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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Danzig (Gdańsk) - Polnische Post

In Polen ist die Polnische Post in Danzig (Gdańsk) ein Symbol für den Widerstand gegen die Deutschen Besatzer während des II. Weltkrieges (1939-1945). Polnische Mitarbeiter hatten am 1. September 1939 in der damaligen Freistadt Danzig das Postgebäude am Heveliusplatz 1/2 (heute Pl. Obrońców Polskiej) gegen die deutschen Angreifer. 14. Stunden dauerte der Kampf. Von den überlebenden Verteidigern verurteilte der deutsche Richter Dr. Kurt Bode 38 zum Tode. Unter ihnen befand sich Franzciszek Krause, ein Onkel des Schriftstellers und Nobelpreisträgers für Literatur, Günter Grass. Grass wiederum hatte in seinem 1959 erschienen Roman "Die Blechtrommel" den Verteidigern der Polnischen Post ein Denkmal gesetzt.

Polnische Post in Danzig
Polnische Post Foto: Frank Hilbert

Die polnische Regierung rechnete schon längere Zeit mit einem Überfall Deutschland auf Polen, der schließlich am 1. September 1939 stattfand. Aus diesem Grund begann Polen bereits im April 1939 mit den Vorbereitungen für die Verteidigung der Post. Warschau (Warszawa) schickte in diesem Monat einen "Inspektor Konrad", den Armeeoberleutnant der Reserve Konrad Guderski, der die Verteidigung organisieren und leiten sollte. Zu dieser Zeit ging Polen davon aus, dass das von den Nationalsozialisten regierte Deutschland Danzig von der See und von Ostpreußen aus angreifen werde. Die Westerplatte und die polnischen Einrichtungen in Danzig sollten bis zum Eintreffen der polnischen Armee in Danzig verteidigt werden. Allerdings änderte das polnische Militär seine Strategie, als deutsche Truppen entlang der polnischen Grenze aufmarschierten. Es zog die polnischen Kriegsschiffe aus Gdynia (Gdingen) ab und strich die Hilfsaktion für die Polen in Danzig. Alle polnischen Einrichtungen wurden von der veränderten militärischen Lage unterrichtet. Nur die Angestellten der Polnischen Post am Heveliusplatz nicht.

Benzin in die Kellerräume gepumpt

Auf deutscher Seite war ein Angriffsplan auf die Post bereits am 3. Juli 1939 ausgearbeitet worden. Er sah den Einsatz von Stoßtrupps zu je 15 Mann vor. Am 1. September hielten sich in der Post 58 Personen auf, darunter die Frau des Hausmeister Margorzata Pipka und ihre 11jährige Pflegetochter Erwina Borzychowska. Gegen vier Uhr am 1. September kappten die Deutschen die Telefonleitung und stellten den Strom ab. Mit Sprengladungen versuchten Angehörige der Danziger Schutzpolizei und der SS-Heimwehr die Post zu erobern. Die Postangestellten wehrten sich mit Pistolen, leichten Maschinengewehren und Handgranaten. Erst nach der vierten Angriffswelle gaben die Postangestellten auf. Der Leiter des deutschen Angriffs, Willy Bethke, hatte Benzin in die Kellerräume des Gebäudes pumpen und anzünden lassen. Fünf Menschen verbrannten. Die 11jährige Erwina Borzychowska starb wenige Tage später im Krankenhaus an ihren Brandverletzungen. Als erster verließ der Direktor Jan Michon mit einem weißen Laken in der Hand das Postgebäude. Er wurde mit einem Bauchschuss getötet. 27 Postangestellte und Margorzata Pipka wurden mit einem Lastwagen in eine Gestapo-Sammelstelle transport. 16 Schwerverletzte kamen ins Krankenhaus.

 

Schläge mit dem Gewehr

Die Danzigerin Lisa Barendt, die in der Nähe der Polnischen Post wohnte, erinnert sich in ihrem Buch "Danziger Jahre":

Wir wurden von SS-Männern aufgehalten und sahen, wie Polen im Schlafanzug, deren Frauen im Morgenrock, einen Lastwagen besteigen mussten. Wenn sie nicht schnell genug waren, bekamen sie Schläge mit dem Gewehr. [...] Den ganzen Tag hörten wir das Geheule der Stukas und das Bersten der Bomben, die auf die Westerplatte fielen. Wir vernahmen auch das Getöse der Geschütze vom Schiff und etwas näher den Kampf um die polnische Post. [...] Am nächsten Nachmittag dauerte der Kampf um die Post noch an, doch dann folgte eine unheimliche Ruhe. Es kamen etwas später zwei geschlossene Lastwagen vorbeigefahren, in denen sich die Polen befanden, die sich, nach dem Einsatz von Flammenwerfern, ergeben hatten.

Die Überlebenden, die Lisa Barendt in ihrem Buch erwähnt, verurteilte ein deutsches Kriegsgericht wegen Freischärlerei zum Tode. Die Todesurteile wurden am 5. Oktober auf dem Friedhof Saspe (Zaspa) vollstreckt. Die sterblichen Überreste der Hingerichteten fand man übrigens erst in den 1990er Jahren bei Bauarbeiten.
Verhängt hatte die Todesurteile Dr. Kurt Bode. Es handelte sich um das erste Militärgerichtsurteil des Zweiten Weltkrieges. Ausgerechnet Bode musste nach dem Krieg in seiner Funktion als Vizepräsident des Hanseatischen Oberlandesgerichtes Bremen einen Verbotsantrag gegen den Roman "Die Blechtrommel" von Günter Grass prüfen. Zu einem Verbot kam es nicht. Vielleicht fürchtete Bode, seine Vergangenheit könne in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Das tat sie trotzdem. Die deutsche Ehefrau eines hingerichteten Postbeamten zeigte Bode in Hamburg an und klagte auf Schadensersatz. Sie verlor. Weitere Verfahren gegen den einstigen NS-Richter wurden in den folgenden Jahren eingestellt. 1979 starb Bode - ohne für seine Unrechtsurteile zur Rechenschaft gezogen worden zu sein - im Alter von 84 Jahren in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln.
Seine Todesurteile hob die Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck erst 1998 auf. In der Urteilsbegründung sprach das Landgericht von Rechtsbeugung. 53 Hinterbliebene der Opfer entschädigte die Bundesrepublik im Jahr 2000.

In der Post ist heute das Museum für Post- und Fernmeldewesen untergebracht. (fh)

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Sehenswürdigkeit

Polnische Post (Muzeum Poczty Polskiej w Gdańsku)
Pl. Obrońców Poczty Polskiej 1/2
11-710 Gdańsk
Tel.: +48 (0) 58 3017611
Internet: muzeumgdansk.pl/oddzialy-muzeum/muzeum-poczty-polskiej-w-gdansku/

Öffnungszeiten:
Mo geschlossen
Di 10.00 - 13.00 Uhr
Mi 10.00 - 16.00 Uhr
Do 10.00 - 18.00 Uhr
Fr 10.00 - 16.00 Uhr
Sa geschlossen

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Danzig (Gdańsk) - Polnische Post, Pl. Obrońców Poczty Polskiej 1/2, 11-710
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