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Friedenskirchen in Schweidnitz (Świdnica), Jauer (Jawor) und Glogau (Głogowie)

Die evangelischen Friedenskirchen in Schweidnitz (Świdnica), Jauer (Jawor) und Glogau (Głogów) gehören zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Niederschlesien. Die größte unter ihnen ist die Schweidnitzer Kirche, die zugleich die größte Fachwerkkirche in Europa ist und seit 2002 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht.

Fiedenskirche in Jauer (Jawor)Polen Fotos
Fiedenskirche in Jauer (Jawor). Der Glockenturm mit dem Barockhelm konnte auch hier - wie bei der Kirche in Schweidnitz - erst 1708 errichtet werden. Fotos: Frank Hilbert

Würden Sie von religiöser Toleranz sprechen, wenn die Bundesregierung den Protestanten in Schleswig-Holstein das Recht einräumte, ihrem Glauben frei nachzugehen, und ihnen gleichzeitig den Bau und die Nutzung von nur drei Kirchen erlauben würde? Wohl eher nicht.

Vor eine solche Situation sahen sich die Protestanten in Schlesien nach dem Dreißigjährigen Krieg gestellt. Seit der Reformation im 16. Jahrhundert war Schlesien überwiegend protestantisch, obwohl es seit 1526 zur Habsburger Monarchie gehörte. Die katholischen Habsburger wollten das Ende des Krieges nutzen, um den katholischen Glauben in Schlesien durchzusetzen, und dachten sich etliche Schikanen aus. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde zwar Andersgläubigen in Artikel 5 die freie Religionszugehörigkeit bei vollem Bürgerrecht zugesichert, aber keine eigenen Kirchenhäuser. Nur in Artikel 40 des Vertrages erlaubten die Vertragsparteien den Protestanten in Schlesien den Bau von drei Kirchen in Schweidnitz, Glogau und Jauer, den späteren Friedenskirchen. Damit war es den meisten Protestanten im Land unmöglich, regelmäßig an Gottesdiensten teilzunehmen. 1653 und 1654 folgte die sogenannte Kirchenreduktion, was nichts anderes bedeutete, als die Übername der evangelischen Gotteshäuser durch die katholische Kirche.

Damit nicht genug. Der Habsburger Ferdinand IV. ordnete im September 1652 an, dass für den Bau der Friedenskirchen nur Holz und Lehm verwendet werden dürften. Die katholische Kirche verschärfte die Bedingungen noch, indem sie den Bau der Kirchengebäude nur außerhalb der Stadtmauern und ohne Türme und Glocken gestattete. Zudem wurde es den Gemeinden verboten, eigene Schulen zu betreiben, und die Anzahl der Prediger wurde in Jauer und Schweidnitz auf drei und in Glogau auf zwei begrenzt. Weniger Prediger bedeuteten weniger Gottesdienste.

Die Bauvorschriften bezüglich des zu verwendenden Materials stellten die Ingenieure vor große Herausforderungen. Sie hatten keinerlei Erfahrung mit dem Bau von Fachwerkgebäuden in den geplanten Größen. So stand die erste Friedenskirche in Glogau auch nur ein Jahr lang. 1654 blies ein Sturm das Gotteshaus, das nicht in einem Fundament verankert war, einfach im Ganzen um und ließ es am Boden zerschellen. Spenden des Kurfürsten von Brandenburg ermöglichten den Wiederaufbau der Kirche ein Jahr später. Die Friedenskirche war aber auch in den folgenden Jahrhunderten von Pech verfolgt. 1758 zerstörte ein Stadtbrand das Gebäude, und die anschließend aus Stein errichtete Kirche wurde Ende des II. Weltkrieges stark beschädigt.

Kanzel und Emporen in der Friedenskirche in Jawor
Kanzel und Emporen in der Friedenskirche in Jauer.

Aufgrund des Desasters, das man in Glogau 1654 erlebt hatte, entschlossen sich die Protestanten, für den Bau der Kirchen einen Ingenieur auszuwählen, von dem man annahm, dass er die technischen Hürden überwinden könne. Die Wahl fiel auf Albrecht von Saebisch aus Breslau. Die ersten Gottesdienste konnten in Jauer 1655 und in Schweidnitz 1657 gefeiert werden. Da die beiden Kirchen auch heute noch stehen und besichtigt werden können, kann man wohl sagen, dass Albrecht von Saebisch eine solide Konstruktion gewählt und damit seine Aufgabe erfolgreich erfüllt hat.

Die Konstruktion und die Baumaterialien der Friedenskirchen sind sehr ähnlich. Deshalb soll im Folgenden lediglich auf die Schweidnitzer Friedenskirche eingegangen werden, die die größte Fachwerkkirche in Europa ist. Sie hat eine Fläche von 1.090 m2 und bietet 7.500 Gläubigen Platz. Die schmucklose Fachwerkfassade der Kirche wird von dreiteiligen Bogenfenstern unterbrochen. Hinter den zahlreichen Holztüren verstecken sich die Aufgänge zu den Logen und Emporen, die sich im Inneren an den Wänden erheben. Durch die kleinen Fenster dringt nur wenig Licht. Das Kircheninnere ist deshalb ständig in ein Halbdunkel getaucht und man muss schon genau hinschauen, um die barocke Inneneinrichtung zu erkennen.

Die Kanzel befindet sich am nordöstlichen Vierungspfeiler und die Bestuhlung ist so angeordnet, dass jeder Gläubige die Kanzel sehen kann. Die ursprüngliche große Orgel in der Kirche war ein Werk von Christoph Klose, einem Orgelbauer aus Brieg. Die Orgel ist nicht im Originalzustand erhalten, weil sie im 18. Jahrhundert umgebaut worden ist. Dagegen kann die kleinere Orgel noch heute im Originalzustand bewundert werden. Kanzel und Altar sind Werke des Meisters Gottfried August Hoffmann und stammen aus dem 18. Jahrhundert.

1708 konnten die Schweidnitzer Protestanten dann doch einen Glockenturm errichten. Möglich war dies durch die Altranstädter Konvention von 1707 geworden, einer Vereinbarung zwischen Kaiser Josef I. und Karl XII. von Schweden, die den Protestanten in Schweidnitz, Glogau und Jauer erlaubte, ihre Kirchen mit Türmen und Glocken zu versehen.
Außerdem bauten die Schweidnitzer Protestanten neben ihrer Friedenskirche eine Schule, die Latainschule. Einer der bekanntesten Schüler, der die Lateinschule in Schweidnitz absolvierte war übrigens Carl Gotthard Langhans, der Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin. (fh)

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Landkarte von Polen mit Schweidnitz (Świdnica)

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Sehenswürdigkeit

Friedenskirche zu Schweidnitz
pl. Pokoju 6
58100 Świdnica
Tel.: +48 (0) 74 8522814
E-Mail: info@friedenskirche-schweidnitz.de
Internet: www.friedenskirche-schweidnitz.de

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Schweidnitz - Friedenskirche, pl. Pokoju 6, 58100
Schweidnitz - Friedenskirche, pl. Pokoju 6, 58100 Świdnica (Google Maps)