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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Riesengebirge – Arnsdorf (Miłków)

Am Fuße des Riesengebirges, nicht weit von Krummhübel (Karpacz) entfernt am Fluss Lomnitz, liegt der kleine Ort Arnsdorf (Miłków). Bekannt wurde er als ein Zentrum der Laboranten, die in den Bergen Kräuter sammelten und aus ihnen verschiedene Arzneien herstellten.

Obstbäume und Gänseblümchenwiese in Arnsdorf (Miłków) im RiesengebirgePolen Fotos
Die Reste der einstigen evangelischen Kirche, die im Barockstil errichtet und gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Fotos: Frank Hilbert

Es ist ein sonniger Frühlingstag in der Karwoche. An den Bäumen spießen die Blätter in einem zarten Grün und die Kirchbäume stehen in voller Blütenpracht. Meine Wanderung führt mich von Krummhübel, vorbei an der St. Annen Kapelle in Seidorf, hinab nach Arnsdorf. Kurz bevor ich mein Ziel erreiche, lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei in das Tal, in dem Arnsdorf liegt. Arnsdorf ist eine Ansammlung von kleineren Häusern, zwei Kirchen, einer Feuerwache und einem neobarocken Schloss. Hinter einem einfachem grau verputzten Haus erstreckt sich ein ausgedehnter Garten mit alten Obstbäumen. Ein junger Mann hat gerade seinen elektrischen Rasenmäher angeworfen und beginnt damit, die mit Gänseblümchen übersäte Wiese abzumähen. "Schade um die wunderschön Wiese", schreie ich ihm durch den Lärm des Rasenmähers zu. Der Mann stutzt, schaut sich um und schaltet seinen Rasenmäher aus. Ich gehe, ohne noch ein Wort mit ihm zu wechseln, weiter. Als ich mich nach einigen Metern umdrehe, sehe ich, wie er das Elektrokabel seines Rasenmähers aufwickelt. Die bunt blühende Wiese ist für das Osterwochenende gerettet, freue ich mich.

 

Arnsdorf – ein Zentrum der Kräutersammler

Gegründet wurde Arnsdorf im 13. Jahrhundert von Siedlern aus Thüringen und Mittelfranken. Vielleicht gab es hier auch schon vorher slawische Siedler. Zuerst nannten die Menschen, die hier lebten, ihren Ort Arnoldi Villa, was soviel heißt wie das Dorf des Arnoldi. Arnold war der Vogt. Aus dieser ursprünglichen Bezeichnung entwichelte sich über mehrere Stufen der Name Arnsdorf.
Lebensgrundlage für die Menschen war die Landwirtschaft. Später, im 17. Jahrhundert, entwickelte sich Arnsdorf zu einem Zentrum der Kräutersammler (Laboranten). Sie verkauften Arzneien, die sie aus Kräutern herstellten, und gelangten so zu einem gewissen Wohlstand. Durch eine Gewerbeordnung, die unter der Herrschaft des Königs von Preußen Wilhelm III. (1770 – 1840) erlassen worden war, verloren die Arnsdorfer das Privileg zur Herrstellung von Arzneien. Abgemildert wurde der Verlust des Privilegs durch einen Bestandschutz, das den aktiven Laboranten das Recht einräumte, ihre Tätigkeit bis an ihr Lebensende (ad dies vitae) auszuführen.

Bergführer und Sänftenträger

Zu dieser Zeit entwickelte sich im Riesengebirge bereits der Fremdenverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Viele Arnsdorfer lebten von den Einnahmen, die sie durch den Fremdenverkehr erzielten. Sie arbeiteten als Bergführer oder als Sänftenträger. Ihre Zahl wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts so groß, dass 1822 in Krummhübel und Arnsdorf Bergführerausweise eingeführt wurden. Die Entlohnung der Bergführer und Sänftenträger wurde in den Landratsverordnungen festgelegt. Einen weiteren Aufschwung erlebte der Fremdenverkehr, nachdem Arnsdorf 1895 an das Netz der Riesengebirgsbahn angeschlossen worden war, die zwischen Erdmannsdorf (Mysłakowice) und Krummhübel verlief. Ganz am Rande sei nur erwähnt, dass die Bahnstrecke im Jahr 2000 stillgelegt worden ist.
Beliebt soll Arnsdorf bei den Sommerfrischlern und Wintertouristen vor allem wegen seiner landschaftlichen Reize gewesen sein. In dem Buch "Sommerfrische Arnsdorf", 1812 herausgegeben vom Orts- und Verkehrsverein, werden sie besonders ausführlich und detailliert beschrieben:

Seine wachsende Bedeutung verdankt der Ort nicht einer künstlichen Reklame, sondern lediglich seinen natürlichen Vorzüge, vor allem seiner freundlichen Lage am Ausgange der romantischen Lomnitztäler. Während der untere Teil des Dorfes freiliegt, verbirgt sich der obere, der sogenannte 'Dittrich', zwischen bewaldeten Höhen. Wälder drängen sich von drei Seiten heran, zudem schmiegt sich ein Netz guter Wege um den Ort. Vom Kaiser-Friedrich-Denkmal bietet sich ein imposanter Blick auf das Hochgebirge. So ist Arnsdorf eine Sommerfrische geworden, vornehmlich für solche, die an den Reizen der Vorberge und deren stillen Wäldern genug Gefallen finden. Da jedoch Arnsdorf vor der Mitte des östlichen Vorgebirges liegt, so ist es möglich, von hier aus auch die größeren Partien nach dem Hochgebirge in je einem Tage auszuführen.
Sühnekreuze in Arnsdorf (Miłków)
Sühnekreuze an der Mauer der Hedwigskirche in Arnsdorf (Miłków).

Sühnekreuze

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die St. Hedwigskirche (Kościół pw. św. Jadwigi), deren Ursprünge bis in das Mittelalter zurückreichen. Heute vereint sie verschiedene Baustile: Ein Portal ist gotisch und stammt aus dem 15. Jahrhundert, das zweite Portal entstand 1543 im Stil der Renaissance, genauso wie das Kirchengestühl. Der gotische Turm wurde 1875 errichtet. Im Inneren gibt es noch Holzfiguren aus dem 15. Jahrhundert. Die Altare, die Orgel, Heiligenbilder und der Taufstein sind dagegen barock oder klassizistisch. Die Kirchenglocke gossen Glockengießer 1794. Historisch besonders wertvoll sind Grabsteine von Kräutersammlern aus Krummhübel, die an der Außenmauer der Kirche hängen.
Eine Besonderheit sind drei Sühnekreuze (14. – 16. Jahrhundert). Mörder hatten sie an der Stelle ihrer Untaten aufgestellt. Später hat man sie in die Friedhofsmauer der St.-Hedwig-Kirche eingemauert.

Wenige hundert Meter von hier entfernt stehen die Reste der evangelischen Kirche. Die Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert, die 1863 einen Turm erhielt, wurde 1945 verwüstet. Erhalten geblieben sind lediglich die Außenmauern und der Kirchturm. Trotz der Zerstörungen kann man in der Architektur Elemente erkennen, die typisch für evangelische Kirchen Niederschlesiens in der friderizianischen Zeit (ausgehendes 18. Jahrhundert) sind. Hinter den Kirchenruinen stehen und liegen nebeneinander Grabsteine aus Granit. Auf ihnen sind deutsche Name eingemeißelt: Christiane Langner, Agnes Krahn und der Name des Sattlers Alfred Heisig.
Unter den den polnischen Gräber fällt dagegen die Inschrift auf dem Grabstein von Alexander Stępien auf. Sie informiert darüber, dass er während des Zweiten Weltkrieges im 2. Korps von General Władysław Anders (1892 – 1970) gekämpft hat. Das 2. Korps war der 8. britischen Armee als unabhängiger Teil unterstellt und nahm unter anderem an der verlustreichen Schlacht um Monte Casino in Italien teil.

Fährt man – von Krummhübel kommend – durch Arnsdorf, fällt auf der linken Seite ein Schloss auf, das einmal der Familie von Matuschk gehörte. Erbaut wurde es 1667 von Karl Heinrich von Zierotin. Heute befindet sich in dem neubarocken Palais, dass von einem kleinen Park umgeben ist, ein Hotel und ein Restaurant.

Vor dem Krieg konnte Arnsdorf sich noch rühmen, das erste Kaiser-Friedrich-Denkmal im Deutschen Reich besessen zu haben. Es existiert aber nicht mehr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß Arnsdorf bis 1946 Hlondów. 1946 wurde der Ort unterhalb von Krummhübel in Miłków umbenannt. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • St. Hedwigskirche, errichtet im Mittelalter, vereint verschiedene Baustile, Grabsteine von Kräutersammlern an der Kirchenmauer und in die Friedhofsmauer eingemauerte Sühnekreuze von Mördern, Geodaten: 50.809064, 15.760556
  • Ruine der evangelischen Kirche, barocker Kirchenbau, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, daneben Friedhof mit deutschen und polnischen Gräbern, Geodaten: 50.808862, 15.762390
  • Neobarockes Schloss, das heute ein Hotel ist, kleiner gepflegter Park, Geodaten: 50.810537, 15.760995

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Arnsdorf (Miłków), Polen02.12.2020 – 10:38 Uhr
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