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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Allenstein (Olsztyn)

Allenstein (Olsztyn) ist das Verwaltungszentrum der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Eine Reise nach Allenstein ist auch immer eine Reise in die Geschichte des Ermlandes, des Deutschen Ordens und in die der früheren Provinz Ostpreußen. Eng verbunden ist ihr Name mit dem des Astronomen und Domherrn Nikolaus Kopernikus (1473–1543), der von hier aus die Besitztümer des Ermländischen Domkapitels verwaltete.

Marktplatz von Allenstein (Olsztyn)Polen Fotos
Marktplatz von Allenstein (Olsztyn). Fotos: Frank Hilbert

1243 teilte der päpstliche Legat Wilhelm von Modena den Ordensstaat in die vier Bistümer Ermland, Kulm, Pomesanien und Samland auf. Jedes dieser Bistümer wurde mit einem Territorium ausgestattet, das ein Drittel des bischöflichen Amtsbezirkes, der Diözese, entsprach. In diesen Gebieten teilten sich die Bischöfe die landesherrschaftliche Gewalt mit dem Domkapitel. Im Ordensstaat übte also der Deutsche Orden nur über zwei Drittel seines Territoriums die unumschränkte Macht aus.
Die Bistümer waren wiederum in Kammerämter aufgeteilt. Im Ermland waren es zehn. Eines davon war das Kammeramt Allenstein, das der Bischof dem Domkapitel zur Nutzung überließ. Die Aufgabe des Kammeramtes bestand darin, das umliegende Gebiet zu besiedeln und zu verwalten. Städte und Dörfer mussten gegründet, Wälder gerodet und Mühlen gebaut werden. Als Ort für sein Verwaltungszentrum wählte das Domkapitel eine Stelle direkt am Fluss Aller aus. Es war die Geburtsstunde von Allenstein. 1347 begann das Domkapitel hier mit der Errichtung einer Burg, in die das Kammeramt einzog. Sie hatte einen quadratischen Grundriss und bestand aus den folgenden Teilen, die durch Wehrmauern miteinander verbunden waren:

  1. dem Haupthaus im Norden,
  2. dem Verwaltungs- und Wirtschaftsflügel im Süden,
  3. dem Wehrturm an der Südwestecke und
  4. dem Torturm.

1758 kam ein barockes Schlossgebäude hinzu, das den mittelalterlichen Torturm verdeckt und durch das man heute in den Burghof gelangt.

Im Schatten der Burg entwickelte sich die Stadt Allenstein, die am 31. Dezember 1353 das Stadtrecht erhielt. Umgeben war sie von einer Stadtmauer. Als sie um das Jahr 1800 herum ihre Schutzfunktion verlor, weil sich die Militärtechnik und -strategie verändert hatten, wurde sie nach und nach abgerissen. Nur an der Alle, an der Westseite der Altstadt, ist ein Stück übriggeblieben. Allensteiner, die ihre Buden an der Mauer errichtet hatten, mussten für den Erhalt der Befestigungsanlage aufkommen. Von den drei Stadttoren, dem Niedertor, dem Mühlentor und dem Hohen Tor, die den Zugang zur Stadt regelten, ist nur das Hohe Tor erhalten geblieben, weil sich der preußische König Friedrich Wilhelm IV. und der deutsche Kaiser Wilhelm II. gegen einen Abriss aussprachen und der Turm bis Ende des 19. Jahrhunderts als Gefängnis diente.
Ihren Unterhalt verdienten sich die Stadtbewohner im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit mit Holzflößen, Leinen- und Fischhandel. Sie brauten Bier, brannten Wodka und bauten Tabak an. Im 16. Jahrhundert gab es auch Tuch- und Stellmacher, Schmiede und Glaser.
Durch die Vereinbarungen des Zweiten Thorner Frieden 1466 musste der Deutsche Orden erhebliche Gebietsverluste und damit einen Machtverlust hinnehmen. Zum verlorenen Terrritorium, das sich als Preußen königlichen Anteils der Krone Polens unterstellte, gehörte neben den Städten Danzig und Elbing auch das Ermland mit Allenstein. Erst im Zuge der ersten Teilung Polens 1772 gelangte Allenstein zum Königreich Preußen und gehörte zwischen 1871 und 1945 zum Deutschen Reich.

Allensteiner Burg – Arbeitsplatz von Nikolaus Kopernikus

Vom Allensteiner Markt führt die ul. Zamkowa an der Evangelischen Kirche vorbei zur Burg. Untrennbar mit ihr verbunden ist der Name Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), der mit einer kurzen Unterbrechung von 1516 bis 1520 hier lebte und die Besitzungen des Ermländischen Domkapitels in Allenstein und in Mehlsack (Pieniężno) verwaltete. Kopernikus bewohnte eine Kammer im Nordflügel, in der er auch Teile seines Heliozentrischen Weltbildes entwickelte. Über der Tür zu seinen Wohnräumen sind Fragmente einer Kurve der Tagundnachtgleiche erhalten geblieben, die Kopernikus gezeichnet haben soll.
Das Ermland konnte sich innerhalb des Ordensstaates eine relativ große Unabhängigkeit bewahren. In der Mitte des 15. Jahrhunderts zum Beispiel gab es einen Machtkampf, den der Deutsche Orden verlor. Damals hatte sich der Orden vom Papst die Erlaubnis geben lassen, zwei der 24 Domhernstellen im Ermland zu besetzen. Jedoch konnte er seinen Anspruch nicht durchsetzen.
Kopernikus leistete nach 1466 ebenfalls einen Beitrag zur Wahrung der Unabhängigkeit. 1519 zettelte der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Preußen, den "Reiterkrieg" an, um die Macht des Deutschen Ordens noch einmal auszuweiten. Während des Krieges marschierten die Ordensritter auf Allenstein zu. Kopernikus mobilisierte alle zur Verfügung stehenden militärischen Kräfte, sodass der Orden von einem Angriff auf die Stadt absah. Daran erinnert eine Tafel in seiner Wohnkammer in der Burg mit einem Auszug aus einem Brief, in dem er den polnischen König Zygmund Stary um Hilfe bat:

Unter seiner Majestät Obhut flüchtend, empfehlen und vertrauen wir unser ganzes Gut und uns selber an.

In der Burg befindet sich neben der Ausstellung über Kopernikus noch eine mit zahlreichen archäologischen, ethnografischen und naturwissenschaftlichen Ausstellungsstücken. 
An Kopernikus erinnert auch eine Büste, die im Schlosspark hinter der Burg steht. Angefertigt hat sie 1916 der Bildhauer Johannes Götz. Sie entstand auf Initiative des damaligen Pfarrers Bernhard Gigalski und wurde mit Spendengeldern finanziert. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. spendete 10.000 Mark aus seinem Privatvermögen. Enthüllt wurde die Büste im November 1916 – 400 Jahre, nachdem Kopernikus in Allenstein seinen Dienst als Verwalter des Ermländischen Domkapitels angetreten hatte. Sie trug die Inschrift "Geistesgewaltig wiesest zuerst du die Bahnen der Erde; dieser Stadt und der Burg brachtest du Segen und Schutz".

Attentat auf Napoleon Bonaparte vereitelt

Die meisten Häuser auf dem Alten Markt stammen aus der Nachkriegszeit und sind mit Medaillons verziert, die in der Sgraffito-Technik angefertigt worden sind. Auf zwei der Medaillons sind die Portraits von Nikolaus Kopernikus und des masurischen Volksdichters Michał Kajka (1858 – 1940) abgebildet. Nur an der Nordseite des Marktes sind zwei Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten geblieben. In der Marktmitte steht das Alte Rathaus, das heute die Wojewodschaftsbibliothek beherbergt.
1807 wäre auf dem Marktplatz beinahe der Verlauf der europäischen Geschichte verändert worden. Im Februar 1807 marschierte die Grande Armée in Allenstein ein. Als der französische Kaiser Napoleon Bonaparte über den Markt ritt, kam es zu einem Attentatsversuch. Ein preußischer Jäger zielte vom Dach des "Grunenbergschen Hauses" (Haus Nr. 8) mit seinem Gewehr auf den französischen Kaiser. Allensteiner Bürger entwanden ihm die Waffe, bevor er einen Schuss abgeben konnte.
In die nur wenige Meter vom Alten Markt entfernten St. Jakobuskirche, die aus dem 14. Jahrhundert stammte, sperrten die Franzosen übrigens 1.500 Kriegsgefangene ein, die das Inventar verbrannten, um sich am Feuer zu wärmen.

Wirtschaftlicher Ab- und Aufschwung

Die Folgen des Schwedischen Krieges (1655 – 1660) waren für Ostpreußen furchtbar. In den beiden Kriegsjahren 1656 und 1657 kamen 23.000 Ostpreußen ums Leben, 80.000 Menschen starben an den Folgen des Krieges wie Hunger und Pest, 13 Städte und über 200 Dörfer wurden zerstört. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges, der von 1756 bis 1763 dauerte und in dem Preußen eigentlich mit Österreich um die Herrschaft in Schlesien stritt, besetzte Russland Ostpreußen für vier Jahre. Allenstein konnte sich den politischen Turbulenzen und ihren Folgen nicht entziehen, sodass um das Jahr 1800 herum einige historische Gebäude abgerissen werden mussten, für deren Erhalt das Geld fehlte. Zu ihnen gehörte die aus dem 14. Jahrhundert stammende Heilig-Kreuz-Kirche, die 1803 abgetragen wurde. Erhalten geblieben ist nur ihr Altar, der im rechten Seitenschiff der St. Jakobuskirche ein neues Zuhause gefunden hat.
Wirtschaftlich aufwärts ging es erst wieder ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Wende brachte der Bau von Eisenbahnlinien, durch die Allenstein zu einem wichtigen Verkehrsknopenpunkt avancierte. Dem Wirtschaftsboom folgten der Bau von Schulen und neuer Kirchen (1877: Evangelische Kirche, 1901: Herz-Jesu-Kirche, 1913: St. Josefskirche, 1914: Garnisonskirche). Noch im 19. Jahrhundert wurden eine Kanalisation angelegt und Wasserleitungen verlegt. Wie gut es der Stadt damals ging, zeigt sich an der Bevölkerungsentwicklung. In Allenstein wuchs die Zahl der Einwohner von 7.610 im Jahr 1880 auf 33.077 im Jahr 1910. Das war eine beachtliche Entwicklung in der ansonsten strukturschwachen durch die Landwirtschaft geprägten Provinz Ostpreußen.

Bürgervillen als Zeichen des Wohlstandes

Der Teil von Allenstein nördlich des Hohen Tores ist geprägt von Häusern, Kirchen und Verwaltungsgebäuden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und Ausdruck des wachsenden Wohlstandes jener Zeit sind. Ein Beispiel für eine Bürgervilla steht an der Ecke ul. Krzysztofa Mrongowiusza / ul. Dąbrowszczaków. Das vierstöckige im Jugendstil errichtete Haus besitzt ein verspieltes Dach und einen mit Blumenranken verzierten Giebel. Ein Blick in den Hausflur mit seinen noch original erhaltenen Fliesen und Wohnungstüren lohnt sich. Ein weiteres historisch interessantes Gebäude ist das Dom Polski (Polnische Haus) in der ul. Partyzantów 87, in dem in der Zwischenkriegszeit eine polnische Schule, ein Lesesaal untergebracht waren. Auch die polnische Volksbank, die die polnische Landwirtschaft und das polnische Handwerk unterstützte, hatte hier ihren Sitz. Errichtet worden war der stattliche Bau von Otto Holzky, der in ihm das Hotel "Reichshof" betrieb. Bevor es 1919 an polnische Organisationen verkauft wurde, wechselte es noch mehrere Male den Eigentümer.

Die Stadt wuchs und mit ihr die Verwaltung. Um den steigenden Bedarf an Büroräumen zu befriedigen, bewilligte die Stadtverordnetenversammlung 1911 700.000 Mark für den Bau eines neuen Rathauses. Die Grundsteinlegung fand am 31. Oktober 1912 – 559 Jahre nachdem Allenstein das Stadtrecht erhalten hatte – statt, und 1915 zog die Stadtverwaltung in ihre neues Zuhause (heute plac Jana Pawla II 1) ein. In der Zwischenzeit hatte der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) begonnen. Truppen des russischen Zarenreiches waren mehrmals in der Provinz Ostpreußen einmarschiert und hatten eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Viele Städte und Dörfer waren zerstört und 800.000 Menschen befanden sich auf der Flucht vor dem Krieg. Russische Truppen besetzten vorübergehend auch Allenstein. 1915 gelang die endgültige Vertreibung des Feindes aus Ostpreußen. Vor dem Hintergrund der Kriegsereignisse gestalteten die Allensteiner die Fassade ihres neuen Rathauses. Die Schlusssteine der Rundbögenfenster im Parterre stellten die Köpfe der deutschen Feinde dar, den eines Franzosen, eines Engländers, eines Russen, eines Italieniers und eines Japaners. Mit Kriegsszenen wurden die Friese des Erkers ("Russenerker") in der Südostecke, der über zwei Stockwerke reichte, ausgestaltet:

  1. Reihe: Darstellung des Abschusses eines russischen Flugzeuges durch zwei deutsche Soldaten, Stadtvertreter verhandeln mit einem russischen General, eine Frau und ein Mann beim Brotbacken, deutsche Soldaten halten einen russischen Zweiradkarren an, der Brot aus der Stadt abholt
  2. Reihe: ein Adler auf einem Stein sitzend, Artillerie, deutsche Infanterie, fliehende Russen, der fliehende russische Bär
  3. Reihe mit Bildnissen deutscher Feldherren: Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, General Friedrich von Scholtz und General Otte von Below, zwei Eiserne Kreuze mit Kranzumfassung

Die Verzierungen wurden vermutlich nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt. Erhalten geblieben sind die Steinfiguren an den Pfeilern der Fenster des großen Sitzungssaales an der Westseite (ul. 1 Maja), die für die Tugenden Gerechtigkeit, Weisheit, Schönheit, Stärke und Fleiß stehen.

Das Hohe Tor in Allenstein (Olsztyn)
Das Hohe Tor ist das Wahrzeichen der Stadt und das letzte erhaltene mittelalterliche Stadttor.

"Volkstumskampf"

Ungetrübt war die Stimmung in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht. Allenstein lag direkt an der Grenze zu Masuren, das ebenfalls zu Ostpreußen gehörte. Im Allensteiner Umland lebten folglich viele Masuren. Sie waren protestantisch und sprachen einen polnischen Dialekt, der in ihrem religiösen Leben eine bedeutende Rolle spielte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Deutschland ein übersteigerter Nationalismus, der den Anpassungsdruck auf die polnischsprachige Bevölkerung in Masuren erhöhte. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 setzte unter Reichskanzler Otto von Bismarck eine institutionelle Germanisierung ein. Im Zuge des sogenannten "Volkstumskampfes" durfte in Schulen kein Polnisch mehr gesprochen werden, Gottesdienste auf Polnisch wurden verboten.
Die Masuren blieben trotz aller Schikanen kaisertreu und nationalkonservativ. Das bewiesen sie nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), den Deutschland verloren hatte. Es musste den Versailler Vertrag unterzeichnen, der in etlichen Grenzregionen mit ethnisch gemischter Bevölkerung die Durchführung von Volksabstimmungen über den Verbleib der Gebiete im Deutschen Reich vorschrieb. Abgestimmt wurde auch im südlichen Ostpreußen. Hier sollten sich die Menschen entscheiden, ob sie zukünftig im Deutschen Reich oder in der Zweiten Polnischen Republik leben wollten. Für die Wahlen am 11. Juli 1920 wurde das Abstimmungsgebiet Allenstein eingerichtet, zu dem der Regierungsbezirk Allenstein und der Kreis Oletzko (Masuren) gehörten. 1910 hatten in dieser Region bei einer Befragung noch 44,1 Prozent der Menschen Polnisch als Muttersprache angegeben. Trotz des hohen polnischsprachigen Anteils votierten 97,89 Prozent der Menschen im Abstimmungsgebiet Allenstein für das Deutsche Reich.
In und um Allenstein herum, einer Gegend, die zum Ermland gehörte und überwiegend katholisch war, sah die Situation etwas anders aus. Hier konnte sich eine propolnische Bewegung organisieren. Zu ihrem Abstimmungslied wurde "Warmio" ("O Ermland") des Komponisten Feliks Nowowiejski (1877–1946). Ihr Abstimmungskomitee befand sich im Polnischen Haus (Dom Polski). Die Bewegung war jedoch so unbedeutend, dass sie keinen entscheidenden Einfluss auf das Abstimmungsergebnis nehmen konnte. Mit 86,53 Prozent der Stimmen für Deutschland lag das Wahlergebnis im Landkreis Allenstein rund 11 Prozent unter dem Durchschnitt im gesamten Abstimmungsgebiet. In Allenstein Stadt stimmten 16.742 Personen für den Verbleib in Deutschland und 342 (knapp über zwei Prozent) für Polen.

Ganz in der Nähe des Hohen Tores, am Targ Rynek (Fischmarkt), steht das historische Gebäude der "Gazeta Olsztyńska" (dt. Allensteiner Zeitung), in dem sich zwischen 1920 und 1939 die Redaktion und die Druckerei der Zeitung befanden. Sie war das Sprachrohr des sich zur polnischen Kultur und zur polnischen Sprache bekennenden Teils der Bevölkerung. Unter schwierigen Bedingungen konnte die Zeitung noch in der Zeit des Nationalsozialismus bis 1939 erscheinen. Dann schlossen die Deutschen das Blatt und deportierten die Redakteure in Konzentrationslager. Zu ihnen gehörte Seweryn Pieniężny, den die Deutschen 1940 in einem Konzentrationslager bei Königsberg ermordeten. Ihm zu Ehren wurde 1947 das ermländische Mehlsack in Pieniężno umbenannt. Eine Ausstellung im Gebäude der "Gazeta Olsztyńska" beleuchtet die Ereignisse in der damaligen Zeit.

1945: Zerstörung trotz Kapitulation

Bei den Reichstagswahlen im März 1933 konnten die Nationalsozialisten in der Provinz Ostpreußen 56,5 Prozent der Stimmen erringen. Im Regierungsbezirk Allenstein waren es 53 Prozent. Sofort nach ihrer Machtergreifung begannen die Nationalsozialisten die jüdischen Einwohner der Stadt zu schikanieren, indem sie zu einem Boykott der jüdischen Geschäfte aufriefen. Jedoch stießen die antijüdischen Aktionen in Teilen der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe, wie Berichten der NSDAP aus jener Zeit zu entnehmen ist. 1933, als die jüdische Gemeinde noch 448 Mitglieder zählte, empfahl der Kreisleiter der NSDAP in Zukunft "Aktionen gegen das Judentum geheim" zu halten. "Denn durch die Ankündigung des Boykotts wurde hier in Allenstein gerade das Gegenteil erreicht. Die jüdischen Geschäfte waren an beiden vorhergehenden Tagen direkt überfüllt." Die Nationalsozialisten ließen sich jedoch nicht von weiteren antisemitischen Aktionen abhalten. 1936 schändeten sie den Friedhof, und in der Pogromnacht am 9. November 1938 ließen sie die Synagoge in Flammen aufgehen. 1938 wurden die jüdischen Einwohner der Stadt unter ghettoähnlichen Bedingungen in Gemeindewohnungen eingesperrt und von der Gestapo bewacht. Später wurden sie in andere Ghettos oder Vernichtungslager deportiert.
Einer der bedeutendsten Allensteiner war der Architekt Erich Mendelsohn (1887–1953). Bekannt wurde er durch die Realisierung seiner Pläne für den Einsteinturm in Potsdam, die Hutfabrik in Luckenwalde, die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin und das Kaufhaus Schocken in Stuttgart, das allerdings 1960 abgerissen wurde. Eine seiner ersten Bauten, die er noch während seines Studiums entwarf, war die Trauerhalle des jüdischen Friedhofs in der Seestraße (heute ul. Zyndrama z Maszkowic 2) in Allenstein. Das Taharahaus konnte 1913 seiner Bestimmung übergeben werden und überstand die Zeit des Nationalsozialismus. 2013 wurde es restauriert und kann besichtigt werden. Der angrenzende jüdische Friedhof, den die Nationalsozialisten 1936 geschändet haben, wurde 1960 von der nun polnischen Stadtverwaltung eingeebnet, aber nicht bebaut.

Anfang 1945, kurz vor Ende des II. Weltkrieges, flüchteten die meisten Einwohner vor der heranrückenden Front. Soldaten der Roten Armee nahmen Allenstein am 22. Januar kampflos ein. Nach dem Einmarsch legten sie zahlreiche Feuer, die über 1.000 Häuser und damit 40 Prozent der Bausubstanz zerstörten. Verschont blieb die Burg. Am 23. Mai 1945 übergab der sowjetische Stadtkommandant die Verwaltung an die polnische Zivilverwaltung. Die noch in der Stadt verbliebenen (deutschen) Allensteiner mussten ihre Heimatstadt verlassen. Viele neue Bewohner kamen aus den ehemals polnischen Ostgebieten, die nun aufgrund der Westverschiebung Polens zur Sowjetunion gehörten. Es waren Zwangsumgesiedelte, die die polnische Regierung euphemistisch als "Repatrianten" (in die Heimat Zurückgeführte) bezeichnete. Ihr Anteil an der Stadtbevölkerung lag 1950 bei 42,8 Prozent. Andere kamen aus dem zerstörten Warschau (Warszawa) oder Zentralpolen, um in Allenstein eine neue Heimat zu finden. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Burg, Baubeginn im 14. Jahrhundert, ul. Zamkowa 2
  • Hohes Tor, war Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, die im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde, ul. Staromiejska 16
  • Kathedralbasilika St. Jakob, erbaut zwischen 1370 und 16. Jahrhundert, ul. Stanisława Staszica 5
  • Planetarium, aleja Marszałka Józefa Piłsudskiego 38
  • Altes Rathaus, Stare Miasto 33
  • Alter Markt, Stare Miasto
  • Neues Rathaus, plac Jana Pawla II 1
  • Haus der Allensteiner Zeitung, pl. Targ Rybny 1
  • Jüdischer Friedhof mit Taharahaus von 1913, ul. Zyndrama z Maszkowic 2
  • Kopernikusbüste, 1916 von Bildhauer Johannes Götz angefertigt, steht nordöstlich der Burg im Schlosspark, Geodaten: 53.778023, 20.473231

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Allenstein (Olsztyn), Polen05.12.2020 – 18:57 Uhr
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Wirtschaft

Tourismus, Produktion von ökologischen Lebensmittel, Holzindustrie, Forstwirtschaft, Ökotourismus, Reifenherstellung, Maschinen- und Anlagenbau

Einwohner

173.850 (Stand 2005)

Bildung:

Universität (Uniwersytet Warmińsko-Mazurski)

Sehenswürdigkeit

Museum der Region Ermland und Masuren
Zamkowa 2
10-959 Olsztyn
E-Mail: zamek@muzeum.olsztyn.pl
Internet: muzeum.olsztyn.pl

Touristeninformation

Touristeninformation
Plac Jana Pawła II
10-959 Allenstein (Olsztyn)
Tel.: +48 (0) 89 5210398
E-Mail: info@olsztyn.eu
Internet: www.olsztyn.eu

Anmerkung:

Eingang von der ul. 1 Maja.


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