Keller zur Fortuna (Piwnica pod Fortuną)
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Lublin – Keller zur Fortuna (Piwnica pod Fortuną)

Nichts deutet darauf hin, dass sich unter dem Haus mit der Nummer 8 auf Marktplatz der Lubliner Altstadt ein wahrer Schatz befindet: der "Keller zur Fortuna" (Piwnica pod Fortuną) mit Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert. Besichtigt werden kann er das ganze Jahr über im Rahmen von Führungen.

Der "Keller zur Fortuna" ist ungefähr sieben Meter lang und drei Meter breit. Seine Wände und seine Decke, ein Tonnengewölbe, sind mit Malereien mit weltlichen, teils humoristischen und teils moralisierenden Motiven bedeckt, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Bei sieben der Szenen handelt es sich um Nachbildungen von Bildern aus dem Buch Emblemata Saecularia der Brüder Johann Theodor und Johann Israel de Bry, die es 1596 in ihrem Verlag in Frankfurt am Main veröffentlicht hatten. Die Bilder tragen die Titel:

Zwei weitere Szenen mit Amor und Venus und der Glücksgöttin Fortuna sind Kupferstichen von Heinrich Ulrich aus Nürnberg nachempfunden. 

Eben jene Darstellung der Fortuna im Gewölbe verdankt der Keller seinen Namen. Die entblößte Fortuna steht auf einer Kugel, die sich in einer Muschel befindet, und hält in ihren Händen ein Tuch, das sich hinter ihr wie ein Segel im Wind biegt. Eingerahmt wird die Glücksfigur von einem dekorativen Rahmen und Malerei mit Pflanzenmotiven.

Das Haus mit der Nummer 8 wurde erstmals 1522 schriftlich erwähnt und gehörte der wohlhabenden Familie Lubomelski. Kunsthistoriker gehen davon aus, dass der Keller bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts unter anderem als Weinkeller genutzt wurde, den Kaufleute und Besucher des Lubliner Tribunals, einer Art Obersten Gericht, besuchten. Im Zusammenhang mit der Nutzung des Kellers als Weinkeller entstanden einige Bilder mit lateinischer und deutscher Inschrift. 1782 ließ der damalige Eigentümer Franciszek Makarewicz das Haus umbauen und den Eingang zum Keller zumauern. Fragmente der Kellertreppe sind noch vorhanden und ragen im Inneren ein Stück aus der Wand heraus. Viel zu tief, wie der aufmerksame Betrachter gleich festellt. Seit dem Umbau des Hauses hat sich das Bodenniveau durch Abfälle, die in früherer Zeit einfach auf die Erde geworfen und mit Erde überdeckt wurden, erhöht. Erhalten geblieben sind außerdem noch der Kamin und die eiserne Eingangstür, durch die Besucher das Kleinod heute betreten.

 

Eingang zum "Keller zur Fortuna" in Lublin
Der unscheinbare Eingang zum "Keller zur Fortuna".

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die feuchten Wände des unbelüfteten Kellers wurden große Teile der Wandmalereien zerstört, sodass die Restauratoren, die zwischen 1937 und 1939 erste Restaurierungsarbeiten unter der Leitung des damaligen städtischen Denkmalpflegers Józef Edward Dutkiewicz durchführten, nicht erkannten, dass es sich um Nachbildungen aus dem Buch Emblemata Saecularia handelt und deshalb die Bilder nicht originalgetreu wiederherstellten. Weil der Zweite Weltkrieg (1939–1945) ausbrach, musste Dutkiewicz die Arbeiten einstellen.
Die deutschen Besatzer interessierten sich wegen der deutschen Inschriften für die Malerei und reinigten sie.
Allerdings konnten diese ersten Maßnahmen den Verfall nicht aufhalten, weil sich das Haus immer noch in einem schlechten baulichen Zustand befand. Auch die vorübergehende Nutzung des Raumes als Studentenclub und Fotogeschäft tat ihr Übriges. Es folgten Restaurierungsmaßnahmen in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts. Seit 2012 können Besucher den "Keller zur Fortuna" besichtigen. (fh)

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