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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Stolp (Słupsk) – von einem historischen hölzernen Fahrstuhl und einer Bärenfigur aus Bernstein

Meine erste Begegnung mit Stolp hatte ich in Form eines Buches. Christian Graf von Krockow, der in der Gegend von Stolp aufwuchs, widmet der Stadt in seinem Buch "Die Reise nach Pommern" einige Seiten, die gespickt sind mit Kindheitserinnerungen und historischen Zahlen. So erfährt der Leser, dass die Stadt, die heute in der Wojewodschaft Pommern (Pomorskie) liegt, erstmals 1013 als Slup in einer Urkunde namentlich erwähnt wurde. Andere Namen für den Ort am Ufer der Stolpe waren Slupz, Slupsk oder Slupik. Aus der Namensgebung leiteten die Historiker ab, dass es sich um eine ursprünglich slawische Siedlung gehandelt haben muss. Als Stolp nach dem Zweiten Weltkrieg polnisch wurde, knüpften die neuen polnischen Bewohner an die Geschichte an und benannten Stolp in Słupsk um.

Das Neue Tor und das ehemalige Kaufhaus Zeeck in StolpPolen Fotos
Das Neue Tor und das ehemalige Kaufhaus Zeeck in Stolp. Fotos: Frank Hilbert

Inspiriert von Krockows Kindheitserinnerungen fahre ich Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal nach Stolp, keiner ganz kleinen aber auch keiner ganz großen Stadt. Immerhin gab es hier, so schreibt Krockow, einen Flugplatz mit einer Luftschiffhalle, von dem vor dem Zweiten Weltkrieg immerhin 139 Passagiere abflogen. Im Jahr versteht sich. Der italienische Luftfahrtpionier und General Umberto Nobile (1885 – 1978) soll hier in den 1920er Jahren mit seinem Luftschiff Norge einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Nordpol eingelegt haben.
Mein erstes Ziel ist das ehemalige Kaufhaus Gustav Zeeck, von dem Krockow in seiner Kindheit so fasziniert war:

Auf einer Seite des Platzes das Kaufhaus Zeeck, vier Stockwerke. Und mit einem leibhaftigen Fahrstuhl, mit dem man auf- und niederschweben kann, beim Sprechgesang des Fahrstuhlführers: Bettwäsche, Herren- und Damenbekleidung, Trikotagen ...

Ich betrete das Kaufhaus auf der Suche nach dem Fahrstuhl aus den 1920er Jahren. Er verrichtet immer noch seinen Dienst und zählt damit zu den ältesten hölzernen Personenaufzügen, die noch in Betrieb sind. Soweit ich es beurteilen kann, ist er im Originalzustand erhalten. Sogar der große Schalthebel, mit dem der Fahrstuhlführer das bewundernswerte Stück "auf- und niederschweben" ließ, ist noch vorhanden, wenn auch ein wenig verrostet. Vielleicht durfte der kleine Krockow den zu seiner Zeit bestimmt blank geputzten Hebel einmal umlegen und so den Fahrstuhl auf- oder abfahren lassen.

Auf der Suche nach dem Stolper Bären

Gegenüber vom Kaufhaus steht das Rathaus, ein Bau aus der Wilhelminischen Zeit, dessen wuchtige neogotische Fassade den Geschmack der damaligen Zeit widerspiegelt. Im Turm befindet sich eine Aussichtsplattform, 36 m über dem Erdboden oder 86 Stufen hoch. Zwischen Rathaus und Kaufhaus Zeeck breitet sich ein großer Platz aus, auf dem ich im Frühjahr 2015 während eines erneuten Besuches der Stadt mein Auto geparkt habe. Es steht dort, wo zu Krockows Zeiten an Feiertagen das Militär zum Vergnügen der Stolper Bürger aufmarschierte.
Eine Informationstafel neben dem Rathaus berichtet über den Fund einer kleinen Bärenfigur aus Bernstein, dem Stolper Bären, in einem Torfmoor bei Stolp im Jahr 1887. Die Figur stammt aus der Steinzeit, ist 10,2 cm lang, 4,2 cm hoch und wiegt 85 Gramm. Das Original soll sich im vorpommerschen Stralsund in Deutschland befinden, lese ich auf der Tafel. Meine Neugier ist geweckt. Nach meiner Rückkehr nach Kiel rufe ich im Kulturhistorischen Museum in Stralsund an, um Näheres über den Verbleib des Bären zu erfahren. Vielleicht kann ich in Stralsund zu einem späteren Zeitpunkt auch ein Foto von ihm schießen. Die Überraschung: Der Stolper Bär ist nicht mehr in Stralsund. Aber wo dann? In Stolp nicht. Soviel steht fest. Schließlich erfahre ich von einer Museumsmitarbeiterin in groben Umrissen die Geschichte des kleinen Bären. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges ist er nach Stralsund oder in die Umgebung der einstigen Hansestadt ausgelagert worden, weil das Stralsunder Museum damals für die Provinz Pommern zuständig war. Im Zuge eines Kulturgüteraustausches 2009 ist der Stolper Bär wieder nach Polen zurückgekehrt. Aber nicht nach Stolp, sondern in das Nationalmuseum (Muzeum Narodowy) in Stettin (Szczecin). Im Rathaus von Stolp ist eine Kopie der Bernsteinskulptur ausgestellt.

Schlossmühle und Kirche St. Johannes in Stolp (Słupsk)
Schlossmühle und Kirche St. Johannes.

Hansestadt Stolp

16 Jahre nach meinem ersten Besuch in Stolp ist die Stadt kaum wiederzuerkennen. Die Fassaden der Häuser erstrahlen im neuen Glanz. Auch das einstige Kaufhaus Zeeck ist frisch herausgeputzt. Die Stolper genießen die ersten warmen Tage des Jahres auf Parkbänken, die Gesichter mit geschlossenen Augen gen Sonne gerichtet. Früher hätte das Gepolter der Straßenbahn die Ruhe gestört. Leider fährt diese nicht mehr durch die Straßen von Słupsk. Die Stadtväter halten die Erinnerung an diese Zeit jedoch wach. Gleich hinter dem "Neuen Tor" (Nowa Brama), einem Überbleibsel der mittelalterlichen Stadtmauer, steht ein ausrangierter rot lackierter Straßenbahnwagen, den ich auf dem Weg zum Marktplatz passiere.
Der Zweite Weltkrieg hat die Stadt nicht flächendeckend zerstört, jedoch im Stadtbild tiefe Narben hinterlassen, die heute noch besonders auf dem Markt zu erkennen sind. Die zerstörten Häuser wurden durch schmucklose Wohnblöcke ersetzt. Nur an der Südseite und einer Ecke der Westseite des Marktplatzes sind Reste der historischen Bebauung erhalten geblieben.
Im Hintergrund thront die Pfarrkirche St. Marien (Kościół N.P. Marii), von denen es an der Ostseeküste in jeder Stadt eine zu geben scheint. Natürlich aus Backstein und im gotischen Baustil errichtet. Die in Stolp stammt aus der Zeit um 1400. Nur trägt der wuchtige Westturm einen Barockhelm wie die Marienkirche in Stralsund. Wie Stralsund gehörte Stolp übrigens auch der Hanse an. Seit 1380, um genau zu sein. Der Hafen lag vor den Toren der Stadt in Stolpmünde (Ustka). Nach dem Dreißigjährigen Krieg regelte der Westfälische Frieden, dass Stolp und ganz Hinterpommern in den Herrschaftsbereich der Kurfürsten von Brandenburg gelangte, die ab 1701 die Könige von Preußen stellten. Seit 1945 gehört Stolp zu Polen und heißt Słupsk.

Schloss der Pommerschen Herzöge

Nicht zu vergessen ist das Schloss der Pommerschen Herzöge mit der Schlossmühle (Młyn Zamkowy), einem gotischen Mühlentor (Brama Młyńska und dem in Fachwerkbauweise errichteten Richter-Speicher (Spichlerz Richtera) gleich nebenan. Der Bau des Schlosses begann im 16. Jahrhundert, und Fürst Bogislaw X. ließ es noch im selben Jahrhundert mit einer neuen Fassade im Renaissance-Stil versehen.
Unter dem sparsamen preußischen König Friedrich Wilhelm I. war es zunächst erst einmal vorbei mit der Pracht. Während seiner Herrschaft im 18. Jahrhundert nutzten es die Preußen als Kaserne und Lager. Heute beherbergt das Schloss das Mittelpommersche Museum (Muzeum Pomorza Środkowego w Słupsku), in dem Exponate über die Geschichte Pommerns, pommersche Kunst und eine Sammlung von Werken des polnischen Malers Stanisław Ignacy Witkiewicz (1885 – 1939), der unter dem Künsternamen „Witkacy“ bekannt ist, zu sehen sind. Die Ausstellung in der Schlossmühle (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts) gegenüber vom Schloss ist dem Alltag und der Kultur der Bevölkerung Pommerns, vor allem der Kaschuben, gewidmet.
Nach dem Besuch des Mittelpommerschen Museums ist es an der Zeit, eine Verschnaufpause einzulegen. Hervorragend dafür geeignet ist ein Besuch in der Teestube im Richter-Speicher, der aus dem 16. Jahrhundert stammt und direkt am Ufer des Flusses Stolpe steht.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Hexenbastei (erste Hälfte des 15. Jahrhunderts), die ihren Namen bekam, weil in ihr im 17. Jahrhundert Frauen eingekerkert waren, die man der Hexerei bezichtigte, und die in Sichtweite des Schlosses stehende Kirche St. Johannes (Kościół św. Jacka). Sie gehörte bis zur Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Dominikanern. (fh)

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Stolp (Słupsk), Polen21.10.2017 – 21:20 Uhr
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Einwohner

ca. 94.000 (Stand 2014)

Bildung:

Pommersche Universität (Akademia Pomorska)

Touristeninformation

Centrum Informacji Turystycznej
ul. Starzyńskiego 8
76-200 Słupsk
Tel.: +48 (0) 59 7285041
E-Mail: cit@pds.org.pl
Internet: www.slupsk.pl

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Stolp (Słupsk), ul. Starzyńskiego 8, 76-200
Stolp (Słupsk), ul. Starzyńskiego 8, 76-200 Słupsk (Google Maps)