Kalisz in Grosspolen, Polen VGWORT Zählpixel
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Kalisz in Grosspolen, Sehenswürdigkeiten und Geschichte

Kalisz liegt in Großpolen und zählt zu den ältesten Städten in Polen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Zentrum der Textilindustrie. Kaliszer Spitzen waren in der ganzen Welt bekannt und gefragt. Den Verkauf übernahmen jüdische Kaufleute, die damit zur rasanten Entwicklung der Textilindustrie beigetragen haben. Für einen Besuch von Kalisz sollten Sie mindestens zwei Tage einplanen.

Pilger hinter dem Sanktuarium des heiligen Josef in Kalisz
Pilger während einer Messe hinter dem Sanktuarium des heiligen Josef in Kalisz. Rechts steht ein Teil der Stadtmauer mit dem Wehrturm "Dorotka". Fotos: Frank Hilbert

Kalisz trägt den Beinamen "älteste Stadt Polens". Das verdankt sie dem alexandrinischen Geographen Claudius Prolemäus, der sie bereits 150 n. Chr. in seinem Atlas "Geographike Hyphegesis" erwähnt hat. 1257 erhielt Kalisz vom polnischen König Bolesław VI. dem Frommen (1224/27–1279) die Stadtrechte nach Neumarkter Recht, das auf dem Magdeburger Recht basierte. Die Verleihung der Stadtrechte sagt viel über die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt in der damaligen Zeit aus, die sie nur erlangen konnte, weil sie an einer Kreuzung wichtiger Handeslstraßen lag.
Den Kaliszer Mittelpunkt bildet der großzügig angelegte Marktplatz mit seinem neoklassizistischen Rathaus in der Mitte. In den Straßen drumherum findet man viele Bürgerhäuser, von denen die meisten allerdings aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) stammen. Nur die Sakralbauten wie die gotische Franziskanerkirche zum Hl. Stanislaus und die Städtische Pfarrkirche zum Heiligen Joseph sind älter. Es gibt in der Stadt auch interessante Beispiele für Architektur aus den 1920er Jahren, z. B. ein Einfamilienhaus in der ul. Niecała 5, ein schnörkelloser Bau bis Bauhauscharakter, und Häuser aus der sozialistischen Ära Polens (1945–1989), z. B. in der ul. Górnośląska 10. Kalisz ist eine sehr grüne Stadt. Dazu trägt auch ein Park bei, der die Altstadt umschließt und sich dort befindet, wo bis in das 18. Jahrhundert die Stadtmauer stand.

Geschichte der Stadt Kalisz

Auf einem Platz am Rande der Altstadt in der ul. Tagrowa hängen Informationstafeln mit Bildern an niedrigen Mauern aus Backstein, die ein zerstörtes Kalisz zeigen. Deutsche Artillerie hat die Stadt fast vollständig zerstört. Aber nicht – wie man vermuten könnte – im Zweiten Weltkrieg (1939–1945), sondern 1914. Also zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der zwischen 1914 und 1918 in Europa tobte. Dabei scheint es sich um ein Versehen gehandelt zu haben. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war Polen geteilt. Kalisz lag 1914 im von Russland besetzten Teil. Am 1. August 1914 erklärte Deutschland dem russischen Zarenreich den Krieg, und bereits am 2. August marschierte das deutsche 155. Infanterieregiment aus Ostrowo unter dem Befehl von Major Hans Rudolf Hermann in die Stadt ein, nachdem sich die russischen Truppen zurückgezogen hatten. Die Ereignisse in den darauffolgenden Tagen lassen sich nicht mehr genau rekonstruieren. Angeblich wurden deutsche Soldaten beschossen. Als Reaktion auf den vermeintlichen Angriff zerrten Deutsche Einwohner aus ihren Wohnungen, misshandelten sie und erschossen einige. Bürgermeister Bronisław Bukowiński musste die Nacht im Freien – auf der Straße liegend - verbringen. Die Deutschen verhängten eine nächtliche Ausgangssperre und drohten mit der Erschießung von Einwohnern, wenn weiterhin auf deutsche Soldaten geschossen werde. Die Lage blieb unübersichtlich. Deutsche Soldaten plünderten Häuser und steckten sie in Brand. Sie nahmen 500 Männer als Geiseln und brachten sie nach Posen, um sie zu verhören. Artillerie schoss immer wieder in die Stadt. Als die Kämpfe beendet waren, lag beinahe die gesamte historische Altstadt (95 Prozent) in Schutt und Asche. Über 400 Wohnhäuser waren zerstört. Als Folge der Kriegshandlungen verließen die meisten Einwohner die Stadt. Ihre Zahl sank im ersten Kriegsjahr von 70.000 auf gerade einmal 5.000.

Der Zerstörung folgte der Wiederaufbau. Die Architektur der Bürgerhäuser zeugt vom Wohlstand, den die Kaliszer seit dem 19. Jahrhundert in ihren Textilfabriken erwirtschafteten. Viele der Fabrikanten kamen aus Schlesien, genau wie ein großer Teil der Fachkräfte in den Fabriken. Die Kaliszer Spitze war weltbekannt. Die Textilfabrik Pohl et Co. Exportierte ihre Baumwollprodukte bis nach China. Es gab auch viele jüdische Fabrikanten und Händler, die den Vertrieb in die ganze Welt übernahmen und damit einen erheblichen Anteil zum Wohlstand beitrugen. Die jüdische Gemeinde in Kalisz konnte auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Durch das "Statut von Kalisch" vom 16. August 1264 erhielten Juden, die vor Verfolgung in Westeupa geflohen waren, die Erlaubnis, sich in Kalisz anzusiedeln. Ende des 19. Jahrhunderts waren 38 Prozent der Einwohner jüdisch. Ein stiller Zeuge ihrer Geschichte, die zwischen 1940 und 1942 mit ihrer Deportation und Ermordung durch die Deutschen ihr Ende fand, ist die ehemalige Talmud-Schule in der ul. Targowa 1. Die zahlreichen Synagogen und Gebetshäuser – über 40 sollen es Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein – existieren nicht mehr. Auch das jüdische Krankenhaus, Schulen, Sportvereine und Zeitungen, die von einem reichhaltigen gesellschaftlichen Leben der jüdischen Einwohner in der Stadt zeugten, sind Geschichte. Es gibt noch Überreste des jüdischen Friedhofs in der ul. Podmiejska, die besichtigt werden können.

Heute gibt es in Kalisz neben der katholischen Gemeinde noch eine Evangelisch-Augsburgische Kirche mit 300 Mitgliedern, eine Baptistengemeinde und eine polnisch-orthodoxe Gemeinde. Einen Besuch wert ist der evangelisch-augsburgische Friedhof in der ul. Harcerska 2, der im 17. Jahrhundert angelegt wurde. Unter den Namen auf den Grabsteinen finden sich viele von Textilunternehmern aus dem 19. Jahrhundert.

Rathaus von Kalisz in Großpolen
Rathaus auf dem Marktplatz.

Dort, wo früher die Stadtmauer verlief, entstand ein Park, der einen grünen Gürtel um die Altstadt bildet. An wärmeren Tagen, wenn die Sonne scheint, ist kaum ein freier Platz auf den Parkbänken zu finden, und junge Familien mit Kindern spazieren im Schatten der Bäume. Ein Stück Stadtmauer mit einem Wehrturm steht noch neben dem Sanktuarium des heiligen Josef. Es ist der älteste Stadtpark in Polen.
Der Bau der Stadtmauer begann im 13. Jahrhundert, kurz nachdem Kalisz die Stadtrechte erhalten hatte. Sie war 9 m hoch und 1,5 m dick. Durch vier Tore gelangte man in die Stadt. Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Stadtmauer ihre strategische Bedeutung und wurde zum größten Teil abgerissen. Geschliffen wurde auch das Schloss. Archäologen haben Reste der Grundmauern am Platz Johannes Paul II. freigelegt, die besichtigt werden können.

Mindestens dreimal kreuzten sich die Geschichte von Kalisz mit der von Preußen. Im Frieden von Kalisch, der 1343 geschlossen wurde, verzichtete Polen zugunsten des Deutschen Ordens auf Pomerellen, und im Februar 1813 schlossen Russland und Preußen in Kalisz ein Bündnis gegen Napoleon I. Bonaparte, das zu den Befreiungskriegen führte. In den ersten Jahren der Teilung Polens, zwischen 1793 und 1807, gehörte Kalisz zu Preußen. Mit den napoleonischen Kriegen endete die preußische Ära. Zwischen 1807 und 1815 gehörte die Stadt zum Großherzogtum Warschau, einem polnischen Rumpf- und Satellitenstaat, den Napoleon Bonaparte geschaffen hatte. Durch Beschluss des Wiener Kongresses 1815, auf dem nach der Niederlage Napoleons Europa neugeordnet wurde, fiel Kalisz an das Russische Reich und blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. (fh)

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