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Barbara Anna Woyno M. A. – Übersetzungen Polnisch–Deutsch–Polnisch

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Festung Modlin bei Warschau

Schon etliche Male bin ich die Beselerallee im Kieler Stadtteil Düsterbrook zur Förde runtergelaufen, und erst vor kurzem ist mir ein Licht aufgegangen, dass es eine Gemeinsamkeit oder – besser gesagt – eine Überschneidung im Lebenslauf des Namensgebers der Straße und dem Werdegang meines Urgroßvaters geben könnte. Doch was hatte Wilhelm Beseler, deutscher Politiker und Präsident der Provisorischen Regierung von Schleswig-Holstein, mit dem polnischen Arzt Władysław Woyno gemeinsam?

Festung Modlin bei Warschau
Ruine eines Speichergebäudes der Festung Modlin am Ufer des Flusses Narew. Foto: Wojsyl, Modlin spichlerz, CC BY-SA 3.0

Er selbst vielleicht nicht viel, aber dafür sein Neffe Hans Hartwig. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Hans Hartwig Beseler (1850–1921) zum Kommandierenden General des III. Reserve-Korps der Preußischen Armee ernannt. Nach Einsätzen an der Westfront wurden seine Truppen in den Osten verlegt, wo sie im August 1915 die 50 km nordwestlich von Warschau (Warszawa) gelegene Festung Modlin belagerten.

Bereits 1656 wurde am Zusammenfluss von Weichsel und Narew eine Schanze unter dem schwedischen König Karl X. Gustav angelegt. Unter dem französischen Kaiser Napoleon I. wurden die Wälle erweitert und zu einer Festung ausgebaut. Wenige Jahre später ging die Wehranlage an die Russen über, die diese in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts weiter ausbauten und in Nowogierogiewsk umbenannten.

Am 19. August 1915, nach einwöchiger Belagerung, gelang es dem deutschen Korps unter der Führung von Hans von Beseler die Festung Modlin zu erobern. Dabei gerieten ca. 90.000 für Russland kämpfende Soldaten in die Gefangenschaft. Unter den Gefangenen befand sich auch mein Urgroßvater Władysław, der – zwar kein Russe – aber als Untertan des Zaren im russisch besetzten Teil Polens in Modlin seinen Kriegsdienst als Militärarzt der russischen Armee ableistete.

Ein Jahr nach der erfolgreichen Eroberung der Festung wurde Beseler zum Gouverneur des Generalgouvernements Warschau, einem Teilgebiet des bisherigen Russisch-Polen, ernannt. 1916 proklamierte er die vom Deutschen Reich und Österreich-Ungarn vereinbarte Errichtung eines selbständigen Königreichs Polen. Er schuf die neue polnischsprachige Universität Warschau und die Technische Hochschule Warschau und widersetzte sich energisch den Bestrebungen der deutschen Militärführung, eine vierte Teilung Polens durchzuführen. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs floh er aus Warschau und starb 1921 in Potsdam.

Mein Urgroßvater, Dr. Władysław Woyno, wurde nach seiner Freilassung 1916 zunächst Landarzt in einem Provinzstädtchen unweit von Warschau und wenige Jahre später Chefarzt an einer Warschauer Klinik.

Kriegspostkarte mit dem Konderfei von General von Beseler
Kriegspostkarte mit dem Konderfei von General von Beseler.

Belagerung von Modlin im September 1939

Nach dem deutschen Überfall Polens am 1. September 1939 kam der Festung Modlin die Aufgabe zu, zusammen mit der Armee "Modlin" und der Operationsgruppe "Narew" die 30 Kilometer südlich gelegene Hauptstadt Warschau vor den aus Ostpreußen heranrückenden Deutschen zu schützen. Die Verteidigung der Festung unterstand  der Armee "Lodz" unter der Führung von General Wiktor Thommée. Am 13. September gelang es den Deutschen die Festung Modlin und die Hauptstadt einzuschließen, in die sich 120.000 polnische Soldaten zurückgezogen hatten. Sie leisteten einen erbitterten Widerstand und lehnten eine am 16. September von Parlamentären überbrachte Aufforderung zur kampflosen Übergabe der Stadt ab. Sechs Tage später gelang es der 8. Armee die Verbindung zwischen Warschau und der Festung Modlin zu unterbrechen. Am 24. September warfen die Deutschen über der Stadt Flugblätter ab und forderten die Stadtkommandantur erneut zur Kapitulation auf. Jedoch lehnten die Verteidiger Übergabeverhandlungen wieder ab und bereiteten sich auf den Straßenkampf vor. Daraufhin bombardierten 400 deutsche Flugzeuge am 25. September die Stadt. An dem Angriff waren auch Transportflugzeuge vom Typ Ju 52 beteiligt, deren Besatzungen Stabbrandbomben per Hand aus ihren Maschinen warfen, mit denen schwer zu treffende Ziele zerstört werden sollten. Insgesamt verloren bei den Kämpfen um Warschau 26.000 Einwohner ihr Leben. Große Teile der Stadt, darunter das Schloss, wurden zerstört. Zwei Tage nach den Bombardements, am 26. September, kapitulierte der Warschauer Stadtkommandant General Juliusz Rómmel (1881–1967). Damit hatte Reichskanzler Adolf Hitler sein Ziel, die schnelle Einnahme der Hauptstadt, die ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein Zentrum der Rüstungsindustrie war, erreicht. Am 5. Oktober nahm er in Warschau eine Parade der Wehrmacht ab.
Die Festung Modlin konnte sich trotz heftiger Kämpfe am Boden und mehrerer Angriffe der Deutschen mit Sturzkampfbombern vom Typ Ju 82 noch bis zum 29. September halten. Dann bot sie die Übergabe an. Eine weitere Verteidigung war zu diesem Zeitpunkt ohnehin überflüssig, weil Warschau bereits gefallen war.
Von der Bombardierung der Festung durch Ju 82 existieren zahlreiche Fotos, die der deutsche Propagandafotograf Benno Wundshammer (1913–1986) aus dem Heckschützenstand einer Ju 82 gemacht hat.

Teile der verfallenen Festung Modlin wurden übrigens 2013 an einen Investor verkauft, der die Objekte sanieren und zu Loftwohnungen umbauen möchte. (bw/fh)

Historische Daten zur Festung Modlin:
1656: Unter dem schwedischen König Karl X. Gustav wurde eine Schanze angelegt.
1807: Die eigentlichen Arbeiten an der Festung beginnen 1807 unter Napoleon I.
1813: Russische Truppen belagern die von Franzosen besetzte Festung Modlin und zwingen den französischen General Herman Willem Daendels am 1. Dezember 1813 zur Kapitulation.
1830: Während des Novemberaufstandes besetzen Polen Modlin. Die polnischen Auständischen unter der Führung von Ignacy Graf Ledóchowski mussten sich den Russen am 7. Oktober 1831 ergeben.
1830er: Die russischen Besatzer bauen das Festungswerk aus und benannten es in Nowogierogiewsk um. Die Festung war riesig und glich einer Stadt. Das verdeutlichen schon die etwa 40 m hohen Wälle, von denen die Festung umgeben war. Aber: Schon bald stellte sich heraus, dass bei der Generalüberholung der Festung Unsummen von Rubeln buchstäblich in den Weichselsand gesetzt wurden, da die frisch sanierte Wehranlage nicht mehr den Standards einer modernen Kriegsanlage entsprach. Die neu entwickelten Geschütze und Geschosse jener Zeit hätten im Kriegsfall die gerade erst ausgebauten Festungsanlagen schnell in ein Trümmerfeld verwandeln können.
1915: Vom 4. bis zum 20. August 1915 belagerten deutsche Truppen die Festung Modlin, die von Hans Hartwig Beseler angeführt wurden.
1939: Die polnische Armee verteidigte die Festung im September 1939 gegen die anrückenden deutschen Truppen (Wehrmacht und Leibstandarte SS Adolf Hitler). Nach zwei Wochen Widerstand ergaben sich die verbliebenen 30.000 polnischen Soldaten, die unter dem Kommando von General Wiktor Tommèe standen.
2013:

Teile der Festung Modlin wurden an einen Investor verkauft.

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Festung Modlin (Fundacja Park Militarny Twierdzy Modlin)
ul. Mickiewicza 99
05-100 Nowy Dwór Mazowieck
Tel.: +49 696 081633
E-Mail: info@twierdzamodlin.pl
Internet: www.twierdzamodlin.pl

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