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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Gdingen (Gdynia) – Vom Fischerdorf zum "Fenster zur Welt"

Der nördlichste Teil der Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen war ein kleines kaschubisches Fischerdorf. Es trug den Namen Gdingen (Gdynia). Zu einer Hafenstadt entwickelte sich Gdingen erst in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, nachdem Polen 1918 seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte. Der Grund für den Ausbau von Gdingen zu einer Hafenstadt lag darin, dass Polen zwar einen Zugang zur Ostsee besaß, den sogenannten polnischen Korridor. Aber es besaß keinen eigenen Hafen.

Skwer Kościuszki in Gdingen (Gdynia)Polen Fotos
Die Südmole in Gdingen mit der "Komposition Masten" (rechts) und dem Denkmal für den Seemann und Schriftsteller Joseph Conrad. Fotos: Frank Hilbert

Als Umschlagplatz für seine Waren nutzte Polen den Danziger Hafen. 1920 kam es während des polnisch-sowjetischen Krieges zu einem Zwischenfall im Hafen von Danzig. Kommunistische Hafenarbeiter weigerten sich Waffen aus England, die für die polnische Armee bestimmt waren, zu entladen. Der Danziger Hafen galt danach für Polen als nicht mehr sicher. So beschloss das Land den Bau eines eigenen Hafens an der Ostsee. Man entschied sich für Gdingen.

Die Bauarbeiten gingen in einem solchen Tempo vonstatten, dass bereits 1923 ein provisorischer Hafen in Betrieb genommen werden konnte. 1924 begann Polen mit dem Bau eines modernen Hafens, über den beinahe der gesamte polnische Handels- und Passagierverkehr abgewickelt werden sollte. 1926 erhielt Gdingen das Stadtrecht und bis zur Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen 1939 entstand eine moderne Großstadt, deren Architektur durch das Bauhaus geprägt worden war, mit runden Fassaden, klaren Linien und großen Fenstern. Beispiele dieses modernistischen Baustils kann man bei einem Spaziergang über die Haupteinkaufsstraße, die ul. Świętojańska, entdecken, zum Beispiel die Hausnummern 68 und 122. 

Der Hafen bestand aus acht Hafenbecken (heute 11). Eines der Zentren des Hafens war der Meereshof, der in den Jahren 1932 bis 1933 nach Plänen der Architekten Dyckerhoff und Widman aus Katowice an der Passagiermole gebaut wurde. Hier legten die polnischen Passagierschiffe an, von denen die polnische Flotte vor dem II. Weltkrieg sieben besaß. Die stolzesten waren die Piłsudski und ihr Schwesterschiff M. S. Batory. Für tausende Auswanderer war der Meereshof die letzte Station auf heimatlichem Boden.

In dem 1926 eingemeindeten Fischerdorf Oxhöft errichtete die polnische Marine einen Flottenstützpunkt. Die Kasernen des Stützpunktes entstanden nach Plänen des Architekten Marian Lalewicz im Stil des akademischen Klassizismus. Sie stehen entlang von drei in Fächerform verlaufenden Alleen, die an einem Torhaus zusammentreffen. Lalewicz baute auch auf einer Anhöhe die Garnisonskirche, einen schnörkellosen Kubus.

Der Zweiter Weltkrieg brach am 1. September 1939 mit dem Beschuss der Westerplatte in Danzig durch das Linienschiff "Schleswig-Holstein" aus. Ihren Stützpunkt in Oxhöft verteidigten die polnischen Soldaten, die unter dem Kommando von Stanisław Dąbek standen, bis zum 19. September. Damit war Oxhöft der letzte Posten, der vor den Deutschen kapitulierte.

Die deutschen Besatzer gaben Gdingen den Namen Gotenhafen und nutzten den Hafen als Marinestützpunkt und für die Reparatur ihrer Kriegsschiffe. Am 20. November 1940 machte das ehemalige Kreuzfahrtschiff Wilhelm Gustloff in Gotenhafen fest und diente bis 1945 als Wohnschiff der 2. U-Boot-Lehrdivision. Nachdem Admiral Hans-Georg von Friedeburg den Befehl zur Evakuierung der Lehrdivision erteilt hatte, lief die Gustloff am 30. Januar 1945 um 13.10 Uhr mit 1.500 Soldaten und Marinehelferinnen und 8.800 Zivilisten an Bord aus. Neun Stunden später versenkte das sowjetische U-Bott S-13 die Gustloff vor Stolpmünde (Ustka). Mehr als 9.000 Menschen kamen ums Leben. Damit gilt die Versenkung der Gustloff als die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt.
Wegen seiner strategischen Bedeutung bombardierten die Alliierten Gotenhafen mehrmals. Was kurz vor Kriegsende noch intakt war, sprengten die Deutschen vor ihrem Abzug in die Luft. In der Hafeneinfahrt versenkte die Besatzung des Schlachtschiffes "Gneisenau" ihr Schiff. Mit der Aktion wollte sie den Vormarsch der Roten Armee erschweren.

Die Nachkriegszeit war geprägt durch den Wiederaufbau der Stadt und des Hafens. Heute ist Gdingen eine pulsierende Großstadt, das durch seinen Hafen und das geschäftige Treiben in seinen Straßen einen interessanten Kontrast zum museal-kulturellen Danzig (Gdańsk) bildet.

Haus aus den 1920er Jahren in der ul. Świętojańska 68 Gdingen (Gdynia)
Das Haus in der ul. Świętojańska 68 ist ein typisches Beispiel für den modernistischen Baustil, in dem Gdingen errichtet worden ist.

Ein Muss beim Stadtbummel durch Gdingen ist die Südmole. Sie begrenzt das südliche Hafenbecken, das Präsidentenbecken. Zu den Sehenswürdigkeiten an der Südmole zählt der ehemalige Zerstörer Błyskawica. Die Błyskawica war eine von vier Torpedozerstörern unter polnischer Flagge, die während des II. Weltkriegs an der Seite der Briten gegen Deutschland gekämpft haben.

Gleich hinter dem Kriegsschiff liegt die Dar Pomorze am Kai – ein Dreimaster, der 1909 in Hamburg gebaut worden ist. Die Dar Pomorze diente von 1930 bis 1981 als Schulschiff der Marineakademie. Seit 1983 liegt sie an der Südmole und beherbergt ein Museum. (fh)

Sehenswürdigkeiten in Gdingen

  • Museum Zerstörer ORP "Błyskawica", al. Jana Pawła II 1 (Südmole)
  • Ozeanographisches Museum und Meeresaquarium (Muzeum Oceanograficzne i Akwarium Morskie), al. Jana Pawła II 1 (Südmole)
  • Marineakademie – Lehrstuhl für Navigation, erbaut zwischen 1938 und 1939, Aleja Jana Pawła II 3 (Südmole)
  • Windjammer Dar Pomorza (Gabe Pommerns), 1909 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut, diente als der Schifffahrtsschule in Gdingen als Segelschulschiff, seit dem 16. Museumsschiff, al. Jana Pawła II (Südmole)
  • Denkmal für Joseph Conrad, Seemann und Schriftsteller, entworfen von den Eheleuten Danuta und Zdzisław Koseda, enthüllt 1976, am Ende der al. Jana Pawła II (Südmole)
  • Komposition Masten, Skulptur von Wawrzyniec Samp, enthüllt 1980, am Ende der al. Jana Pawła II (Südmole)
  • Meereshof, in den 1930er Jahren Anleger der Passagierschiffe für die Transatlantikroute und letzte Station für tausende Auswanderer auf europäischen Boden, berherbergt das Museum der Emigration, ul. Polska 1
  • Denkmal für die Dezemberopfer, enthüllt 1993, erinnert an die Demonstranten, die im Dezember 1970 im Standtzentrum von Gdingen erschossen wurden, ul. Czechoslowacka
  • Denkmal für die Dezemberopfer, enthüllt am 17. Dezember 1980, erinnert an die Demonstranten, die im Dezember 1970 auf dem Weg zur Werft erschossen wurden, steht – eingeklemmt zwischen zwei großen Parkplätzen – in der Nähe der Werft, aleja Solidarności, Geodaten: 54.5280501, 18.518141
  • Die ul. Świętojańska ist mit ihren unzähligen Geschäften die Haupteinkaufsmeile von Gdingen. Die meisten der Häuser wurden vor 1939 im modernistischen Baustil errichet, zum Beispiel die Hausnummern 68 und 122. 
  • Marinekasernen im Stadtteil Oxhöft, in den 1920er Jahren im Stil des akademischen Klassizismus errichtet, 
  • Garnisonskirche im Stadtteil Oxhöft, monumentaler Bau mit einfachen Formen, errichtet zwischen 1935 und 1939 von Marian Lalewicz, inż. Jana Śmidowicza 47
  • U-Boot ORP Jastrząb (Habicht) der Kobben-Klasse oder U-Boot-Klasse 207, gebaut in den 1960er Jahren von den Nordseewerken in Emden, in den Nullerjahren von der norwegischen Marine übernommen und außer Dienst gestellt, steht neben neben der Marineakademie, Inżyniera Jana Śmidowicza 69
  • Marineakademie der Verteidiger der Westerplatte im Stadtteil Oxhöft, Inżyniera Jana Śmidowicza 69
  • Dorfkirche im Stadtteil Oxhöft, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht
  • Steinberg (Kamienna Góra, im Osten der Stadt) mit seinen vielen Villen
  • Marienkirche, erbaut zwischen 1922 und 1924 nach Plänen der Architekten Roman Wojkiewicz und Marian Baranowski im Stil der nationalen Romantik, enthält Stilelemente der Renaissance und des Barok, ul. Armii Krajowej 26
  • Museum der Kriegsmarine, ul. Zawiszy Czarnego 1B

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Karte

Landkarte von Polen mit Gdingen (Gdynia)

Wetter

Gdingen (Gdynia), Polen06.04.2020 – 03:22 Uhr
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GdingenWetter Polen5.87 °CLuftfeuchte: 48%
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Wirtschaft

Hafen und Marinebasis, die größten Werften des Landes sind in Gdingen angesiedelt, Herstellung von Metallwaren, Maschinen und Konserven

Einwohner

254.000

Bildung:

Marineakademie (Akademia Marynarki Wojennej im. Bohaterów Westerplatte), Hochschule für Seefahrt (Akademia Morska w Gdyni)

Touristeninformation

Miejska Informacja punkt całoroczny
ul. 10 Lutego 24
81-364 Gdynia
Tel.: +48 (0) 58 6223766
E-Mail: it@gdynia.pl


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