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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska) in Niederschlesien, Polen

Ein ohrenbetäubender Knall zerreißt die Dunkelheit. Eine Druckwelle drückt die Magengrube ein. Ausrufe der Überraschung und ein Raunen sind zu hören. Pulvergeruch liegt in der Luft. Die Beleuchtung geht an. Vor der Touristengruppe, die überwiegend aus jungen Familien besteht, steht ein Touristenführer, der eine alte preußische Uniform trägt. In der Hand hält er einen Vorderlader, ein Gewehr, wie es in der preußischen Armee bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. Um die Lautstärke zu demonstrieren, hatte der Mann die Waffe ohne Kugel abgefeuert.

Außenmauer des DonjonPolen Fotos
Festungsgraben vor dem Donjon der Festung Silberberg. Fotos: Frank Hilbert

Die eindrucksvolle Vorführung fand in einer Kasematte der Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska) in Niederschlesien statt, der einzigen Gebirgsfestung in Schlesien. Errichtet wurde sie zwischen 1765 und 1777 auf Geheiß des preußischen Königs Friedrich II., der in seinem politischen Testament aus dem Jahr 1752 über die Bedeutung der Festungsanlagen geschrieben hatte:

Die festen Plätze sind wie mächtige Nägel, die die Provinzen des Herrschers zusammenhalten.

Im Dritten Schlesischen Krieg (1756-1763) hatte sich die Festungslinie Festung Neiße (Twierdza Nysa), Glatz (Kłodzko) und Schweidnitz (Świdnica) entlang der sudetischen Gebirgskette als löchrig erwiesen. 1760 war es österreichischen Truppen unter der Führung von General Gideon Ernst von Laudon gelungen, in Schlesien einzumarschieren. Drei Jahre lang besetzten sie die Grafschaft Glatz und die südlich der Grafschaft gelegenen strategisch wichtigen Gebirgspässe. Erst der Frieden von Hubertusburg, der am 15. Februar 1763 unterzeichnet worden war, verpflichtete die Habsburger, sich aus der Grafschaft zurückzuziehen. Die preußischen Militärs waren der Meinung, dass der erfolgreiche Einmarsch der Österreicher hätte verhindert werden können, wenn eine Festung auf dem Silberberg die Lücke zwischen den Festungsanlagen in Glatz und Schweidnitz geschlossen hätte.
4.000 Arbeiter errichteten nach dem Entwurf und unter der Leitung des preußischen Ingenieurs Oberst Ludwig von Regler die Festungsanlage auf dem Hauptkamm des Eulengebirges, deren zentraler Verteidigungskern das Fort Donjon (poln. Donzon) war. Umgeben war der Donjon von einem Verteidigungsgürtel, der aus der Nieder-, der Ober- und Neudorfer Bastion und der Stadtbastion bestand. Die Baukosten beliefen sich auf 4.000.000 Reichstaler. Regers Entwurf hatte sich gegen die von Franz Ignatz Pinto aus Piemont und gegen den des Pionieroffiziers Lahr durchsetzen können, wurde in der Bauphase jedoch immer wieder modifiziert. Er fügte den ursprünglichen Plänen noch die Forts Hornwerk, Hohenstein, Spielberg, Klosenberg und die Kleine Strohhaube hinzu.
Die Festung war so gebaut, dass sie einer bis zu fünf Monate währenden Belagerung standhalten konnte. Mehrere Brunnen, große Mengen eingelagerter Lebensmittel und Munition, ein Lazarett, eine Brauerei und eine Bäckerei garantierten das Überleben der Soldaten ohne Versorgung von Außen.

Belagerung durch napoleonische Truppen

Ihre große Bewährungsprobe bestand die Festung Silberberg 1807. Napoleonische Truppen belagerten sie und mussten nach der Unterzeichnung des Tilsiter Friedens unverrichteter Dinge wieder abziehen. Nur die nahegelegene kleine Stadt Silberberg (Srebrna Góra) wurde völlig zerstört.
Aufgrund neuer Entwicklungen in der Militärtechnik - vor allem bei der Artillerie - verloren die Festungen im 19. Jahrhundert ihre militärische Bedeutung. 1860 wurde der Befehl zur Schließung der Festung Silberberg gegeben. Kurze Zeit später, im preußisch-österreichischen Krieg von 1866, wurde sie jedoch kurzzeitig noch einmal in den Alarmzustand versetzt und 1867 endgültig geschlossen. Am 1. Oktober 1867 fand der feierliche Abzug der Festungstruppen statt. Die militärische Nutzung war damit jedoch noch nicht beendet. Zwischen 1869 und 1879 erprobte die preußische Armee hier neue Geschütze mit großen Kalibern. Ein Eisernes Kreuz im Innenhof des Donjon erinnert an einen Unfall, der sich am 26. November 1869 ereignete. Eine Granate explodierte bei Schießübungen mit einem 210-mm-Geschütz im Kanonenrohr und tötete vier Soldaten.

Zwischenzeitlich diente die Festung als Gefängnis für kriminelle und politische Häftlinge. Zu den prominentesten unter ihnen gehörte der Dichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache Fritz Reuter (1810-1874), der hier 1833 festgehalten wurde. Nur wenige Tage, nachdem Deutschland Polen am 1. September 1939 überfallen hatte, richteten die Nationalsozialisten auf dem Silberberg und dem vorgelagerten Fort Osróg (Spitzberg) ein Gefangenenlager für Offiziere der polnischen Armee ein, das die Bezeichnung Oflag VIIIB Silberberg trug.

Eingang zum Donjon
Eingang zum Donjon.

Die Geschichte der Festung, die Lage im malerischen Eulengebirge und der Panoramablick über die umliegende Gebirgslandschaft – bei guter Sicht kann man bis zu 50 km weit schauen - ließen bei den Einheimischen Ende des 19. Jahrhunderts die Idee einer touristischen Nutzung der Festungsanlage aufkommen. Dazu gründeten sie 1885 die Gesellschaft Silberberg und 1885 öffnete im Donjon ein Restaurant seine Türen, das 300 Gästen Platz bot. 17 Jahre später nahm eine Schmalspurbahn ihren Betrieb auf, von deren Streckenführung noch ein Viadukt die Zeit überdauert hat.

Nach ihrer Fertigstellung war die Festung Silberberg die modernste in Schlesien. Ein Glücksfall ist, dass sie in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben ist. Auch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hat sie beinahe unbeschadet überstanden. So können sich Besucher heute über den Aufbau einer Festung aus dem 18. Jahrhundert informieren. Die Bedeutung als technisches Denkmal und die phantastische Lage auf dem Silberberger Pass machen die Festung zu einer der beliebtesten Ausflugsziele für Touristen.
Zurzeit wird die Festung von einer kommunalen Gesellschaft betrieben, die den gesamten Gewinn in die Restaurierung der Anlage und die Erweiterung des touristischen Angebots investiert. Ziel ist die Eröffnung eines Hotels mit Konferenzräumen, die Einrichtung einer modernen Ausstellung und der Bau einer Seilbahn vom Tal hinauf zur Festung.

Informationen für Besucher

In der Festung können die Kasematten besichtigt werden, in denen archäologische Fundstücke (z. B. Kanonenkugeln) und Modelle der Festung ausgestellt sind. Etwa 700 m südlich der zentralen Festungsanlage steht das Fort Osróg (Fort Spitzberg) ebenfalls für Besucher offen.
Die Festungsanlage ist mit dem Auto sehr gut zu erreichen. Sie liegt 30 km von Glatz (Kłodzko) und rund 70 km von Breslau (Wrocław) entfernt. Von Waldenburg (Wałbrzych) sind es 47 Autokilometer.

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Landkarte von Polen mit Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska)

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Sehenswürdigkeit

Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska)
Kręta 4
57-215 Srebrna Góra
Tel.: +48 74 8180099
Internet: forty.pl

Karte

Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska), Kręta 4, 57-215
Festung Silberberg (Twierdza Srebrnogórska), Kręta 4, 57-215 Srebrna Góra (Google Maps)