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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Fürst-Pückler-Park Bad Muskau (Park Mużakowski) - staatenübergreifende Welterbestätte

Ein junger Mann aus Breslau (Wrocław) steht auf einer Anhöhe in Polen und schaut über großzügig angelegte Wiesen und Baumgruppen, die der Fluss Neiße durchschneidet. „Ich wusste gar nicht, dass es hier ein so schönes Schloss mit einer so herrlichen Parkanlage gibt“, wundert er sich. Fast winzig lugt in weiter Ferne - auf deutscher Seite - die in Altrosa gehaltene Fassade des Neuen Schlosses von Bad Muskau zwischen den Bäumen hervor. Frühlingsdüfte liegen in der Luft. Am Himmel hängt kein Wölkchen, sodass die Maisonne ungehindert ihre volle Kraft entfalten und die Luft auf über 20 Grad Celsius erwärmen kann.
Mit 830 Hektar ist der Muskauer Park (Park Mużakowski) einer der größten Landschaftsparks im englischen Stil in Europa. Angelegt hat ihn Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Besondere: Der Muskauer Park, der offiziell Fürst-Pückler-Park Bad Muskau heißt, ist eine staatenübergreifende Welterbestätte. Der eine Teil des Parks liegt auf deutscher Seite, der andere in Polen.

Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park Bad MuskauPolen Fotos
Die Restaurierung des 1945 abgebrannten Neuen Schlosses dauerte von 1995 bis 2011. Fotos: Frank Hilbert

Spiegelbild der deutsch-polnischen Geschichte

Der Breslauer hat seine Kamera gezückt und schießt ein paar Panoramabilder. Er ist ungefähr vierzig Jahre alt und Elektroingenieur. „Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Ort in der Nähe von Zgorzelec“, erzählt er. „Gar nicht so weit von hier entfernt.“ In Bad Muskau sei er, so erzählt er weiter, noch nie gewesen und völlig überrascht von der Schönheit des Parks. Vielleicht hat er vom Park auch deshalb nichts gehört, weil dieser lange Zeit einen Dornröschenschlaf hielt.
Seit 1945 ist der Muskauer Park ein Spiegelbild der deutsch-polnischen Geschichte. Im Sommer 1945 sprachen die Siegermächte auf der Potsdamer Konferenz das Gebiet östlich der Neiße – und damit einen Teil des Parks – dem polnischen Staatsgebiet zu. Noch kurz vor Ende des Krieges gruben deutsche Soldaten im Park Schützengräben, die bis in die 1960er Jahre sichtbar waren, und sprengten die Brücken, um den Vormarsch der Roten Armee zu erschweren. Ein 1945 von sowjetischen Soldaten gelegter Brand zerstörte das auf deutscher Seite gelegene Neue Schloss bis auf die Außenmauern. Der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) fehlte das Geld für den Wiederaufbau und - zumindest in den ersten Jahren ihres Bestehens - auch der politische Wille, weil der Fürst in den Augen der Kommunisten ein Vertreter der Ausbeuterklasse war. Auf polnischer Seite wurde das Parkgelände zum Naturschutzgebiet erklärt und wucherte zu.
Zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen gab es zwar zarte Versuche, die historische Parkanlage auf beiden Seiten der Grenze wiederherzustellen. Der Durchbruch gelang aber erst nach dem Niedergang der kommunistischen Regime in beiden Ländern. Seit einigen Jahren wird der Park gemeinschaftlich von Deutschen und Polen verwaltet, was den Erhalt der einzigartigen Parkanlage in ihrer Gesamtheit garantiert.

Geld spielte keine Rolle

Hermann von Pückler-Muskau wurde 1785 als ältestes Kind des Reichsgrafen Carl Hans Erdmann geboren. Er lebte nach dem Motto „Was man hat, ist nichts mehr, was man zu haben wünscht, ist alles“ und war von Jugend an alles andere als eine sparsame Natur. Seine Verschwendungssucht brachte den Adligen immer wieder an den Rand des Ruins und führte 1845 schließlich zum Verkauf des Schlosses und des Parks in Bad Muskau.
Die exentrischen Eskapaden des Hermann von Pückler-Muskau kannten keine Grenzen. In Berlin pflegte er mit einer Kutsche durch die Stadt zu fahren, die von einem Hirschgespann gezogen wurde. Er ging unzählige Liebschaften ein, duellierte sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit und inszenierte Festessen auf schwarzen Leichentüchern. Zu seinen ungewöhnlichsten Aktionen gehörte eine Ballonfahrt, die auf dem Berliner Gendarmenmarkt begann und die er sich 600 Reichstaler kosten ließ. Für damalige Verhältnisse eine ungeheure Summe. Dass Pückler auch sprachgewandt war, bezeugen seine Aufzeichnungen über die Ballonfahrt. Hier ein Auszug:

So rückten sie (Wolken), ein Koloss den anderen drängend, von allen Seiten uns umzingelnd, immer näher heran. Wir aber steigen noch schneller und waren schon hoch über ihnen, als sie endlich in der Tiefe zusammenstießen und wie ein von Sturm bewegtes wogendes Meer sich über- und durcheinander wälzten und die Erde bald gänzlich unserem Blick entzogen. Nur zuweilen zeigte sich hie und da ein unergründlicher Schacht, vom Sonnenlichte grell erhellt wie der Krater eines feuerspeienden Berges, und schloss sich dann wieder durch neue Massen, die in ewigem Gären bald blendend weiß, bald dunkel schwarz, fort und fort hier sich hoch übereinandertürmten, dort bodenlose Spalten und Abgründe bildeten.
Foto Neiße Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
Die Neiße fließt durch den Muskauer Park und bildet die Staatsgrenze zwischen Polen und Deutschland.

Der „Fortune-hunter“

Sein chronischer Geldmangel brachte ihn schließlich dazu, sich 1826 pro forma von seiner Frau Lucie von Hardenberg scheiden zu lassen und nach England zu reisen, um nach einer Frau mit standesgemäßer Mitgift Ausschau zu halten. Das Vorhaben misslang gründlich. Die englischen Damen waren vorgewarnt und ließen den Adligen aus der preußischen Provinz abblitzen. Die englische Presse, die regelmäßig über den Aufenthalt des Fürsten und dessen Eskapaden berichtete, betitelte ihn als „Fortune-hunter“, also Glücks- oder Mitgiftjäger.
Sein Englandabenteuer, wie schon seine erste Englandreise im Jahr 1814, war zugleich eine Weiterbildungsreise durch englische Landschaftsgärten, und seine Briefe an Lucie aus jender Zeit, die er anonym unter dem Titel „Briefe eines Verstorbenen“ veröffentlichte, wurden zu einem Bestseller und finanziellen Erfolg.
Manchmal zeigte er sogar eine soziale Ader. Den englischen Adel, der seine Ländereien in Irland von England aus gnadenlos ausbeutete, bezeichnete er abfällig als „absentees“ (die Abwesenden). Das hielt ihn natürlich nicht davon ab, seine eigenen Ländereien ebenfalls wie eine Zitrone auszupressen und keine Rücksicht darauf zu nehmen, dass sich Preußen – die Oberlausitz gehörte seit 1815 dazu – noch nicht vom wirtschaftlichen Niedergang als Folge der napoleonischen Kriege erholt hatte.

Das Reisen war überhaupt eine Passion des Fürsten. Ungeachtet seiner prekären finanziellen Lage reiste er nach seiner missglückten Brautschau in England nach Algier, wo er sich mit Pascha Muhammed Ali anfreundete, der ihm einen Palast und Personal zur Verfügung stellte und ihm Reisen durch Nordafrika finanzierte. Auf einem abessinischen Sklavenmarkt kaufte Pückler die gerade einmal 14 Jahre alte schwarzhäutige Machbuba, die er nach Europa mitnahm und zu seiner Geliebten machte, sehr zum Missfallen seiner Ex-Gattin Lucie, zu der Pückler auch nach der Scheidung einen innigen Kontakt pflegte und die auch weiterhin die Ländereien in Bad Muskau verwaltete.

Museum und Entstehung des Parks

Das Leben des Fürsten mit seinen vielen Eskapaden und Widersprüchen wird in der Dauerausstellung "Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen" im Schloss in Bad-Muskau von allen Seiten beleuchtet, ebenso wie sein Engagement bei der Anlage des Schlossparks. Die Besucher des Museums können in Gondeln steigen und an überdimensionalen bebilderten Tafeln vorbeifahen, die über die schönsten Parkszenerien informieren.

Mit den Worten „Verfolgen Sie diese Richtung. Sie scheinen Talent dafür zu haben“ soll der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe Pückler ermuntert haben, einen Landschaftspark anzulegen. 1815 fällt der Startschuss zur „Anlegung eines Parkes, zu dem ich notwendig, wenn etwas Ganzes daraus entstehen soll, den ganzen Distrikt zwischen der Straße nach Sorau und dem Dorf Köbeln, der Neiße auf der einen und dem Braunsdorfer Feldern auf der anderen Seite eigentümlich besitzen muss“.

Landschaftsgärten im englischen Stil kamen im England des 18. Jahrhunderts in Mode und stellten einen bewussten Kontrast zu den streng symmetrisch angelegten Französischen Gärten dar, oder wie der liberale Essayist Joseph Addison es formulierte, zeichneten sie sich durch „irregularity, assymetry, wildness“ aus.
Auch eine politische Deutung ist möglich. Das 18. Jahrhundert war das Zeitalter der Aufklärung. Das neue Gartenkonzept war gegen die Gärten im französischen Stil gerichtet, die den Absolutismus symbolisierten.
Bei der „irregularity, assymetry, wildness“ handelte es sich nur um eine scheinbare Unordnung. Baumgruppen, großflächige Wiesen und Wege wurden unter Einbeziehung stehender und fließender Gewässer sorgfältig komponiert. Dabei schufen Pückler und seine Mitarbeiter Heinrich Rehder und Carl Eduard Petzold (1815-1891) in Bad Muskau ein beeindruckendes Kunstwerk mit zahlreichen Weit- und Durchsichten.
Beim Anlegen des Parks pflegte Pückler systematisch vorzugehen. Wie, beschrieb Petzold wie folgt:

Wenn Pückler ein neues Terrain zur Anlage bestimmt hatte, so waren es zuerst die Wege, welche er absteckte und gleich und soweit planieren ließ, dass sie auch begangen und befahren werden konnten. In Führung der Wege war er ein großer Meister. Mit Recht behauptete er, sie seien die unsichtbaren Führer, welche den Beschauer unbemerkt auf die schönsten Punkte leiteten.

Seine in Bad Muskau gesammelten Erfahrungen fasste Pückler in einem Buch mit dem Titel „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ zusammen, das er mit unzähligen Zeichnungen des Landschaftsmalers August Wilhelm Schirmer versehen ließ und das bis heute ein Standardwerk für die Parkgestaltung ist.

Wie bereits angedeutet, befand sich der Muskauer Park nach dem Niedergang der kommunistischen Regierungen in Polen und der DDR in einem bemitleidenswerten Zustand. Erst 1993 konnte auf deutscher Seite mit der Gründung der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ die Beseitigung der Kriegsschäden und die Wiederherstellung des Parks konsequent vorangetrieben werden. Auf polnischer Seite wechselte das Parkgelände aus dem Verantwortungsbereich der Forstverwaltung in den des Warschauer Kulturministeriums. Seit 2001 wird der Park von Polen und Deutschen gemeinsam verwaltet. Die wohl größte Leistung ist der Wiederaufbau des Neuen Schlossen zwischen 1995 und 2011.
Eine Wertschätzung des Engagements stellt die Aufnahme der Parkanlage als deutsch-polnische Welterbestätte in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes dar, die am 2. Juli 2004 erfolgte.

Tipps für Besucher

  • Besucher finden in der Umgebung des Parks zahlreiche kostenpflichtige Parkplätze.
  • Erste Anlaufstelle könnten die Touristeninformation im Alten Schloss oder die Kasse des Museums im Neuen Schloss sein, wo man Karten des Parks mit den eingezeichneten Wegen und Tourenvorschlägen kaufen kann.
  • Der Muskauer Park ist so groß, dass es kaum möglich ist, an einem Tag alle Wege abzulaufen. Für die Besichtigung sollte man deshalb mindestens zwei Tage einplanen.
  • Wer möchte, kann sich auch ein Fahrrad ausleihen und den Park vom Fahrradsattel aus entdecken.
  • Die Parkanlage kann von polnischer oder von deutscher Seite betreten werden. Kein Zaun – das ist das Schöne – grenzt ihn von der Umgebung ab. Der Eintritt ist frei.
  • Nur die Ausstellungen im Musuem und in der Gärtnerei sind kostenpflichtig.

Der Elektroingenieur, der zum Neuen Schloss gelaufen ist, ruht sich von der Wanderung auf einer der vielen Liegestühle aus, die die Parkverwaltung aufgestellt hat. Er ist sich ganz sicher: „Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.“ (fh)

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Schloss Bad Muskau
Schlossstraße
02953 Bad Muskau
Tel.: +49 35771 56012
Internet: www.muskauer-park.de

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Bad Muskau Touristik
Schlossstraße
02953 Bad Muskau
Tel.: +49 35771 60344

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Bad Muskau Touristik, Schlossstraße, 02953
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