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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Warschau - Haus der Partei (Dom Partii)

Das vom Volksmund als "Weißes Haus" bezeichnete Gebäude wurde in der Jahren 1948-1952 nach den Entwürfen des Architekten-Trios Wacław Kłyszewski, Jerzy Mokrzyński und Eugeniusz Wierzbicki erbaut und war bis 1989 Sitz des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (KC PZPR) – der Regierung der Volksrepublik Polen.

Wertschein für den Bau des Hauses der Partei in Warschau
Die polnische Regierung finanzierte den Bau des Hauses der Partei über eine Zwangsabgabe. Als Beleg für die "freiwillige Spende" erhielt man einen solchen Wertschein.

Das Haus mit einer Fassade aus grauem Sandstein besitzt vier sechsstöckige, symmetrische angeordnete Flügel. Obwohl es gern als ein Paradebeispiel des frühen sozialistischen Realismus genannt wird, knüpft der Architekturstil an die Traditionen des Modernismus und harmoniert mit seinem klassizistischen Kubus mit den benachbarten Bauten aus den 1930er Jahren. Der sozialistische Realismus beschränkt sich nur auf wenige Details, wie zum Beispiel den barockähnlichen Vorsprung des Haupteingangs, die pompösen Durchbrüche oder die aufwändigen Stuckarbeiten der Innenräume.

Interessant ist auch die Geschichte der Finanzierung des Hauses. Die Baukosten wurden nämlich in Form einer "freiwilligen" Zwangsabgabe auf die polnische Bevölkerung umgelegt. Die volkseigenen Betriebe zweigten ihren Mitarbeitern einen Teil ihres Gehalts ab und händigten ihnen hierfür eine Art Wertschein aus. Auf den durchnummerierten Zahlungsbelegen ist eine Radierung mit dem Abbild des zukünftigen Hauses der Partei und die Höhe des "gespendeten" Betrags zu sehen. Die dekorativen Wertscheine (auf Polnisch cegiełki genannt) erfreuen sich heute bei Sammlern großer Beliebtheit.

Nach dem Fall des Kommunismus und der Auflösung der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei kam die Frage nach einem neuen Verwendungszweck für das Staatsgebäude auf. Es gab Überlegungen, hier die Universitätsbibliothek unterzubringen, schnell stellte es sich jedoch heraus, dass die Räumlichkeiten hierfür nicht geeignet waren. Das ehemalige Haus der Partei wurde zunächst an Banken und die Warschauer Börse vermietet. Die Mieteinnahmen flossen in den Bau der neuen Unibibliothek. Nach Umzug der Börse in ein neues Gebäude gab es mehrere mehr oder weniger gelungene Versuche, für das ehemalige Haus der Partei eine neue nützliche Bestimmung zu finden. Schließlich wurde es von dem Bank- und Finanzzentrum „Centrum Bankowo-Finansowe "Nowy Świat" S.A.” bezogen, das auch sein neuer Eigentürmer wurde. Zurzeit wird das Gebäude, das seit 2009 unter Denkmalschutz steht, unter strengen Auflagen renoviert und modernisiert. Die Innenräume sollen als Geschäfts- und Büroräume untervermietet werden. (fh)

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