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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Breslaus Zwerge - erst Zeichen der Opposition, dann die Lieblinge der Touristen

Mittlerweile sind sie aus Breslau nicht wegzudenken und prägen das Stadtbild wohl mindestens so sehr wie die ehrwürdige Alma Mater mit ihrer schmucken Aula Leopldina: die über zweihundert Mann starke Zwergenarmee, die über die gesamte Stadtmitte verstreut zum Liebling der Einheimischen und zu einer echten Attraktion für Besucher geworden ist.

Sitzender Zwerg am Straßenrand in Breslau (Wrocław)
Fotos: Frank Hilbert

Die bronzenen lustigen Wichtel bevölkern Gassen, Marktplätze und Grünflächen. Ihre Herkunft geht auf eine schöne alte Sage zurück. Der Legende nach halfen die Zwerge einst den ersten Siedlern bei der Stadtgründung. Sie sollen auch den bösartigen Oderkobold, der den Menschen arg zugesetzt hatte, überlistet und ihn einen Kerker im Eulengebirge geworfen haben. Aus Dankbarkeit für die Rettung vor dem bösen Kobold boten die Menschen den kleinen Helfern an, mit ihnen zusammen in Breslau zu leben.

"Orangene Alternative"

An diese Sage knüpfte die avantgardistische, antikommunistische Bewegung der 1980er Jahre, die "Orangene Alternative" (polnisch: Pomarańczowa Alternatywa) an. Getreu dem Motto, dass Humor die beste Waffe gegen Unterdrückung und jedes Regime ist, machte der Gründer "Orangene Alternative", der Künstler und Schriftsteller Waldemar Fydrych Major, zusammen mit seinem Freund, dem Mathematiker Wiesław Cupała, mit gewaltfreien, dadaistischen Happenings auf die Missstände des Sozialismus aufmerksam. An Hauswände, wo die Miliz antikommunistische Parolen mit Farbe übermalte, sprühten sie Zwerge auf. Nicht nur die ständige Gefahr, entdeckt und verhaftet zu werden, war für die Beiden und Gleichgesinnte eine Herausforderung, sondern auch die Tatsache, dass Farbe in Spraydosen zu damaliger Zeit in Polen echte Mangelware war. Die ersten Spraydosen "organisierte" ein befreundeter Autolackierer. Weitere Aktionen der "Orangenen Alternative" waren Protestkundgebungen, zu denen die Protestierenden in orangene Umhänge und Mützen als Zwerge verkleidet erschienen. Als die Miliz die Demonstrationen mit Gewalt auflösen und die Teilnehmer festnehmen wollte, erklärten sie augenzwinkernd, sie seien keine Menschen, sondern Zwerge, und für diese gelte das Versammlungsverbot nicht. Die Zwerge wurden zum Symbol für politischen Widerstand.

Ein Denkmal für "Papa Zwerg"

Nach der Wende nutzte das Stadtmarketing die Bekanntheit der Breslauer Zwerge aus, um sie zum Wahrzeichen Breslaus zu machen. Die ersten ca. 30 cm großen Wichtel aus Bronze wurden in der Altstadt aufgestellt. An der Stelle, wo in den 1980er Jahren die Happenings der "Orangenen Alternative" stattfanden, wurde 2001 dem Vater aller Zwerge, dem "Papa Zwerg" ein Denkmal gesetzt. Zunächst wurden die Skulpturen noch von der Stadt selbst finanziert, doch mittlerweile stiften zunehmend Firmen und Geschäfte neue Wichtel.

Zwergenfigur aus Bronze, die auf einem Chopper Motorrad sitzt
Zwerg auf einem Chopper-Motorrad.

Alljährlich im Oktober findet in Breslau das sog. "Zwergenfestival" statt, zu dem Zwerge und Freunde der Zwerge aus ganz Polen anreisen. Für diejenigen, die die Stadt auf den Spuren der kleinen Mitbewohner der Breslauer abwandern möchten, hat die Stadt eine Karte vorbereitet. Es finden auch regelmäßig Führungen für Kinder statt. (fh)

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