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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Ottmachauer Stausee (Jezioro Otmuchowskie)

Die Preußische Regierung erließ am 30. Juni 1913 das Gesetz, betr. die Verbesserung der Oderwasserstraße unterhalb Breslau. Die darin beschriebenen Maßnahmen sollten dazu dienen, die Ausfallzeiten für die Schifffahrt durch Niedirgwasser auf der Oder zu verringern. Besonders in den Sommermonaten sank der Pegel des Flusses so stark, dass die Schifffahrt eingestellt werden musste. Um diesen Missstand zu beheben, sollte die Oder-Wasserstraße zwischen Ransern (Rędzin) in Niederschlesien und Lebus nördlich von Frankfurt / O. auf einer Länge von 333 km ausgebaut und ein Staubecken in Ottmachau (Otmuchów) an der Glatzer Neiße (Nysa Kłodzko), die südöstlich von Brieg (Brzeg) in die Oder mündet, errichtet werden.

Blick vom Schloss in Richtung Ottmachauer StaubeckenPolen Fotos
Blick vom Turm der Bischofsburg in Richtung des Ottmachauer Stausees. Foto: Frank Hilbert

Das Becken planten die Ingenieure mit einer Speicherkapazität von 118 Millionen Kubikmetern Wasser. Das in Zeiten des Regenüberschusses im Becken gesammelte Wasser sollte in Trockenzeiten abgelassen werden und dazu beitragen, den Pegel der Oder nicht unter 1,40 m sinken zu lassen. Damit war die ständige Befahrbarkeit für Schiffe der damaligen Zeit gegeben.

Kostensenkung durch Verkürzung der Liegezeiten

Oberhalb von Breslau waren schon vor 1913 zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt worden. 1895 nahm in Kosel (Koźle) ein Umschlaghafen seinen Betrieb auf, in dem der Güterumschlag von 10.500 t im Jahr 1895 auf 1.500.000 t im Jahr 1905 anstieg. Hauptumschlagsgüter waren Steinkohle aus Oberschlesien und Eisenerz, das von Stettin nach Kosel verschifft wurde und für ein Hüttenwerk in Königshütte (Chorzów) bestimmt war. Um den zunehmenden Schiffsverkehr ohne Unterbrechung zu gewährleisten, wurde die Oder zwischen Kosel und der Neissemündung ausgebaut und reguliert. Nun sollte der Teil der Oder unterhalb Breslaus folgen. Die Schiffe sollten möglichst ganzjährig freie Fahrt zwischen Kosel und Berlin bzw. Stettin haben. Mit dem Ausbau der Wasserstraße erwartete man eine Verkürzung der Liegezeiten und damit eine Senkung der Frachtkosten. [1]

Für Ottmachau haben sich die Ingenieure entschieden, weil das Frührjahrswasser der Glatzer Neisse ausreicht, um das Becken zu füllen. Dazu kam, dass die geologischen Gegebenheiten an dieser Stelle optimal und damit geringere Baukosten zu erwarten waren. In etwa acht Metern Tiefe verläuft eine wannenförmige Tonschicht. [2]
Doch kam es vorerst nicht zum Bau des Staubeckens in Ottmachau, weil der Erste Weltkrieg (1914-1918) ausbrach.

Verlegung der Bahnstrecke Ottmachau - Patschkau

In der Weimarer Republik wurde das Bauprojekt für das Ottmachauer Staubecken wieder aufgenommen und an die neuen Anforderungen der Schifffahrt angepasst. Es sollte nun eine Kapazität von 250 Millionen Kubikmetern haben und einen Pegelstand der Oder von mindestens 1,70 m garantieren. Die Genehmigung der neuen Pläne erfolgte 1920. [2]

Da nicht ausreichend Geld für die umfangreiche Infrastukturmaßnahme zur Verfügung stand, verzögerte sich der Bau noch einmal um mehrere Jahre. 1926 begannen die Vorbereitungen zunächst mit der Verlegung der Bahnstrecke zwischen Ottmachau und Patschkau. 1928 war Baubeginn für das Staubecken.
Im Vorfeld kaufte die Verwaltung der Reichswasserstraßen Grundstücke für das Bauvorhaben auf. Zu den betroffenen Grundbesitzern gehörte Bernhard Freiherr von Humboldt-Dachroeden, dessen Urgroßvater, Staatsminister Wilhelm von Humboldt, 1821 das "Schloss und Herrschaft Ottmachau" von König Friedrich Wilhelm III. für seine Verdienste um den preußischen Staat erhalten hatte. Der Freiherr verließ nach dem Verkauf seiner Ländereien Ottmachau. Darüber informiert die Inschrift einer Steintafel am Schloss in Ottmachau.
1933 konnte das Staubecken in Betrieb genommen werden. Es hat ein Fassungsvermögen von 143 Millionen Kubikmetern, bedeckt eine Fläche von 24 ha und hat eine sechs Kilometer lange Staumauer. An der Talsperre nahm ein Wasserkraftwerk seinen Betrieb auf.

Dass es den Stausee und das Wasserkraftwerk heute noch gibt, ist zwei Angestellten zu verdanken. Die Wehrmacht plante kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die Sprengung der Turbinen des Kraftwerkes. Der Werksleiter Alfred Töpfer und der Oberingenieur Otto Bepperling konnten die befehlshabenden Offiziere von ihrem Vorhaben abbringen.

Ottmachauer Stausee - ein beliebtes Ausflugsziel

Bis heute ist der Ottmachauer Stausee ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen in der Umgebung und für Erholungssuchende aus anderen Regionen. Am Ufer des Stausees gibt es einen Campingplatz, Gaststätten, Pensionen und einen Bootshafen.
Ganz nebenbei dient das Staubecken auch dem Hochwasserschutz. (fh)

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Anmerkungen

  1. Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, Nr. 40, 3. Oktober 1913, Verlag für Fachliteratur Ges. m. b. H., Wien I, Eschenbachgasse 9, S. 661
  2. ebd. S. 662
  3. Moderne Wirtschaftsgestaltungen, Heft 9, Die oberschlesische Montanindustrie vor und nach der Teilung des Industriebezirks, Dr. Paul Deutsch, A. Marcus & E. Weber's Verlag, Bonn 1926, S. 70