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Kaschubei - die Kaschuben

Die Kaschuben (polnisch: Kaszubi, kaschubisch: Kaszëbi) sind ein weststlawisches Volk, das heute in der Region Kaschubei (Kaszuby) - westlich und südwestlich der Städte Danzig (Gdańsk) und Gdingen (Gdynia) - lebt. Die Herkunft und Ethymologie des Namens "Kaschuben" ist unbekannt. Die historisch älteste Erwähnung des Namens Cassubia stammt aus einer Urkunde aus dem Jahr 1238, in der die pommerschen Herzöge als "Dux Slavorum et Cassubiae" bezeichnet werden.

Junge Leute in kaschubischen Trachten
Junge Leute in kaschubischen Trachten auf dem Dominikanermarkt in Danzig. Foto: Frank Hilbert

Die Geschichte der Kaschuben ist die Geschichte häufiger Grenzverschiebungen und wechselnder Besitzverhältnisse. In "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" fasst Günter Grass zusammen:

Für dich, Raoul, weil du an Stammbaumverästelungen und ungeordneten Grenzverhältnissen Interesse hast, schreibe ich belehrend: Die Kaschuben oder Kassuben, von denen es heute noch dreihunderttausend geben soll, sind Altslawen, die eine aussterbende, mit deutschen und polnischen Lehnwörtern gespickte Sprache sprechen.

Das Gebiet der Kaschubei, wie wir es heute kennen, ist lediglich ein kleines Fragment der einstigen Kaschubei. Im frühen Mittelalter erstreckte sie sich weit in den Westen hinein, bis nach Białogard (Belgard) und Neustettin (Szczecinek). Diese Zeit, die Zeit vor dem 10. Jahrhundert, ist noch weitgehend unerforscht. Die Geschichte der Kaschubei in ihrem heutigen Grenzen ist eng mit der Dynastie der Herzöge von Ostpommern (Pommerellen) verbunden und beginnt im10. und 11. Jahrhundert, als sich der in Danzig residierende Begründer der Dynastie, Subislaw, taufen ließ. Bis zum Zerfall Polens in Teilfürstentümer (Mitte des 12. Jahrhunderts) war Pommerellen und somit auch die Kaschubei Teil des Piastenstaates. 1309 wurde Pommerellen vom Deutschen Kreuzritterorden unterworfen. Nach dem 13-jährigen Krieg (1454-1466), in dem der preußische Bund gegen den Ritterorden um Unabhängigkeit kämpfte, wurde Pommerellen erneut an Polen angegliedert und blieb im polnischen Staatsverband bis zur ersten Teilung Polens im Jahr 1772.

In Westpommern dagegen begann mit der deutschen Ostkolonisation, die Ende des 12. Jahrhunderts in Pommern einsetzte, ein schleichender Prozess der Germanisierung der kaschubischen Urbevölkerung. Nach 1648 ging Pommern in den Besitz der brandenburgischen Kurfürsten über. Dieses Datum markiert den Beginn der Verdrängung der kaschubischen Sprache aus dem Schulwesen und aus der Liturgie. In den darauf folgenden Jahrzehnten ging in den Landstrichen Stolp und Schlawe die Kultur der Kaschuben im Deutschtum vollkommen auf.

Die kulturelle Lethargie der Kaschuben dauerte etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts an. Erst die letzten 150 Jahre zeichnen sich durch eine Herausbildung des Gefühls der nationalen und ethnischen Zugehörigkeit der Kaschuben aus. Um die Zeit der Märzrevolution 1848 fand - in erster Linie in Ostpommern - das Bewusstsein für die eigene historische, kulturelle und sprachliche Tradition und Identität seinen Ausdruck zum ersten Mal in Form einer Bewegung, die von dem kaschubischen Arzt und Publizist Florian Ceynowa initiiert worden war. Er war der Erste, der kaschubisch schrieb. Hierfür entwickelte er eine eigenständige kaschubische Schriftsprache, die sich von der bis dahin üblichen polnischen Transkription deutlich unterschied. Im gleichen Maße trat er sowohl gegen eine Germanisierung wie auch gegen eine Polonisierung der Kaschuben ein. Von ihm wurde der Spruch überliefert:

Sprecht lieber reines Kaschubisch als verdorbenes Polnisch!
In den darauf folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche kaschubische Verbände, deren gemeinsames Ziel es war, das nationale Selbstbewusstsein der Kaschuben zu stärken und ihre Kultur zu propagieren. Heute wird an vielen Orten der Kaschubei in den Schulen Kaschubisch unterrichtet, Zeitungen in kaschubischer Sprache werden gedruckt und eine eigenständige Literatur gefördert. (fh)

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Sehenswürdigkeit

Freilichtmuseum - Kaschubischer Ethnografischer Park in Wdzydze Kiszewskie (Muzeum - Kaszubski Park Etnograficzny im. Teodory i Izydora Gulgowskich we Wdzydzach Kiszewskich)
83-406 Wąglikowice
Tel.: +48 (0) 58 6861130
E-Mail: muzeum@muzeum-wdzydze.gda.pl
Internet: www.muzeum-wdzydze.gda.pl

Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten und Preise für die Eintrittskarten erfahren Sie auf der Internetseite des Museums.

Anmerkung:
Auf dem Gelände des Museums befindet sich eine Karzma (Wirtshaus).

Karte

Wąglikowice - Kaschubischer Ethnografischer Park, , 83-406
Wąglikowice - Kaschubischer Ethnografischer Park, , 83-406 Wąglikowice (Google Maps)