiedliche Entwicklung moderner Kampfesweisen an der West- und der Ostfront zu nennen. Im Westen trafen die mordernsten Armeen auf engstem Raum aufeinander. Unter diesen Voraussetzungen wurden dort Taktiken entwickelt, die den modernen Waffen angepaßt waren, weit schneller als im Osten. Die von West nach Ost verlegten deutschen Truppen brachten daher überlegene Kampftechniken mit. Churchill schreibt über die unterschiedlichen Gegebenheiten an West- und Ostfront:

Obwohl die Schützengräben im Osten anscheinend eine ununterbrochene Front bildeten, konnte man sie in keiner Weise mit der Front im Westen vergleichen. Die Entfernungen waren viel größer, die Verbindungen schlechter; die Linien waren auf beiden Seiten schwach besetzt und konnten durch einen entschlossenen Angriff eingebeult und durchbrochen werden. Wie konnten die Russen ihre Front fast ohne artilleristische Unterstützung und mit nur wenigen MG halten?.

Churchill berichtet, daß die bei Tarnow-Gorlice eingesetzte russische Armee des Generals Radko Dimitriev bis zu der Offensive der Mittelmächte keine Schwierigkeiten gehabt hatte, die ihr gegenüberliegende österreichische Armee in Schach zu halten. Um so schwerer wog, daß die russische Seite nicht erkannte, welcher Aufmarsch auf der anderen Seite stattfand. Hierzu Churchill:

Es wurde die größte Mühe darauf verwandt, vor den Russen zu verbergen, was für ein Sturm sich zusammenbraute. Alle deutschen Spähtrupps trugen österreichische Uniformen, und bis wenige Tage vor der Schlacht war General Dimitriev kaum bewußt, was ihm bevorstand. Noch weniger rechnete er mit dessen Umfang und Intensität. Die deutschen Stabsoffiziere, die auf die Hügel kletterten konnten die russischen Stellungen wie auf einer Karte ausgebreitet unter sich sehen. Da waren drei Reihen von mit Schießscharten versehenen Gräben, die über eine Abdeckung nach oben hin verfügten und eine einheitliche Verteidigungslinie bildeten. Die deutschen Spähtrupps fanden ganz andere Bedingungen vor als an der Westfront. Das Niemandsland nahm einen weiten Raum von drei- bis viertausend Yards ein, das bei Nacht gelegentlich  von Patrouillen durchstreift wurde und in dem die ortsansässige Zivilbevölkerung bei Tag ihre Felder bebaute. Dieser ländliche Frieden wurde lediglich durch sporadisches Gewehrfeuer und ein paar vereinzelte Granaten gestört. Als erstes hatte die Deutschen dafür gesorgt, daß die ortsansässige Bevölkerung entfernt wurde, so daß keine unerwünschten Zuschauer mehr da waren. Indessen wurden riesige Munitionslager angelegt. Es wurden 1.200 Geschosse für jede Feld- und 500 bis 600 für jede schwere Batterie angelegt.

Churchill zitiert eine von ihm nicht näher bezeichnete russische Quelle, die die Schwächen der russischen Truppen im Raum Tarnow-Gorlice wie folgt zusammenfaßt:

Unsere rechte Front mit ihrem großen Vorsprung hatte viele Schwachstellen. Die russische Armee war am Ende ihrer Kraft. Die ununterbrochenen Kämpfe in den Karpaten hatten sie schwere Verluste gekostet. Der Mangel an Offizieren und Mannschaften war in vielen Einheiten erschreckend. Unter diesen Umständen konnten die Truppen immer noch etwas gegen die Österreicher ausrichten, waren aber nicht dazu in der Lage, ernsthaften Druck eines energischen Gegners auszuhalten.

(Alexander Molter)

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Sehenswürdigkeit

Museum - Ausstellung von Erinnerungsstücken aus der Schlacht von Gorlice
ul. Wąska 7-9
38-300 Gorlice
Tel.: ś48 (0) 18 3522615
E-Mail: muzeum.pttk.gorlice@interia.pl

Karte

Gorlice - Museum Schlacht Tarnów-Gorlice, ul. Wąska 7-9, 38-300
Gorlice - Museum Schlacht Tarnów-Gorlice, ul. Wąska 7-9, 38-300 Gorlice (Google Maps)
  1. Einleitung Schlacht von Tarnów-Gorlice 1915
  2. Die Kriegslage im Frühjahr 1915
  3. Die Entscheidung für den Durchbruch bei Tarnow-Gorlice
  4. Die Kämpfe bei Gorlice
  5. Artillerievorbereitung
  6. Sturmangriff
  7. Das Schicksal der Stadt Gorlice
  8. Gründe für den Erfolg der Offensive
  9. Militärstrategische Folgen
  10. Politikstrategische Folgen
  1. Der Bericht eines britischen Militärbeobachters (mit Bild des dt. OB Mackensen)
  2. Karte mit dem Verlauf der Ostfront 1915
  3. Kurze Darstellung des Verlaufs der Schlacht von Tarnów-Gorlice mit Fotos

Anmerkungen

Literatur:
  • Rauchensteiner, Manfred: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg, Wien 1993
  • Stone, Norman: Gorlice-Tarnow, in: Enzyklopädie Erster Weltkrieg hrsg. von Gerhard Hirschfeld u.a., Paderborn u.a., 2003
  • Ders.: The Eastern Front 1914-1917, London u.a. 1975
  • Tile von Kalm, Oskar: Schlachten des Weltkrieges Bd. 30: Gorlice, Reichsarchiv (Hrsg.), Oldenburg i.O. 1930
  • Urbanski von Ostrymiecz, August: Conrad von Hötzendorf, Graz, Leipzig, Wien 1938.
  • Die Übersetzungen aus Churchill: The Unkown War und Hedin: Kriget mot Ryssland wurden vom Autor angefertigt.