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Hrubieszów, die östlichste Stadt in Polen

Hrubieszów ist eine Kleinstadt im Südosten von Polen und die östlichste Stadt des Landes.  Es gibt eine Reihe historischer Sehenswürdigkeiten und ein Museum. Auch Naturfreunde kommen auf ihre Kosten. Die Stadt liegt am Ufer der Huczwa, einem Nebenfluss des Bugs, der ganz in der Nähe die Grenze zwischen Polen und der Ukraine markiert. Die teilweise noch unberührte Natur kann man wandernd oder mit dem Fahrrad erkunden.

die orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kirche in Hrubieszów
Die orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kirche. Fotos: Frank Hilbert

Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt begann mit der Verleihung des Magdeburger Stadtrechts im Jahr 1400 durch den polnischen König Wladysław Jagiełło. Zum Aufschwung trug neben der Verleihung zahlreicher Privilegien auch die Lage an einer wichtigen Handelsstraße zwischen der Rus im Osten und Masowien im Westen bei. Ein jähes Ende fand die Zeit des Wohlstands schon ab dem 17. Jahrhundert durch kriegerische Auseinandersetzungen mit den Tataren, durch den Nordischen Krieg und eine Pestepidemie, die zahlreiche Opfer forderte.

Das Blatt wendete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Pater Stanisław Staszic die Stadt vom Starosten Franciszek Salezy Potocki kaufte. Zu seinen größten Leistungen zählt die Gründung der Landwirtschaftlichen Gesellschaft Hrubieszów, einer Genossenschaftsstiftung, die er mit 6.000 ha Land mit zehn Dörfern und der halben Stadt Hrubieszów ausstattete. Die Bauern entließ er aus der Leibeigenschaft; und das Gemeinschaftseigentum, zu dem Mühlen, Wälder, Teiche, eine Brauerei, Gasthäuser und ein Sägewerk gehörten, verwaltete die Gesellschaft, die von einem gewählten Wirtschaftsrat geleitet wurde. Ihr erster Vorsitzender hieß Józef Grotthus. Vom erwirtschafteten Gewinn wurden Schulen und ein Krankenhaus finanziert und Waisenkinder und ältere Menschen versorgt. Auch Stipendien an Schüler wurden vergeben. Über eine eigens gegründete Kreditbank konnten Mitglieder den Bau von Steinhäusern finanzieren.
Aufgelöst wurde die Gesellschaft im Jahr 1945. Von ihr erhalten geblieben ist das Holzhaus des Verwalters, das in Dziekanów bei Hrubieszów steht. Zu besichtigen sind dort außerdem noch eine Schmiede und das Grab des ersten Vereinsvorsitzenden Jósef Grotthus sowie ein Denkmal der Gesellschaft für Pater Stanisław Staszic.

Schon immer war Hrubieszów ethnisch und religiös vielfältig geprägt: Katholiken, Orthodoxe und (bis zum Zweiten Weltkrieg) Juden lebten hier jahrhundertelang nebeneinander. Dieser multikulturelle Charakter spiegelt sich noch heute in zahlreichen Baudenkmälern wider, zu denen die orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die frühere griechisch-katholische Kirche des heiligen Stanislaus Kostka, die zwischen 1795 und 1828 errichtet wurde und inzwischen von den Bernhardinern als Marienwallfahrtsort genutzt wird, sowie die katholische St.-Nikolaus-Kirche aus der Zeit zwischen 1736 und 1766 mit einer Ausstattung im Barock- und Rokokostil gehören. Die Synagogen und jüdischen Gebetshäuser zerstörten die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945).
Die erste Erwähnung von Juden in Hrubieszów stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ihre Zahl wuchs bis zum Zweiten Weltkrieg auf über 11.000 an. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Juden von den deutschen Besatzern zunächst in ein eigens geschaffenes Ghetto gesperrt und im Verlauf der "Aktion Reinhard" 1942 in das Vernichtungslager Sobibór deportiert und dort ermordet. Einziges Zeugnis ihrer jahrhundertealten Anwesenheit in der Stadt ist der zerstörte Alte jüdische Friedhof in der ul. Gęsia. Auf dem unbebauten und eingezäunten Areal steht ein Denkmal.

Typisch für Hrubieszów waren in Holzbauweise errichteten Wohnhäuser, von denen noch einige erhalten geblieben sind, z. B. in der ul. Kilińskiego 12A das Haus von Professor Zin und ein ehemaliges Gutshaus in der gleichnamige Straße, das nur die Hausnummer 13 trägt. Neben diesen architektonischen Perlen existieren noch etliche prachtvolle Bürgerhäuser oder Herrenhäuser. Einen Besuch wert ist der Gutshof der Familie Du Chateau, der schräg gegenüber der orthodoxen Kirche in der Ulica 3-go Maja 11 steht. Der einstöckige Bau entstand am Ende des 18. Jahrhunderts an der Stelle, an der früher einmal die Burg stand, und wurde später durch zwei Seitenflügel erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Mitarbeiter des sowjetischen NKWD, Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten, in das Herrenhaus ein. Das Volkskommissariat unterhielt in der Stadt ein Lager für Kämpfer der Heimatarmee und für Oppositionelle. Heute beherbergt das Gutshaus das Museum Stanisław Staszic, das eine informative Ausstellung über die Geschichte, die Landwirtschaftsgesellschaft und über die Alltagskultur, z. B. regionale Kunst und regionales Handwerk, beherbergt.

Haus von Professor Zin in Hrubieszów
Haus in der für die Region typischen Holzbauweise.

Wie bereits erwähnt, liegt Hrubieszów an dem kleinen Fluss Huczwa in der Nähe der ukrainischen Grenze, einer Region, in der die Menschen überwiegend von der Landwirtschaft leben. Trotz der vielen landwirtschaftlichen Nutzflächen findet man hier immer noch sehr viel unberührte Natur und kann sie zu Fuß oder auf dem Fahrrad erkunden. In Hrubieszów endet zum Beispiel der Radweg am Fluss Bug, der in Janów Podlaski beginnt und über KodeńJabłeczna, Włodawa und Gródek führt. Es gibt noch weitere touristische Fahrradrouten in die nähere Umgebung, über die man sich in der Touristeninformation am Markt informieren kann. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche des heiligen Stanislaus Kostka (Kościół św. Stanisława Kostki); errichtet zwischen 1795 und 1828 im Stil des Barock; liegt auf einer Anhöhe am Ufer der Huczwa; der gemauerte Glockenturm stammt aus dem Jahr 1868; griechisch-katholisch bis das unierte Bistum 1875 aufgelöst wurde; danach orthodox und seit 1918 katholisch; zu den Kunstschätzen gehört das Gemälde Unserer lieben Frau von Sokal des Malers Jerzy Kumala
    Adresse: ul. Stanisława Staszica 6, Hrubieszów
  • Orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kirche; entstand zwischen 1867 und 1875, errichtet anstelle einer gleichnamigen orthodoxen Kirche aus dem Jahr 1620; wurde 1915 geschlossen, nachdem aus den westlichen Provinzen des russischen Reiches (Hrubieszów gehörte zum russischen Teilungsgebiet Polens.) die orthodoxe Bevölkerung zwangsevakuiert wurde; Grund: Sieg der deutschen kaiserlichen Armee in der Schlacht von Tarnów-Gorlice; 1921 wurde die pastorale Tätigkeit wieder aufgenommen; nach dem II. Weltkrieg viele orthodoxe Einwohner in die UdSSR (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken) im Zuge der "Aktion Wechsel" zwangsumgesiedelt; orthodoxe Gemeinde stellte Aktivitäten mehrere Jahre lang ein; Architektur: byzantinisch-russischer Stil; einzige orthodoxe Kirche in Polen mit 13 Kuppeln; zweireihige Ikonostase aus Eichenholz; drei Glocken von 2005;
    Adresse: ul. Bolesława Prusa 3, Hrubieszów
  • St.-Nikolaus-Kirche; barocke Kirche aus der Zeit zwischen 1736 und 1766; gehörte zu einem Dominikanerkloster, das 1819 nach Krasnobród umgezogen ist; virtueller Rundgang durch die Kirche
    Adresse: Ulica 3-go Maja 5, Hrubieszów

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