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Ostseebad Leba (Łeba) in Polen

Nirgendwo an der polnischen Ostseeküste ist der Sand so fein wie an den Stränden von Leba (polnisch: Łeba). Kein Wunder also, dass sich der auf einer Landzunge am Ostrand des Slowinzischen Nationalparks gelegene kleine Badeort, in dem der gleichnamige Fluss in die Ostsee mündet, zu einem der beliebtesten Seebäder Pommerns entwickelt hat.

Hotel Neptun am Ostseestrand von Łeba Polen Fotos
Hotel Neptun am Ostseestrand von Leba (Łeba). Fotos: Frank Hilbert

Lebas Aufstieg zu einem der beliebtesten Seebäder an der Pommerschen Ostseeküste begann Ende des 19. Jahrhunderts, als der Fischerort durch eine Eisenbahnlinie mit der Kreisstadt Lauenburg (Łębork) verbunden wurde. Die Eisenbahn machte das Reisen nicht nur komfortabler, sondern verkürzte vor allem die Reisezeit. Und so kamen immer mehr Badegäste nach Leba. In dieser Zeit wurden in Leba die schönsten Jugendstilhotels und -pensionen errichtet. Direkt hinter den Dünen am Strand entstand zum Beispiel 1907 für Gäste aus der High Society ein Kurhaus im Stil eines verspielten Schlösschens – das heutige Hotel „Neptun“. Es ist das inoffizielle Wahrzeichen von Leba, in dem man nicht nur vornehm nächtigen, sondern auch auf der Terrasse gemütlich Kaffee und Kuchen und gleichzeitig einen atemberaubenden Ausblick auf das Meer genießen kann.

Vom Deutschen Ritterorden gegründet, verlieh Hochmeister Winrich von Kniprode Leba 1357 das Stadtrecht nach Kulmer Recht. Grundlage der Wirtschaft bildete der Dorsch- und Störfang, woran noch heute das Stadtwappen von Leba erinnert. Es zeigt einen Fischgreifen, der unter dem schwarzen Kreuz des Deutschen Ordens liegt. Auch die Industrie, die nach dem Anschluss der Stadt an das Schienennetz ebenfalls einen Aufschwung erlebte, hatte sich ganz auf die Verarbeitung von Fisch spezialisiert. 1899 gab es 12 Räuchereien, zwei Konservenfabriken und eine Kistenfabrik. 
Seit seiner Gründung wurde Leba immer wieder von Sturmfluten überrollt und von den ganz in der Nähe gelegenen Wanderdünen bedroht. So entschlossen sich die Einwohner im 16. Jahrhundert,  nachdem das Meer wieder einmal seine zerstörerische Kraft entfaltet hatte, ihre Stadt vier Kilometer weiter östlich, dort, wo sie heute noch steht, wieder aufzubauen. Die Situation verschärfte sich noch einmal, nachdem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf Befehl des preußischen Königs ein Kanal gebaut worden war, der den Lebasee (Jezioro Łebsko) mit der Ostsee verband. Zunächst einmal brachte der Kanal vorteile, indem sich durch ihn der Wasserspiegel des Sees senkte und umliegende Sümpfe trockengelegt wurden. Nachdem jedoch eine Sturmflut am 4. März 1779 den Kanal zerstörte und große Landstriche unter Wasser setzte, schütteten die Lebaer ihn einfach wieder zu.
Die Hochwassersituation entspannte sich erst 100 Jahre später, als Wellenbrecher gebaut wurden. Nur der Hafen musste regelmäßig ausgebaggert und so vor dem Versanden bewahrt werden. Diese Aufgabe übernahm ein Flussbagger, den die Lebaer 1910 kauften.
Bis heute nagt die Ostsee am Strand und zwingt die Stadt, viel Geld für den Küstenschutz auszugeben. Jedes Jahr müssen Buhnen erneuert und Sand aufgespült werden, damit die Feriengäste in den Sommermonate den breiten Strand genießen können. Besonders gefährdet ist das Hotel "Neptun", das direkt hinter den Dünen steht. Geschützt wird es vor Unterspülung durch eine Betonmauer und die Wurzeln hoher Bäume, die das schnelle Abtragen des Bodens durch den Wind verhindern sollen. Zusätzlichen Schutz bieten die im Wasser stehenden Buhnen, die die ankommenden Wellen brechen und ihnen so einen Teil ihrer zerstörerischen Kraft nehmen.

Leba – Strandquartier von Max Pechstein

Zu Beginn der 1920er Jahre entdeckte der Expressionist und "Brücke"-Maler Max Pechstein (1881–1955) Leba für sich. Nachdem Nidden auf der Kurischen Nehrung 1920, wo er immer wieder künstlerisch tätig war, unter französische Verwaltung geriet und schließlich litauisch wurde, fand Pechstein in Leba eine ähnliche Landschaft als Ersatz. 1923 heiratete er die Lebaer Gastwirtstochter Martha Möller. In seinen Lebenserinnerungen lesen wir:

Zu Fuß streifte ich die Ostseeküste, nach Westen marschierend, ab. Ich entschloss mich zuletzt, in Leba mein Standquartier zu errichten. Wenngleich dort andere Menschen, andere Fischertypen, lebten, so wiesen doch die große Lontzker Wanderdüne und das weit ausgebreitete Dünengelände eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kurischen Nehrung auf, die mich bewog, hier zu arbeiten.[1]

In farbgewaltigen Landschaftsgemälden verewigte Pechtstein die Schönheit der Gegend. Ein Gemälde von ihm, das über zwei Meter hohe Bildnis der „Madonna als Fürbitterin“, schmückt die Fischerkirche Mariä Himmelfahrt (kościół pw. Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny). Pechstein war ein in der ganzen Welt bekannter und gefragter Maler. In den 1920er Jahren reiste er mehrere Male in die USA und wurde 1928 mit dem Preußischen Staatspreis, nur eine von vielen weiteren Ehrungen, ausgezeichnet. Die Nationalsozialisten, die 1933 im Deutschen Reich an die Macht gekommen waren, verachteten Pechsteins Kunst und verhängten ein Mal- und Ausstellungsverbot, was einem Berufsverbot gleichkam. 1937 stellten sie seine Bilder obendrein in München in der Ausstellung "Entartete Kunst" aus. Pechstein lebte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) in Leba. Nachdem die Rote Armee den Ort besetzt hatte, musste er – wie die meisten anderen zurückgebliebenen deutschen Einwohner – den Fischerort verlassen und ging nach Berlin. Leba wurde unter polnische Verwaltung gestellt und in Łeba umbenannt. Vor 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Lauenburg, der in der deutschen Provinz Pommern lag.

 

 

Fischerboote im Hafen von Leba an der Ostsee in Polen
Fischerboote im Hafen von Leba.

Lebas touristische Infrastruktur umfasst nicht nur kilometerlande Sandstrände, eine große Zahl von Unterkunfts- und Einkehrmöglichkeiten für jeden Geldbeutel und optimale Bedingungen für Segelfans, sondern auch eine Menge mehr oder weniger anspruchsvolle Unterhaltung für jeden Geschmack. Seit der Eröffnung des neuen Jachthafens im Jahr 1998 verwandelt sich der Ort jedes Jahr in der Sommersaison in das „Souveräne Fürstentum Leba“ (Niezależne Księstwo Łebskie) mit einem eigenen Herrscher und mit eigenen Rechten. Zur Unterhaltung der Badegäste finden zu dieser Zeit zahlreiche Volksfeste, Spiele, Badeaktionen, Film,- Musik- und Theateraufführungen und bunte Umzüge statt. Ende Juli wird die Miss Bikini gewählt, und Anfang August zieht die Techno-Parade Fans dieser Musikrichtung an. Die meisten Veranstaltungen finden am Oststrand in Höhe des Hotels Neptun und am Sarbsker See statt. (fh)

Sehenswürdigkeiten in und um Leba (Łeba) an der polnischen Ostsee

  • Slowinzischen Nationalparks mit den Wanderdünen. Der Eingang zum Nationalpark befindet sich in Rąbka, das drei Kilometer von Leba entfernt liegt. Von Rąbka bis zur höchsten Düne, der 42 m hohen Lonske Düne (Łącka Góra), sind es ca. fünf Kilometer. Sie können die Strecke zu Fuß oder in kleinen Elektrobussen zurücklegen.
  • Raketenversuchsanstalt bei Rąbka. Es liegt etwa auf halber Strecke zwischen Rąbka und Düne Lonske und ist in der Sommersaison (Mai–September) geöffnet.
  • Naturkundemuseum des Slowinzischen Nationalparks in Leba / Rąbka (Muzeum Przyrodnicze Słowińskiego Parku Narodowego), das ebenfalls in der Sommersaison (Mai–September) für Besucher geöffnet ist.
  • Fischerkirche Mariä Himmelfahrt (kościół pw. Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny) in Leba, errichtet 1683. Besonders sehenswert ist das Bildnis der "Madonna als Fürbitterin" des "Brücke"-Malers Max Pechstein, der zeitweise in Leba lebte.
  • Kirchenruine der gotischen Nikolaikirche, die bei einer Sturmflut im 16. Jahrhundert zerstört worden ist. Die Mauerreste stehen in der ul. Turystyczna (Koordinaten: 54.763611, 17.534722).
  • Leuchtturm Stilo (Latarnia morska Stilo), der auf einer 42 Meter hohen Düne östlich von Leba thront (Koordinaten: 54.786573, 17.734648). Der Leuchtturm ist 33 m hoch und kann in den Sommermonaten von Mai bis September besichtigt werden.
  • Leba-See und Sarbsker See
  • Slowinzisches Freilichtmuseum in Kluki (Klucken)
  • Kaschubisches Museum in Kartuzy (Karthaus)

Hotels

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Karte

Landkarte von Polen mit Leba (Łeba)

Wetter

Leba (Łeba), Polen22.10.2021 – 13:07 Uhr
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LebaWetter Polen8.95 °CLuftfeuchte: 88%
Luftdruck: 997 hPa
Windgeschwindigkeit: 14.1 m/s
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Sehenswürdigkeit

Naturkundemuseum des Slowinzischen Nationalparks (Muzeum Przyrodnicze Słowińskiego Parku Narodowego)
Rąbka 3
84-360 Łeba

Touristeninformation

Touristeninformation (Lokalna Organizacja Turystyczna Łeba-Błękitna Kraina)
Listopada 5 a
84-360 Łeba
Tel.: +48 (0) 519 663105

Anmerkungen

  1. (Max Pechstein: Erinnerungen. Wiesbaden 1960, S. 107f.)

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