Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Das Schicksal der Stadt Gorlice

» Zur Übersicht

Nicht nur Soldaten fielen den Kämpfen zum Opfer. Auch die Zivilbevölkerung, namentlich die Einwohner der Stadt Gorlice hatten unter der Offensive zu leiden. Diese Stadt war in großem Bogen von russischen Schützengräben umgeben.

Markt und Rathaus von Gorlice
Das Rathaus von Gorlice. Foto: Frank Hilbert

Die Schlachtengeschichte des Reichsarchivs rechtfertigt die Beschießung der Stadt Gorlice mit militärischer Notwendigkeit:

Für den Besitz von Gorlice selbst war Vorbedingung die Einnahme der westlich der Stadt weit vorspringenden Höhen und der von dieser Befestigungsgruppe durch Flankenfeuer gedeckten Höhenlinie nördlich Gorlice. Das Eindringen in das Gewirr der Stadt selbst aber mit starken Teilen erschien, um Kräftezersplitterung zu vermeiden nicht ratsam. Dagegen konnten aber erhebliche feindliche Reserven hier Aufstellung nehmen oder durch die Stadt gedeckt zum Gegenstoß vorgeführt werden. Starkes Artilleriefeuer mußte daher frühzeitig auch auf die Stadt gerichtet werden.

Im Folgenden wird die vernichtende Wirkung dieses Bombardements auf die Stadt geschildert:

Der ganze Westteil von Gorlice war ein Trümmerhaufen. Volltreffer hatten die Straßen aufgerissen und die Häuser zum Einsturz gebracht. An zahlreichen Stellen brannte es noch. Auch die im Ort aufgespeicherten großen Munitionsvorräte waren zum Teil in Brand geraten und verursachten dauernd Detonationen. Es war eine unerträgliche Hitze zwischen den Häuserzeilen. Schwelender Geruch von verbrannten Leichen und Pferdekadavern verpestete die Luft, die schon mit den rußigen Rauchschwaden der brennenden Petroleumvorräte geschwängert war. Je weiter man sich dem Stadtinneren näherte, um so zahlreicher kamen Trupps versprengter Russen zum Vorschein, warfen beim Anblick der Deutschen die Waffen fort und gaben sich gefangen. Zahlreiche Russen wurden auch mit mehr oder wenige Gewalt aus den Kellern herausgeholt, in die sie sich mit den Einwohnern vor der Beschießung geflüchtet hatten.

Am 5. Mai 1915, drei Tage nach Beginn der Offensive fuhr Sven Hedin auf dem Weg zur Front durch Gorlice.

Vor uns ist eine schwarze Wolke am Horizont zu sehen - das müssen die Ölquellen und -tanks in Gorlice sein, die die Russen vor drei Tagen anzündeten, als sie von Mackensens Truppen aus ihren hartnäckig verteidigten Stellungen daselbst hinausgeworfen wurden. Gorlice, das ich Ostern aus einiger Entfernung gesehen hatte, war nunmehr zum größten Teil zerstört, eine Stadt in Ruinen. Über leeren Mauern und Blechdächern, die wie zusammengefallene Zelte über ansonsten ausgebrannten Grundstücken lagen, erhob sich der Turm der ebenfalls zerschossenen Kirche. Viele Tote lagen noch immer auf den Straßen und in den Gassen, wo man überall Granattrichter und die Spuren der Sturzbäche von Trümmern sah, die auf die Häuser herabgeregnet waren. Wir fuhren hinaus zu der Ölraffinerie, wo mächtige, lodernde Flammen sich mit kohlrabenschwarzen Rauchwolken mischten. Es kochte, brodelte und krachte um diesen gewaltigen Brand herum, der in den ersten Nächten wohl die Gegend in weitem Umkreis beleuchtet haben dürfte

.

Auf dem Rückweg kommt er noch einmal durch die Stadt und beschreibt detailliert die Zerstörungen:

Auch jetzt bleiben wir noch einen Augenblick in Gorlice, dieser Stadt des Todes und der Zerstörung, wo alles in Ruinen liegt, und wo die Häuser, die noch stehen, ausgeplündert sind. Die Blechdächer wippen und schlagen im Wind wie Segel. Herrenlose Hunde streunen umher. Juden stehen in schwarzen Gruppen auf den Straßen und in den Gassen und unterhalten sich. Frauen und Kinder suchen in den Trümmerhaufen umher, ob einige ihrer Habseligkeiten der Vernichtung entgangen sind. Möbel liegen auf die Straße hinausgeschleudert da, und zerschlagenen Hausrat sieht man überall. Ein weißer oder farbiger Kachelofen ist alles, was von einem Holzhaus übrig geblieben ist. Intime Inneneinrichtungen wurden von den Granaten brutal entblößt. Eine einsame, niedergedrückte Frau sitzt gedankenverloren in einer einfachen Hütte, die zwar verschont geblieben ist, aber doch in einen Trödelladen verwandelt wurde - den das war alles, was von ihrem Haus geblieben ist. Ein Haus, das die Russen zur Aufbewahrung von Gewehrmunition verwendeten, wurde von einer Granate getroffen, so daß alles in die Luft flog. Zehntausende leerer Patronenhülsen lagen weit umher verstreut, alles geschwärzt und vom Staub der Explosionen bedeckt.

(Alexander Molter)

Hotels

Booking.com

Sehenswürdigkeit

Museum - Ausstellung von Erinnerungsstücken aus der Schlacht von Gorlice
ul. Wąska 7-9
38-300 Gorlice
Tel.: ś48 (0) 18 3522615
E-Mail: muzeum.pttk.gorlice@interia.pl

Karte

Gorlice - Museum Schlacht Tarnów-Gorlice, ul. Wąska 7-9, 38-300
Gorlice - Museum Schlacht Tarnów-Gorlice, ul. Wąska 7-9, 38-300 Gorlice (Google Maps)
  1. Einleitung Schlacht von Tarnów-Gorlice 1915
  2. Die Kriegslage im Frühjahr 1915
  3. Die Entscheidung für den Durchbruch bei Tarnow-Gorlice
  4. Die Kämpfe bei Gorlice
  5. Artillerievorbereitung
  6. Sturmangriff
  7. Das Schicksal der Stadt Gorlice
  8. Gründe für den Erfolg der Offensive
  9. Militärstrategische Folgen
  10. Politikstrategische Folgen
  1. Der Bericht eines britischen Militärbeobachters (mit Bild des dt. OB Mackensen)
  2. Karte mit dem Verlauf der Ostfront 1915
  3. Kurze Darstellung des Verlaufs der Schlacht von Tarnów-Gorlice mit Fotos

Anmerkungen

Literatur:
  • Rauchensteiner, Manfred: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg, Wien 1993
  • Stone, Norman: Gorlice-Tarnow, in: Enzyklopädie Erster Weltkrieg hrsg. von Gerhard Hirschfeld u.a., Paderborn u.a., 2003
  • Ders.: The Eastern Front 1914-1917, London u.a. 1975
  • Tile von Kalm, Oskar: Schlachten des Weltkrieges Bd. 30: Gorlice, Reichsarchiv (Hrsg.), Oldenburg i.O. 1930
  • Urbanski von Ostrymiecz, August: Conrad von Hötzendorf, Graz, Leipzig, Wien 1938.
  • Die Übersetzungen aus Churchill: The Unkown War und Hedin: Kriget mot Ryssland wurden vom Autor angefertigt.