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Reichenstein (Złoty Stok) - Goldbergbau und Arsengewinnung

Am Rande des Glatzer Landes liegt die Stadt Reichenstein (Złoty Stok), die im Mittelalter und der frühen Neuzeit zu den bedeutendsten Goldbergbau-Regionen in Europa gehörte.

Eingang zum Gertruds Stollen in Reichenstein (Złoty Stok)
Eingang zum Gertruds Stollen in Reichenstein (Złoty Stok). Foto: Frank Hilbert

Unsere Museumsführerin, die uns durch das einstige Bergwerk in Reichenstein (Złoty Stok) führt, ist keine 1,60 m groß, dafür forsch und mit einer Portion Humor ausgestattet. "Man muss mit Schwund rechnen", sagt sie im Spaß. Es komme hin und wieder vor, dass das Bergwerk weniger Besucher verlassen als hineingegangen seien. Auch lobt sie die Stollen, die speziell für Touristen mit ihrer Körpergröße gebaut worden seien: eng und niedrig. Die Kinder in der Gruppe spricht sie mit "Robaczki" (Würmchen) an. Wir betreten das Bergwerk über den Zugangsstollen Gertrud. Unter Tage ist es empfindlich kalt, Luft und Wände sind feucht. Es tropft von der Decke. Zum Glück haben wir Jacken mitgenommen. Unsere Köpfe schützen Helme, die wir am Eingang zum Bergwerk erhalten haben. Es besteht Helmpflicht im unterirdischen Museum für Goldbergbau in der Nähe von Reichenstein (Złoty Stok), das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bergbautradition zu bewahren. Zwei Stollen des Bergwerks, in das 1961 zum letzten Mal ein Bergmann einfuhr, können die Besucher besichtigen: den Zufahrtsstollen "Gertrud" und den "Schwarzen Stollen".

0,5 Kilogramm Gold – die Ausbeute eines Tages

Bergleute begannen im 13. Jahrhundert mit dem aufwendigen Abbau von Gold bei Reichenstein. Zwischen 1530 und 1560, der Blütezeit des örtlichen Goldabbaus, förderten sie täglich 60 Wagenladungen Erz, aus dem sie ein halbes Kilogramm Gold gewannen. Für die Verhüttung einer solchen Menge Erzes benötigten sie 60 Kubikmeter Holzkohle, für deren Gewinnung wiederum die umliegenden Wälder rücksichtslos abgeholzt wurden. Insgesamt sollen es 5.000 Hektar gewesen sein. Schlacke und Eisenerzabfälle türmten sich zu riesigen Halden auf. Ein Raubbau an der Natur.
Gold wurde in Reichenstein bis in das 17. Jahrhundert hinein gefördert, bis sich er Abbau nicht mehr rentierte. Noch im selben Jahrhundert begann dafür die Herstellung von Arsenik, eigentlich ein Nebenprodukt bei der Gewinnung von Gold.
Die Ausstellungen im Inneren des Bergwerks beschäftigt sich in erster Linie mit der Geschichte der Goldgewinnung. Eine Sammlung von Schmelzöfen, Schmelzkesseln und Karten können bewundert werden. In einem Nebenraum eines Stollens stehen Tische mit Reagenzgläsern, die mit bunten Flüssigkeiten gefüllt sind. Ein Mitarbeiter des Museums erklärt im Schein schummriger Lampen die Herstellung von Arsen. Bei Giftmörder war es in früherer Zeit als "Mordgift" sehr beliebt, weil es bis in das 19. Jahrhundert hinein in den Körpern der Ermordeten nicht nachweisbar war. Weniger bekannt ist, dass es in der Glasindustrie und für die Herstellung von Arzneimitteln Verwendung fand und findet.

Karte in einem Stollen in Reichenstein (Złoty Stok)
Karte in einem Stollen. Foto: Frank Hilbert

"Bitte nicht ins Waschbecken pinkeln"

Die Hauptattraktion der Führung durch das Begwerk ist ein acht Meter hoher Wasserfall im "Schwarzen Stollen", den Bergleute im 16. Jahrhundert in den Berg getrieben haben. Den meisten Spaß haben Besucher jedoch in einem unterirdischen Raum, dessen Wände mit Warnschildern aus Industriebetrieben übersät sind. Die Warnhinweise sind skuril: "Repariere die Maschine nicht im laufenden Betrieb. Sonst wirst du dir deinen Hintern mit dem Ellenbogen abwischen müssen." Oder: "Bitte nicht ins Waschbecken pinkeln." Oder: "Nach beendeter Arbeit ziehe wieder deine Unterhose an."
Neben den Stollen existieren vom Bergwerk noch das Zechenhaus, das in den 1920 im Zusammenhang mit der Eröffnung des Gertrudenstollens errichtet worden ist und in dem sich Büros und Aufenthaltsräume für die Bergleute befanden. Ausgestattet war es mit einer Uhr und einer Sirene, die täglich zu Schichtanfang und Schichtende heulte. Um das Bergbaumuseum hat sich eine kleine Spaßindustrie angesiedelt: Ein Klettergarten im Wald, eine Drahtseilbahn und ein Park über mittelalterliche Technik, der sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, buhlen um die Gunst der Touristen.

Hauptbahnhof Goldbergwerk

Der Stadt Reichenstein brachte der Abbau von Gold und Arsenerzen Wohlstand, den einige wenige Bürgerhäuser auf dem Marktplatz (Ring, wie man ihn in Schlesien nannte) aus dem 16., 17. Und 19. Jahrhundert widerspiegeln. Sehenswert sind die neogotische Pfarrkirche der "Unbefleckten Empfängnis Mariä", die zwischen 1877 und 1883 am (heute) plac Kościelny errichtet wurde. Eine besondere Sehenswürdigkeit im Zusammenhang mit dem Goldbergbau ist die Münzprägestätte aus dem Jahr 1507 (später mehrmals umgebaut), die zu ihrer Zeit die Prägestätte mit dem höchsten Ausstoß an Münzen in Schlesien war. Die Erlöserkirche, deren Ursprünge bis in das Jahr 1331 zurückreichen, wurde in der Zeit der Volksrepublik Polen zunächst als Sporthalle genutzt und dann abgerissen. Mit der Schließung des (letzten) Bergwerks "Reicher Trost" ("Bogata Pocieszenie") im Jahr 1961 endete nach 650 Jahren der Bergbau in Reichenstein. Die Gebäude des Bergwerks sind ebenfalls nicht erhalten geblieben.

Nach einer Stunde ist die Führung durch das Museum für Goldbergbau beendet. Wir steigen unter Tage in eine Bergbahn, die uns kräftig durchschüttelnd und mit lauten Getöse und Geklapper wieder an die Erdoberfläche bringt. Endstation ist "Kopalnia Złota – Główna" (Hauptbahnhof Goldbergwerk). (fh)

Der "Goldene Pfad"

Durch die Stadt führt der "Goldene Pfad" (Złota Ścieżka), auf dem 11 Tafeln über den Bergbau in Reichenstein informieren. Für das Abwandern des fünf Kilometer langen Pfades, der in der ul. Złota 2 beginnt, benötigen Sie etwa zweieinhalb Stunden. Am Ausgangspunkt gibt es einen Parkplatz.

  1. Station "Um vor dem Vergessen zu bewahren”
  2. Abbaustätte auf dem Góra Sołtysa
  3. Fürstenstollen
    Im Bereich der Stationen zwei und drei Informieren Tafeln über eine Streichholzfabrik und eine Alte Hütte, die hier produzierten. Bis zu ihrer Verlegung 1947 nach Sianowo produzierte die Fabrik in Reichenstein Streichhölzer und Streichholzschachteln.
    In der Alten Hütte förderten die Bergleute seit dem 18. Jahrhundert Arsenerz. Es gab an der Stelle mit Wasserkraft angetriebene Anlagen für die Zerkleinerung des Erzes und Brennöfen.
    Eine weitere Tafel informiert über den Ockerstollen, über dessen Entstehung so gut wie nichts bekannt ist. Im Stollen gibt es arsen- und eisenhaltige Quelle, deren Vorhandensein die Stadtväter zu Beginn des 20. Jahrhunderts davon träumen ließen, aus Reichenstein einen Kurort zu machen. Doch der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) machte alle Pläne zunichte.
  4. Hüttenschlucht. Hier befindet auch sich das Museum des Bergbaus und der Goldverhüttung
  5. Schacht "Himmelfahrt"
  6. Kreuzberg (Góra Krzyźowej)
  7. Bergwerke auf dem Kreuzberg
  8. Bergwerk "Reicher Trost"
  9. Lagerstätte "Goldener Esel”
  10. Geschichte von Złoty Stok (Reichenstein)
  11. Frühere Münzprägestätte (Dom dawnej mennicy), plac Kościelny

Weitere Sehenswürdigkeiten in Reichenstein

  • Park für mittelalterliche Technik (Średniowieczny Park Techniki), ul. Złota 2
  • Museum des Bergbaus und der Goldverhüttung (Muzeum Górnictwa i Hutnictwa Złota), ul. ul. Złota 7
  • Friedhofskirche der hl. Dreifaltigkeit (Kościół pw. Trójcy Świętej) aus dem Jahr 1583, ul. 3 Maja
  • Rathaus, erbaut 1801, Rynek 22
  • Barockes Haus der Familie Fugger, erbaut im 16. Jahrhundert, Rynek
  • Pfarrkirche der "Unbefleckten Empfängnis Mariä", plac Kościelny

Wetter

Reichenstein (Złoty Stok), Polen30.05.2017 – 15:03 Uhr
Klarer Himmel
ReichensteinWetter Polen26.72 °CLuftfeuchte: 69%
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Sehenswürdigkeit

Goldbergwerk (Kopalnia Złota w Złotym Stoku)
ul. Złota 7
57-250 Złoty Stok
Tel.: +48 (0) 74 8175508
E-Mail: biuro@kopalniazlota.pl
Internet: www.kopalniazlota.pl

Touristeninformation

Informacja Turystyczna
ul. Rynek 2
57-250 Złoty Stok
Tel.: +48 (0) 74 8164164

Karte

Reichenstein (Złoty Stok), ul. Rynek 2, 57-250
Reichenstein (Złoty Stok), ul. Rynek 2, 57-250 Złoty Stok (Google Maps)