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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Das Konzentrationslager (KZ) Auschwitz und das Außenlager Birkenau

Von Oświęcim zur Todesfabrik Auschwitz

Jetzt erzähle ich euch (...)
Über Brillenberge, weil sie anschaulich sind?
Über Goldzähne, weil sie wägbar sind?
Über Einzelgänger und deren private Schrullen, weil vielstellige Zahlen nicht empfindlich machen?
Über Ergebnisse und Streit hinterm Komma?
Nein Kinder.
Nur über die Gewöhnung in ihrem friedfertigen Sonntagsputz. [1]

Judenrampe in BirkenauPolen Fotos
Rampe in Auschwitz Birkenau II. Fotos: Frank Hilbert

Schon wenige Wochen nach dem Überfall Deutschlands auf Polen im September 1939 quollen die Gefängnisse infolge von Massenverhaftungen unter der polnischen Bevölkerung über. Aufgrund dieser Tatsache reiften bei den Deutschen bereits Ende 1939 die ersten Pläne, ein Konzentrationslager auf polnischem Boden zu errichten. Eine eigens zu diesem Zwecke gebildete Kommission wählte dafür das Gelände einer polnischen Vorkriegskaserne am Stadtrand von Oświęcim unweit von Krakau (Kraków). Im April 1940 begann die Errichtung des Lagers. Kommandant wurde Rudolf Höss, der eine KZ-Ausbildung in Dachau absolviert hatte.

10.000 sowjetische Kriegsgefangene im Außenlager Birkenau II

Im Juni 1940 trafen in Auschwitz die ersten Gefangenen - polnische Widerständler - ein. Die Häftlinge mussten zunächst die vorhandenen Gebäude auf dem Lagergelände ausbauen und neue errichten. Im Jahr 1941/42 erweiterte man das Stammlager Auschwitz um Birkenau (Auschwitz II) und Monowitz (Auschwitz III) - hier befand sich das Fabrikgelände des Chemiekonzerns IG-Farben). Dazu kamen 40 weitere Nebenlager, in denen Häftlinge untergebracht waren, die als billige Arbeitskräfte in den umliegenden Fabriken missbraucht wurden.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion kamen im Herbst 1941 10.000 sowjetische Kriegsgefangene nach Auschwitz Birkenau II, wo sie unter katastrophalen Bedingungen in Notunterkünften kampieren mussten. Die für sie bestellten Holzbaracken, für die Wehrmacht konstruierte "Zerleg- und Versetzbaren Pferdeställe", waren noch nicht eingetroffen. Nur 945 der Kriegsgefangenen überlebten den Winter. Sowjetische Kriegsgefangene waren es auch, an denen die Deutschen erstmals Cyklon B als Mittel zur massenhaften Tötung von Menschen ausprobierten. In die Holzbaracken pferchten die Deutschen später jüdische Häftlinge ein.

Perfektionierte Mordmaschinerie für die "Endlösung"

Bis 1942 stieg die Zahl der Häftlinge auf ca. 20 000. Obwohl Auschwitz ursprünglich als Arbeitslager für polnische Gefangene geplant war - insbesondere für die Elite aus der Gesellschaft und Politik - wurden mit der Zeit auch Menschen aus anderen von den Deutschen besetzten Ländern hierher gebracht. Nachdem auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 die Spitzenvertreter der obersten Reichs- und Parteidienststellen Deutschlands die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen hatten, entstand in Auschwitz eine perfide ausgeklügelte und bis ins Äußerste perfektionierte Mordmaschinerie. Birkenau (Auschwitz II) wurde zum reinen Vernichtungslager umfunktioniert. Aus allen teilen Europas wurden Juden - unter unwürdigsten Bedingungen, gedrängt in Viehwaggons - nach Auschwitz verschleppt. Auf der Eisenbahnrampe von Auschwitz wurden die Neuankömmlinge von SS-Ärzten nach ihrer vermeintlichen Arbeitstauglichkeit "selektiert": Die Arbeitsfähigen wurden - nachdem ihnen ihre Zivilkleidung und ihre gesamte Habe abgenommen, die Haare abrasiert und eine Nummer auf einen Unterarm eintätowiert worden waren - ins Lager geschickt:

Das Tätowieren war nicht gerade angenehm, denn es wurde mit einem primitiven Gerät ausgeführt, einer Art Federhalter, an dem statt einer Feder eine dicke Nadel befestigt war. Natürlich tat es weh, und ich erinnere mich an Blut und eine Schwellung. Wahrscheinlich war die Nadel infiziert. [2]

Alte, Kranke, Schwangere, Mütter mit Kindern brachte man sofort in die Gaskammern. Trotz des rüden Empfangs durch brüllende und schlagende Wachposten und ihre bellenden Hunde ahnten die meisten der "Ausselektierten" nicht, was ihnen bevorstand. Die SS-Leute erzählten ihnen, sie sollen sich zunächst entkleiden und duschen gehen. Doch aus den Duschkopf-Imitationen kam kein Wasser heraus. Nachdem die Türen hermetisch verriegelt worden waren, drang von der Decke das Gas Zyklon B ins Rauminnere ein. Etwa 20 Minuten dauerte das Martyrium der Opfer:

Schwangere Frauen starben, während die Geburt einsetzte (...) Bevor der Tod eintraf, bluteten, urinierten, koteten und erbrachen sich die Menschen in der Kammer. Diejenigen, die unmittelbar neben der Tür der Gaskammer umfielen, waren oft noch am Leben, wenn auch bewusstlos. Dieses geschah, wenn die Tür nicht richtig verriegelt war und durch Spalten etwas Luft eindrang. Die Bewusstlosen wurden anschließend von den Dienst habenden SS-Männern erschossen. [3]
Galgen im Stammlager Auschwitz
Galgen im Stammlager des Konzentrationslagers Auschwitz.

Einem speziellen Sonderkommando zugeteilte Häftlinge mussten die Toten aus den Gaskammern ziehen. Nach Entfernung von Goldzähnen, Schmuck und Haaren wurden die Leichen in Krematorien (später auch in eigens dafür ausgehobenen Gruben) verbrannt. Alles, was den Häftlingen - den Lebenden und den Toten - abgenommen wurde, brachte man in eine Sammelstelle, die im Lagerjargon "Kanada" hieß (vermutlich, weil Kanada als ein reiches Land galt). Schön sortiert rollten anschließend ganze Güterzüge mit geraubtem jüdischem Besitz - mit Schmuck, Geld, Kleidung, Brillen, Spielzeug etc. - ins Reich. Ihre maximale  "Tötungsauslastung" erreichte die Mordfabrik im Mai 1944, als die ungarischen Juden nach Auschwitz deportiert wurden. Die Schornsteine der Krematorien rauchten ununterbrochen Tag und Nacht.

Hierarchie im Konzentrationslager

Die Struktur des Lagers zeichnente sich durch eine hoch entwickelte Hierarchie aus. Gleich nach den Herren über Leben und Tod, den SS-Leuten, kamen die Kapos und die  Blockältesten, die zur sog. "Aristokratie" unter den Häftlingen gehörten. Sie besaßen eine beinahe unbeschränkte Macht über die Gefangenen.

Trotz des fortdauernden Mordens im Akkord war das Lager, das ursprünglich für ein paar Tausend Häftlinge errichtet worden war, mit bis zu 100.000 Menschen überfüllt. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal:

Die Zustände dort waren unvorstellbar. Man lag in Kojen, zusammengepfercht wie Sardinen. (...) Den größten Teil der Zeit verbrachte man beim Zählappell. Man stand im Freien, in Eiseskälte oder Regen, vollkommen unzulänglich bekleidet, fünf lange Reihen, und wartete darauf, abgezählt zu werden. (...) Es war streng verboten, sich zu bewegen, und da diese Prozedur manchmal Stunden und Stunden dauerte, kann man sich vorstellen, was das für Menschen bedeutete, die fast ausnahmslos an Durchfall litten. Auf Deutsch: Man stand da, mit fürchterlichen Krämpfen, während die Scheiße einem an den Beinen herunter lief. [4]

Wenn sie nicht vergast wurden, starben die Häftlinge geschwächt durch schwere Arbeit, Hunger, Kälte, Typhus oder andere Krankheiten. Sie wurden erschossen, erhängt, zu Tode geprügelt oder starben qualvoll in Folge grausamer medizinischer Versuche.

Im Herbst 1944 - im Hinblick auf den raschen Vormarsch der Roten Armee - wurden die meisten Häftlinge, die die Gaskammern und Krematorien bedient hatten und unmittelbare Zeugen der Extermination waren, von der SS getötet. Die Vergasung der Juden wurde gestoppt, und die Deutschen begannen, die Spuren und Beweise ihrer Verbrechen zu beseitigen. Die ersten Krematorien wurden zerstört und die technischen Vorrichtungen in den Gaskammern demontiert, Gruben, die mit Menschenasche gefüllt waren, vernichtet und belastende Akten, Dokumente und Gefangenenregister verbrannt. Mitte Januar 1945 begann die letzte Etappe der Lagerauflösung: Aus Auschwitz und den Nebenlagern wurden ca. 60.000 Häftlinge in langen Fußmärschen nach Westen, ins Reichesinnere, getrieben. Teilweise wurden die Gefangenen auch in Güterwagons transportiert. Schätzungsweise starben bei den "Todesmärschen"- an körperlicher Erschöpfung, Hunger, Kälte oder aus der Hand von SS-Leuten - ca. 15.000 Häftlinge.

Befreiung des KZ Auschwitz

In unmittelbaren Kämpfen um die Befreiung des Stammlagers Auschwitz fielen über 230 sowjetische Soldaten. Als die Rote Armee (60. Armee der Ersten Ukrainischen Front) am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz erreichte, fanden die Soldaten ca. 7600 bis auf die Knochen ausgemergelte Überlebende, darunter 600 Kinder, hinter Stacheldraht. Hunderte bettlägerige Gefangene wurden aus ihren vor Schmutz und Kot klebenden Kojen herausgeholt und in sowjetische Feldlazarette sowie in das Spital des Roten Kreuzes gebracht. Die völlig entkräfteten Menschen mussten wieder nach und nach an normale Nahrung gewöhnt werden. Das Essen wurde ihnen anfangs wie Medizin löffelchenweise verabreicht. Noch viele Wochen nach der Befreiung fanden Krankenschwestern unter den Matratzen der Patienten verstecktes Brot. Viele, die zum Baden geschickt wurden, liefen wieder weg, da sie Baderäume mit den Gaskammern assoziierten. Sie verweigerten Spritzen, da sie sich noch gut an das Töten ihrer Kameraden mit Phenol erinnerten. Die während des Lageraufenthalts unter lang anhaltender Angst erworbenen Instinkte erwiesen sich stärker als der Bezug zur Realität. Die Traumatisierung prägte die Überlebenden für den Rest ihres Lebens.

Die Zahlen der in Auschwitz ermordeten Menschen schwanken zwischen 1,1 und 1,5 Millionen.

Ich hatte mich in Auschwitz wahrhaftig nicht über Langeweile zu beklagen. Jeder Wunsch, den meine Frau hatte, wurde erfüllt. Meine Frau hatte ihr Blumenparadies.

Diese Sätze fanden sich in den Aufzeichnungen des Lager-Kommandanten Rudolf Höss. Er wurde 1947 in Auschwitz gehängt. (Frank Hilbert)

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Landkarte von Polen mit Auschwitz (Oświęcim)

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Auschwitz (Oswiecim), Polen22.10.2017 – 12:07 Uhr
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AuschwitzWetter Polen8.49 °CLuftfeuchte: 93%
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Sehenswürdigkeit

Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau (Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau w Oświęcimiu)
ul. Wieźniów Oświęcimia 20
32-620 Oświęcim
Tel.: +48 33 8448099
E-Mail: muzeum@auschwitz.org.pl
Internet: www.auschwitz.org.pl

Öffnungszeiten:
Dezember bis Februar:
08.00 - 15.00 Uhr

März und November:
08.00 - 16.00 Uhr

April und Oktober:
08.00 - 17.00 Uhr

Mai und September:
08.00 - 18.00 Uhr

Juni bis August
08.00 - 19.00 Uhr

Anmerkung:
Der Eintritt in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz ist frei.

Karte

Oświęcim - KZ Auschwitz, ul. Wieźniów Oświęcimia 20, 32-620
Oświęcim - KZ Auschwitz, ul. Wieźniów Oświęcimia 20, 32-620 Oświęcim (Google Maps)
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  15. Krakau (Kraków) - Fotos Museum Fabrik Oskar Schindler
  16. Krakau (Kraków) - Fotos Wawel
  1. www.ushmm.org (United States Holocaust Memorial Museum)
  2. www.yadvashem.org (Yad Vashem)

Anmerkungen

  1. Günther Grass: Aus dem Tagebuch einer Schnecke
  2. Anita Lasker-Wallfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz
  3. zit. nach der Aussage des Augenzeugen Dov Paisicovic, ehem. Häftling im Sonderkommando
  4. Anita Lasker-Wallfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz