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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Rastenburg (Kętrzyn) in Masuren

Eine Metropoloe ist Rastenburg nicht. 28.000 Menschen leben hier. Es gibt eine Ordensburg und eine Wehrkirche aus dem Mittelalter, Neubauten aus der sozialistischen Zeit Polens und viel Platz für Grünflächen zwischen den Häusern. Rastenburg, das heute Kętrzyn heißt, liegt am westlichen Rand der masurischen Seenplatte. Seine Geschichte reicht bis in die Zeit der Pruzzen zurück und ist eng mit der des Deutschen Ordens verknüpft.

Ordensburg in RastenburgPolen Fotos
Ordensburg in Rastenburg in Masuren. Fotos: Frank Hilbert

Ende des 13. Jahrhunderts besetzte der Deutsche Orden die Gegend, in der der pruzzische Stamm der Barten lebte. Am Ufer des Flusses Guber errichteten die Ordensritter eine hölzerne Burg anstelle einer pruzzischen Siedlung, die den Namen "Rast" trug, was soviel wie "Pfahl" bedeutet. Die Ordensritter übernahmen den Namen und wandelten ihn in Rastenburg um. Die Burg erfüllte mehrere Funktionen. Sie war der Sitz des Pflegers der Komturei Balga, diente als Ausgangspunkt für weitere Siedlungsaktionen in Richtung Osten, war Grenzposten gegen die Litauer und sollte als Teil einer Burgenkette, die von Ragnit bis nach Osterode führte, Angriffe aus Litauen und Polen abwehren.

Neue Ordensburg aus Ziegelsteinen

Schnell erwies sich die hölzerner Verteidigungsanlage als unzureichend. Litauische Krieger fielen in das Ordensland ein und brannten sie 1345 und 1348 nieder. Eine neue Wehranlage musste her, größer und stärker befestigt. Sie musste auch der Siedlung Schutz bieten, die inzwischen um die Burg herum entstanden war. In der Mitte des 14. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten. Es entstand eine Burg, gemauert aus Ziegelsteinen, die einen Grundriss von 31 mal 37 m hatte, turmlos und in die Stadtmauer integriert war. In ihr Inneres gelangte man über eine Zugbrücke von der Stadtseite her. Neben der Stadtmauer war Rastenburg auch von einem Graben umgeben, der sich mit Wasser aus dem Rastenburger See und der Guber speiste.
1359 verlieh Komtur Henning Schnindekopf (1330-1370) Rastenburg das Stadtrecht. 

Schuster erhoben sich gegen den Orden

Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454 - 1466), in dem die preußischen Stände gegen den Deutschen Orden opponierten, schlugen sich die Stadtbewohner auf die Seite der Aufständischen, besetzten die Burg und töteten den Ordenspfleger Wolfgang Sauer auf grausame Weise. Es war Winter und der Mühlenteich unterhalb der Ordensburg zugefroren. Die aufständischen Bürger schlugen ein Loch in die Eisdecke und schoben den Ordenspfleger unter das Eis.
Redelsführer waren Mitglieder der Schusterzunft. Pech nur, dass Rastenburg nach dem Zweiten Thorner Frieden, der 1466 geschlossen wurde, im Herrschaftsbereich der Ordensritter verblieb. Der Orden bestrafte die Schuster, indem er sie aus dem Stadtrat ausschloss. 1525 wurde der Deutsche Orden säkularisiert. Rastenburg lag nun im Herzogtum Preußen.

Nicht weit von der Burg entfernt steht die St. Georgskirche von 1407 mit ihrem 48 m hohen Wehrturm. Sie ist die einzige gotische Ziegelkirche in Masuren. Im Krieg wurde sie zerstört und nach 1945 wiederaufgebaut. Nur einige wenige Ausstattungsgegenstände der Kirche sind erhalten geblieben. Zu ihnen gehören drei eingemauerte Grabplatten im Südschiff und der Hochaltar von 1609.

Im 14. Jahrhundert stand die Burg in der südöstlichen Ecke der Stadt, die St. Georgskirche markierte die Südwestecke. Beide Gebäude liegen nur etwa 200 m weit voneinander entfernt. Die Stadt war also überschaubar. 1422 bestand sie aus 46 Häusern, 27 in der Alt- und 19 in der Neustadt. 1785 lebten 2.000 Menschen in 351 Wohnhäusern. Trotzdem galt Rastenburg bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts als die reichste Stadt im Herzogtum Preußen, nach Königsberg und Memel. Das sagt viel über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Herzogtums aus. Sie kann nicht groß gewesen sein. Rastenburg blieb in der Ordenszeit und darüber hinaus ein Verwaltungszentrum und ein Zentrum des Militärs. Seit 1626 war hier das Grenadier-Regiment stationiert, das älteste preußische Regiment.
In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bauten die Rastenburger ihre Infrastruktur aus: 1867 wurde die Stadt an das Eisenlinie Königsberg - Prostken angeschlossen. 1899 nahm eine Gasanstalt ihren Betrieb auf, 1900 konnte das Fernsprechnetz fertiggestellt werden, und seit 1908 gibt es eine Kanalisation.
Das Wirtschaftsleben prägten Handwerks- und Gewerbebetriebe. Gegen Ende der deutschen Zeit 1945 zählten eine Zuckerfabrik, die Eisen- und Glockengießerei der Gebrüder Reschke und eine Brauerei zu den größten Betrieben.
Im sozialistischen Polen produzierte ein Betrieb Föne und Thermoventilatoren. 1995 übernahm der Elektrokonzern Philips den Betrieb und stellt hier Leuchtmittel her.

St. Georgskirche in Rastenburg (Kętrzyn)
Die St. Georgskirche.

Ein eigenes Kapitel in der Stadtgeschichte stellt die Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg dar. Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) verloren. Die Siegermächte verpflichteten es im Versailler Vertrag (1919), seine Armeen radikal zu verkleinern. In der Garnisonsstadt Rastenburg wurden in Folge dieser Bestimmungen die Kasernen geschlossen. Ein herber Schlag für die regionale Wirtschaft. Erst 1935, nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht durch die Nationalsozialisten, zogen wieder Soldaten in die leerstehenden Rastenburger Kasernen ein.
Auch litt die ostpreußische Wirtschaft unter der neuen Grenzziehung. Der Versailler Vertrag bestimmte die Wiederherstellung des polnischen Nationalstaates. Gleichzeitig erhielt Polen mit dem sogenannten "Polnischen Korridor" einen Zugang zur Ostsee, der Ostpreußen vom restlichen Reichsgebiet trennte. Durch die neuen Grenzen verlor Ostpreußen seine traditionellen Absatzmärkte für seine landwirtschaftlichen Produkte. Der Transport von Waren durch den "Korridor" verlief zudem nicht reibungslos, weil sich Deutschland und Polen ständig über die Transitgebühren stritten. Um dem wirtschaftlichen angeschlagenen Ostpreußen zu helfen, legte die Reichsregierung in Berlin in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Hilfsprogramme mit dem Ziel auf, die Wirtschaft anzukurbeln. In Rastenburg wurde in dieser Zeit der Bau von Wohnungen und Schulen subventioniert und ein Stromnetz mit staatlicher Hilfe verlegt. Erst durch ein gigantisches Rüstungsprogramm, das die Nationalsozialisten unter Verletzung des Verailler Vertrages starteten und mit dem sie sich auf den Zweiten Weltkrieg vorbereiteten, konnte sich die deutsche Wirtschaft erholen. In Rastenburg herrschte beinahe Vollbeschäftigung. Den Preis, den die Menschen in der Stadt ein paar Jahre später dafür zahlen mussten, war sehr hoch: Verlust der Heimat durch Flucht und Vertreibung.

Die wenigen Rastenburger Juden (1933 waren es gerade einmal 117.) sahen sich seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 einem wachsenden Antisemitismus ausgesetzt und verließen deshalb die Stadt. Bis 1940 löste sich die jüdische Gemeinde vollständig auf. Ihre "Neue Synagoge", die während des Ersten Weltkrieges eröffnet wurde, zerstörten die Nationalsozialisten in der Reichskristallnacht 1938. Erhalten geblieben ist dagegen die "Alte Synagoge" am einstigen Rollberg, heute ul. Zjazdowa 9.

 

1945 wurde Rastenburg verwüstet. 50 Prozent der Häuser lagen in Schutt und Asche. Von der Burg standen nur noch die Außenmauern. Die Rote Armee hatte die Stadt zwar kampflos und beinahe unversehrt eingenommen. Aber Rotarmisten der Nachhut zündeten am 31. Januar 1945 die Innenstadt an. In den 1960er Jahren begann die nun polnische Stadt mit dem Wiederaufbau der Burganlage, der am Ende sieben Millionen Zloty kostete. Dabei orientierten sich die Restauratoren am Aussehen der Burg im Mittelalter und nicht an dem vor dem Zweiten Weltkrieg. Wiedereröffnung war im April 1967. In der Burg befindet sich heute das Rastenburger Heimatmuseum.
Nach dem Krieg stellten die Alliierten Rastenburg unter polnische Verwaltung. Zunächst behielt die Stadt ihren alten Namen, wenn auch in der polnischen Variante "Rastembork". Ihren heutigen Namen bekam sie am 7. Mai 1946. Namensgeber war der Historiker und Verfechter der masurischen Kultur und Sprache Wojciech Kętrzyński (1838-1918).

Wolfsschanze

Eine Sehenswürdigkeit, die jährlich tausende Besucher anzieht, liegt nur neun Kilometer von der Stadt entfernt. Es ist die Wolfsschanze. Sie diente mit ihren Bunkern zwischen 1940 und 1944 als "Führerhauptquartier" (FHQ) für den deutschen Reichskanzler und Dikator Adolf Hitler. Deutsche Pioniere sprengten die Bunker am 24. Januar 1945, bevor die Rote Armee eintraf.
Bekannt geworden ist die Wolfsschanze durch das Attentat auf Hitler, das der Offizier Claus Graf Schenk von Stauffenberg am 20. Juli 1944 während einer Lagebesprechung in der Wolfsschanze verübte und das den Startschuss zu einem Umsturzversuch in Berlin gab. Hitler überlebte, und der Umsturzversuch scheiterte. Die Reste der Wolfsschanze können besichtigt werden.

Freimaurertempel

Normalerweise ist der Zutritt in Freimaurertempel für Nichtmitglieder verboten. Deshalb wird für Interessierte der Besuch des Logengebäudes "Drei Thore des Tempels" ein besonderes Erlebnis sein. Erbaut wurde es 1860 nach Plänen des Architekten Martin Modricker im neogotischen Stil. Die Ähnlichkeit des Hauses mit englischen Schlössern ist nicht zufällig. Modricker hat sich bei seinem Entwurf an der englischen Spätgotik orientiert.
Die Nationalsozialisten lösten die Rastenburger Loge auf und enteigneten sie. 1999 wurde das Gebäude restauriert, und die Arno-Holz-Gesellschaft für polnisch-deutsche Verständigung zog ein. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Burg Rastenburg, plac Zamkowy 1
  • Kirche St. Georg (Kościół pw. św. Jerzego), ul. Zamkowa 5
  • Rathaus, neogotisch, errichtet zwischen 1885 und 1886, Plac marsz. Józefa Piłsudskiego 1
  • Freimaurerlogenhaus „Drei Thore des Tempels”, erbaut 1860 bis 1864 im neogotischen Stil, heute Deutsch-polnisches Arno-Holz-Kulturzentrum (Polsko-Niemieckie Centrum kultury im. Arno Holza), ul. Adama Mickiewicza 1
  • Neogotische Katharinenkirche (Parafia rzymskokatolicka św. Katarzyny), erbaut zwischen 1895 und 1896), ul. Powstańców Warszawy 5
  • Reste der Stadtmauer
  • Die Alte Synagoge kann nur von außen besichtigt werden, ul. Zjazdowa 9
  • Evangelische Kirche St. Johannes (Kościół ewangelicko-Augsburski św. Jana), schmuckloser Bau aus dem Jahr 1817 ohne Kirchenturm, die Ursprünge des Gebäudes reichen bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, steht direkt neben der Kirche St. Georg, ul. Zamkowa 5
  • Gestüt (Stado Ogierów), seit 1877, ul. Bałtycka 1
  • Reste eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg, Rondo Solidarności
  • Führerhauptquartier Wolfsschanze, ca. 9 km von Rastenburg entfernt, Gierłoż, 11-400 Kętrzyn

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Landkarte von Polen mit Rastenburg (Kętrzyn)

Wetter

Rastenburg (Kętrzyn), Polen12.11.2019 – 22:33 Uhr
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RastenburgWetter Polen7.57 °CLuftfeuchte: 86%
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Wirtschaft

Tourismus

Einwohner

28.351 (Stand 2005)

Sehenswürdigkeit

Museum Wojciech Kętrzynski (Muzeum im. Wojciecha Kętrzyńskiego) in der Ordensburg
pl. Zamkowy 1
11-400 Kętrzyn
Tel.: +48 (0) 89 7523282
E-Mail: mwk@muzeum.ketrzyn.pl
Internet: www.muzeum.ketrzyn.pl

Touristeninformation

Punkt informacji turystycznej i promojki miasta Kętrzyn
Plac marszałka Józefa Piłsudskiego 10
11-400 Kętrzyn
Tel.: +48 (0) 89 7514765
E-Mail: it@it.ketrzyn.pl
Internet: www.it.ketrzyn.pl

  1. www.miastoketrzyn.pl

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