Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Glatz (Kłodzko) im Glatzer Land

Im Juli 1997 war Glatz (Kłodzko) auf den Titelseiten sämtlicher polnischer Zeitungen. Innerhalb weniger Stunden stieg der Pegel der Glatzer Neiße (Nysa Kłodzka) um sieben Meter. Große Teile der Stadt versanken in den Fluten. Fast einen Monat brauchte der Fluss, um wieder auf den normalen Stand zu fallen. Spuren der großen Flut sind heute noch - 11 Jahre nach der Naturkatastrophe - an den historischen Häusern der malerischen Altstadt mit den steilen, kopfsteingepflasterten Gassen zu sehen.

Gotische Brücke über MłynówkaPolen Fotos
Gotische Brücke über Młynówka. Fotos: Frank Hilbert

Auf einer Bergstraße im Dreiländereck über den Zusammenfluss von Glatzer Neiße und Mühlenbach gelegen, musste Glatz (Kłodzko) im Laufe seiner wechselvollen Geschichte nicht nur den Naturgewalten trotzen, sondern war seit seiner Gründung im Jahr 981 ein Zankapfel zwischen Polen, Tschechen und Deutschen. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts kam Glatz (Kłodzko) unter der Regierung Bolesław Chrobrys ("des Tapferen") zu Polen. 1137 verzichtete der König Bolesąaw Krzywousty ("der Schiefmund") auf das Glatzer Land zugunsten Böhmens. Die Herren des Glatzer Landes, die schlesischen Piasten, wurden zu Lehnsmännern des tschechischen Königs. 1334 erhielt Glatz die Stadtrechte. Im 17. Jahrhundert fiel die Stadt an die Habsburger. Im 18. Jahrhundert gehörte sie schon zu Preußen und wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs polnisch.

Gotische Brücktorbrücke - Miniaturausgabe der Prager Karlsbrücke

Die geistige Entwicklung der Stadt ist mit den Orden der Franziskaner eng verbunden, an dessen großen Einfluss die prachtvollen Bauten des Franziskanerklosters und der dazugehörigen zweitürmigen Barockkirche Maria Rosenkranz (Kościół Matki Boskiej Różańcowej) erinnern. Von hier spannt sich die gotische Brücktorbrücke (heute Most św. Jana) aus dem 14. Jahrhundert über den Mühlgraben (Kanal Młynówka), der parallel zur Glatzer Neiße verläuft. Mit ihren lebensgroßen steinernen Figuren, die sie zur Miniaturausgabe der Prager Karlsbrücke machen, ist sie eine der berühmtesten und wertvollsten Brücken Schlesiens.
An Gründerzeithäusern vorbei geht es zum Marktplatz hinauf. Das neugotische Rathaus ist so wuchtig, dass der das Rathaus umgebende Markt eher an bunt durcheinander gewürfelte breitere Gassen erinnert, denn an einen zentralen städtischen Platz. Blickfang vor dem Rathaus ist eine barocke Mariensäule, die Jesuiten Ende des 17. Jahrhunderts stifteten und die der Glatzer Bildhauer Hans Adam Bayerhoff aus Sandstein anfertigte.
Nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt befindet sich die gotische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Kościół Wniebowzięcia Najświętszej Marii Panny). Die aus Backstein gemauerte dreischiffige Basilika mit zwei unvollendet gebliebenen Türmen gilt dank ihrer architektonischen Klasse und der reichen Innenausstattung als eines der wertvollsten Monumente der Sakralarchitektur in der ganze Region.

Burg in Glatz (Kłodzko)
Die Glatzer Festung.

Touristenroute unter der Altstadt

In der Straße ul. Lukasiewicza 4 informiert das Museum des Glatzer Landes (Muzeum Ziemi Kłodzkiej) über die Geschichte von Glatz (Kłodzko). Hier erfährt der Besucher auch, dass die gesamte Altstadt unterkellert ist. Die mehrgeschossigen, miteinander verbundenen Kellergewölbe wurden über viele Jahrhunderte von Kaufleuten als Lagerräume benutzt. Sie können auf dem "Unterirdischen Jahrtausendweg" (Podziemna Trasa Turystyczna im. Tysiąclecia Państwa) erkundet werden. Der Eingang befindet sich in der Straße ulica Zawiszy Czarnego 3. Die Tour endet am Eingang zur Festung, die sich auf dem Felsenhügel des Schlossberges (ca. 370 m hoch) über der Stadt erhebt.

Festung Glatz

Bereits seit dem 10. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine slawische Wehrburg. Die strategische Bedeutung von Glatz veranlasste die Habsburger, im ausgehenden 17. Jahrhundert an Stelle der ursprünglichen Burg eine Festung zu bauen, die sich im Ersten Schlesischen Krieg 1742 den preußischen Truppen geschlagen geben musste. In den folgenden Jahren wechselte die Herrschaft in der Stadt und damit in Festung mehrere Male. Mal waren die Österreicher siegreich, mal waren es die Preußen. Erst durch den Hubertusburger Frieden 1763 fiel Glatz endgültig an Preußen und gehörte zur Provinz Schlesien.
Nach den drei Schlesischen Kriegen (1740-1763) begann der preußische König Friedrichs II. (der Große) die neugewonnen Gebiete zu sichern. Auf seinen Befehl wurde die Glatzer Festung ausgebaut und war - neben den Fortifikationen in Silberberg (Srebrna Góra), Schweidnitz (Świdnica) und Neisse (Nysa) - Teil eines größeren Festungssystems. Zur Anlage gehörte auch ein Netz aus kilometerweiten unterirdischen Gängen. Die Festung war so gut ausgebaut, dass napoleonische Truppen sie 1807 erfolglos belagerten.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor die Festung ihre militärische Bedeutung. Teile der Militäranlagen wurden abgetragen und andere für Besucher zugänglich gemacht. Zur gleichen Zeit errichtete Preußen hier ein Militärgefängnis für Dissidenten, u. a. waren hier Teilnehmer des polnischen Januaraufstands von 1863 und zahlreiche deutsche Revolutionäre inhaftiert. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Nationalsozialisten die Festung als Gefängnis und als Munitionsfabrik, in der etwa 1000 polnische Zwangsarbeiter beschäftigt waren.
Heute kann die Festung besichtigt werden, von deren Mauern aus Besucher einen wunderbaren Ausblick auf die historische Altstadt von Glatz genießen können. (fh)

Hotels

Booking.com

Karte

Landkarte von Polen mit Glatz (Kłodzko)

Wetter

Glatz (Kłodzko), Polen24.10.2017 – 07:36 Uhr
Leichter Regen
GlatzWetter Polen5.95 °CLuftfeuchte: 99%
Luftdruck: 979.96 hPa
Windgeschwindigkeit: 1.23 m/s
(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)

Wirtschaft

Tourismus

Einwohner

ca. 28.000 (Stand 2013)

Sehenswürdigkeit

Museum des Glatzer Landes (Muzeum Ziemi Kłodzkiej)
ul. Łukasiewicza 4
57-300 Kłodzko
Tel.: +48 (0) 74 8673570
Fax: +48 (0) 74 8659665
E-Mail: sekretariat@muzeum.klodzko.pl
Internet: muzeum.klodzko.pl

Touristeninformation

Informacja Turystyczna w Kłodzku
pl. Bolesława Chrobrego 1
78-300 Kłodzko
Tel.: +48 (0) 74 8654689
E-Mail: rit@um.klodzko.pl

Karte

Glatz (Kłodzko), pl. Bolesława Chrobrego 1, 78-300
Glatz (Kłodzko), pl. Bolesława Chrobrego 1, 78-300 Kłodzko (Google Maps)
  1. www.klodzko.pl (Internetseite auch in einer deutschen und englischen Version)