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Die St.-Johannes-Kathedrale in Lublin

Die St.-Johannes-Kathedrale (Archikatedra św. Jana Chrzciciela i św. Jana Ewangelisty) war eine der ersten Barockkirchen in Polen. Besonders sehenswert in ihrem Inneren sind neben der barocken Ausstattung die illusionistische Malerei, die Flüsterkapelle, der Kirchenschatz und die Krypta.

Trinitarische Turm und Dom in Lublin
Die St.-Johannes-Kathedrale und links der Trinitarierturm, der im 19. Jahrhundert im neogotischen Stil umgestaltet wurde. Fotos: Frank Hilbert

Errichtet wurde die Kirche St. Johannes zwischen 1586 und 1625 von Jesuiten nach Plänen der italienischen Architekten Giovanni Maria Bernardoni (1541–1605) und Giuseppe Brizio (1533–1604) im Stil des Barock. Sie gehörte zu einem ausgedehnten Jesuitenkolleg, das 1752 durch einen Brand größtenteils zerstört wurde. Auch die Kirche wurde in Mitleidenschaft gezogen. Bis auf die Kapelle des hl. Stanislaus Kostka (Stanisław Kostka), den Altar und einige wenige andere Kunstschätze wurde ihre gesamte Innenausstattung ein Opfer der Flammen. Den Wiederaufbau übernahm der Jesuit und Architekt Franciszek Koźmiński, dank dessen Leistung die Kirche nach nur fünf Jahren in einer neuen, wieder barocken Pracht erstrahlte.
Nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 übernahmen die Trinitarier das Kolleg. Doch fehlte ihnen das Geld, um es zu bewirtschaften, und die Gebäude verfielen. 1795 kam es zur dritten Teilung Polens. Auf Anordnung der damaligen Teilungsmacht Österreich wurde die Kirche vorübergehend sogar als Getreide- und Waffenlager genutzt.
Nach der Gründung der Diözese Lublin im Jahr 1805 wurde die Kirche in den Rang einer Kathedrale erhoben und fast alle Gebäude des Jesuitenklosters abgerissen. Erhalten geblieben, wenn auch nicht in seiner ursprünglichen Form, sind die Klosterpforte, die zu einem 40 m hohen Turm, dem Trinitarierturm, aufgestockt wurde, und zwei Gebäude, die sich an den Turm anschließen. Die klassizistischen Säulen vor dem Kathedraleneingang stammen aus dem Jahr 1820. Bemerkenswert ist die illusionistische Malerei von Józef Meyer von 1752, mit der ihr Inneres ausgeschmückt ist. Meyer war Hofmaler des sächsischen Kurfürsten August III. Durch seine illusionistische Malerei, die mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht, wirkt die dreischiffige Kathedrale noch größer als sie es ohnehin schon ist.
Sehenswert ist auch der barocke Hauptaltar, der aus dem 17. Jahrhundert stammt, aus Holz schwarzer libanesischer Birnbäume angefertigt wurde und mit vergoldeten Heiligenfiguren versehen ist. Im 19. Jahrhundert, als Polen zum russischen Teilungsgebiet gehörte, erfolgte seine Restaurierung. Die zaristischen Behörden lehnten jedoch die Wiederherstellung der Schwarzen Farbe des Ebenholzes ab, weil sie sie für ein Zeichen von patriotischer Trauer um den verlorenen polnischen Januaraufstand (1863–1864) gegen die Teilungsmacht hielten.

Hauptaltar aus Holz der schwarzen libanesischen Birne der St.-Johannes-Kathedrale in Lublin
Der Hauptaltar aus dem 17. Jahrhundert.

In der Kathedrale können die Krypta, in der die Bischöfe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, und die Flüsterkapelle besichtigt werden, die nach dem Brand zwischen 1752 und 1754 entstand. Stellen sich zwei Personen in diagonal gegenüberliegende Ecken der Kapelle, können sie sich flüsternd miteinander unterhalten. Außerhalb der Ecken sind ihre Worte nicht zu verstehen. In einem angrenzenden Raum der Kapelle, der für Besucher ebenfalls zugänglich ist, wird zudem der Kirchenschatz aufbewahrt.

Am 9. September, nur wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, bombardierte die deutsche Luftwaffe Lublin. Zehn Bomben schlugen in der Kathedrale ein und zerstörten das Gewölbe der Flüsterkapelle, das Dach und die Säulen der Hauptfassade. Wieder aufgebaut wurde sie auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des Lubliner Bischofs Stefan Wyszyński (1901–1981), dem späteren Primas von Polen. Vor besondere Herausforderung stellte die Restauratoren die Wiederherstellung der Decke der Flüsterkapelle, weil keine Pläne aus ihrer Bauzeit erhalten geblieben sind. Um den physikalischen Effekt der Schallübertragung zu erreichen, mussten sie die Deckenform neu berechnen.
1998 begannen erneut umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Inneren der Kirche, die 2005 rechtzeitig zum 200. Jahrestag der Gründung der Diözese Lublin abgeschlossen werden konnten. (fh)

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Sehenswürdigkeit

St.-Johannes-Kathedrale
Królewska 10
20-109 Lublin
Internet: archikatedra.kuria.lublin.pl

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