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Schömberg (Chełmsko Śląskie) in Niederschlesien, Polen

Etwas 2.000 Menschen leben in Schömberg (Chełmsko Śląskie), einer Stadt in der Nähe der Quellen der Flüsse Bober und Zieder (Zadrna) in Niederschlesien. Doch die schmucken in den Stilen des Barock, der Renaissance und des Klassizismus errichteten Häuser am Markt mit seinem quadratischen Grundriss passen nicht so recht zur Größe des Ortes. Sie sind die Überbleibsel einer Zeit, in der Schömberg durch die Leinenweberei zu Wohlstand gelangt war.

Barocke Bürgerhäuser am Ring von Schömberg
Barocke Bürgerhäuser mit Laubengängen am Ring. Fotos: Frank Hilbert

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren weite Gebiete Schlesiens verarmt. Handwerk und Landwirtschaft lagen am Boden. Zu dieser Zeit gehörte Schömberg dem Kloster Grüssau (Kamienna Góra), das ebenfalls unter der Wirtschaftskrise litt. 1660 wählten die Mönche in Grüssau Bernhard Rosa (1624-1696) zu ihrem neuen Abt, der sofort Maßnahmen ergriff, um die Einnahmen des Klosters zu erhöhen. Zum Beispiel förderte er die Leinenweberei, indem er Schutzgesetze für die Leinenmärkte in den Klosterstädten Schömberg und Liebau erließ. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt und ließen die Einnahmen sprudelten. Der neue Wohlstand spiegelte sich in der Architektur wider. In der Amtszeit von Bernhard Rosa entstanden die barocken Häuser mit ihren charakteristischen Laubengängen an der Nordseite des Marktes und die Stadtpfarrkirche (zwischen 1670 und 1691) mit ihrer barocken Inneneinrichtung . Zu den sehenswerten Einrichtungsgegenständen der Kirche zählen Ölgemälde und ein Epitaph von 1752. Nicht zu übersehen ist der Brunnen auf dem Marktplatz mit dem Standbild des heiligen Johannes Nepomuk. Nepomuk war ein böhmischer Priester, der 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen wurde.

In den folgenden Jahrhunderten blieb Schömberg ein Zentrum der Leinenweberei, die unter Friedrich dem II. noch einmal eine Blütezeit erlebte. Danach geriet die schlesische Leinenweberei in eine lang anhaltende Absatzkrise, mit der ein Preisverfall einherging. Einer der Hauptursachen für die Krise war die fortschreitende Mechanisierung, mit der die Leinenweber nicht mithalten konnten, weil sie kein Geld für Maschinen hatten. Moderne englische Webereien und Spinnereien eroberten den europäischen Markt mit ihren billigeren Produkten. Die sozialen Folgen für die schlesischen Weber waren katastrophal und so kam es 1844 zu einer Hungerrevolte. Den Weberaufstand von 1844 nahm der Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann zum Anlass, das Drama „Die Weber“ zu schreiben, das 1893 erstmals in Berlin aufgeführt wurde. Hauptmann hatte zudem ein ganz persönliches Interesse am Schicksal der Weber, wie der Widmung an seinen Vater Robert Hauptmann zu entnehmen ist:

Wenn ich Dir, lieber Vater, dieses Drama zuschreibe, so geschieht es aus Gefühlen heraus, die Du kennst und die an dieser Stelle zu zerlegen keine Nötigung besteht.
Deine Erzählung vom Großvater, der in jungen Jahren, ein armer Weber, wie die Geschilderten hinterm Webstuhl gesessen, ist der Keim meiner Dichtung geworden, die, ob sie nun lebenskräftig oder morsch im Innern sein mag, doch das Beste ist, was ‚ein armer Mann wie Hamlet’ zu geben hat.

Weberhaus in Schömberg
Ein Weberhaus in der ul. Sądecka.

Einen Einblick in die Lebensweise der Weber im 18. Und 19. Jahrhundert geben die 11 liebevoll restaurierten Weberhäuser „Die 12 Apostel“ in der ul. Sądecka und das einzige noch erhaltene Weberhaus aus dem Komplex der sogenannten „Sieben Brüder“ in der ul. Kamiennogórska 21. Erbaut wurden die Weberhäuser von den Zisterziensern in den Jahren 1707 und 1736.

Die politische Zugehörigkeit von Schömberg, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurde, wechselte im Laufe seiner Geschichte mehrmals. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg kam es 1742 zusammen mit Schlesien an Preußen und 1819 wurde das Klostergut säkularisiert.
Während des Zweiten Weltkrieges existierte in Schömberg ein Außenlager des Konzentrationslagers Gross-Rosen. Besonders tragisch ist, dass kurz vor Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 noch 77 Häftlinge von den Deutschen erschossen wurden. Sie liegen in einem Massengrab auf dem hiesigen Friedhof.

Informationen für Touristen

Schömberg ist von Glatz (Kłodzko) 60 km, von Krummhübel (Karpacz) 40 km und von Waldenburg (Wałbrzych) 28 km entfernt.
Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Marktplatz, von dem die Sehenswürdigkeiten des kleinen Ortes nicht weit entfernt liegen. (fh)

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Einwohner

2.175 (Stand 2011)

Sehenswürdigkeit

Weberhäuser von 1707
ul. Sądecka
58-407 Chełmsko Śląskie


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