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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Sensburg (Mrągowo) in Masuren, Polen

Rund achtzehn Seen, die alle von dem Fluss Krutynia durchflossen werden, zählt die Sensburger Seeplatte, was Sensburg (Mrągowo) zum beliebten Zentrum für Wassersportler, insbesondere für Paddler, macht. Die Stadt selbst liegt an den Ufern des Czos-Sees.

Sensburg (Mrągowo)Polen Fotos
Sensburg (Mrągowo) liegt am See Czos. Fotos: Frank Hilbert

Klein-Woodstock für Fans der Country-Musik

Nicht nur für Wasserratten hat das eher beschauliche Städtchen im Sommer kulturell einiges zu bieten: In den letzten Julitagen findet hier alljährlich der "Mrągowo-Country-Picknick" statt. Dann verwandelt sich Mrągowo in Klein-Woodstock für Fans der Country-Musik. Im Amphitheater am See treten zahlreiche nationale und internationale Country-Interpreten auf. Das städtische Kulturhaus lädt das ganze Jahr über interessante Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, Künstler und Schriftsteller zu Vorträgen, Gesprächen, Ausstellungen und Lesungen ein. Freunde der Volksmusik kommen Ende August auf ihre Kosten: Dann lädt Mrągowo zum Festival der Grenzkultur (Festiwal Kultury Kresowej) ein. Zahlreiche Volkstanzgruppen und Trachtenvereine aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten in Litauen, Weißrussland und der Ukraine treten auf.

Nur knapp 7 km westlich von Sensburg befindet sich das Dorf Czerwanken (Czerwonki). In der ehemaligen Dorfschule betreiben der ehemalige Schlagzeuger der bekannten Warschauer Gold Washboard Jazz Company, Waldemar Duszyński, und seine Frau Beata eine Pension. In den Sommermonaten finden hier regelmäßig Jazzkonzerte und Jamsassions mit weltbekannten Musikern statt.

Rathaus von Sensburg (Mrągowo)
Das Rathaus von Sensburg (Mrągowo) wurde 1825 eröffnet, in dem bis Ende des 19. Jahrhunderts auch das Amtsgericht seinen Sitz hatte. Das Türmchen mit der Uhr, dessen Spitze eine kupferne Flagge mit einm Abbild des Stadtwappens, erhielt es erst 1907.

Über die Geschichte von Sensburg

Den deutschen Namen "Sensburg" verdankt das im 15. Jahrhundert vom Deutschen Orden gegründete Städtchen seiner Lage im Herzen der Sensburger Seenplatte (poln. Pojezierze Mrągowskie): Er wird höchstwahrscheinlich von "Seenburg" abgeleitet. Der polnische Name der Stadt, "Mrągowo", würdigt den evangelischen Pfarrer und Gelehrten Krzysztog Celestyn Mrągowiusz (1764-1855). Er war ein engagierter Verfechter der masurischen Kultur und setzte sich unermüdlich dafür ein, dass die Gottesdienste für die evangelischen Masuren in polnischer Sprache abgehalten werden. Der masurische Name der Stadt lautete bis 1945 "Żądzbork". Zwischen 1945 und 1947 trug sie den polnischen Namen Ządźbork, bevor sie ihren endgültigen Namen "Mrągowo" erhielt.

Von der mittelalterlichen Bebauung der Stadt ist seit zwei verheerenden Feuersbrünsten, die sich im 19. Jahrhundert ereignet hatten, nichts übrig geblieben. Das Rathaus, das heute ein Regionalmuseum beherbergt, und der kleine Markt sind nicht einmal 200 Jahre alt. Das Regionalmuseum gedenkt insbesondere des Schriftstellers Ernst Wiechert (1887-1950), der im Forst Kleinort (Piersławek) bei Peitschendorf (Piecki) unweit von Sensburg (Mrągowo) geboren wurde. Bekannt wurde der im Dritten Reich unter ständiger Aufsicht der Gestapo stehende Schriftsteller unter anderem für die Romane „Der Totenwald“, „Die Jerominkinder“ und „Wälder und Menschen“.

Obwohl Sensburg klein und unscheinbar war, führte die Route von Napoleons Heeren auf dem Russlandfeldzug gleich zweimal durch das Städtchen. Am 13. August 1812 legte General Eugene de Beauharnais, Vizekönig von Italien und Adoptivsohn Napoleons, mit seinen 7.000 Mann zählenden italienischen Truppen eine zweitägige Rast in Sensburg ein. Das Ereignis hielt der deutsche Schlachten- und Genremaler Albrecht Adam in einem Kupferstich fest. Auch bei ihrem Abzug aus Russland machte die geschlagene französische Armee in  der Stadt Halt. Die Moral der hungernden Truppen befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Tiefpunkt, sodass sich die Sensburger genötigt sahen, zwei Infanterieregimenter und eine Reiterschwadron zum Schutz vor marodierenden Soldaten aufzustellen.

Nach der Reichseinigung 1871 unter Reichskanzler Otto von Bismarck gerieten die Deutschen in einen nationalen Glückstaumel. Aus Dankbarkeit und zu Ehren des 1898 verstorbenen Bismarck bauten sie im ganzen Land Denkmäler und Bismarcktürme. So auch in Sensburg. Dort konstituierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Otto-von-Bismarck-Denkmalbaukomitee unter der Leitung von Bürgermeister Hermann Jaenicke. Der zwischen 1905 und 1906 nach Plänen des Sensburger Architekten und Baurats Gersdrof auf einem Mühlensockel errichtete Turm war 23 m hoch. Seine Spitze krönte eine Zinnenaussichtsplattform mit einer viereckigen Feuerschale aus Kupfer, in der zu feierlichen Anlässen Feuer entzündet wurden.
Otto von Bismarck selbst hielt nicht viel von Denkmälern, die ihn ehrten. Er habe niemals großen Wert auf Titel und Orden gelegt, "so wenig wie auf Denkmäler, die man mir errichtet hat und errichten will". Er wolle "weder ein Schaustück sein noch mich versteinert oder am wenigsten bei Lebzeiten als Mumie sehen".
Seine Bescheidenheit ehrt den einstigen Reichskanzler. Weniger für ihn spricht, dass er in seiner Amtszeit Polnisch an masurischen Schulen und in Gottesdiensten verbieten ließ. Die Germanisierungspolitik traf die Masuren sehr hart, von denen noch 1870 rund 75 Prozent bei einer Umfrage Polnisch als Muttersprache angegeben hatten. Viele von ihnen waren der deutschen Sprache auch nicht mächtig. Die Masuren waren zwar loyale Untertanen und blieben es auch, aber sie litten unter dem Verbot ihrer Sprache, die für sie ganz nebenbei ein wichtiges Bindeglied zum evangelischen Glauben war. Austreiben konnte Bismarck den Masuren die polnische Sprache nicht. Noch die Nationalsozialisten bissen sich an den Masuren die Zähne aus. Da half auch kein Verbot der polnischen Sprache, die seit 1890 auch als Masurischer Dialekt umschrieben wurde. Der Kreisleiter des Bundes Deutscher Osten (BDO) beklagte sich im Juni 1938:

Wenn aber mal paar Schnäpse getrunken sind, sind Befehle leicht vergessen, und der innerlich treudeutsch gesinnte Masure gebraucht dann ebenso den heimischen Dialekt, wie es bei ähnlichen Gelegenheiten der Berliner oder Kölner auch macht. Dieser masurische Dialekt ist aber noch lange nicht ausgestorben, wie man im Reiche vielfach wähnt. Er lebt im Familienkreise, im Kruge und auf den Märkten.

Der Bismarckturm hat seinen Namen behalten. Übersetzt lautet er Wieża Bismarcka. Weil er renovierungsbedürftig ist, wurde er 1993 für den Besucherverkehr geschlossen. Ein Besuch in der ul. Spacerowa lohnt sich trotzdem, weil der Bismarckturm am Rand eines teilweise erhaltenen evangelischen Friedhofs aus der Vorkriegszeit steht.

In der ul. Franklina Delano Roosevelta 3 (früher Gartenstraße) steht die ehemalige Synagoge, ein Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Sensburg 125 Juden. Sie wurden während der nationalsozialistischen Zeit schikaniert und zogen weg. 1939 konnten die Nationalsozialisten verkünden, Sensburg sei "judenfrei". Ob die Sensburger Juden den Holocaust überlebt haben, ist nicht bekannt. Die Synagoge demolierten die Nationalsozialisten 1938. Heute wird sie als orthodoxe Kirche genutzt.

Seit 1945 gehört Sensburg zu Polen. Die meisten Einwohner sind 1945 geflohen oder wurden vertrieben. Polen zogen nach Sensburg. Geblieben ist die traumhafte Lage der Stadt inmitten der masurischen Seenplatte. (fh)

Sehenswürdigkeiten

  • Rathaus (1825)
    Adresse: ul. Ratuszowa 5
  • ehemalige Synagoge, heute orthodoxe Kirche des Hl. St. Adalbert (Kościół św. Wojciecha)
    Adresse: ul. Franklina Delano Roosevelta 3
  • deutscher evangelischer Friedhof
    Adresse: ul. Spacerowa 2A
  • Bosniakenwache
    Adresse: plac Kajki
  • Bismarckturm (Wieża Bismarcka), erbaut zwischen 1902 und 1905, für Besucher geschlossen, daneben ein teilweise erhaltener evangelischer Friedhof
    Adresse: ul. Spacerowa 2A
  • evangelische Kirche St. Trinitas (Kościół św. Trójcy)
    Adresse: ul. Kościelna 2

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Sensburg (Mrągowo), Polen12.11.2019 – 15:33 Uhr
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