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Dęblin – Museum der polnischen Luftstreitkräfte

Unmittelbar nachdem Polen 1918 seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, wurde die polnischen Luftstreitkräfte aus der Taufe gehoben. Mit ihrer Geschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart, beschäftigt sich das Museum der Luftstreitkräfte (Muzeum Sił Powietrznych) in Dęblin. Gleich nebenan bildet die polnische Armee Kampfpiloten aus.

Eine MiG-29 aus sowjetischer Produktion in der Freilichtausstellung des Museums. Fotos: Frank Hilbert

Im Sommer 1940, nicht einmal ein Jahr nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, begann die deutsche Luftwaffe mit massiven Luftangriffen auf Großbritannien mit dem Ziel, die Lufthoheit über die britischen Inseln zu erlangen und eine geplante Landungsoperation der deutschen Armee an der englischen Südküste vorzubereiten. Der darauffolgende Luftkampf dauerte bis zum Frühjahr 1941 an und wird als die "Luftschlacht um England" bezeichnet, die die Deutschen verloren. Einen entscheidenden Anteil am Ausgang der Schlacht hatten polnische Piloten, die in den Reihen der Royal Air Force kämpften. Sie stellten fünf Prozent der Piloten und waren für 12 Prozent der Abschüsse verantwortlich. Ihre hohe Kampfmoral ist legendär. Entsprechend oft werden die Weltkriegspiloten erwähnt. So auch im Museum der Luftstreitkräfte in Dęblin. Es befindet sich direkt neben dem Haupteingang zur Offiziershochschule der Polnischen Luftstreitkräfte (Lotnicza Akademia Wojskowa), die 1927 von Grudziądz (Graudenz) hierher verlegt wurde. Von der Flugschule kommend passiert man auf dem Weg zum Museum ein Spalier von Gedenktafeln, die polnische Soldaten und eine Soldatin vorstellen, die während des Zweiten Weltkrieges in der Royal Air Force gedient haben. Zu ihrer Tragik gehört, dass sie zwar ihre Gesundheit und ihr Leben für ihr Vaterland riskiert haben und Polen von den deutschen Besatzern befreit wurde. Aber ihre polnische Heimat geriet in die Einflusssphäre der kommunistischen Sowjetunion und verlor erneut ihre politische Unabhängigkeit. Soldaten, die nach Polen zurückgekehrt waren, wurden verfolgt, weil im Zuge des Kalten Krieges aus dem mit der Sowjetunion verbündeten Großbritannien inzwischen ein Feind geworden war und sie als politisch unzuverlässig galten. Deshalb entschieden sich viele nach 1945 für den Verbleib in der Emigration. Einer von ihnen war der Pilot Leopold Antoniewicz (1916–2011), der im 304. Geschwader diente und an Missionen zur Auffindung und Versenkung deutscher U-Boote teilgenommen hat. Er ist auf einer der Gedenktafeln abgebildet. Nach dem Krieg blieb er in London und betrieb dort bis zu seinem 89. Lebensjahr ein Dentallabor. Vermutlich entschied sich der Fotograf auch deshalb, Antoniewicz inmitten einer alten Zahnarztpraxis abzulichten. Die einzige Frau auf den Tafeln ist Josefa Sobieska (1922–2012). Sie war Fahrerin beim 300. Bombergeschwader und lebte nach dem Krieg bis zu ihrem Tod ebenfalls in London.

Eröffnet wurde das Museum der Luftverteidigung in Dęblin 2011. Entsprechend modern ist das Konzept, das ihm zugrundeliegt. Erzählt wird die Geschichte der polnischen Luftwaffe seit 1918 anhand zahlreicher Informationstafeln, historischer Dokumente, Uniformen und persönlicher Ausstattungsgegenständen von Piloten.
Eine Informationstafel in der Ausstellung ist Janina Lewandowska (1908–1940) gewidmet, einer polnischen Pilotin im Zweiten Weltkrieg. Die Tochter des polnische Generals Józef Dowbor-Muśnicki, die ursprünglich eine Karriere als Sängerin anstrebte, machte eine Ausbildung als Segelfliegerin und als Fallschirmspringerin und nahm an Pilotenkursen in Dęblin teil. Als erste Frau in Europa sprang sie im Alter von 22 Jahren mit dem Fallschirm aus einer Höhe von fünf Kilometern ab. Im Jahr 1936 schloss sie eine Ausbildung an der Offiziershochschule der Polnischen Luftstreitkräfte in Posen ab und wurde in die polnische Luftwaffenreserve eingegliedert. 1939 heiratete sie den Piloten Mieczysław Lewandowski (1911–1997). Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der mit dem Einmarsch des nationalsozialistischen Deutschlands und der Sowjetunion in Polen am 1. und am 17. September 1939 begann, diente sie beim III. polnischen Luftwaffenregiment bei Tarnopol in Ostpolen. Am 22. September 1939 wurde sie bei einem Erkundungsflug abgeschossen und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Als einzige Frau wurde sie im April 1940 zusammen mit 4.400 polnischen Offizieren von einem NKWD-Exekutionskommando in Katyn erschossen.
Zum Museum gehört auch eine umfangreiche Freilichtausstellung mit ausgemusterten Flugzeugen, Helikoptern, Flugabwehrgeschützen, -raketen und Radarsystemen. Die ausgestellte Technik stammt überwiegend aus sowjetischer Produktion, weil Polen während des Kalten Krieges Mitglied im östlichen Verteidigungsbündnis Warschauer Pakt war, dem Gegenstück zur NATO. Zu den Exponaten gehören eine Mikojan-Gurewitsch MiG-21 (NATO-Codename: Fishbed) und ein Exemplar der in den 1970er Jahren entwickelten MiG-29 (NATO-Codename: Fulcrum), zu deren Besonderheiten ein Helmvisier gehörte, mit dem die Piloten im Luftkampf Raketen auf feindliche Flugzeuge lenken konnten. Die deutsche Luftwaffe übernahm im Zuge der deutschen Wiedervereinigung 1990 aus den Beständen der Nationalen Volksarmee (NVA) MIG-29-Kampflugzeuge, stationierte sie auf dem Luftwaffenstützpunkt Rostock-Laage und verkaufte sie in den 2000er Jahren an Polen. Nachdem Russland die Ukraine am 24. Februar 2022 überfallen hatte, wollte Polen Maschinen dieses Typs an die Ukraine liefern, was von den USA allerdings verhindert wurde, weil diese eine Eskalation des militärischen Konflikts über die Grenzen der Ukraine hinaus befürchtete.
Ein weiteres Ausstellungsstück ist der einzige schwere Transporthubschrauber vom Typ Mi-6 mit der treffenden NATO-Bezeichnung Hook (Haken), den Polen von der Sowjetunion gekauft hat. Er trägt den Namen "Jagiełło" und konnte bis zu 12 t Last tragen. Für Aufsehen sorgte der Hubschrauber, als 1976 mit seiner Hilfe eine Kopie des Krakauer Grunwalddenkmals, das die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg zerstört hatten, nach Krakau (Kraków), unter dem Helikopter hängend, transportiert wurde. Fragmente des Originals sind in der Nähe des Dorfes Grunwald in Ermland-Masuren ausgestellt, wo der Deutsche Orden 1410 eine Schlacht gegen ein vereinigtes polnisch-litauisches Heer verloren hat.
An die Piloten, die in Dęblin ausgebildet wurden und die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, erinnert vor dem Museum das "Denkmal der Helden Offiziershochschule der Polnischen Luftstreitkräfte".

Einen Besuch wert ist auch das Rektorat der Offiziershochschule, das im ehemaligen Schloss der Familie Jabłonowski untergebracht ist. Man kann es zwar nicht von Innen besichtigen und auch das Restaurant ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aber es liegt an einem wunderschönen Park mit See, der zum Spazierengehen einlädt. Nur wenige Meter vom Haupteingang des Rektorats entfernt beginnt das Sperrgebiet der Pilotenschule. Hinter dem Zaun kann man aber Hangars und andere Gebäude erkennen, die noch aus der Gründungszeit der Offiziershochschule stammen. Nicht einmal 200 m entfernt vom Schloss befindet sich eine kleinen Plattenbausiedlung aus sozialistischer Zeit, die vermutlich für die Mitarbeiter der Luftstreitkräfte und ihre Familien gebaut wurde. In den sozialistischen Ländern war es üblich, dass die Piloten direkt neben den Militärflugplätzen wohnten, sodass sie im Ernstfall innerhalb von nur wenigen Minuten einsatzbereit waren. (fh)

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