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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Allenstein (Olsztyn)

Olsztyn (dts. Allenstein) ist das Verwaltungszentrum der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die Stadt liegt am Fluss Alle und wurde 1348 zum ersten Mal erwähnt. Das Stadtrecht erhielt Allenstein am 31. Dezember 1353 vom ermländischen Domkapitel. Eines der historischen Wahrzeichen ist das Hohe Tor am Anfang der ul. Prosta Staromiejska. Es war Teil der Stadtmauer, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Marktplatz von Allenstein (Olsztyn)Polen Fotos
Marktplatz von Allenstein (Olsztyn). Fotos: Frank Hilbert

Die Stadt blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Bis 1466 gehörte Allenstein zum Ordensstaat, der in vier Bistümer aufgeteilt war. Allenstein lag im Bistum Ermland. Das Ermländer Domkapitel errichtete zwischen 1347 und 1397 eine Burg direkt am Flüsschen Alle, in die das Kammeramt einzog. Seine Aufgabe bestand darin, das umliegend Gebiet zu erschließen und zu verwalten.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verdienten sich die Stadtbewohner ihren Unterhalt mit Holzflößen, Leinen- und Fischhandel. Siebrauten Bier, brannten Wodka und bauten Tabak an. Im 16. Jahrhundert gab es auch Tuch- und Stellmacher, Schmiede und Glaser.
Durch die Vereinbarungen im Zweiten Thorner Frieden 1466 musste der Deutsche Orden erhebliche Gebietsverluste und damit einen Machtverlust hinnehmen. Zum verlorenen Terrritorium, das sich als Preußen königlichen Anteils der Krone Polens unterstellte, gehörte neben Städten wie Danzig und Elbing auch Allenstein.

Wirtschaftlicher Ab- und Aufschwung

Zahlreiche Kriege und eine Pestepidemie zwischen 1709 und 1711  hatten den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt zur Folge, sodass um 1800 einige historische Gebäude abgerissen werden mussten. Zu ihnen gehörte die aus dem 14. Jahrhundert stammende Heilig-Kreuz-Kirche, die 1803 abgetragen wurde. Seit der ersten Teilung Polens 1772 gehörte Allenstein zum Königreich Preußen.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Allenstein einen wirtschaftlichen Aufschwung. Auslöser war der Bau von Eisenbahnlinien, durch den Allenstein zu einem wichtigen Verkehrsknopenpunkt avancierte. Dem Wirtschaftsboom folgten der Bau von Schulen und neuer Kirchen (1877: Evangelische Kirche, 1901: Herz-Jesu-Kirche, 1913: St. Josefskirche, 1914: Garnisonskirche). Noch im 19. Jahrhundert wurden eine Kanalisation gebaut und Wasserleitungen verlegt. Der wirtschaftliche Aufschwung dauerte auch in den 1920er Jahren an. In dieser Zeit nahm ein Theater den Spielbetrieb auf. Ab 1926 bediente eine Fluglinie die Strecke Allenstein - Danzig.
Den wirtschaftlichen Aufschwung spiegelt die Bevölkerungsentwicklung wider. In Allenstein wuchs die Bevölkerung von 7.610 im Jahr 1880 auf 33.077 im Jahr 1910. Das war eine beachtliche Entwicklung.

"Volkstumskampf"

Ungetrübt war die Stimmung in jener Zeit nicht. Im 19. Jahrhundert lag Allenstein in Ostpreußen unweit der Grenze zu Masuren, das ebenfalls zu Ostpreußen gehörte. Im Allensteiner Umland lebten folglich viele Masuren. Sie waren  protestantisch, sprachen einen polnischen Dialekt, der in ihrem religiösen Leben eine bedeutende Rolle spielte, und waren überzeugte Preußen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein übersteigerter Nationalismus, der den Anpassungsdruck auf die polnischsprachige Bevölkerung erhöhte.  Unter Reichskanzler Otto von Bismarck setzte eine verstärkte Germanisierung in Ostpreußen ein. Im Zuge des sogenannten "Volkstumskampfes" durfte an den Schulen kein Masurisch (Polnisch) gesprochen werden. Trotzdem gaben 1910 im Rahmen einer Umfrage noch 44,1 Prozent Polnisch als Muttersprache an.
Die Masuren blieben treue Staatsbürger. Das bewiesen sie nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918). Den Ersten Weltkrieg verlor Deutschland und musste den Versailler Vertrag unterschreiben. Dieser schrieb in etlichen Grenzregionen, unter anderem im südlichen Ostpreußen, die Durchführung einer Volksabstimmung über den Verbleib des Gebietes im Deutschen Reich vor. In Allenstein votierten 86,53 Prozent der Einwohner für Deutschland. Im gesamten Abstimmungsgebiet Allenstein waren es trotz des hohen polnischsprachigen Anteils 97,89 Prozent. Die polnischsprachige Bevölkerung verhielt sich also loyal zu Deutschland. Im südlichen Ermland, das katholisch war, sah die Situation trotzdem etwas anders aus. In und um Allenstein herum konnte sich eine propolnische Bewegung organisieren. Zu ihrem Abstimmungslied wurde "Warmio" ("O Ermland") des Komponisten Feliks Nowowiejski (1877-1946).

Anfang 1945, kurz vor Ende des II. Weltkrieges, flüchteten die meisten Einwohner der Stadt vor der heranrückenden Front. Soldaten der Roten Armee nahmen die Stadt am 22. Januar kampflos ein. Die sowjetischen Soldaten legten nach dem Einmarsch zahlreiche Feuer, die über 1.000 Häuser und damit 40 Prozent der Bausubstanz zerstörten.
Allenstein gehört seit dem Ende des II. Weltkrieges zu Polen. Die noch in der Stadt verbliebenen (deutschen) Allensteiner mussten ihre Heimatstadt verlassen. Viele neue Bewohner kamen - ebenfalls als Flüchtlinge - aus den ehemals polnischen Ostgebieten, die nun zur Sowjetunion gehörten. Ihr Anteil an der Stadtbevölkerung lag 1950 bei 42,8 Prozent. Es handelte sich um Vertriebene, die im Nachkriegspolen euphemistisch als "Repatrianten" bezeichnet wurden. Andere kamen aus dem zerstörten Warschau (Warszawa) oder Zentralpolen, um in Allenstein eine neue Heimat zu finden. Am 23. Mai 1945 übergab der sowjetische Armeekommandant die Verwaltung der Stadt an die polnische Zivilverwaltung.

Das Hohe Tor in Allenstein (Olsztyn)
Das Hohe Tor ist das Wahrzeichen der Stadt.

"Gazeta Olsztyńska"

Die Narben des Krieges sind noch zu sehen. Den historischen Stadtkern haben die Allensteiner in Ahnlehnung an die alte Architektur neu errichtet. Originalgetreu aufgebaut haben sie ihn nicht. Gleich hinter dem Hohen Tor auf der rechten Seite wurde am Targ Rynek (Fischmarkt) das historische Gebäude der "Gazeta Olsztyńska" (dt. Allensteiner Zeitung) rekonstruiert, in dem sich zwischen 1920 und 1939 die Redaktion und die Druckerei der Zeitung befanden. Die Zeitung war das Sprachrohr des sich zur  polnischen Kultur und zur polnischen Sprache bekennenden Teils der Bevölkerung. Unter schwierigen Bedingungen konnte die Zeitung noch in der Zeit des Nationalsozialismus bis 1939 erscheinen. Dann schlossen die Deutschen das Blatt und schickten die Redakteure in Konzentrationslager. Zu ihnen gehörte Seweryn Pieniężny, der 1940 in einem Konzentrationslager bei Königsberg ermordet wurde. Ihm zu Ehren wurde 1947 das ermländische Mehlsack in Pieniężno umbenannt. Eine Ausstellung im Gebäude der "Gazeta Olsztyńska" beleuchtet die Ereignisse in der damaligen Zeit.

Alter Markt - Attentat auf Napoleon Bonaparte vereitelt

Ein Stück weiter liegt der Alte Markt (Stare Miasto). Die meisten Häuser sind aus der Nachkriegszeit und verziert mit Medaillons, die in der Sgraffito-Technik angefertigt worden sind. Die Medaillons stellen unter anderem die Portraits von Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) und des masurischen Volksdichters Michał Kajka (1858 - 1940) dar. Nur an der Nordseite des Marktes sind noch zwei Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. In der Mitte des Marktes steht das Alte Rathaus, in dem heute die Woiwodschaftsbibliothek untergebracht ist.
1807 wäre beinahe auf dem Marktplatz der Verlauf der europäischen Geschichte geändert worden. Im Februar 1807 marschierte die Grande Armée in Allenstein ein. Als der französische Kaiser Napoleon Bonaparte über den Markt ritt, kam es zu einem Attentatsversuch. Ein preußischer Jäger zielte vom Dach des "Grunenbergschen Hauses" (Haus Nr. 8) mit seinem Gewehr auf den französischen Kaiser. Allensteiner Bürger entwanden ihm das Gewehr, bevor er einen Schuss abgeben konnte.

Allensteiner Burg - Arbeitsplatz von Nikolaus Kopernikus

Vom Markt führt die ul. Zamkowa an der Evangelischen Kirche vorbei zur Burg, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. Bekannt geworden ist sie durch Nikolaus Kopernikus (1473-1543), der mit einer kurzen Unterbrechung von 1516 bis 1520 hier lebte und im Auftrag des Ermländer Domkapitels als Verwalter dessen Besitztümer in und um Allenstein und Mehlsack (Pieniężno) führte. Allenstein gehörte zum Bistum Ermland, das sich innerhalb des Ordensstaates eine relative Unabhängigkeit bewahren konnte. In der Mitte des 15. Jahrhunderts zum Beispiel gab es einen Machtkampf, den der Orden verlor. Damals hatte sich der Orden vom Papst die Erlaubnis geben lassen, zwei der 24 Domhernstellen zu besetzen. Jedoch konnte er seinen Anspruch nicht durchsetzen.
Kopernikus leistete ebenfalls einen Beitrag zur Wahrung der Unabhängigkeit. 1519 zettelte der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Preußen den "Ritterkrieg" an, um seine Macht noch einmal auszubauen. Während des Krieges marschierten die Ordensritter auf Allenstein zu. Kopernikus mobilisierte alle Kräfte, sodass der Orden von einem Angriff auf die Stadt absah. Daran erinnert noch heute eine Tafel in seiner Wohnkammer mit einem Auszug aus einem Brief, in dem er den polnischen König Zygmund Stary um Hilfe bat:

Unter seiner Majestät Obhut flüchtend, empfehlen und vertrauen wir unser ganzes Gut und uns selber an.

In der Burg befindet sich neben der Ausstellung über Kopernikus noch eine mit zahlreichen archäologischen, ethnografischen und naturwissenschaftlichen Ausstellungsstücken. Die Burg wurde seit ihrem Bau mehrmals verändert. 1758 kam ein barockes Schlossgebäude hinzu. Der Eingang zur Burg ist Teil des Schlosses.

Schlosspark und Garnisonskirche

Folgt man hinter der Burg der ul. Zamkowa weiter nach Westen und überquert eine kleine Brücke, die über die Aller führt, gelangt man in den Schlosspark. Von hier ist bereits der Turm der 1913 im neogotischen Stil errichteten Garnisonskirche zu sehen. Rechts im Park steht ein Denkmal zu Ehren von Kopernikus. Es wurde auf Initiative des Deutschen Kaisers Wilhelm II. errichtet, der für den Bau aus seinem Privatvermögen eine Summe von 10.000 Mark gespendet hatte. Enthüllt wurde das Denkmal im November 1916 – 400 Jahre, nachdem Kopernikus in Allenstein seinen Dienst als Verwalter angetreten hatte.

Nur wenige Meter vom Alten Markt in östlicher Richtung steht die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete St. Jakobuskirche mit ihrem 70 Meter hohen Turm. Ihre Inneneinrichtung ist während der französischen Besatzung zerstört worden. Die Franzosen sperrten im Winter 1807 in der Kirche 1500 Kriegsgefangene ein, die das Inventar verbrannten, weil sie froren. Im rechten Seitenschiff ist aber noch der Altar der 1803 abgerissenen Heilig-Kreuz-Kirche zu bewundern.

Bürgervillen als Zeichen des Wohlstandes

Der Teil von Allenstein nördlich des Hohen Tores ist geprägt von Häusern, Kirchen und Verwaltungsgebäuden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Dazu zählt das Rathaus (1912 bis 1915) am Plac Wolności (Platz der Freiheit). Ausdruck des wachsenden Wohlstandes jener Zeit sind einige erhalten gebliebene Bürgervillen. Eine steht an der Ecke ul. Mrongowiusza zur ul. Dąbrowszczaków. Das vierstöckige im Jugendstil errichtete Bürgerhaus besitzt ein verspieltes Dach und einen mit Blumenranken verzierten Giebel. Ein Blick in den Hausflur mit seinen noch original erhaltenen Fliesen und Wohnungstüren lohnt sich. Ein weiteres historisch interessantes Gebäude ist das Dom Polski (Polnische Haus), in dem in der Zwischenkriegszeit eine polnische Schule, ein Lesesaal und eine Volksbank untergebracht waren. 1920 wurde in diesem Haus das polnische Volksabstimmungskomitee eingerichtet.
Einen Besuch wert ist auch das Kopernikus-Planetarium in der ul. Żołnierska 13 am östlichen Ende der Stadt. (fh)

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Landkarte Polen mit Allenstein (Olsztyn)

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Allenstein (Olsztyn), Polen17.11.2018 – 01:33 Uhr
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Einwohner

173.850 (Stand 2005)

Bildung:

Universität (Uniwersytet Warmińsko-Mazurski)

Sehenswürdigkeit

Naturkundemuseum (Muzeum Przyrody)
ul. Metalowa 8
10-603 Olsztyn
Tel.: +48 (0) 89 5334780
E-Mail: muz.przyr@muzeum.olsztyn.pl
Internet: www.muzeum.olsztyn.pl

Touristeninformation

Informacja Turystyczna
Plac Jana Pawła II
10-959 Allenstein (Olsztyn)
Tel.: +48 (0) 89 5210398
E-Mail: info@olsztyn.eu
Internet: www.olsztyn.eu
Anmerkung:
Eingang von der ul. 1 Maja.

  1. www.olsztyn.eu (offizielle Seite der Stadt Allenstein, polnisch, deutsch, englisch)
  2. www.facebook.com/mit.olsztyn (Olsztyn auf Facebook)
  3. www.planetarium.olsztyn.pl (Internetseite des Planetariums, Polnisch, Englisch und Russisch)