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Groß Born (Borne Sulinowo) - Triptychon von Jan Zamoyski

Als sich im Jahr 1993 die ersten polnischen „Siedler“ in Borne Sulinowo – darunter viele Katholiken – niederließen, brauchten sie für liturgische Zwecke eine eigene Kirche. Bereits im selben Jahr wurde die katholische Gemeinde Hl. Bruder Albert gegründet. Da die von der Außenwelt streng abgeschirmte Stadt bis zu Beginn der 1990er Jahre zum sowjetischen Militärbereich gehörte, gab es hier natürlich keine Gotteshäuser. Die neue katholische Kirche wurde in einem ehemaligen Kino aus den 1970er Jahren eingerichtet, in dem sich noch kurz vor dem Abzug der letzten sowjetischen Truppen aus Borne die russischen Soldaten bei unterhaltsamen Filme aus der Heimat vom Dienst erholt hatten. Im Jahr 2009 wurde an den Kinosaal ein Glockenturm angebaut. Das angrenzende Kasernengebäude wurde zum Pfarrhaus umfunktioniert. Auch heute, nach zahlreichen Umbauten, hat die Kirche aufgrund der strengen Symmetrie, der nüchternen Einrichtung und vor allem durch den überdimensionierten, foyerartigen Vorraum den Charme eines Lichtspieltheaters.

Triptychon von Jan Zamoyski
Triptychon von Jan Zamoyski. Foto: Frank Hilbert

Sehens- und besonders beachtenswert ist hier eigentlich nur der Altar. Aus einer gewissen Entfernung von einem mittelalterlichen Triptychons nicht zu unterscheiden, erweist er sich beim näheren Hinschauen als ein nachträglich patiniertes, modern anmutendes Holzrelief.
Es ist das Werk des polnischen Malers und Szenographen Jan Zamoyski. Im September 1939 kämpfte Zamoyski in der polnischen Armee bei der Verteidigung der polnischen Ostseeküste und wurde kurz darauf von den Deutschen gefangen genommen. In der deutschen Kriegsgefangenschaft sollte er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verbleiben. Zunächst saß er im Oflag II Neubrandenburg ein, wo er für Mitgefangene Zeichenkurse organisierte und Vorträge über die Kunstgeschichte abhielt. Für eine Kapelle, in der die gefangenen polnischen Soldaten Gottesdienste abhielten, schuf er 1943 aus im Lager leicht zugänglichen Materialien wie Pritschenbrettern, Dosenblech und Papier ein Triptychon. In der Mitte des Werks ist die Muttergottes mit Jesus im Arm zu sehen. Der linke Altarflügel ist mit Porträts polnischer Könige Bolesław Chrobry, Władysław Jagiełło und Stefan Batory geschmückt. Der rechte Flügel ist der Huldigung der Hirten gewidmet, die das polnische Volk symbolisieren.

Im Januar 1944 wurde das Oflag II Neubrandenburg aufgelöst und die Gefangenen nach Gross Born in Westpommern verlegt. Die Soldaten nahmen das Triptychon mit. Kurz vor Kriegsende und vor der Vernichtung des  Oflags II D Gross Born wurde das Triptychon in einer riskanten Nacht- und Nebelaktion – das Lager befand sich gerade in direkter Schusslinie zwischen zwei Fronten - von Mitgliedern der 4. Infanteriedivision aus dem Lager rausgeschmuggelt. Seitdem begleitete es die Division auf dem Vormarsch nach Berlin und wurde für Feldmessen genutzt.

Nach Kriegsende nahm der Divisionskaplan Marian Mościński das Bild nach Schlesien mit, wo er als Pfarrer an eine Gemeinde berufen wurde. Durch Zufall erfuhr Jan Zamoyski, der das Triptychon für verschollen glaubte, vom neuen Aufenthaltsort seines Werks. 1972 wurde das Bild in einer Zamoyski gewidmeten Ausstellung in Warschau ausgestellt, und nach anschließenden Restaurierungsarbeiten fand es einen neuen Platz in der Warschauer Feldkathedrale der Polnischen Armee. Für die Kirche in Borne Sulinowo schuf der Bildhauer Zygmunt Wujek eine Replik des Zamoyski-Triptychons.

Im Jahr 2008 schließlich, mit Genehmigung des Warschauer Feldbischofs, gelang es der Gemeinde Hl. Bruder Albert, das Original in Ihre Kirche nach Borne Sulinowo zurückzuholen. (fh)

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