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Danzig (Gdańsk) - Marienkirche

Im Zentrum der Rechtsstadt von Danzig erhebt sich die Kirche St. Marien, die höchste Backsteinkirche der Welt. Mit ihren 4.900 m² soll die Marienkirche 25.000 Menschen Platz bieten. Die 26 Pfeiler im Inneren der Kirche, die die Gewölbe der drei Kirchenschiffe stützen, erreichen die Schwindel erregende Höhe von fast 30 m. Die gotische dreischiffige Kirche entstand in vier Etappen: 1343 Baubeginn, 1379 Beginn des Baus von Querhaus und Apsis, 1466 Ende des Turmbaus, 1498 bis 1502 Gewölbebau.

Kirche St. Marien in Danzig (Gdańsk)
Marienkirche in Danzig. Fotos: Frank Hilbert

Hinweise auf die Existenz einer Marienkirche in Danzig gibt bereits eine Urkunde Herzog Mestwins II, die im Jahr 1271 ausgestellt worden ist und in der eine Kirche St. Marien erwähnt wird. Vermutlich entstand die erste Marienkirche um 1243. Umstritten ist allerdings, wo in Danzig diese Kirche stand.
Die Voraussetzungen für den Bau einer neuen Marienkirche schuf der Deutsche Orden. 1342 ordnete Hochmeister Ludolf König in einer Handfeste (Verordnung) an, dass innerhalb der Rechtsstadt - an der Stelle, an der heute die Marienkirche steht - ein Grundstück von 7.465 m² für einen Neubau freizuhalten sei. Mit dem Bau der zweiten Marienkirche begannen die Danziger im März 1343. Es entstand ein dreischiffiger und neunjochiger Kirchenbau mit einem 46 m hohen Turm, dessen Hauptschiff die beiden Seitenschiffe in der Höhe deutlich überragte. Über die Grundsteinlegung im 14. Jahrhundert informierte früher eine Inschrift über dem Eingang zur Sakristei:

"Im Jahr des Herrn, 1343, am Mittwoch nach Lätare, ist der erste Stein zur Mauer der Stadt Danzig gelegt worden und danach, am nächsten Freitag, ist der erste Stein der Mauer zur Kirche der Heiligen Jungfrau Maria, deren Weihe gefeiert werden soll, am Sonntag nach Mariä Geburt gelegt worden."

Neues Querhaus und Chor an der Ostseite

Den Danzigern Bürgern erschien ihre neue Kirche angesichts ihrer inzwischen gewachsenen wirtschaftlichen Macht nicht groß genug. Deshalb verpflichteten sie 1379 den Maurermeister Heinrich Ungeradin und beauftragten ihn mit dem Bau des gewaltigen Querhauses und Chores an der Ostseite der Kirche.
Im Verlauf der nächsten 123 Jahre errichteten verschiedene Baumeister das Querhaus und den Chor mit ihren Giebeln und dem Dach. Sie glichen die Proportionen des restlichen Kirchenbaus an die Größe des Querhauses an, indem sie den Turm von 46 auf 77,6 m erhöhten, die Seitensiffe verbreiteterten und an die Höhe des Hauptschiffes anpassten. Zum Schluss errichteten die Handwerker die Sterngewölbe. 1502 konnte der Umbau abgeschlossen werden. Von außen gesehen sind der Turm bis zu einer Höhe von 45 m und die beiden Turmkapellen von der zweiten Marienkirche übriggeblieben.

Lange konnten die katholischen Pfarrer ihren imposanten Kirchenbau nicht nutzen. Die Ideen der Reformation begeisterten auch die Danziger Bürger, die erstmals 1529 einen evangelischen Gottesdienst in der Marienkirche abhielten. Nach der Reformation blieb der Kirchenbau vom Bildersturm verschont, sodass die kostbaren Privatkapellen erhalten blieben. Lediglich die Wandmalereien wurden weiß übermalt. Restauratoren haben Reste der mittelalterlichen Malereien freigelegt. Fragmente sind unter anderem in der Jakobuskapelle, die sich im Südosten befindet, zu sehen.

Seit der Unterzeichnung des Thorner Friedens 1466 war der polnische König Herrscher über Westpreußen mit Danzig und damit Patronatsherr der Marienkirche. Bei Besuchen in der Hansestadt mussten die Danziger ihm, der Katholik war, die Ausführung seiner Konfession ermöglichen. Dazu bauten sie zwischen 1678 und 1681 nördlich der Marienkirche die königliche Kapelle, in der katholische Messen zelebriert wurden. Finanziert wurde der Bau mithilfe einer Stiftung des polnischen Königs Jan III. Sobieski. Ausgeführt wurde der Bau von Andreas Schlüter, der Jahre später als Architekt des Berliner Schlosses bekannt wurde.
Die Marienkirche blieb bis 1945 im Besitz der evangelischen Gemeinde.

Taufbecken in der Danziger Marienkirche
Das Taufbecken unter dem Orgelprospekt an der Westseite der Marienkirche.

Das "Jüngste Gericht" - Beutegut eines Kaperschiffes

Die Orgel und das von Peter Bringemann geschaffene OrgelprospektEinige Jahre nach Fertigstellung des dritten Kirchenbaus, wischen 1510 und 1517, schuf Meister Michael den Hauptaltar. An der Westseite des Hauptschiffes - gleich hinter dem Eingang der Kirche - schwebt das zwischen 1625 und 1629 von Peter Bringemann geschaffene Orgelprospekt (restauriert zwischen 1980 und 1985). Zu den Kunstschätzen in der Marienkirche zählen zudem die Astronomische Uhr (1464 bis 1470, von Hans Düringer), ein Gotisches Sakramenthaus (nördliche Seite des Hauptschiffes), das Epitaph der Valentine von Karnitz (1590) und das Gemälde „Taten der Barmherzigkeit“ (1607, von Anton Möller, nördliche Seite des Hauptschiffes).

In der St.-Reinhold-Kapelle, der nördlichen Turmkapelle, hängt eine Kopie des "Jüngsten Gerichts" (Das Original entstand zwischen 1467 und 1471.) des Brügger Malers Hans Memling (1435 - 1494). Das Triptychon kam 1473 als Beutegut des Kaperschiffes Peter von Danzig nach Danzig. Das Schiff, das unter dem Kommando von Kapitän Paul Beneke stand, hatte sich an einer Blockade der englischen Küste beteiligt und das Triptychon von einem britischen Schiff erbeutet. Einer der Eigner der Peter von Danzig, Reinhold Niederhoff, stiftete das Triptychon der Marienkirche. "Das jüngste Gericht" war eine Auftragsarbeit der Zweigniederlassung der Medici-Bank in Brügge und für die Badia-Fiesolana-Kirche in Florenz bestimmt. Zahlreiche Persönlichkeiten - darunter Papst Sixtus IX - forderten die Rückgabe des Meisterwerkes an seine legitimen Eigentümer. Ohne Erfolg. Heute hängt das Original im Nationalmuseum in Danzig.

Marienkirche zu 40 Prozent zerstört

Während des II. Weltkrieges wurde die Marienkirche zu 40 Prozent zerstört. Der Dachstuhl war eingestürzt und der Turm ausgebrannt. Einige Kunstschätze überstanden den Krieg, weil die Deutschen sie ausgelagert hatten. Unter ihnen befand sich "Das jüngste Gericht". Sowjetische Soldaten fanden das Triptychon in Thüringen und brachten es als Beutegut in die Leningrader Eremitage (heute St. Petersburg).
Gleich nach dem Krieg (1946) begannen die Danziger mit ersten Sicherungsmaßnahmen und anschließend mit dem Wiederaufbau der Backsteinkirche. 1950 waren die Gewölbe und das Dach wieder aufgebaut. Anschließend machten sich die Danziger an die Ausbesserung der Fenster und des Fußbodens der Kirche. 1955 wurde die Marienkirche eingeweiht. Ein Jahr später kehrte auch "Das jüngste Gericht" von Leningrad zurück nach Danzig.
Zwar haben die Danziger während des II. Weltkrieges zahlreiche Einrichtungsgegenstände der Kirche ausgelagert und damit vor der Zerstörung bewahrt. Aber trotzdem sind zahlreiche Kunstgegenstände unwiderruflich zerstört. Dazu gehören die Orgel, die meisten Teile des Taufbeckens unterhalb des Orgelprospektes und die Heiligenfiguren in den Seitenflügeln des Hauptaltars. Von einst 144 Figuren sind nur 11 erhalten geblieben. Zerstört wurde auch die Kanzel am fünften Pfeiler der Nordseite. Die im manieristischen Stil ausgeführte Kanzel, die Sie heute an dieser Stelle bewundern können, stammt aus der Johanneskirche. In der Turmhalle wurde das Gewölbe nicht wieder hergestellt. Zu sehen sind hier nur noch die Gewölbeansätze.

Unbedingt sollten Sie auf den Turm der Marienkirche steigen. Wenn Sie die 402 Stufen bis zur Turmspitze erklommen haben, wird Ihre Mühe mit einem phantastischen Blick über Danzig - über die Stadt bis zur Ostsee - belohnt. (fh)

Einige Daten der Marienkirche im Überblick:

  • Länge: 105,2 m
  • Höhe des Turms: 77,6 m
  • Länge des Querhauses: 66,2 m
  • Gewölbehöhe des Hauptschiffes: 27,6 m
  • Gewölbehöhe der Seitenschiffe: 27,6 m
  • Länge des Innenraumes: 85,5 m

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Sehenswürdigkeit

Marienkirche (Bazylika Mariacka)
Podkramarska 5
80-861 Gdańsk
Tel.: +48 (0) 58 3013982
E-Mail: wniegda@diecezja.gda.pl
Internet: www.bazylikamariacka.pl