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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Kadyny (Cadinen)

Das kleine Dorf Kadyny (Cadinen) am Rande des Naturparks Elbinger Höhen (Wzniesienie Elbląskie) gehörte dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. und war von 1942 bis 1944 Wohnsitz von dessen Enkelsohnes Ferdinand Prinz von Preußen. Das barocke Schloss aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Wunsch des letzten deutschen Kaisers umgebaut. Heute ist es stark verfallen, soll aber in naher Zukunft von einem Privatinvestor restauriert werden. Das dazugehörige ehemalige Wirtschaftsgebäude beherbergt ein Hotel. Im ehemaligen Kesselhaus wird ein Restaurant betrieben.

Reiterin in Cadinen (Kadyny)Polen Fotos
Reiterin im Cadiner Gestüt. Fotos: Frank Hilbert

Ein bedeutendes Ausflugsziel in Kadyny (Cadinen) ist das von Wilhelm II. begründete Pferdegestüt, in dem bis zum Ende des II. Weltkrieges vorwiegend Trakehner, aber auch Holsteiner gezüchtet wurden. Seit 1951 widmet es sich der eigenen Pferdezucht, vordergründig der Zucht von Pferden der "großpolnischen Rasse". Ursprung für die Rasse waren die im Zweiten Weltkrieg zurückgelassenen deutschen Trakehner sowie das Masurenpferd, das Posener und das arabische Vollblut. Das Gestüt bieten Gästen zahlreiche Attraktionen wie Kutschfahrten, Ausritte und Reitunterricht an.

Die Majolika-Manufaktur

Kaiser Wilhelm II. hatte das Gut Cadinen 1898 vm Braunsberger Landrat Arthur Birkner gekauft, der hoch verschuldet war. Zur Kaufmasse gehörte eine Ziegelei, die Wilhelm 1899 modernisierte. Er ließ neue Maschinen anschaffen, eine Schwemmanlage und Trocknereien bauen. Die Ziegel wurden von einer Schmalspurbahn zu einem Hafen am Haff transportiert, wo sie verschifft wurden. Zu den größeren Bauprojekten, für die Cadinen Baumaterial lieferte, gehörte das der Reichsbank in Danzig (Gdańsk).
Ende des 19. Jahrhunderts kam farbig glasierte Keramik in Mode, die in Majolika-Technik hergestellt wurde. Auch Wilhelm war ein Liebhaber dieser Keramik und errichtete die Königliche Majolika- und Terrakotta-Werkstatt Cadinen, die 1904 die Produktion aufnahm. Im Stil orientierte sich die Keramik aus Cadinen an Vorbildern aus der griechischen Antike, der italienischen Renaissance, der Neorenaissance und dem Jugendstil.
Obwohl Kaiser Wilhelm II. am Ende des Ersten Weltkrieges (1914-1918) abdanken und ins belgische Exil gehen musste, blieb das Gut im Familienbesitz der Hohenzollern. 1942 übernahm Ferdinand Prinz von Preußen, Wilhelms Enkel, den Posten des Generalbevollmächtigten. 1944 verließ er Cadinen und 1945 wurde Cadinen polnisch. Seitdem heißt der Ort Kadyny. Die neuen polnischen Bewohner des Ortes führten die Tradition der Majolikaherstellung nicht weiter. Nur die Produktion von Ziegeln stellten sie nicht ein.
Im Zuge der Modernisierung der Ziegelei und der Errichtung der Manufaktur für die Majolikaherstellung ließ Wilhelm II. neue Fabrikgebäude, Wohnhäuser, eine Schule, ein Postgebäude und eine Kirche errichten. Die Architekten orientierten sich an der Architektur der Ordensburgen aus dem Mittelalter. Man spricht auch vom "Ordensland-Stil". Die meisten der Häuser sind erhalten geblieben. Typisch sind die Verwendung von rotem Backstein und Fachwerkelemente, die die Fassaden auflockern. Viele der Häuser aus der wilhelminischen Zeit sind noch erhalten. Nur die neogotische Kirche brannte 1945 nieder.

Torhaus im Gestüt Cadinen (Kadyny)
Das Torhaus in Kadyny.

Im südlichen Teil des Dorfes befindet sich ein besonderes Naturdenkmal: eine siebenhundertjährige Eiche, die einen Umfang von über zehn Metern hat. Sie wurde nach Jan Bażyński (eigentlich Hans von Baysen) benannt. Auf diese Weise wollte man eines berühmten preußischen Ritters und Staatsmanns gedenken, der den Preußischen Bund in den Dreizehnjährigen Krieg (1454 - 1466) gegen den Deutschen Orden führte.

Auf einer Anhöhe im Wald, die man von der Stelle, an der die Eiche wächst, in wenigen Minuten bequem über einen Holzsteg erreichen kann, steht ein altes Franziskanerkloster mit Kirche. Lange Zeit eine Ruine, wird es in den letzten Jahren mit Hilfe von Spendengeldern von den Franziskanern wiederaufgebaut. Wenige Schritte hinter dem Kloster befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus man bis zum Frischen Haff sehen kann. (fh)

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Cadinen (Kadyny), Polen21.10.2017 – 21:34 Uhr
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