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Architekturausstellung "Wohnung und Werkraum" (WuWa) in Breslau

11 Architekten fanden sich in den 1920-er Jahren auf Initiative des Werkbundes in Stuttgart zusammen, um eine Mustersiedlung zu bauen, die neue Wege preiswerten Bauens mit neuen Baumaterialien aufzeigen sollte. Der Öffentlichkeit wurde die "Weißenhofsiedlung" in Form einer Ausstellung präsentiert. Das Konzept fand Nachahmer. Unter anderem 1929 in Breslau mit der Ausstellung "Wohnung und Werkraum" (WuWa).

Wohnblock von Ludwig Mies van der Rohe in der Weißenhofsiedlung Stuttgart
Wohnblock von Ludwig Mies van der Rohe in der Weißenhofsiedlung Stuttgart. Fotos: Frank Hilbert

Nach über 90 Jahren ist das Wohnkonzept, welches die Stuttgarter "Weißenhofsiedlung" wie ein roter Faden durchzieht, immer noch aktuell und Vorbild für Architekten. Zentrum des Wohnens ist ein großer Raum, der unterschiedlichen Zwecken dienen kann: zum Wohnen, Kochen und Arbeiten. Alle anderen Räume der Wohnungen und Häuser sind im Vergleich zum Hauptraum klein. Die Architektur ist von überflüssigem Schnörkel befreit. Grundrisse konnten mit verschiebbaren Wänden verändert werden und auf diese Weise an die jeweiligen Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden. Die Architekten errichteten nicht nur die Baukörper, sondern entwarfen auch die Inneneinrichtungen. Wegen ihrer reduzierten Architektur, die vom Bauhaus inspiriert wurde und von vielen Zeitgenossen als "kalt" empfunden wurde, entfachte die "Weißenhofsiedlung" zwischen den Anhängern der Moderne und den Traditionalisten unter den Architekten eine scharfe Diskussion.

Häuser für Menschen mit unterschiedlichen Lebensformen

Trotz der Kritik fand die Ausstellung im In- und Ausland großes Interesse und Nachahmer. Unter anderem in Breslau (Wrocław). Dort organisierte der Landesverband des Deutschen Werkbundes zusammen mit der Breslauer Siedlungsgesellschaft A. G. im Sommer 1929 die Ausstellung "Wohnung und Werkraum" (WuWa). Für die WuWa wurde eine Mustersiedlung mit Reihenhäusern sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern errichtet, die Entwicklungen in der modernen Architektur und im Bau preiswerter Wohnungen aufzeigen sollte. Insgesamt umfasste die Mustersiedlung 37 Objekte, die 11 Breslauer Architekten errichtet hatten. Unter ihnen waren Adolf Rading und Hans Scharoun, die schon in der Weißenhofsiedlung ihre architektonischen Spuren hinterlassen hatten.
Die WuWa zeigte Häuser für Menschen mit unterschiedlichem Einkommen und mit ganz unterschiedlichen Lebensformen und -situationen. Rading zum Beispiel präsentierte ein Gemeinschaftshaus, Scharoun dagegen konzipierte ein Wohnheim für kinderlose Ehepaare und Ledige.

Rückansicht der Jahrhunderthalle Breslau
Auf dem Messegelände rund um die Jahrhunderthalle konnten die Besucher der WuWa eine Ausstellung besuchen, die sich mit modernen Bauen und Wohnen beschäftigte.

Neben der Mustersiedlung hatte die WuWa auf dem Messegelände rund um die Jahrhunderthalle eine umfangreiche Ausstellung über "Neues Bauen" und die Bauhaus-Schule in Dessau organisiert. Die Ausstellung informierte über die Gebäudeplanung, neue Baumaterialien und zeigte moderne Gebrauchsgegenstände und Möbel. Handwerker unterschiedlicher Gewerke bot sie die Möglichkeit, ihr handwerkliches Können zu präsentieren. Während der WuWa traf sich außerdem der Bund der Deutschen Architekten (BdA) hier zu seinen Sitzungen.

Obwohl die WuWa etliche Attraktionen aufweisen konnte, die sowohl Baufachleute, Bauherren als auch Mieter als Zielgruppe ansprachen, erreichte sie nicht die erhofften Besucherzahlen. Die Veranstalter fuhren mit ihr einen finanziellen Verlust ein. Drei Monate war sie zu sehen. Die Häuser übernahm die Breslauer Siedlungsgesellschaft A. G. und vermietete sie. Den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) überstand die Siedlung ohne Zerstörungen. Die Häuser der Mustersiedlung können deshalb noch heute von außen besichtigt werden. (Frank Hilbert)

Architekten der WuWa-Mustersiedlung Breslau:

  • Adolf Rading
  • Hans Scharoun
  • Paul Heim
  • Albert Kempter
  • Theodor Effenberger
  • Ludwig Moshamer
  • Heinrich Lauterbach
  • Paul Häusler
  • Moritz Hadda
  • Emil Lange
  • Gustav Wolf

Werkbung-Siedlungen wurden in folgenden Städten errichtet:

  • Stuttgart
  • Brünn
  • Zürich
  • Prag
  • Wien
  • Breslau

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Sehenswürdigkeit

Ausstellungsgelände "Wohnung und Werkraum" (WuWa)
Tramwajowa 2A
50-001 Wrocław

Anmerkung:

Die Häuser der 1929 errichteten Werkbundsiedlung können von außen besichtigt werden. Ein Museum über die WuWA gibt es nicht.


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