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Krakau (Kraków) unterirdisch erleben

Unter dem Marktplatz von Krakau (Kraków) liegt eine Ausgrabungsstätte, die mit einer Betondecke überdacht und 2010 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die unterirdische Route führt die Besucher durch die 1.000jährige Geschichte der Stadt.

Fenster über der unterirdischen Route für Touristen
Unter dem Markplatz - zwischen Tuchhallen und Marienkirche - verläuft die unterirdische Route. Von außen sichtbar ist ein Lichtschacht der überdachten Ausgrabungsstätte. Foto: Frank Hilbert

Die Mitarbeiterin des Museums in den Tuchhallen von Krakau (Kraków) verdreht die Augen. „Der Eingang zum unterirdischen Museum ist am anderen Ende des Gebäudes", faucht sie mich an. Freundlich ist anders, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Touristen, die aus aller Welt nach Krakau strömen, das Stadtsäckel ordentlich füllen, aus dem mit größter Wahrscheinlichkeit auch der Arbeitsplatz der Dame finanziert wird. Wir laufen in die uns gezeigte Richtung. Drinnen vor einer massiven Glastür, die zum Museum führt, geht eine Aufpasserin auf und ab und schaut regelmäßig auf ihre Armbanduhr. Es sind wenige Minuten vor 10 Uhr. Bis punkt 10 Uhr bleibt die Tür geschlossen. Ein Aushang an der Tür informiert, dass der Einlass alle halbe Stunde erfolgt und dass man die Eintrittskarten online reservieren muss – was wir natürlich nicht getan haben, denn woher hätten wir das auch wissen sollen?

Die Aufpasserin schließt die Tür auf und eine weitere Museumsmitarbeiterin mit einer Liste in der Hand steckt ihren Kopf raus: "Ist die für 10 Uhr angemeldete Gruppe schon da?", fragt sie. Vor der Tür hat sich bereits eine Menschenmenge versammelt, aber keiner von uns hat sich vorher angemeldet. "Sie haben sich falsch eingeordnet!", werden wir angeraunzt. "Hier dürfen nur Gruppen stehen!" Raunend machen die Wartenden zwei Schritte nach links. Ich will wissen, ob und wann wir überhaupt reinkommen. "Ohne eine Reservierung sieht es schlecht aus", antwortet die Frau mit der Liste. "Wenn die angemeldete Gruppe jedoch nicht kommt, dürfen Sie rein." Wir haben Glück. Die Gruppe kommt nicht, und wir dürfen – aber nur die ersten Zehn – in die Krakauer Unterwelt hinabsteigen.

Zeitreise in 1.000 Jahre Krakauer Geschichte

Der Abstieg auf fünf Meter unterhalb des Pflasters bedeutet eine Zeitreise in 1000 Jahre Geschichte des Krakauer Marktes. Die mittelalterlichen Erlebnisräume, die sich uns anschließend offenbaren, sind das Ergebnis archäologischer Ausgrabungsarbeiten, die im Sommer 2005 begonnen wurden. Sie waren ursprünglich für nur sechs Monate angedacht, doch der Umfang der Ausgrabungen bewirkte, dass sie erst viel später abgeschlossen wurden. Die Ausgrabungsstätte wurde mit einer Betondecke überdacht, eine Ausstellung eingerichtet und 2010 für der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Reste eines Friedhofs unter dem Markt von Krakau
Bei Ausgrabungen wurden die Reste des Friedhofs der Marienkirche gefunden, die im Museum unter dem Markt von Krakau besichtigt werden können.

Pflasterwege aus dem Mittelalter

Auf rund 4.000 qm Fläche können wir in die spannende Geschichte Krakaus eintauchen – von der Steinzeit über den Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Archäologische Funde wie befestigte, erstaunlich gut erhaltene Pflasterwege aus dem frühen Mittelalter, Brunnen, Fundamente alter Wohn- und Geschäftshäuser, Kellergewölbe, die einst den Händlern als Warenlager dienten sowie mittelalterliche Grabstätten wurden sorgsam rekonstruiert, konserviert und durch anschauliche Informationen in multimedialer Form (Touchscreens, Filmleinwände, audiovisuelle Effekte) über die Geschichte der Stadt und ihre Bedeutung im weit verzweigten Flechtwerk der Handelsrouten ergänzt.

Die Ausstellung befindet sich auf einer Ebene, die noch im 10. Jahrhundert der eigentliche Marktplatz war. Die Tatsache, dass im Mittelalter Abfälle auf Straßen und Plätzen nicht beseitigt, sondern einfach mit Sand zugeschüttet wurden, führte dazu, dass die ehemalige Erdgeschossebene der Häuser zu Kellern wurde. Wir erfahren auch, dass Krakau im Laufe seines Bestehens mehrfach zerstört worden war und dass man die Stadt einfach auf den Überresten der alten Bebauung wieder aufbaute, was ebenfalls zur Erhöhung des Geländes führte.

Fazit: Die Qualität der Ausstellung im unterirdischen Museum hat uns beeindruckt. Einen Besuch des Museums können wir jedem Krakau-Besucher wärmstens weiterempfehlen. (fh)

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Kontakt

Krakau - unterirdische touristische Route (Podziemia Rynku trasa turystyczna)
Rynek Główny 1/2
31-042 Kraków
Tel.: +48 (0) 12 4265060
E-Mail: info@mhk.pl
Internet: www.podziemiarynku.com

Öffnungszeiten:
Die Öffnungszeiten finden Sie auf der Internetseite des Museums.

Anmerkung:
Einlass ist alle 15 Minuten. Es werden max. 30 Personen in die Ausstellung gelassen. Deshalb empfiehlt die Museumsleitung allen Interessierten, sich vorher anzumelden. Tickets kann man über die Internetseite des Museums bestellen. Die Bestellseite findet man unter der Rubrik "Rezerwacja Biletów Online".