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Lebbin (Lubin) auf der Insel Wollin, Polen

"Das hier war einmal die größte Zementfabrik Europas. Das, was Sie jetzt sehen, sind die Überbleibsel der Werkswohnungen, die der Fabrikgründer für seine Beschäftigten hat bauen lassen. Der Ort zählte bis 1945 fast 2500 Einwohner. Dann kamen die Russen, bauten alle Maschinen ab und wollten sie in die Sowjetunion bringen. Blöd nur, dass ihr Schiff mit der gesamten Ladung bald unterging", sagt der ältere Mann schmunzelnd, ohne auch nur für einen Moment von seinem frisch geangelten Zander abzulassen, den er ebenso beherzt auf dem Deckel eines verrosteten Ölfasses säubert. Wir stehen vor einer von Unkraut überwucherten Betonruine. Wenige Meter hinter uns wiegen sich auf den Wellen des Stettiner Haffs sanft bunte Fischer- und Anglerboote. Ein Graureiherpärchen fliegt kreischend über uns hinweg.

Aussichtspunkt mit Café am Swinedelta in Lubin auf WollinPolen Fotos
Aussichtspunkt mit Café am Swinedelta in Lubin. Foto: Frank Hilbert

Das heute kaum 300 Seelen zählende, malerisch am Swinedelta gelegene Dorf Lubin (Lebbin), wird nur im Sommer ein wenig trubeliger, wenn die Sportangler kommen und die vielen Sommerhäuschen am Rande des Naturschutzgebiets zum Leben erwachen. Große Betonpfeiler am Ortseingang erinnern an die 1855 vom Stettiner Kommerzienrat Johannes Quistorp gegründete Portlandfzementfabrik, zu der ein Hafen gehörte, in dem der Zement verschifft wurde. Der sozial engagierte Unternehmer baute für seine 600 Beschäftigten auf dem Fabrikgelände nicht nur Wohnungen, sondern auch eine Schule, ein Arbeiter-Bildungsinstitut und sogar ein Witwenhaus. Auch die heute für den beschaulichen Ort zu überdimensioniert wirkende gotische Backsteinkirche wurde zur Blütezeit von Lebbin (1861) gebaut.

See mit türkisgrüner Färbung

Die für die Herstellung von Zement benötigte Kreide wurde im Nachbarort Kalkofen (Wapnica) abgebaut und mit einer Schmalspur- und Drahtseilbahn zum Zementwerk nach Lebbin transportiert. Nachdem die Russen die Fabrik nach Kriegsende demontiert hatten, wurde der Kreidebruch geflutet und es entstand der Türkisee (Jezioro Turkusowe). Im Wasser gelöste Mineralien verleihen dem See bei bestimmten Lichtverhältnissen seine namensgebende türkisgrüne Färbung. Der unter Landschaftsschutz stehende See mit seinem Rundweg ist heute eines der beliebten Ausflugsziele im Wollliner Nationalpark. Wenn man der Abzweigung auf halber Höhe des Waldweges in Richtung Lebbin folgt, erreicht man den Sandberg (Piaskowa Góra), von dem sowohl einen guten Blick auf den Türkissee wie auch auf den kleinen Vietziger See, (Jezioro Wicko Małe), einer Bucht des Stettiner Haffs, hat. Eine knappe Viertelstunde später führt der Weg zu einer weiteren Attraktion: der Anhöhe „Wzgórze Zielonka“. Der Aussichtspunkt bietet einen herrlichen Rundblick über das Stettiner Haff und das weite, mäanderförmige Rückflussdelta der Swine. Bei besonders gutem Wetter reicht die Sicht sogar bis nach Ahlbeck.

Hafen und Zementfabrik in Lebbin (Lubin)
Hafen und die Überreste der Zementfabrik in Lubin. Foto: Frank Hilbert

Ein weiteres Highlight von Lubin ist die Ausgrabungsstätte „Castellum Lubinum“. Auf diesem zunächst auf den Besucher unscheinbar wirkenden Hügel wurde im 11. Jahrhundert auf den Grundmauern eines bronzezeitlichen Burgwalls eine Schutzburg mit einem Wachturm an der Einfahrt zur Swine errichtet. Wahrscheinlich wurde die Burg 1173 bei einem Kriegszug des dänischen Königs Waldemars I. zerstört. Bei archäologischen Ausgrabungen 2008/2009 unter der Leitung von Professor Marian Rębkowski vom Stettiner Institut für Archäologie und Ethnologie entdeckten polnische Archäologen zahlreiche Keramikscherben und menschliche Knochen aus dem Frühmittelalter sowie die Überreste der ältesten Kirche Pommerns, der 1124 auf der Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg gegründeten St. Nikolaus-Kirche. Die Fundamente der Kirche wurden freigelegt, gesichert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ganz oben auf dem weitläufigen Ausgrabungsgelände, das sich gut 50 Meter über dem Meeresspiegel befindet, befindet sich eine Aussichtsterrasse mit einem kleinen Cafe, von der aus man eine atemberaubende Aussicht auf das Haff hat. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Neogotische Kirche aus dem Jahr 1861
  • Ausgrabungsstätte "Castellum Lubinum" mit den freigelegten Überresten der St. Nikolaus Kirche aus dem frühen 12. Jahrhundert
  • Überreste der Portlandzementfabrik mit Fabrikahfen
  • Aussichtspunkt auf der Anhöhe "Wzgórze Zielonka"
  • Türkissee im nahe gelegenen Dorf Kalkofen (Wapnica)

Karte

Landkarte von Polen mit Lebbin (Lubin)

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Lebbin (Lubin), Polen27.05.2017 – 23:24 Uhr
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LebbinWetter Polen14 °CLuftfeuchte: 67%
Luftdruck: 1024 hPa
Windgeschwindigkeit: 0.5 m/s
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