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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Glatzer Land - Schädelkapelle in Czermna (Grenzeck)

Eine resolute Nonne steht vor einer Gruppe von Mädchen und Jungen. Sie zeigt auf den Schädel eines Tataren, der in der Knochenkapelle aufbewahrt wird. Der Krieger litt zu Lebzeiten an einem Unterbiss. „Das lag an der falschen Ernährung“, erzählt die Nonne den Kindern. „Wisst ihr, was er gegessen hat“, fragt sie. Ein Zusammenhang zwischen falscher Ernährung und Unterbiss ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Die Antwort aber kommt jedoch prompt. „Kaugummi“, ertönt es aus der Schülergruppe. Die Nonne schmunzelt.

Schädelkapelle in Grenzeck (Czmerna)
Altar der Schädelkapelle in Grenzeck. Fotos: Hilbert

Es ist Anfang Juni in Polen. Die Zeit der so genannten „Grünen Schule“ hat begonnen, die Zeit der Klassenausflüge. So stehen auch auf dem Parkplatz vor der Knochenkapelle einige Busse, die Schulklassen nach Czermna (Tscherbeney, 1937 in Grenzeck umbenannt) in der Nähe von Kudowa Zdrój (Bad Kudowa) gekarrt haben.

Die Wände der Kapelle sind mit gebleichten Schädeln und Knochen bedeckt. Im 18. Jahrhundert kamen der Pfarrer Tomaschek (Tomaszek) und der Totengräber Langner auf die Idee, die sterblichen Überreste von 24.000 Pestopfern aus dem 17. Jahrhundert und Gefallenen aus dem Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763, auch Dritter Schlesischer Krieg genannt) in der Kapelle aufzustapeln. Ein Angestellter öffnet eine Luke im Fußboden. Die Schüler stellen sich um die Öffnung und schauen schweigend und erstaunt auf einen Knochenberg in der Krypta. Zwei Meter ist er hoch. Die Pest hat 80 Prozent der Bevölkerung im Glatzer Land dahingerafft.

Unter den Knochen gibt es eine ganze Reihe anatomischer Kuriositäten. Die Nonne zeigt den Schülern einen Oberschenkelknochen mit einem Loch. Ein glatter Durchschuss. Ein anderer Oberschenkelknochen ist nach einem Bruch falsch zusammengewachsen. „Das Bein, zu dem dieser Knochen gehörte, war ungefähr 15 Zentimeter kürzer als das andere“, erzählt die Nonne.

Die Führung für die Schüler ist beendet. Alle verlassen die kleine Kapelle und das Tor wird verschlossen, bis die nächste Schüler- oder Touristengruppe kommt. Vor der Türs cheint die Sonne. Gegenüber der Kapelle sitzen Schüler aus Ungarn und zeichnen die Kapelle und den daneben stehenden Glockenturm aus dem Jahr 1603. Ein junger Lehrer geht von Schüler zu Schüler, begutachtet die Zeichnungen und gibt Tipps.

Freilichtmuseum bei Grenzeck
Freilichtmuseum bei Grenzeck.

Deutsche Rentner verschwinden gerade in der St.-Bartholomäus-Kirche (1776). An den Wänden hängen nur einige wenige Bilder, sodass der Innenraum der Kirche bei den Besuchern einen offenen und hellen Eindruck hinterlässt. Zwischen den Gräbern auf dem Friedhof hinter der Kirche bewegt sich ein deutsches Ehepaar. „Du musst auf die Sterbedaten schauen“, weißt sie ihren Mann an. Beide sind um die 70 Jahre alt und scheinen „Heimwehtouristen“ zu sein. So nennt man die Deutschen, die nach Polen kommen und nach den Spuren ihrer Jugend oder ihrer Vorfahren suchen, die in Polen bis zum Ende des II. Weltkrieges lebten.

Neben der Kasse, an der Besucherdie Eintrittskarten für die Schädelkapelleund Andenken kaufen können,wurde eine unscheinbare Erinnerungstafel mit Fotos von Gerhard Hirschfelder angebracht, der zwischen 1935 und 1939 Kaplan in Grenzeck war und 1942 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit (Er war Jugendseelsorger des Generalvikariats Glatz.) und seiner regimekritischen Äußerungen in seinen Predigten denunzierte der NS-Ortsgruppenleiter von Grenzeck den Pfarrer bei den Nazis. Ein Verfahren gegen Hirschfelder wurde im Mai 1938 infolge des Straffreiheitsgesetzes eingestellt. Im Juli 1941 prangerte Hirschfelder in einer Predigt die mutwillige Zerstörung eine Marienbildstocks in Halberschwerdt an. Daraufhin verhaftete ihn die Gestapo und deportierte in das Konzentrationslager Dachau, wo er am 1. August 1942 an Entkräftung starb. Auf seinem Totenschein wurde als Todesursache eine "Rippenfellentzündung" eingetragen. Seine Urnewurde in Grenzeck beigesetzt. (fh)

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Grenzeck (Czermna), Polen24.10.2017 – 07:37 Uhr
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Sehenswürdigkeit

Schädelkapelle (Kaplica czaszek)
Tadeusza Kościuszki 12
57-350 Kudowa-Zdrój - Czermna
Tel.: +48 (0) 74 8661433
E-Mail: czermna@kudowa.zdroj.pl
Internet: czermna.pl

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Grenzeck (Czermna) - Schädelkapelle, Tadeusza Kościuszki 12, 57-350
Grenzeck (Czermna) - Schädelkapelle, Tadeusza Kościuszki 12, 57-350 Kudowa-Zdrój - Czermna (Google Maps)