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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Lesko am Fußeder Bieszczady in Polen

Lesko empfängt uns mit einem Wolkenbruch. Der von hässlichen postsozialistischen Bauten umgebene Parkplatz hat sich in einen kleinen See verwandelt. Der Ausflug fängt nicht gut an, aber wir lassen uns nicht entmutigen. Schließlich besitzt Lesko eine reiche Geschichte, zu der sicherlich vordergründig der ursprünglich multikulturelle Charakter der Region beigetragen hat.

Pfarrkirche in Lesko in den Waldkarpaten Polen
Die Pfarrkirche wurde 1539 errichtet und seitdem mehrmals umgebaut. Der barocke Glockenturm stammt aus dem Jahr 1765. Foto: Frank Hilbert

Lesko ist die zweite der drei Kreisstädte der Bieszczady und liegt nur wenige Kilometer südöstlich von Sanok. Es hat nur knapp 7500 Einwohner, von denen heute fast alle polnischer Nationalität sind.

Jüdische Tradition

Von der früheren bedeutung der Stadt für die Region ist heute kaum noch etwas zu spüren. Im 16. und 17. Jahrhundert war Lesko ein regionales Handelszentrum. Es besaß eine große jüdische Gemeinde, Nachfahren spanischer Juden. Noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machten die jüdischen Einwohner mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung aus. Wie in anderen Teilen Polens wurden auch die Juden von Lesko Opfer des Holocoust. Die Deutschen hatten fast alle Juden ermordet, die reiche jüdische Tradion erlosch für immer. Deren noch erhaltene Zegnisse sind die zentral gelegene große Synagoge, die heute als Kunstgalerie genutzt wird, und ein in einem Wäldchen versteckte Kirkut - der alte jüdische Friedhof. Der polnische Dichter Tadeusz Różewicz setzte dem Friedhof mit dem Gedicht "Alter Judenfriedhof in Lesko" ein Denkmal (nachzulesen in deutscher Übersetzung von Henryk Bereska im Gedichtband "Zweite ernste Verwarnung", Hanser Verlag, 2000).

Innenraum der Synagoge in Lesko
In der Synagoge in Lesko wird als Galerie genutzt.

Aktion Weichsel

In Lesko endete der Krieg nicht im Mai 1945. Wie die gesamten Waldkarpaten war auch Lesko in den Nachkriegsjahren Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen den ukrainischen Nationalisten (OUN/UPA) und den Polen. Die Auseinanadersetzungen nahmen ein Ende mit der Zwangsaussiedlung der ruthenischen Bevölkerung, der Lemken und Boiken, die man der Unterstützung der ukrainischen Partisanen bezichtigte. Der Krieg war nun auch hier zu Ende, aber auch ein weiteres Stück der vielfältigen Kultur der Region ging mit der "Aktion Weichsel" (1947), wie die Aussiedlung genannt wurde, unwiderbringlich verloren.

Kein Bahnanschluss

Für gewöhnlich sind - trotz der fortschreitenden Stillegung unrentabler Bahnstrecken der letzten Jahre - die noch so entlegenen Ecken Polens immer noch mit der Bahn gut zu erreichen. Nicht so Lesko. Im 19. Jahrhundert - Lesko befand sich damals im Zuge der polnischen Teilung unter österreichische Besatzung - wurden die Einwohner der Stadt von den Habsburgern gefragt, ob sie die Errichtung einer Eisenbahnstrecke durch ihren Ort wünschten. Die Bewohner Leskos lehnten den Vorschlag ab, und somit ist man auch heute noch auf einen Bus bzw. den eigenen PKW angewiesen, will man das beschauliche Städtchen besuchen. (fh)

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(Lesko), Polen24.10.2017 – 07:42 Uhr
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  1. www.lesko.pl