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Schloss Rogalin in Polen

Wenn man nach einem prächtigen spätbarocken Schloss in der Umgebung von Posen (Poznań) sucht, sollte man nach Rogalin fahren. Kazimierz Raczynski ließ hier in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Residenz bauen, die zu den schönsten Schlossanlagen in Polen gehört.

Schloss Rogalin in Großpolen Polen Fotos
Das spätbarocke Schloss Rogalin. Fotos: Frank Hilbert

Kurz nachdem Kazimierz Raczyński, der später zum General-Starosten von Großpolen und Kronmarschall aufstieg, das Dorf Rogalin und die dazugehörigen Güter erworben hatte, begann er mit der Umgestaltung des Herrensitzes zu einer prachtvollen barocken Residenz vom Typ "entre cour et jardin" (zwischen Schlosshof und Garten). Zwanzig Jahre lang – von 1770 bis 1790 – waren die Handwerker damit beschäftigt, die Pläne der Architekten umsetzen. Herausgekommen ist ein Schloss, das in ganz Polen und in Europa seines gleichen sucht. Es besteht aus dem rechteckigen Hauptgebäude mit zwei Seitenflügeln, die hufeisenförmig den Paradehofes (cour d'honneur) vor dem Schloss einrahmen. Auf der Rückseite des Schlosses schließt sich ein französischer Garten mit griechischen Statuen und kegelförmigen Thujen an, der beinahe nahtlos in einen englischen Garten übergeht, der aus den Überresten eines Eichenwaldes mit rund 1.500 Bäumen besteht. Die ältesten von ihnen tragen die Namen der sagenumwobenen slawischen Brüder Lech, Czech und Rus und weisen einen Stammumfang von 9,30 m, 8,10 m und 6,70 m auf. Sie sind so altersschwach, dass einige ihrer knorrigen Äste mit Stangen abgestützt werden müssen. Das Schloss und der Wald sind Teil des 1996 gegründeten und 126 km2 großen Landschaftsparks Rogalin (Rogaliński Park Krajobrazowy), zu dem auch die Auen links und rechts des Flusses Warta gehören. Hierher kommen jedes Jahr viele Fischarten zum Leichen und Vögel, um zu brüten.

Der Urheber des Entwurfs für das barocke Schloss ist nicht bekannt. In der zwanzigjährigen Bauzeit änderte sich jedoch der Zeitgeschmack, sodass die beiden Architekten Domenico Merlini und Johann Christian Kamsetzer neoklassizistische Elemente – vor allem im ersten Obergeschoss – einarbeiteten. 1790 ließ Raczyński den weiteren Ausbau des Schlosses stoppen. Vermutlich hing diese Entscheidung mit dem Tod seiner Tochter Michalina zusammen. Pikant ist, dass Michalinas Mutter die Frau von Raczyńskis Vetter Filip war.
Erst 1820 setzte sein Enkel Edward Raczyński die Arbeiten fort. In diesem Jahr entstand ein neoklassizistischer Bau am östlichen Rand des Schlossgeländes, der als Mausoleum und Kapelle diente und Ähnlichkeit mit dem "Maison carée" im französischen Nimes, einem römischen Tempel aus dem 1. Jahrhundert v. Cr., hat. Edward Raczyński weihte die Kapelle dem hl. Marcellinus im Gedenken an seinen Neffen Marcelli Lubomirski, der als Soldat der napoleonischen Armee 1807 bei Sandomierz gefallen war.
Im Gegenzug dazu zog in die Schlosskapelle eine Bibliothek ein. Auch andere Räume im Schloss führte Raczyński einer neuen Verwendung zu. So wandelte er den Ballsaal, nachdem er ihn mit einer neogotischen Dekoration versehen hatte, in ein "Arsenal" um, und brachte dort eine Kollektion historischer Waffen unter.

Eiche im Park des Schlosses Rogalin in Polen
Eine der Eichen, die die Namen der slawischen Brüder Lech, Cech und Rus tragen.

Die Mitglieder der Familie Raczyński traten als Kunstmäzene auf. Bereits Kazimierz Raczyński hatte den Grundstein für eine umfangreiche Bibliothek gelegt. Sein Urenkel, Edward Roger, begründete die Gemäldegalerie, die noch heute Besuchern zugänglich ist und für die Alexander Raczyński zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pavillions errichten ließ. Sie umfasste in den 1930er Jahren 466 Bilder, von denen allerdings nur 359 erhalten geblieben sind. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde die Galerie in das Nationalmuseum in Warschau (Warszawa) ausgelagert und nach der Besetzung der polnischen Hauptstadt von den Deutschen geraubt. Nach dem Krieg kam der Teil der Sammlung, den man wiedergefunden hatte, nach Rogalin zurück und wurde durch Bilder aus dem Nationalmuseum in Posen und der Sammlung der Familie Mielżyński ergänzt. Dadurch ist eine umfangreiche Sammlung europäischer und polnischer Malerei um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden.
Auch die Inneneinrichtung wurde von den Deutschen, die obendrein im Schloss eine Schule für die Hitlerjugend eröffneten, geraubt, sodass das Mobiliar heute nicht mehr original ist. Ersetzt wurde es 1949 durch Exponate des Nationalmuseums in Posen, die einen Einblick in die verschiedenen Stile von Ausstattungsgegenständen repräsentativer Räume in Schlössern seit dem 17. Jahrhundert geben.

Der letzte Schlossherr hieß Edward Raczyński. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierte er nach London, wo er zwischen 1941 und 1943 Außenminister der polnischen Exilregierung war, die noch bis 1990 – ein Jahr nach dem Untergang der kommunistischen Volksrepublik Polen – existierte. Zwischen 1979 und 1986 war der Graf der Präsident der Exilregierung. 1993 starb er im Alter von 101 Jahren und fand im klassizistischen Mausoleum in Rogalin seine letzte Ruhestätte. Das Schloss, wo eine Nachbildung seines Londoner Büros besichtigt werden kann, hatte er testamentarisch dem polnischen Staat vermacht. (fh)

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Sehenswürdigkeit

Schloss Rogalin (Pałac Rogalin. Oddział Muzeum Narodowego)
Arciszewskiego 2
62-022 Rogalin
Tel.: +48 61 8138800
Internet: rogalin.mnp.art.pl

Geodaten: 52.23490130380667,16.929726479356297
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