Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Sorquitten (Sorkwity) in Masuren, Polen

In der masurischen Landschaft sind sie eine Rarität: prunkvolle Herrenhäuser. Eines von ihnen ist das in den Jahren 1850 - 1856 von der Familie Mirnach errichtete neogotische Schloss in Sorquitten (Sorkwity). Es steht in einem weitläufigen, im englischen Stil gehaltenen Park auf einer Landzunge zwischen den Seen Gieląd (Gielandsee) und Lampackie (Lampaschsee).

Schloss in Sorquitten (Sorkwity)Polen Fotos
Schloss in Sorquitten (Sorkwity). Fotos: Frank Hilbert

"Da kommen Sie nicht rein", ruft uns im Vorbeigehen ein Mann mit Schlapphut und einer Angel über der Schulter zu. "Noch vor einigen Jahren fanden dort Hochzeiten und Banquettes statt, und jetzt?", die Angel schaukelt gefährlich. "Alles eingezäunt, verrammelt, zu. Keiner weiß, was hinter den geschlossenen Toren passiert. Das Schloss ist ein wahres Prunkstück, aber keinen kümmert, was daraus werden soll. Vielleicht dient es irgendwelchen zwielichtigen Gestalten zur Geldwäsche. Würde mich echt nicht wundern, in unserem Land ist alles möglich", redet sich der Unbekannte in Rage. Sichtlich aufgeregt und unter unverständlichem Gemurmel watschelt er zum See herunter. Die Tatsache, dass sowohl das Schloss wie auch der Park von einem hohen Maschendrahtzaun umgeben sind, stimmt auch uns traurig. In der Tat ist es eine Sünde, auf solch eine Weise mit einem Architekturdenkmal dieser Klasse zu verfahren. In den zwanzig Minuten, in denen wir am Schloss verweilen, fahren sieben Autos mit einem deutschen Kennzeichen an uns vorbei. Keiner der Touristen steigt aus, wozu auch? Der Zaun sieht nicht gerade einladend aus.
In Sorkwity (Sorquitten), am Fuße des Schlosses, nimmt der malerische Fluss Krutynia (Krutinnen) seinen Anfang. Der fast 100 km lange Fluss ist eine der beliebtesten Paddelstrecken Polens, die teilweise durch die unberührte Natur der Johannisburger Heide führt. Auch aus diesem Grund wäre es angebracht, das Schloss von Sorkwity (Sorquitten) mit der angrenzenden Parkanlage für touristische Zwecke zu erschließen. Auch für die Region würde es einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten.

Hauptaltar aus der Spätrenaissance (1642) in der Kirche in Sorquitten
Hauptaltar aus der Spätrenaissance (1642). Durch die Decke entschwindet Jesus in den Himmel. Zu sehen sind nur die Beine.

Vom Schloss ein wenig enttäuscht laufen wir zur evangelischen Kirche, die sich auf der anderen Seite der Hauptstraße befindet. Die Straße, die den Ort zerschneidet, führt von Mrągowo (Sensburg) nach dem 80 km entfernten Olsztyn (Allenstein). Von unseren Freunden instruiert, die Sorkwity bereits zwei Tage vor uns besucht hatten, steuern wir das fast 200 Jahre alte Pfarrhaus an. Auf dem Hof, der mit gepflegten Blumenbeeten und akkurat gestutztem Rasen ins Auge sticht, fragen wir eine Frau mit einer Harke in der Hand nach dem Kirchenschlüssel. Ein freundliches Lächeln erhellt ihr Gesicht. "Gehen Sie doch einfach ins Haus hinein. Der Schlüssel liegt auf dem Verandatisch. Vor dem Hund brauchen Sie keine Angst zu haben, der tut nichts. Neben dem Schlüssel müssten noch ein Paar Informationsbroschüren über die Kirche liegen. Nehmen Sie sich auch eine mit", sagt sie und geht dann weiter ihrer Arbeit nach. Quellen aus dem Jahr 1470 erwähnen die Kirche bereits. Das jetzige Gebäude stammte aus dem Jahr 1689 und wurde nochmals in den Jahren 1750-1777 umgebaut. Den Turm schmückt ein Wetterfähnlein mit dem Wappen der Familie Bornikowski, der Sorkwity in der Zeit von 1750 bis 1804 gehörte.

Im Innenraum dominiert der perspektivisch aufgeklappte Hauptaltar aus der Spätrenaissance (1642). Ein Schmuckwerk besonderer Art, auf den uns die Kinder unserer Freunde aufmerksam gemacht hatten, sind die Füße des in den Himmel aufsteigenden Christus, die über dem Altar von der Decke herunterbaumeln. Links vom Altar steht eine barocke Kanzel, die 1701 von dem Königsberger Bildhauer Issack Riga fertiggestellt wurde. Seit 1936 wurden von hier auch Predigten in polnischer Sprache gehalten. In den Kartuschen der großzügigen Patronatsloge aus dem Jahr 1615 befinden sich die Wappen der Familien von Schlieben und von der Groeben. Die vor dem Altar aufgehängte Engelsskulptur dient als Taufbecken. Auch ein Aufstieg zum Chorraum ist eine Begegnung mit der Geschichte. Die einzelnen Orgelpfeifen sind mit Widmungen der Stifter versehen. Die Widmungen in deutscher Sprache stammten größtenteils aus der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und spiegeln das Leid, die das Ereignis über den Landstrich gebracht hat. Voller Schmerz wird in ihnen gefallener Söhne, Ehemänner und Väter erinnert.
Draußen vor der Kirche fällt ein Obelisk ins Auge, der des in Sorkwity geborenen Pastorensohnes Johannes Friedrich Goerke (1750-1822) gedenkt. Das Denkmal ist deshalb erwähnenswert, weil Goerke als Begründer des Sanitätsdienstes der preußischen Armee gilt.

Nach dem Besuch in der Kirche geben wir den Schlüssel im Pastorat ab und genießen noch die wärmenden Sonnenstrahlen am Ufer des Lampaschsees. (fh)

Hotels

Booking.com

Karte

Landkarte von Polen mit Sorquitten (Sorkwity)

Wetter

Sorquitten (Sorkwity), Polen24.09.2017 – 21:33 Uhr
Klarer Himmel
SorquittenWetter Polen12.83 °CLuftfeuchte: 85%
Luftdruck: 1024.14 hPa
Windgeschwindigkeit: 5.43 m/s
(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)

Touristeninformation

Informacja Turystyczna w Mikołajkach
Plac Wolności 7
11-730 Mikołajki
Tel.: +48 (0) 87 4216850
E-Mail: it@mikolajki.pl

Karte

Nikolaiken (Mikołajki), Plac Wolności 7, 11-730
Nikolaiken (Mikołajki), Plac Wolności 7, 11-730 Mikołajki (Google Maps)