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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Bromberg (Bydgoszcz) in Polen - Geschichte

Dass Bromberg, das erstmals 1238 im Jahrbuch des Gnesener Domkapitels mit dem Namen „Budegac“ erwähnt wurde, auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken kann, verrät allein der Blick auf das Stadtwappen: eine Wehrmauer mit drei Türmen.

Denkmal für König Kazimierz den Großen in BrombergPolen Fotos
Denkmal zu Ehren des polnischen Königs Kasimir dem Großen (Kazimierz III Wielki) am Rande der Bromberger Innenstadt. Kasimir der Große verlieh der Stadt im 14. Jahrhundert das Stadtrecht. Fotos: Frank Hilbert

Im Mittelalter lag Bromberg an der Grenze zum Ordensstaat und wurde damit zum nördlichen Außenposten der polnischen Krone. In dieser Zeit kam es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Nachbarn. Zum Beispiel stritten sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts Polen und der Deutsche Orden um Pommerellen und Danzig (Gdańsk). Vor diesem Hintergrund besetzten die Deutschritter zwischen 1329 und 1332 Kujawien mit Bromberg und das Dobriner Land und zerstörten Bromberg, das damals noch eine Siedlung war, in der ein Kastellan seinen Sitz hatte. Erst durch den Frieden von Kalisch, der 1343 geschlossen wurde, gelangte Bromberg wieder unter polnische Herrschaft. Der polnische König Kazimierz der Große rüstete Bromberg nun gegen den Deutschen Orden auf, indem er eine Burg errichten ließ und 1346 den Deutschen Johann Kesselhuth und Konrad erlaubte, am Fuße derselben eine Stadt zu errichten. Damit schuf er die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung, den die Stadt bis in das 17. Jahrhundert hinein erlebte.

Handel mit Holz und Bier

Während des dreizehnjährigen Krieges in der Mitte des 15. Jahrhunderts, in dem die westpreußischen Stände gegen den Deutschen Orden opponierten und Schutz und Beistand bei der polnischen Krone suchten, hielt sich Polens König Kasimir IV. der Jagiellone (Kazimierz IV Jagiellończyk, 1427-1492) mehrere Male in Bromberg auf und ließ die Verteidigungsanlagen weiter ausbauen.
Die Auseinandersetzung zwischen den Ständen und den Kreuzrittern endete mit einer herben Niederlage für den Deutschen Orden. Im Zweiten Thorner Frieden von 1466 musste er Westpreußen mit den reichen Handelsstädten Danzig und Elbing an Polen abtreten. Die Marienburg lag ebenfalls in Westpreußen, sodass der Orden gezwungen war, seinen Sitz nach Königsberg zu verlegen.
Bromberg hatte sich im 15. Jahrhundert bereits zu einer florierenden Handelsstadt entwickelt. Sprudelnde Einnahmen garantierte der Handel - vor allem mit Holz aus der Tucheler Heide - auf der Brahe und auch das Bromberger Bier war eine begehrte Handelsware.
Zur kulturellen Entwicklung der Stadt trugen die Bernhardiner bei, die sich 1480 in Bromberg ansiedelten und neben der heutigen Garnisonskirche der heiligen Maria, Königin des Friedens, auch eine Bibliothek errichteten.

Wie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit üblich, lebten in den großen Städten Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten und Konfessionen. So auch in Bromberg: Polen, Deutsche, Schotten, Italiener und Juden. Letztere war es allerdings verboten, im Stadtgebiet zu wohnen. Sie lebten in Fordon, einem kleinen Ort nordöstlich von Bromberg, der direkt an der Weichsel liegt und übrigens 1973 eingemeindet wurde. Zwar mussten die Juden in einem Vorort wohnen. Ein königliches Privileg von 1555 gestattete es ihnen jedoch, an den Märkten in der Stadt teilzunehmen und zu handeln.

"Schwedische Sinflut"

Brombergs Blütezeit ging zu Ende, als schwedische Truppen zwischen 1655 und 1660 in Polen einfielen. Während des als "Zweiter Nordischer Krieg" oder als „Schwedische Sintflut“ bezeichneten Einmarsches besetzten Schweden die Stadt mehrmals und verwüsteten sie. Zu den Gebäuden, die unwiederbringlich verloren gingen, gehörte die Burg.
Erst nach der ersten Teilung Polens 1772 konnte sich Bromberg wirtschaftlich von den Verwüstungen des Krieges erholen. Preußen hatte sich den Teil von Polen einverleibt, in dem Bromberg lag. Das blieb so bis 1920. Nur zwischen 1807 und 1815 lag die Stadt im von Napoleon Bonaparte errichteten Herzogtum Warschau.

Auch in der preußischen Zeit hing das wirtschaftliche Wohl der Stadt von der Brahe ab. Durch den Bau des Bromberger Kanals, den der Preußenkönig Friedrich der Große angeordnet hatte, konnte sich Bromberg wieder zu einem wichtigen Handelszentrum entwickeln. Gleichzeitig machte Friedrich die Stadt zu einem Verwaltungszentrum. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten weitere Infrastrukturmaßnahmen: 1851 wurde Bromberg an das Eisenbahnnetz angeschlossen, das die Stadt mit Berlin verband. Fünfundvierzig Jahre später erhielt Bromberg elektrischen Strom.

Schleusen in Bromberg (Bydgoszcz)
Schleusen am Fluss Brahe (Brda). Die rechte Schleuse ist seit 1914 nicht mehr in Betrieb. Die Schleusentore und Fragmente der Mechanik zum Öffnen und Schließen der Tore wurden zwischen 2012 und 2014 rekonstruiert.

Bromberg lag im polnischen Korridor

Durch den Friedensvertrag von Versailles, der nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 geschlossen wurde, erhielt Polen seine Unabhängigkeit zurück. Zwei Jahre später begann die Zeit der Zweiten Polnischen Republik. Bromberg wurde am 20. Januar 1920 polnisch und lag im sogenannten Korridor, der Polen mit der Ostsee verband und die Provinz Ostpreußen vom Rest Deutschlands trennte. In ganz Polen gab es Spannungen zwischen Polen und der deutschen Minderheit. Auch in Bromberg. 1919 lieferten sich während des Posener Aufstandes polnische Aufständische mit deutschen Freikorps nahe Bromberg Gefechte. Ein Indiz für die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen ist auch der sich verändernde prozentuale Anteil der Deutschen an der Stadtbevölkerung. Bis 1939, also bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, vollzog sich in der Stadt praktisch ein Bevölkerungsaustausch. Während 1918 noch rund 80 Prozent der Stadtbevölkerung Deutsche waren, sank ihr Anteil bis 1939 auf gerade einmal zehn Prozent.
Auf der anderen Seite entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit ein vielseitiges polnisches Kulturleben, an dem der 1923 gegründete Verein der Bromberger Stadtfreunde einen erheblichen Anteil hatte. Der polnische Rundfunk sendete zum ersten Mal am 4. Januar 1937 aus Bromberg, der zweitgrößten Stadt in der Woiwodschaft Posen.

Der Zweite Weltkrieg

Der deutsch-polnische Konflikt eskalierte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Am 1. September 1939 überfiel das nationalsozialistische Deutschland Polen und besetzte es im Laufe der folgenden Wochen. Die letzten polnischen Truppen ergaben sich am 6. Oktober bei Kock. In Bromberg kam es am 3. und 4. September zum "Bromberger Blutsonntag" ("Deutsche Rundschau" am 8. September), dessen Hergang bis heute nicht eindeutig rekonstruiert werden konnte. Am 3. September strömten die Reste der polnischen Pomerellen-Armee nach Bromberg, die von der deutschen 3. Infanteriedivision südlich von Danzig zerschlagen worden war. Es fielen Schüsse. Wer auf wen geschossen hat, ist unbekannt. Vielleicht sind auch keine Schüsse gefallen. Fest steht, dass die deutsche Armee am 2. September den Bahnhof bombardiert hatte. 25 Zivilisten starben bei dem Angriff. Einen Tag darauf stauten sich die Fuhrwerke von polnischen Flüchtlingen in der Stadt. Es herrschte eine Atmosphäre der Angst vor der nahenden Einnahme der Stadt durch die Deutschen. In dieser angespannten Lage kam es zur Ermordung von Volksdeutschen. Die genaue Zahl der Opfer konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Sie schwankt - je nach Quelle - zwischen 178 und 1.200. Das Berliner Auswärtige Amt veröffentlichte im September 1939 die Zahl von 5.437 Opfern. Neuere historische Forschungen gehen von einer Opferzahl von über 400 aus.[1]
Die Nationalsozialisten nutzten die Ermordung von Volksdeutschen in Polen propagandistisch aus und rechtfertigten aufgrund der Ereignisse den Einmarsch in Polen und ihr eigenes unmenschlichte Vorgehen gegen die polnische Bevölkerung. Die Zahl der volksdeutschen Opfer von knapp unter 5.437 in ganz Polen verzehnfachte die deutsche Propaganda unter Propagandaminister Josef Goebbels. In Bromberg rächten sich die Deutschen wiederum an der polnischen Stadtbevölkerung. Das Einsatzkommando 16, eine Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des SD, und Mitglieder des Volksdeutschen Selbstschutzes ermordeten im "Tal des Todes" in Fordon polnische Stadtbewohner. Auch in diesem Fall variiert die Zahl von Quelle zu Quelle. Die Opferzahl schwankt zwischen 1.400 und 3.000.
Einen entscheidenden Anteil am Sieg der Anti-Hitler-Koalition hatte der Bromberger Mathematiker Marian Rejewski (1905-1980). Ihm und zwei weiteren polnischen Codeknackern gelang bereits 1932 die Entschlüsselung von deutschen Funktsprüchen, die mit der Schlüsselmaschine Enigma verschlüsselt worden waren. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges übergaben die polnischen Geheimdienstler ihr Wissen und Nachbauten der Enigma an den französischen und britischen Geheimdienst. Mit dem polnischen Wissen konnten die Briten später im Bletchley Park die deutschen Funksprüche knacken.
In der Bromberger Heide errichteten die Deutschen während des Krieges eine riesige Munitionsfabrik, die "DAG Fabrik Bromberg", in der bis zu 40.000 Zwangsarbeiter schufteten. Teile der Anlage gehören heute übrigens zu einem Museum, dem "Exploseum".

Volksrepublik Polen - Industialisierung und politischer Widerstand

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehört Bromberg wieder zu Polen. Die Kriegswirren hat die Stadt beinahe unbeschadet überstanden, auch wenn die Deutschen Teile der Innenstadt abrissen, um Platz für einen Paradeplatz und ein neues Rathaus zu schaffen. So sind die Bürgerhäuser aus der Zeit um 1900, die Kirchen, Speicher und Mühlen erhalten geblieben.
Die sozialistische Volksrepublik Polen trieb die wirtschaftliche Entwicklung weiter voran. Es entstanden Fabriken der chemischen Industrie, der Elektrotechnik und der Lebensmittelindustrie. Für die Beschäftigten entstand im 1973 eingemeindeten Fordon eine riesige gesichtslose Plattenbausiedlung, wie sie in den 1960er und 1970er Jahren üblich waren und als schick galten. Wohnungen mit Zentralheizung und Warmwasseranschluss waren in dieser Zeit Mangelware. Die industrielle Entwicklung in Polen unter den Bedingungen der Planwirtschaft konnte jedoch nicht verhindern, dass das Land Ende der 1970er Jahre erneut in eine wirtschaftliche und damit politische Krise abrutschte. 1980 gründeten oppositionelle Gruppen in Danzig (Gdańsk) die Gewerkschaft "Solidarność" (Solidarität), die am 16. März 1981 in Bromberg einen Bauernstreik organisierte. Der Nationale Woiwodschaftsrat (Bromberg war zu diesem Zeitpunkt die Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft.) lud Vertreter der Streikenden ein, die dann von der Polizei angegriffen und verprügelt wurden.
Der katholische Pfarrer Jerzy Popiełuszko, der die Opposition um die Solidarność unterstützte, hielt in Bromberg am Ufer der Brahe seine letzte Messe, bevor polnische Geheimdienstler ihn am 19. Oktober 1984 in der Nähe von Thorn (Toruń) ertränkten.
Auch sonst wussten die Bromberger, wie man sich gegen die staatliche Bevormundung wehrt. Zum Beispiel zerstörten sie 1956 eine Funkanlage auf der Dąbrowski-Höhe, mit der die Signale ausländischer Sender gestört wurden.

Bromberg nach 1989

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Polens Ende der 1980er Jahre musste sich die polnische Wirtschaft auf die Bedingungen der Marktwirtschaft umstellen. Ein Teil der Bromberger Betriebe hat diese wirtschaftlich schwierige Zeit überlebt, und neue Betriebe sind hinzugekommen. Darauf ist die Stadt stolz. Dass Bromberg eine junge Stadt ist, hat damit zu tun, dass es hier zwei Universitäten und mehrere private Hochschulen gibt, in denen rund 40.000 junge Menschen studieren.
In der Nachwendezeit konnte auch ein Bauprojekt abgeschlossen werden, dessen Grundstein die Bromberger 1973 gelegt hatten. 2006 eröffnete die nach Plänen des Architekten Józef Chmiel erbaute Neue Oper Bromberg (Opera Nova Bydgoszcz) ihre Pforten für Besucher. Bereits seit 1994 treffen sich in dem Haus - in den ersten Jahren noch im Rohbau - Musiker und Musikfreunde zum Bromberger Opernfestival. (Frank Hilbert)

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Anmerkungen

  1. Der "Bromberger Blutsonntag". Kontroversen und Forschungsergebnisse, Markus Krzoska, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Das zentrale Forum der Zeitgeschichtsforschung. Band 60, Heft 2, Seiten 237–248