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Schloss Kurnik (Kórnik) in Großpolen

In Kurnik (Kórnik) steht ein Schloss, das der bekannte Architekt Karl Friedrich Schinkel in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Stil der englischen Neogotik entworfen und errichtet hat. Zum Schloss gehört ein 40 Hektar großer Park mit über 3.000 verschiedenen Arten von Sträuchern und Bäumen, von denen einige bereits über 200 Jahre alt sind.

Schloss in Kurnik (Kórnik) in Großpolen Polen Fotos
Die dem Park zugewandte Seite des Schlosses in Kurnik (Kórnik). Fotos: Frank Hilbert

Adam Tytus Działyński (1796–1861) war ein polnischer Patriot, der für die Unabhängigkeit Polens kämpfte, das sich Preußen, Russland und Österreich Ende des 18. Jahrhunderts untereinander aufgeteilt hatten. Als Offizier beteiligte er sich 1830 am Novemberaufstand, der die Unabhängigkeit vom russischen Zarenreich zum Ziel hatte. Der Aufstand scheiterte, und Działyński floh nach Galizien, das zu Österreich gehörte. Sein umfangreicher Besitz in Kurnik, der im von Preußen besetzten polnischen Teilungsgebiet lag, wurde beschlagnahmt. Neun Jahre später erhielt er, nachdem er erfolgreich gegen Preußen geklagt hatte, seinen Besitz zurück. Damit beendete er aber nicht seine politischen Aktivitäten, sondern zog als Abgeordneter in den Provinziallandtag in Posen (Poznań) ein. 
Es war die Zeit, in der Tytus Działyński mit dem Umbau seines Schlosses in Kurnik begann, für den er den bekannten Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) gewinnen konnte. Unterstützt von den Architekten Antonio Corazzi (1792–1877) und Henry Marconi (1792–1863) errichtete Schinkel einen Prachtbau im Stil der englischen Neogotik mit maurischen Elementen, die an der dem Park zugewandten Seite nicht zu übersehen sind. Die rückseitige Fassade ziert ein Spitzbogen, der sich über zwei Etagen erstreckt und an den Seiten von Türmen flankiert wird. Die Fassadenkrone schmücken Zinnen, die wiederum an die Burgenarchitektur des Mittelalters erinnern. 
Von seinem Vater hatte Tytus Działyński eine Bibliothek geerbt, die er und sein Sohn Jan Działyński (1829–1880) systematisch durch Zukäufe vergrößerten und die heute 350.000 Schriftstücke umfasst, von denen die ältesten aus dem 9. Jahrhundert stammen. Sie waren im Maurischen Saal untergebracht, der mit seinen vielen Säulen, Spitzbögen, Emporen und seinem Holzfußboden zu den schönsten im Schloss gehört. Die aufwendig gestalteten und deshalb wertvollen Holzfußböden sind der Grund, warum die Besucher heute nur mit Schuhüberziehern durch das Schloss laufen (Man schlurft eher.) dürfen.
Jan Działyński hat das Schloss und die dazugehörigen Güter nach dem Tod seines Vater im Jahr 1861 übernommen. Wie sein Vater war Jan ein glühender polnischer Patriot, der sich 1864 am gegen die russische Teilungsmacht gerichteten Januaraufstand beteiligte und dafür zum Tode verurteilt wurde. Der Vollstreckung des Urteils entging er nur durch eine 1869 erlassene Amnestie.

Platanen im Schlosspark in Kurnik (Kórnik) in Großpolen
200 Jahre alte Platanen im Schlosspark Kurnik (Kórnik).

1880 vererbte Jan Działyński seinen Besitz in Kurnik an seinen Neffen Władysław Zamoyski (1853–1924), der französischer Staatsbürger war und deshalb den geerbten in Preußen liegenden Besitz nicht verwalten durfte. 1895 musste Zamoyski Kurnik verlassen, wohin er erst 1920 zurückkehrte, kurz nachdem Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte.
Schon 1899 hatte er erklärt, dass er die Schlossanlage mit der umfangreichen Bibliothek dem polnischen Volk überlassen wolle. Um sein Vorhaben umzusetzen, gründete er kurz vor seinem Tod die "Stiftung Kurnik" (Zakłady Kórnickie), die er dem polnischen Staat vererbte. 1952 ging das Schloss mit der Bibliothek und dem Park in den Besitz der Polnischen Akademie der Wissenschaften über, die es seitdem verwaltet.
Das Schloss in Kurnik ist auch deshalb so wertvoll, weil es die beiden Weltkriege und die politischen Wirren im 20. Jahrhundert unbeschadet überstanden hat.

Der Schlosspark

Hinter dem Schloss erstreckt sich ein 40 Hektar großer englischer Garten mit scheinbar zufällig, in Wirklichkeit jedoch systematisch angelegten Baumgruppen,  Wiesen und einen See in seiner Mitte. Er gehört zwar nicht zu den größten Schlossgärten dieser Art in Polen. In ihm wachsen aber über 3.000 verschiedene Arten von Sträuchern und Bäumen, von denen einige bereits ein stattliches Alter erreicht haben. Platanen, die 200 Jahre alt sind, und Japanische Kastanien, die 1929 gepflanzt wurden, ragen hier in den Himmel. Die Gehölzsammlung in Kurnik ist das älteste und größte Aboretum Polens. Weigelien, Schwarznüsse, Rhododendren, Hickorynüsse und Magnolien wachsen hier und wurden von den Gärtner in beeindruckender Weise miteinander kombiniert.
Den Grundstein für den englischen Garten hat Adam Tytus Działyński gelegt, dessen Werk Jan Działyński fortgesetzt hat. Entstanden ist der Park anstelle eines französischen Gartens, den die Adlige Teofila Szołdrska-Potulicka (1714–1790) im 18. Jahrhundert angelegt hatte. Von ihr hängt ein Porträt im einstigen Speisesaal, das sie in einem eleganten weißen Kleid zeigt. Wenig überraschend trägt das Bild deshalb auch den Namen "Die weiße Dame". Eine Besonderheit in ihrem Park waren Maulbeerbäume, die sie für ihre lukrative Seidenraupenzucht benötigte. Damit lag sie ganz im Trend der Zeit. Im benachbarten Preußen förderte Kurfürst Friedrich II. ab 1750 die Zucht von Seidenraupen und ordnete das Anlegen von Maulbeerbaumplantagen an. (fh)

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Kurnik (Kórnik), Polen26.09.2022 – 08:33 Uhr
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Kontakt

Schloss Kurnik (Kórnik)
Zamkowa 5
62-035 Kórnik
Tel.: +48 61 8170081
Internet: www.bkpan.poznan.pl/zamek-w-korniku/

Geodaten: 52.24448305803297,17.090877200017214
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Mo geschlossen
Di–So 10.00–16.00 Uhr

16. Dezember–28. Februar
geschlossen

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