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Kalisz in Grosspolen, Sehenswürdigkeiten und Geschichte

Kalisz liegt in Großpolen und zählt zu den ältesten Städten in Polen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Zentrum der Textilindustrie. Kaliszer Spitzen waren in der ganzen Welt bekannt und gefragt. Den Verkauf übernahmen jüdische Kaufleute, die damit zur rasanten Entwicklung der Textilindustrie beigetragen haben. Ein Ausflug nach Kalisz lohnt sich für ein bis zwei Tage.

Pilger hinter dem Sanktuarium des heiligen Josef in Kalisz
Pilger während einer Messe hinter dem Sanktuarium des heiligen Josef in Kalisz. Rechts steht ein Teil der Stadtmauer mit dem Wehrturm "Dorotka". Fotos: Frank Hilbert

Den Mittelpunkt der Stadt bildet der sehr hübsche Marktplatz mit seinem klassizistischen Rathaus in der Mitte. Umgeben ist der Markt von vielen kleinen Straßenmit schmucken Häusern. Umgeben ist die Altstadt von einem Park, der den Verlauf der Stadtmauer markiert, von der jedoch nur noch Fragmente erhalten sind.

Geschichte der Stadt Kalisz

Auf einem Platz am Rande der Altstadt stehen Informationstafeln mit Bildern, die ein zerstörtes Kalisz zeigen. Deutsche Artillerie hat die Stadt fast vollständig zerstört. Aber nicht im Zweiten Weltkrieg, sondern 1914. Also zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der zwischen 1914 und 1918 in Europa tobte. Dabei scheint es sich um ein Versehen gehandelt zu haben. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war Polen geteilt. Kalisz lag 1914 im russischen Teil. Am 1. August 1914 erklärte Deutschland Russland den Krieg, und bereits am 2. August marschierte das deutsche 155. Infanterieregiment aus Ostrowo unter dem Befehl von Major Hans Rudolf Hermann in die Stadt ein, nachdem sich die russischen Truppen zurückgezogen hatten. Die Ereignisse in den darauffolgenden Tagen lassen sich nicht mehr genau rekonstruieren. Angeblich wurden deutsche Soldaten beschossen. Als Reaktion auf den vermeintlichen Angriff zerrten Deutsche Einwohner aus ihren Wohnungen, misshandelten sie und erschossen einige. Bürgermeister Bronisław Bukowiński musste die Nacht im Freien – auf der Straße liegend - verbringen. Die Deutschen verhängten eine nächtliche Ausgangssperre und drohten mit der Erschießung von Einwohnern, wenn weiterhin auf deutsche Soldaten geschossen werde. Die Lage blieb unübersichtlich. Deutsche Soldaten plünderten Häuser und steckten sie in Brand. Sie nahmen 500 Männer als Geiseln und brachten sie nach Posen, um sie zu verhören. Artillerie schoss immer wieder in die Stadt. Als die Kämpfe beendet waren, lag der größte Teil der historischen Altstadt in Schutt und Asche. Über 400 Wohnhäuser waren zerstört.

Der Zerstörung folgte der Wiederaufbau. Die Architektur der Bürgerhäuser zeugt vom Wohlstand, den die Kaliszer seit dem 19. Jahrhundert in ihren Textilfabriken erwirtschafteten. Viele der Fabrikanten kamen aus Schlesien, genau wie ein großer Teil der Fachkräfte in den Fabriken. Die Kaliszer Spitze war weltbekannt. Die Textilfabrik Pohl et Co. Exportierte ihre Baumwollprodukte bis nach China. Es gab auch viele jüdische Fabrikanten und Händler, die den Vertrieb in die ganze Welt übernahmen und damit einen erheblichen Anteil zum Wohlstand beitrugen. 38 Prozent der Einwohner waren Ende des 19. Jahrhunderts jüdisch. Ein stiller Zeuge ihrer Geschichte, die 1940 mit der Deportation und Ermordung der Juden durch die Deutschen ihr Ende fand, ist die ehemalige Talmud-Schule gleich neben den Infotafeln. Die zahlreichen Synagogen und Gebetshäuser – über 40 sollen es Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein – existieren nicht mehr. Besichtigt werden können die Überreste des jüdischen Friedhofs in der ul. Podmiejska.

Heute gibt es in Kalisz neben der katholischen Gemeinde noch eine Evangelisch-Augsburgische Kirche mit 300 Mitgliedern, eine Baptistengemeinde und eine polnisch-orthodoxe Gemeinde. Einen Besuch wert ist der evangelisch-augsburgische Friedhof in der ul. Harcerska 2, der im 17. Jahrhundert angelegt wurde. Unter den Namen auf den Grabsteinen finden sich viele von Textilunternehmern aus dem 19. Jahrhundert.

Rathaus von Kalisz in Großpolen
Rathaus auf dem Marktplatz.

Dort, wo früher die Stadtmauer verlief, entstand ein Park, der einen grünen Gürtel um die Altstadt bildet. An wärmeren Tagen, wenn die Sonne scheint, ist kaum ein freier Platz zu finden, und junge Familien mit Kindern spazieren im Schatten der Bäume. Ein Stück Stadtmauer mit einem Wehrturm steht noch neben dem Sanktuarium des heiligen Josef. Der Bau der Stadtmauer begann im 13. Jahrhundert, kurz nachdem Kalisz die Stadtrechte erhalten hatte. Im Übrigen zählt Kalisz zu den ältesten polnischen Städten, weil der alexandrinische Geograph Claudius Ptolemäus sie bereits 150 n. Chr. erwähnte. Die Stadtmauer war 9 m hoch und 1,5 m dick. Durch vier Tore gelangte man in die Stadt. Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Stadtmauer ihre strategische Bedeutung und wurde zum größten Teil abgerissen.Geschliffen wurde auch das Schloss. Archäologen haben Reste der Grundmauern am Platz Johannes Paul II. freigelegt, die besichtigt werden können.

Mindestens dreimal kreuzten sich die Geschichte Kalisz mit der Preußens. Im Frieden von Kalisch, der 1343 geschlossen wurde, verzichtete Polen zugunsten des Deutschen Ordens auf Pomerellen, und im Februar 1813 schlossen Russland und Preußen ein Bündnis gegen Napoleon I., das zu den Befreiungskriegen führte. In den ersten Jahren der Teilung Polens, zwischen 1793 und 1807, gehörte Kalisz zu Preußen. (fh)

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