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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) in Niederschlesien, Polen

Was hat der Ort Frankenstein mit dem Roman „Frankenstein“ (zum ersten Mal 1818 erschienen) zu tun? Nichts. Der Roman von Mary Shelley erzählt die Geschichte des Schweizer Viktor Frankenstein, der in die Rolle des Schöpfers schlüpfte und einen künstlichen Menschen erschuf. Das tat er an der Universität Ingolstadt und nicht im schlesischen Frankenstein. Von einem grausamen Ereignis ganz anderer Art berichtet die Frankensteiner Chronik. 1606 brach in der Stadt die Pest aus und forderte 2.066 Todesopfer (andere Quellen gehen von 2.961 Toten aus).

Schloss in Frankenstein (Ząbkowice Śląskie)Polen Fotos
Das verfallene Schloss in Frankenstein. Foto: Frank Hilbert

Verantwortlich für den Ausbruch der Seuche machte man die Totengräber der Stadt, die den Menschen vergiftete Pulver und Salben vor die Haustüren gestreut und auf die Türschwellen geschmiert haben sollen. Die vermeintlichen Mörder legten unter Folter falsche Geständnisse ab und wurden hingerichtet.
Ein Lehrer mit dem Namen M. Bressler schrieb über die Verhaftung der Totengräber und ihrer Angehörigen und deren grausame Hinrichtung:

Am 10. September wurden auf Bekenntniss 2 Todtengräberknechte, so sich voll gesoffen, zu Frankenstein in der Pest eingezogen, beide Meister Wenzel Förster, der gegen 28 Jahr Todtengräber gewesen, und Gg. Freidiger von Striegau; am 14. September beider Meister Weiber sammt Casp. Schleiniger Todtengräber und Träger zu Frankenstein; am 18. September der alte Caspar Schetts, ein Bote und Bettler 87 Jahre alt, wegen Giftaussäens in der Pest; am 4. Oktober Susanna Matz Schuberts verstorbenen Stadtdieners Tochter sammt ihrer Mutter Magdalena wegen Giftstreuens etc. Am 12. September 1607 hat man bei Wenzel Försters, des alten Todtengräbers Haus, ein Jahr nach seiner Justifizierung, einen ganzen Zecker voller Dütlein mit Giftpulver, damit sie die Pest ausgesäet, gefunden. Ist aber weit von der Stadt in Flusswasser geschüttet worden. – Am 5. Oktober wurden wegen Giftstreuens ein Todtengräber Johann Laken und sein Sohn, ein Knabe von 14 Jahren, enthauptet und der abgehauene Kopf mit dem Körper auf den Holzhaufen gelegt. Sind mit diesen in allem 17 Personen, die Pulver gestreut und bereitet, in der Pest zu Frankenstein gerichtet und verbrannt worden. [1]

Piastenherzog Bolko II. baute im 13. Jhd. eine Burg

Vom Frankensteiner Schloss stehen nur noch die Außenmauern. Es wurde zwei Jahre vor Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gesprengt und später zumindest teilweise wiederaufgebaut. Ende des 18. Jahrhunderts (1784) brannte es bedauerlicherweise vollständig ab. Es bleibt nur noch zu erwähnen, dass die Ursprünge des Schlosses in Frankenstein bis in das Mittelalter zurückreichen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ließ der Piastenherzog Bolko II. an dieser Stelle eine Burg errichten. Aus dieser Zeit ist eine Mauer an der Südwestseite erhalten geblieben. Die Zeit überstanden haben zudem Relikte des Kreuzganges, ein Innen- und der Torturm und eine Bastei. In einem Teil des einstigen Prachtbaus informiert eine kleine Ausstellung über die Geschichte und die Pest im 17. Jahrhundert. Eine freundliche Mitarbeiterin des Museums stattete uns mit allem möglichen Informationsmaterial aus, für das wir uns tausendmal bedanken, bevor wir in Richtung Marktplatz von dannen zogen.
Mitten auf dem Marktplatz thront das Rathaus. Obwohl es zwischen 1862 und 1864 im neogotischen Stil errichtet worden ist, hinterlässt die Architektur beim Betrachter einen verspielten Eindruck. Zahlreiche Türme und Türmchen und mit Maßwerk dekorierte Spitzbögen lockern die weiß getünchte Fassade auf.
Gar nicht weit von hier, in der ul. Świętego Wojciecha, die vom Markt abgeht, fühlt man sich nach Pisa in Italien versetzt. Der freistehende Glockenturm der Pfarrkirche St. Anna steht nicht nur schief. Sein unterer Teil stammt aus dem 13. Jahrhundert. Vermutlich durch ein Erdbeben hat er sich zur Seite geneigt. Diesen Turm erhöhten die Frankensteiner Ende des 16. Jahrhunderts mit der Folge, dass der untere Teil schief in die Höhe ragt, der mittlere Teil sich krümmt, damit die mit Zinnen versehene Turmspitze sich wieder im Lot befindet. Die Pfarrkirche St. Anna stiftete im 14. Jahrhundert Kaiser Karl IV. Nach 61 Jahren Bauzeit war sie 1415 vollendet. Im Laufe der Jahrhunderte unterlag der Kirchenbau zahlreichen Veränderungen. 1418 steckten die Hussiten, die von Böhmen nach Schlesien eingefallen waren, die Pfarrkirche an. Zwischen 1444 und 1453 wurde sie wiederauf- und im 16. und 19. Jahrhundert umgebaut. Die zahlreichen Veränderungen sind der Grund dafür, dass die Kirche unterschiedlichste Stilrichtungen in sich vereinigt. Ein Blick in die Pfarrkirche lohnt schon allein wegen der zahlreichen Kunstschätze, die sie beherbergt. Zu erwähnen sind der barocke Hochaltar (1754-1759) mit der Darstellung der hl. Anna, ebenfalls die zahlreichen barocken Seitenaltäre und das Taufbecken.

Schiefer Turm in Frankenstein (Ząbkowice Śląskie)
Der schiefe Turm in der Nähe des Marktplatzes. Foto: Frank Hilbert

Klostergarten - Oase der Erholung

Wer jetzt ein paar Minuten Ruhe zur Erholung sucht, dem sei der Garten des ehemaligen Dominikanerklosters in der ul. Grunwaldzka nordöstlich vom Marktplatz empfohlen. Er ist nicht groß, aber mit seinen gepflegten Beeten und mit Kieselsteinchen bedeckten Wegen ein idyllisches Plätzchen mitten in der Stadt. Die Kreuzkirche gleich daneben hat das gleiche Schicksal wie die Pfarrkirche St. Anna ereilt. Sie stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert und wurde von den Hussiten zerstört, anschließend wiederaufgebaut und im 17. Jahrhundert noch einmal umgebaut. Deshalb die barocke Inneneinrichtung, die in dieser Zeit en vogue war. Als Perle des Barocks – nicht nur in Frankenstein, sondern in ganz Schlesien – gilt die St.-Hedwigs-Kirche in der ul. Bolesława Chrobrego im Stadtteil Zadel (Sadlno). An dieser Stelle soll schon 1208 eine Kirche gestanden haben. Ihre heutige spätbarocke Inneneinrichtung ist das Ergebnis eines Umbaus im 18. Jahrhundert.

Sehenswürdigkeiten

  1. Rathaus
  2. Pfarrkirche St. Anna
  3. Glockenturm der Pfarrkirche St. Anna, auch Schiefer Turm: Er ist mit einer Abweichung von der Geraden von 2,14 m der schiefste Turm in Polen und drittschiefste Turm in Europa. Nur die Türme in Pisa und Suurhusen haben einen größeren Neigungswinkel. 139 Stufen müssen Sie erklimmen, um die Aussicht von der Aussichtsplattform des 34 m hohen Turmes genießen zu können.
  4. Ruinen des Schlosses
  5. Kreuzkirche und Dominikanerkloster
  6. Hof der Heinrichauer Äbte Pfarrkirche St. Hedwig
  7. Teile der historischen Stadtmauer am nordöstlichen und nordwestlichen Rand des Stadtzentrums
  8. Regionalmuseum Frankenstein (Izba Pamiątek Regionalnych w Ząbkowicach Śląskich)

Karte

Landkarte von Polen mit Frankenstein (Ząbkowice Śląskie)

Wetter

Frankenstein (Ząbkowice Śląskie), Polen27.05.2017 – 21:32 Uhr
Klarer Himmel
FrankensteinWetter Polen18 °CLuftfeuchte: 52%
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Sehenswürdigkeit

Regionalmuseum Frankenstein (Izba Pamiątek Regionalnych w Ząbkowicach Śląskich)
Krzywa 1
57-200 Ząbkowice Śląskie
Tel.: +48 (0) 74 8152043
Internet: www.krzywawieza.eu

Touristeninformation

Informacja Turystyczna
Świętego Wojciecha 5
57-200 Ząbkowice Śląskie
Tel.: +48 (0) 74 8157401
Internet: zabkowiceslaskie.pl

Karte

Frankenstein (Ząbkowice Śląskie), Świętego Wojciecha 5, 57-200
Frankenstein (Ząbkowice Śląskie), Świętego Wojciecha 5, 57-200 Ząbkowice Śląskie (Google Maps)

Anmerkungen

  1. Dr. Gottfried Lammert, kgl. Bezirksarzt, Geschichte der Seuchen, Hungers und Kriegsnoth zur Zeit des dreissigjährigen Krieges, Verlag von J. F. Bergmann, Wiesbaden 1890, S. 12