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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Chełm - von zwei Religionsgemeinschaften geprägt

Ein schmaler Gang. Die Wände sind weiß. Wenn es hier unten ein Thermometer gebe, würde die Quecksilbersäule sich bei neun Grad Celsius einpendeln und nur geringfügig steigen oder fallen. Unabhängig davon, wie hoch die Temperatur über Tage ist. Chełm steht auf Kalkstein. Der Abbau dieses Rohstoffs sicherte zahlreichen Einwohnern der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten das Einkommen. Seit dem 15. Jahrhundert bauten sie unter der Stadt wahllos den Kalkstein ab, der ein beliebter Baustoff war. Sie trieben Stollen bis in eine Tiefe von 30 Meter. 18 Kilometer war das Labyrinth der unterirdischen Gänge lang und verlief auf fünf Ebenen. In den 1960er Jahren beschlossen die Stadtväter, einen Teil der verfallenen Stollen mit Schlamm aufzufüllen, damit von ihnen keine Gefahr für die Häuser mehr ausgeht, die über den Schächten standen. Rund zwei Kilometer Stollen wurden dagegen gesichert und für Touristen zugänglich gemacht.

Marienbasilika in ChełmPolen Fotos
Marienbasilika in Chełm. Fotos: Frank Hilbert

Geprägt wurde die Geschichte von Chełm, das am 14. Januar 1392 von König Władysław Jagiełło die Stadtrechte erhalten hatte, von zwei Religionsgemeinschaften: den Juden und der griechisch-katholischen Kirche (Uniertenkirche).
Die jüdische Gemeinde existierte seit 1440 und war damit eine der ältesten in Polen. Gut die Hälfte der Chełmer Einwohner gehörten dem jüdischen Glauben an. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde endet mit dem Zweiten Weltkrieg, als die deutschen Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung in den umliegenden Vernichtungslagern ermordeten, zum Beispiel in Sobibór. Eines der wenigen sichtbaren Überbleibsel der jüdischen Geschichte ist die Synagoge in der ul. Mikołaja Kopernika 8, die heute unter anderem als Restaurant genutzt wird.

Union von Brest

Die Geschichte der zweiten Religionsgemeinschaft, der griechisch-katholischen Kirche, beginnt mit der Union von Brest. 1596 erkannten die orthodoxen Bischöfe im polnisch-litauischen Staat die römische Rechtssprechung an, behielten jedoch ihre traditionelle Liturgie nach byzantinischem Ritus. Chełm wurde das Zentrum der griechisch-katholischen Kirche.

Der Bischofssitz der griechisch-katholischen Kirche steht im Osten der Stadt, am Góra Zamkowa Romanowicza (ein 50 m hoher Berg, von dem man einen herrlichen Ausblick über die Stadt genießen kann, außerdem sind die Reste eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert zu besichtigen). Blickfang des Gebäudeensembels des Bischofssitzes ist eine Barockkirche aus dem Jahr 1740, an deren Westseite sich zwei Türme erheben. Gleich daneben stehen der Barockpalast der unierten Bischöfe, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter Bischof Jozef Lewicki erbaut worden war, und das barocke Ustyluher Tor (Brama Uściługska) von 1616. Es wurde jedoch im 18. Jahrhundert noch einmal zum Klostertor umgebaut und ist deshalb in seiner ursprünglichen Form nicht erhalten.

Auf der anderen Seite des Góra Zamkowa befindet sich ein ehemaliges Seminar der griechisch-katholischen Kirche und die Kirche St. Niklas. Dabei handelt es sich um einen Sakralbau, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Stil des Barock errichtet worden war. Heute befindet sich im Seminar eine Kunstsammlung, die täglich - außer montags - zu besichtigen ist.

Eingang zu den Kalkstollen in Chełm
Eingang zu den Kalkstollen.

Das Ende der Uniertenkirche

Das Ende der Uniertenkirche kam während der Teilungen Polens. Chełm lag seit 1809 im russischen Teil. Unter der Herrschaft des Zaren wurde 1875 in den Gouvernements Siedlce und Lublin die Union von Brest aufgehoben und die Unierten gewaltsam der russisch-orthodoxen Kirche einverleibt.

Ein Zeugnis der Uniertenkirche steht in der ul. Henryka Sienkiewicza 1. Es sind die Orthodoxe Kirche des Heiligen Johannes des Theologen (Parafia p/w św. ap. Jana Teologa) aus dem 19. Jahrhundert (1846-1852), die im russischen Auftrag und mit russischem Geld errichtet worden war und eine Militärkirche diente. Mit dem Bau einer zweiten orthodoxen Kirche wurde 1913 begonnen. Nach der Unabhängigkeit Polens nutzten sie die Chełmer zunächst ab 1919 als Volkshaus, bevor sie zwischen 1929 und 1931 abgerissen wurde.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Sehenswert ist in Chełm noch die katholische Kirche der Aussendung der Apostel (Kościół pw. Rozesłania św. Apostołów), die zwischen 1736 und 1763 im Barockstil errichtet wurde. Nur wenige Meter entfernt, in der ul. Lubelska 55, befinden sich das Stadtmuseum mit einer ständigen Ausstellung über die Geschichte von Chełm und der Eingang zu den unterirdischen Kalkstollen (Zabytkowa Kopalnia Kredy). (fh)

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Tel.: +48 (0) 82 5653667
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E-Mail: itchelm@wp.pl
Internet: www.itchelm.pl

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Chełm, Lubelska 63, 22-100
Chełm, Lubelska 63, 22-100 Chełm (Google Maps)
  1. www.chelm.pl