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Museum Fabrik Oskar Schindler in Krakau

Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.

In dem Film „Schindlers Liste“ von Starregisseur Steven Spielberg überreicht eine Gruppe Juden ihrem Retter Oskar Schindler einen Ring, den sie aus ihrem Zahngold hergestellt und in den sie diesen Satz aus dem Talmud eingraviert haben. Schindler hat sie, die sich später selbst die „Schindler-Juden“ nannten, vor der Ermordung in deutschen Vernichtungslagern gerettet und dafür sein gesamtes Vermögen ausgegeben.

Bekanntmachung der deutschen Besatzer im Schindler-MuseumPolen Fotos
Bekanntmachung der deutschen Besatzer im Museum Fabrik Oskar Schindler. Fotos: Frank Hilbert

Oskar Schindler war eine schillernde und widersprüchliche Persönlichkeit. In den 1930er Jahren trat der Sudetendeutsche als Spion in den Dienst des Amtes Ausland / Abwehr unter der Leitung von Admiral Wilhelm Canaris. Zur Tarnung für seine Spionagetätigkeit nahm er eine Stelle als Geschäftsführer einer Elektrofirma in Brünn in der damaligen Tschechoslowakei an. Nachdem er enttarnt worden war, wurde er nach Angaben von Schindlers Ehefrau Emilie Schindler von der tschechoslowakischen Justiz zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde nur deshalb nicht vollstreckt, weil Hitler das Sudetengebiet an Deutschland angliederte und in die „Resttschechei“ einmarschierte. Neben seiner Tätigkeit für das nationalsozialistische Deutschland, führte Schindler ein ausschweifendes Leben. Die nicht unerhebliche Mitgift seiner Frau, Emilie Schindler, in Höhe von 100.000 Kronen hat er verprasst. Einen großen Teil des Geldes gab er für einen Luxuswagen aus. Zahlreiche Liebschaften werden ihm nachgesagt. Aus einer dieser außerehelichen Beziehungen sind zwei Kinder hervorgegangen.

Nach der Besetzung Polens im September 1939 sah er seine Chance gekommen, um wirtschaftlich weiterzukommen. Er trat in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein und übernahm – zunächst treuhänderisch - im Krakauer Stadtteil Zabłocie eine Emaille-Fabrik, die in jüdischem Besitz gewesen war. Zu seinem wichtigsten Mitarbeiter wurde sein polnisch-jüdischer Buchhalter Abraham Bankier, der die Firma praktisch leitete, während Schindler Kontakte knüpfte und auch ausschweifende Feste feierte. Seine Firma, die inzwischen als Deutsche Emailwarenfabrik (DEF) firmierte und von den Juden „Emalia“ genannt wurde, hatte 800 Angestellte. Produziert wurden Töpfe für die Wehrmacht und später auch Granatenhülsen. Ein Teil des wirtschaftlichen Erfolges konnten Schindler und sein Buchhalter durch den Handel auf dem Schwarzmarkt erzielen.

Schindler pflegte sehr gute Kontakte zu den nationalsozialistischen Größen in Krakau. Unter ihnen war der Lagerkommandant des Zwangsarbeitslagers Plaschau (Płaszów) Krakau, Amon Göth, der durch seine Brutalität gegenüber den jüdischen Häftlingen bekannt geworden ist. Diese Freundschaft brachte ihm die Erlaubnis ein, ein eigenes Lager in der ul. Lipowa einzurichten, in dem seine jüdischen Arbeiter lebten. Damit waren sie dem unmittelbaren Einflußbereich von Amon Göth entzogen. Zudem waren die Lebensbedingungen in der ul. Lipowa wesentlich besser als im Zwangsarbeitslager in Płaszów. Das Lager war zwar eingezäunt, von Wachtürmen umgeben und wurde von SS-Soldaten bewacht. Die SS betrat das Lager aber nicht.

Eingang zur Fabrik von Oskar Schindler
Eingang zum Schindler-Museum.

Schindler half den Juden, weil er sich von der brutalen Vorgehensweise der deutschen Besatzer ihnen gegenüber abgeschreckt fühlte. Nach dem Krieg erzählte er einmal von der „Steigerung des Sadismus“ in Krakau.

Jede Woche gab es neue Verordnungen. Alles war verboten für Hunde, Zigeuner und Juden, nirgend durften die mehr sitzen. […] Wenn man a bissle Herz hat und a bissle Sinn für Menschentum und Empfinden hat […] wenn man da nicht Widerstand ergreift, wenn man da nicht versucht, wenigstens gegen den Strom anzuschwimmen, dann ist man kein Mensch.

Dafür riskierte er sogar sein Leben. 1943 reiste er zu einem Treffen mit der jüdischen Hilfsorganisation Join (American Jewish Joint Distribution Committee) nach Budapest, um um weiteres Geld zu bitten, mit dem er die SS bestechen wollte, und um über das Schicksal der Juden in Krakau zu berichten. Während seiner Krakauer Zeit verhaftete ihn die Gestapo mehrmals, ließ ihn aber immer wieder frei. Einmal, weil er als „Judenküsser“ denunziert worden war.

1944 räumten die Deutschen das Lager in Płaszów, das inzwischen in ein Konzentrationslager umgewandelt worden war. Die Schindler-Juden befanden sich damit in höchster Lebensgefahr. Mit Bestechungsgeldern erhielt Schindler von den Nationalsozialisten die Erlaubnis, seine Fabrik in das mährische Brünnlitz (einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen) zu verlegen und seine jüdischen Mitarbeiter mitzunehmen. Dafür setzte er sein gesamtes Vermögen ein.

Nach dem Krieg blieb Oskar Schindler der Erfolg als Unternehmer versagt. Versuche mit einer Nutriafarm in Argentinien und Zementhandel in Deutschland endeten in der Insolvenz. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er überwiegend in Israel, wo er nach seinem Tod 1974 auch beerdigt worden ist.

Das Museum Fabrik Oskar Schindler in Krakau liegt ungefähr dreißig Minuten Fußweg von der Wawelburg. Der Weg dorthin führt durch einen Tunnel aus u-förmigen Betonteilen. In die Decke der Fertigteile sind Löcher in Buchstabenform geschnitten, die zusammen das Wort Auschwitz ergeben und Licht in das Tunnelinnere lassen. Się sollen an das in der Nähe von Krakau gelegene Konzentrationslager Auschwitz erinnern.

Im Zentrum der Museumsausstellung im Museum steht neben dem Leben von Oscar Schindler die deutsche Besatzungszeit in Krakau in all ihren Facetten. An den Wänden hängen Verordnungen der deutschen Besatzer, in denen die Freiheiten der gesamten Bevölkerung und insbesondere der Juden beschnitten werden. Das Leben im Arbeits- und späteren Konzentrationslager Płaszów wird mit zahlreichen Ausstellungsstücken veranschaulicht. Berichtet wird über die „Sonderaktion Krakau“ im November 1939, bei der 183 Mitarbeiter der Krakauer Jagiellonen-Universität verhaftet wurden. 15 Professoren, die sich unter den Gefangenen befanden, brachten die Deutschen um.

Nur etwa zehn Gehminuten vom Museum entfernt – in der ul. Lwowska – stehen noch Reste der Ghettomauer. Das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Płaszów befindet sich etwa 30 Minuten zu Fuß in südlicher Richtung an der ul. Wiliecka, das unbebaut ist und auf dem ein Gedenkstein mit einer hebräischen Inschrift steht. Ein Schild auf Polnisch und Englisch fordert die Besucher auf, den Ort mit seiner schmerzlichen Vergangenheit zu respektieren. (fh)

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Deutscher Trailer des Films "Schindlers Liste".

Sehenswürdigkeit

Museum Fabrik Oskar Schindler (Fabryka Schindlera)
ul. Lipowa 4
30-702 Kraków
Tel.: +48 (12) 2571017
E-Mail: fabrykaschindlera@mhk.pl
Internet: www.mhk.pl/oddzialy/fabryka_schindlera

Öffnungszeiten:
November bis März:
Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Mo 10.00 - 14.00 Uhr

April bis Oktober:
Di - So 10.00 - 20.00 Uhr
Mo 10.00 - 16.00 Uhr

Karte

Krakau (Kraków) - Fabrik Oskar Schindler, ul. Lipowa 4, 30-702
Krakau (Kraków) - Fabrik Oskar Schindler, ul. Lipowa 4, 30-702 Kraków (Google Maps)