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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Czaplinek (Tempelburg) in Westpommern Polen

Es gibt Städte, deren Schönheit und deren Reize ich erst auf den zweiten Blick entdeckt habe. Die kleine Stadt Czaplinek (einst Tempelburg) im polnischen Westpommern gehört zweifellos dazu. Die Fassaden vieler Häuser sind alt und der Putz bröckelt von ihnen ab. Die Straßen sind an unzähligen Stellen geflickt und holprig. Doch der erste Eindruck täuscht. Das nur 7.000 Einwohner zählende Städtchen Czaplinek (ehem. Tempelburg) ist der touristische Mittelpunkt der Dramburger Seenplatte in Westpommern in Polen. Es liegt genau zwischen den beiden Seen Drawsko und Czaplino. Hier beginnt auch die Drawa-Paddelroute.

Heiligkreuz-Kirche am Markt von Tempelburg (Czaplinek)Polen Fotos
Die Heiligkreuz-Kirche am Markt von Tempelburg (Czaplinek). Fotos: Frank Hilbert

Die einstige Fischersiedlung und die umliegenden Ländereien gehörten bis zum 13. Jahrhundert zu Großpolen. 1238 schenkte der spätere König von Polen, Herzog Przemyslaw II., das Land dem Tempelorden, der hier eine Wehrburg errichtete. Der Tempelorden wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründet. Seine Aufgabe war es, die Straßen für die Pilger nach Jerusalem zu sichern. Sein Wirken in der Gegend dauerte nicht lange. Bereits 1312 löste der Papst den Orden auf. (Die Könige einzelner Staaten, in denen die Templer tätig waren, begegneten dem supranational organisierten päpstlichen Orden zunehmend mit Misstrauen. Schnell wurde ein Grund gefunden, um die unliebsamen Ritter loszuwerden: Die Templer wurden der Ketzerei und Sodomie bezichtigt, und der Papst beugte sich dem Wunsch der weltlichen Machthaber.)

Burg Drahim

Die Besitztümer der Templer gingen auf die Johanniter über. Diese erbauten auf dem Damm zwischen den Seen Drawsko und Żerdno die steinerne Burg Drahim (heute: Stare Drawsko), die sie aber schon im Jahr 1366 an den polnischen König Kazimierz III. (den Großen) verkauften. Die darauffolgenden Jahrzehnte waren von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dem polnischen König, den pommerschen Herzögen und den brandenburgischen Markgrafen gekennzeichnet. Schließlich erhielt im Jahr 1657 Kurfürst Wilhelm von Brandenburg im Vertrag von Bromberg vom polnischen König zusammen mit einigen anderen Ländereien Westpommerns die Starostei und Burg Drahim. Nach vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, Brandschatzungen und Plünderungen (unter anderem durch die Schweden im 30-jährigen Krieg) ist von der Burg heute nur noch eine Ruine übriggeblieben, die sich seit den 1990er Jahren im Privatbesitz befindet. Die neuen Eigentümer haben im Innenhof ein kleines Museums eingerichtet, in dem man nachgebaute strohgedeckte Lehmhütten und Unterstände, alte Schwerter, Schilder und Rüstungen besichtigen und regionale Produkte wie Honig und Marmelade kaufen kann. Wer will, kann auch in mittelalterliche Kleider schlüpfen und sich von den Betreibern des Museums Gruselgeschichten von der obligatorischen weißen Dame erzählen lassen, die heute noch in den Gemäuern spuken soll. Wem das nicht gruselig genug ist, der kann sich ein auf einem Marterbett ausgestrecktes Skelett anschauen.

Touristeninformation mit Heimatstube (Izba Muzealna)

Der Zweite Weltkrieg setzte auch dieses Czaplinek mächtig zu. Dennoch ist im Zentrum des leicht verschlafen wirkenden Städtchens noch viel von der alten Bebauung stehen geblieben. Der Markt ist von schmucken und hübsch renovierten Häusern umringt. Hier befindet sich auch im Haus mit der Nr. 1 die Touristeninformation mit einer angrenzenden kleinen Heimatstube. Die kunterbunte Sammlung besteht aus Gegenständen, die an die wechselvolle Geschichte Czaplineks erinnern.

Dreifaltigkeitskirche in Czaplinek (Tempelburg)
Dreifaltigkeitskirche in Czaplinek (Tempelburg).

Dreifaltigkeitskirche (kościół św. Trójcy)

Die Touristeninformation ist auch eine ganz wichtige Anlaufstelle, wenn eines der ältesten Baudenkmäler der Stadt – die unweit des Marktplatzes auf einer kleinen Anhöhe stehende steinerne Dreifaltigkeitskirche aus dem 15. Jahrhundert besichtigen möchte. Es ist nur eine geführte Besichtigung an Werktagen in der Zeit von 12 bis 14 Uhr möglich. Von der netten Mitarbeiterin der Touristeninformation erfahren wir, dass die Kirche an genau der Stelle steht, an der sich ursprünglich eine hölzerne Templerburg befand. Der Bau der Kirche war Voraussetzung, um Stadtrechte verliehen zu bekommen, daher ist der Bau von Spendengeldern der Bürgerschaft errichtet worden. Erbaut wurde sie von den Johannitern. Die Wände und Decken im Kircheninneren sind mit bunten Bibelmotiven bemalt, aber ein richtiges Schmuckstück ist der reich verzierte, auf sechs Säulen stehende hölzerne Baldachinaltar aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Kirche hat einen freistehenden Glockenturm, da der ursprüngliche 1725 bei einer großen Feuersbrunst zerstört wurde.
Um das unter Denkmalschutz stehende Objekt zu schonen, werden in der Kirche heute keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abgehalten, nur für besondere Zwecke wie Hochzeiten wird sie noch benutzt. Eine der Erwähnung würdige Besonderheit ist der backsteinerne Fußweg, der die Kirche umkreist: Er ist genauso alt wie die Kirche selbst.

Kirche der Hervorhebung des Heiligen Kreuzes (Kościół pod wezwaniem św. Krzyża)

Die gesamte Ostseite des Marktes nimmt die klassizistische Kirche der Hervorhebung des Heiligen Kreuzes ein. Sie wurde in den Jahren 1829 bis 1832 auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes nach den Plänen des berühmten preußischen Architekten und Maler Karl Friedrich Schinkel erbaut. (Von Schinkel stammte unter anderem das Kolberger Rathaus sowie die bekannten Berliner Bauwerke Neue Wache und Altes Museum.) Den Innenraum ziert üppige Polychromie aus dem Jahr 1954 von Władysław Drapiewski. Die Kirche verfügt über eine ausgezeichnete Akustik und wird daher nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Konzerte, insbesondere für die über die Stadt hinaus bekannten Neujahrkonzerte genutzt.

Uferpromenade

Eine vom alten Baumbestand beschattete, über zwei Kilometer lange Promenade führt zu Füßen der Stadt am See Drawsko von einem Wassersportzentrum zum Badestrand und Sportstadion. In der Mitte der Strecke erinnert ein Denkmal von Johannes Paul II. daran, er im Jahr 1955 als junge Priester von hier aus zu einer mehrtägigen Paddeltour über den Fluss Drawa aufbrach. Damit soll er Czaplineks touristisches Zeitalter eingeläutet haben. bw

Karte

Landkarte Polen mit Czaplinek (Tempelburg)

Wetter

Tempelburg (Czaplinek), Polen30.05.2017 – 07:16 Uhr
Klarer Himmel
TempelburgWetter Polen18.2 °CLuftfeuchte: 75%
Luftdruck: 1011.18 hPa
Windgeschwindigkeit: 2.71 m/s
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Einwohner

ca. 7.200 (Stand Dezember 2013)

Touristeninformation

Informacja Turystyczna
Rynek 1
78-550 Czaplinek
Tel.: +48 (0) 94 3754790
Internet: www.czaplinek.pl

Karte

Czaplinek (Tempelburg), Rynek 1, 78-550
Czaplinek (Tempelburg), Rynek 1, 78-550 Czaplinek (Google Maps)