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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Lublin - die Burg

Die Burg in Lublin wurde während der Regierungszeit von Kasimir dem Gerechten auf einem Hügel erbaut. Sie war von einer Wehrmauer aus Holz und Stein umgeben. Im 13. Jahrhundert wurde am südlichen Hang des Hügels ein Burgturm errichtet. Er diente als Unterkunft und zur Verteidigung. Der Turm ist der erste Teil der Burg, der vollständig aus Stein errichtet worden ist. Der untere Teil besteht aus Kalkstein und der obere Teil ist mit Ziegelsteinen gemauert. Er hat einen runden Grundriss und seine Mauern sind bis zu 3,4 m dick.

Burg in Lublin
Burg in Lublin. Über die Außengebäude ragen der runde Burgturm und das Dach der Kirche der "Heiligen Dreifaltigkeit". Fotos: Frank Hilbert

Der Bau und Ausbau der Burg ist eng mit der Bedeutung Lublins als Handelsplatz und mit seiner Stellung bei den Königen verbunden. Im Mittelalter war die Stadt ein wichtiger Umschlagsplatz an den Handelsstraßen zwischen Kiew, der Ostsee und dem Schwarzen Meer. Seine Wichtigkeit nahm zu, als König Władisław Jagiełło 1383 der Stadt Lublin das Recht zum freien Handel mit dem Großherzogtum Litauen einräumte. Im selben Jahr wurde er in Lublin zum polnischen König gewählt, bevor er zu seiner Taufe und seiner Hochzeit nach Krakau weiterfuhr. Polen befand sich seitdem in einer Personalunion mit Litauen. 43 Jahre vorher war mit dem Bau der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. in der südöstlichen Ecke des Schlosses begonnen worden, ein Auftragswerk von König Kasimir dem Großen. Im Auftrag von Jagiełło dekorierten russische Meister das Innere der Kirche mit russisch-byzantinischen Wandmalereien. Die russischen Meister vollendeten ihre Arbeit 1418.

Graffiti in der Burgkirche

Weil Lublin auf dem Weg von Krakau nach Vilnius lag und die polnischen Könige hier oft zu Besuch weilten, behielt die Stadt und damit die Burg ihre herausragende Stellung. Zwischen 1473 und 1476 residierten in der Burg die Söhne von König Kazimir Jagiełło. Ihr Lehrer und Erzieher auf der Burg war der Chronist Jan Długosz. 1520 baute König Sigismund der Alte die Burg zu einer eindrucksvollen königlichen Residenz aus, die 49 Jahre später die Kulisse für ein bedeutendes politisches Ereignis bildete. In der Zeit vom 10. Januar bis 12. August 1569 tagte in der Burg in Lublin der erste gemeinsame Sejm von Litauen und Polen. Die Teilnehmer beschlossen die Union zwischen Polen und Litauen, die heute als Lubliner Union bekannt ist. An den Wänden der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit haben sich Teilnehmer der Sitzung verewigt. Heute würde man die Kritzeleien vermutlich als Graffiti bezeichnen.

In den Kriegen mit Schweden und gegen die Kosaken im 17. Jahrhundert wurde die Burg zum großen Teil zerstört. Den Grad der Zerstörung zeigt das Bild "Der Brand von Lublin 1719", das im östlichen Seitenschiff der Dominikanerkirche hängt. Der Brand hat große Teile der Stadt zerstört. In der oberen linken Ecke des Bildes ist die zu sehen, die fast nur noch aus der Kirche und dem Schlossturm besteht.

Dreifaltigkeitskirche in Lublin
Dreifaltigkeitskirche.

Für 128 Jahre Gefängnis

Zwischen 1824 und 1826 entstand auf dem Burghügel ein Gebäude im neugotischen Stil. Der Turm und die Kirche wurden außen verputzt und die russisch-byzantinischen Malereien mit Kalkfarbe übermalt. Die Burg diente fortan als Gefängnis. In ihm wurden unter der zaristischen Verwaltung auch politische Häftlinge inhaftiert. Unter ihnen befanden sich Teilnehmer des Januaraufstandes von 1863. Zwischen 1918 und 1939 waren es Kriminelle und Anhänger der kommunistischen Bewegung, die in der Burg gefangen gehalten wurden. 1899 entdeckte der Maler Józef Smolinski zufällig Fragmente der russisch-byzantinischen Malereien in der Kirche. Er meldete seinen Fund der Akademie der Wissenschaften in Krakau. Kurz darauf begannen Restauratoren mit der Konservierung und Freilegung der Malereien. Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis in die 1990er Jahre an.

Das wohl grausamste Kapitel der Geschichte der Burg begann mit der deutschen Besatzungszeit 1939. Rund 40.000 Menschen, vor allem Widerstandskämpfer, waren hier inhaftiert. Die meisten von ihnen wurden hingerichtet oder in Vernichtungslager geschickt. Kurz bevor die Deutschen die Stadt am 22. Juli 1944 räumten, ermordeten sie 300 Gefangene. Nach dem Krieg diente das Schloss den Sowjets und dem polnischen Geheimdienst als Gefängnis und Folterstätte. 35.000 Polen waren nach dem Krieg hier inhaftiert. 333 von ihnen wurden ermordet. An diese Zeit erinnern mehrere Gedenktafeln am Eingang des Schlosses. 

Nach der Auflösung des Gefängnisses 1954 wurde die Burg umgebaut und dient seit 1957 als Sitz des Lubliner Museums. (fh)

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Sehenswürdigkeit

Museum Schloss Zamoyski (Muzeum Zamoyskich w Kozłówce)
Kozłówka 3
21-132 Kamionka
Tel.: +48 (0) 81 8528310
Fax: +48 (0) 81 8528309
E-Mail: it@muzeumzamoyskich.pl
Internet: www.muzeumzamoyskich.lublin.pl/deutsch/

Anmerkung:
Anfahrt:
aus Lublin über Lubartów (35 km)

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