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Ermland und Masuren - Wormditt (Orneta)

Wormditt (Orneta) geht auf eine alte prußische (pogesanische) Burg und Siedlung namens "Wurmedythin" zurück. Der Name bedeutete in der Sprache der Prußen "das Feld". 1251 wurde der Ort vom Deutschen Ritterorden erobert, der ihn alsbald den ermländischen Bischöfen schenkte.

Rathaus von Orneta Polen Fotos
Marktplatz und Rathaus von Wormditt (Orneta) im Ermland. Fotos: Frank Hilbert

Wie im übrigen Ermland blieben auch hier die prußischen Einwohner vor der Missionierung des Ordens mit dem Schwert nicht verschont. Nach der Ausrottung der Prußen warb man schlesische Bauern an, sich in der entvölkerten Region niederzulassen. Wormditt (Orneta) war neben Guttstadt (Dobre Miasto) und Heilsberg (Lidzbark Warmiński) die Stadt mit den meisten schlesischen Kolonisten im Ermland. (Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde hier die sog. "Breslauische Mundart" gesprochen.)

Wormditt auf Seiten des Preußischen Bundes

Orneta wurde 1308 erstmals urkundlich erwähnt, erhielt 1312 die Handfeste und war bis zur Fertigstellung der Burg Heilsberg Mitte des 14. Jahrhunderts bischöfliche Residenzstadt. Während des Dreizehnjährigen Krieges (1456 bis 1466) kämpfte Orneta auf Seiten des mit Polen verbündeten Preußischen Bundes gegen den Deutschen Orden und hielt im Jahr 1459 die Belagerung durch den Orden stand. Seit der Unterzeichnung des Thorner Friedens (1466) gehörte Orneta als Teil Polnisch-Preußens zu Polen.

Im Jahr 1627 - im Zuge der polnisch-schwedischen Kriege - besetzten schwedische Truppen vorübergehend die Stadt. Eine erneute schwedische Besatzung in den Jahren 1707-1709 brachte der Dritte Nordische Krieg (1700-1721). Nach der ersten Teilung Polens im Jahr 1772 wurde Orneta zusammen mit dem übrigen Ermland von Preußen annektiert.

Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als es an die Eisenbahnlinie nach Allenstein, Heilsberg und Königsberg angeschlossen wurde.

Front zog an Wormditt vorbei

Einem glücklichen Umstand hat die Stadt zu verdanken, dass ihre Originalbebauung die verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs fast unbeschadet überdauert hat: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wälzte sich die Front nur wenige Kilometer an Orneta vorbei. Der benachbarte Ort Mehlsack - poln. Pieniężno - hatte weniger Glück, geriet unter einen heftigen Beschuss der sowjetsichen Armee und wurde dem Erdboden gleich macht.

Foto von der Pfarrkirche St. Johann in Wormditt (Orneta)
Die mittelalterliche Pfarrkirche St. Johann. Das Wellblechparadies stammt aus der jüngeren Neuzeit.

Zu den bedeutendsten und wertvollsten Sehenswürdigkeiten Ornetas gehören die aus dem 14. Jahrhundert stammende Johanniskirche, eine dreischiffige gotische Basilika (nach dem Frauenburger Dom die älteste Kirche Ermlands), der malerische, von zahlreichen Laubenhäusern umgebene Marktplatz mit dem gotischen Rathaus sowie die Fundamente und Kellergwölbe der Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert, die sich heute unter dem Gebäude einer Schule befinden.

Rittersage

Im städtischen Park befindet sich die Skulptur eines Lindwurms, des Basilisk (poln. Bazyliszek), der sich in seinen eigenen Schwanz beißt. Der Lindwurm ist auch auf dem Stadtwappen abgebildet. Einer Sage nach soll einmal in Orneta ein böser und gefräßiger Lindwurm gelebt haben, dem zahlreiche Tiere und Menschen zum Opfer fielen, bis es einem tapferen Ritter schließlich gelang, den Lindwurm zu töten und die Stadt zu retten.

Wer Zeit und Lust hat, sollte einen Ausflug zu der nur 3 km nordöstlich von Orneta gelegenen Wallfahrskirche von Krossen (Krosno). Dieses barocke Schmuckstück, recht einsam zwischen weiter Flur und dichten Wäldern versteckt, wurde 1720 erbaut darf mit Fug und Recht als kleine Schwester der berühmten Wallfahrtskirche in Heiligelinde (Święta Lipka) bezeichnet werden. Seit 1991 bemüht sich die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, die Wallfahrtskirche und die benachbarte Abtei mit polnischen und deutschen öffentlichen Mitteln zu restaurieren. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Gotisches Rathaus aus dem 15. Jahrhundert mit Hakenbuden (Markhäuser), Adresse: Plac Wolności 26
  • St.-Johannes-Kirche (Parafia św. Jana Chrzciciela): Die gotische Pfarrkirche wurde zwischen 1338 und 1349 errichtet. Adresse: ul. Kościelna 3
  • Markplatz mit Laubenhäusern: Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Adresse: Plac Wolności
  • Bischofsburg: Errichtet im 14. Jahrhundert, wurde sie im 18. Jahrhundert umgebaut. 1890 ließen die Stadtväter die Burg abreisen und bauten auf ihren Fundamenten und Gewölben eine Schule. Die Gewölbe unter der Schule können aber nicht besichtigt werden. Adresse: ul. Zamkowa 26
  • Neue Synagoge: Die Inneneinrichtung wurde in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zerstört. Das Gebäude blieb aber erhalten und ist heute ein Wohnhaus. Errichtet wurde die Synagoge 1890. Juden siedelten sich im 19. Jharhundert zum ersten Mal in Wormditt an, sieht man einmal davon ab, dass kurzzeitig auch im 14. Jahrhundert Juden hier lebten. Die Stadt gehörte damit zu den ersten im Ermland mit einer jüdischen Gemeinde. 1870 lebten in Wormditt 180 Juden. Ihre Synagoge stand in der Liebstädter Straße, die 1890 durch einen Neubau in der Kopernikusstraße ersetzt wurde. 1933 zählte die jüdische Gemeinde noch 45 Mitglieder. 1941 wurden die noch in der Stadt lebenden Juden nach Allenstein (Olsztyn) zwangsumgesiedelt. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Adresse: ul. Kopernika 28
  • Reste der historischen Stadtmauer
  • Nikolaikirche (Cerkiew św. Mikołaja): Die frühere evangelische Kirche wurde 1830 nach Plänen des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) im klassizistischen Stil errichtet. Der Turm entstand aber erst zwischen 1905 und 1906. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Ukrainer nach Orneta, die aus dem Südosten Polens stammten und im Zuge der Aktion "Weichsel" ihre Heimat verlassen mussten. Sie griechisch-katholischen Glaubens und übernahmen die Kirche. Hinter der Kirche ist der evangelische Friedhof erhalten geblieben. Nur auf einzelnen Grabsteinen wurden die Inschriften zerkratzt. Adresse: aleja Wojska Polskiego 10
  • Skulptur des Lindwurms: Der Lindwurm ist Teil Stadtwappens. Adresse: ul. Mickiewicza 1
  • Schiffsanker der M. S. "Orneta": Das Frachtschiff befuhr zwischen 1967 und 1986 die Weltmeere. Patin des Schiffes war Janina Racinowa, die Direktorin des Allgemeinbildendes Lyceums in Orneta. Adresse: Plac Wolności
  • Römisch-katholische Pfarrkirche der Heimsuchung der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Josef, in Krosno bei Orneta

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Wormditt (Orneta), Polen19.04.2021 – 15:27 Uhr
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