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Reichenau (Rychnowo) in Masuren, Polen

Die kleine achteckige Kirche in Reichenau (Rychnowo), die 1714 in Holzbauweise errichtet wurde, zählt zu den am besten erhaltenen Kirchen dieser Art in Masuren. Zur Ausstattung gehören ein Altar von 1518, eine barocke Kanzel und kunstvolle Wand- und Deckengemälde mit christlichen Motiven. Das neben der Kirche stehende neobarocke Schloss dient Nonnen des Ordens der Theresianerinnen als Kloster.

Blick durch Bäume auf die Holzkirche in Reichenau (Rychnowo) in Masuren Polen Fotos
Die katholische Pfarrkirche in Reichenau. Fotos: Frank Hilbert

Die kleine, mit einem schwarzen Habit bekleidete Ordensschwester steht neben dem Altar. Plötzlich erscheint auf ihrem Gesicht ein verschmitztes Lächeln, und sie winkt uns zu sich heran. Als wir sie erreichen, zeigt sie mit ihrem Finger auf ein hinter dem Altar verstecktes Wandgemälde. Es ist die Darstellung von Martin Luther. Seit 1945 ist die einst evangelische Kirche katholisch. Wegen ihres hohen kunsthistorischen Wertes steht sie unter Denkmalschutz. Sie ist die einzige Kirche in der Wojewodschaft Ermland-Masuren, deren Originalausstattung noch vollständig erhalten ist.

1714 ließ der Gutsherr Siegmund Ernst von Kikoll die Holzkirche errichtet. Ungewöhnlich sind ihr achteckiger Grundriss, ihr freistehender Glockenturm sowie die Vorhalle und die Sakristei, die angebaut sind. Das Dach besteht aus acht Dachflächen und war ursprünglich mit Schilf gedeckt, das durch Dachziegel ersetzt wurde. Ihr Inneres ist mit kunstvoller Malerei versehen. Neben einer Darstellung von Martin Luther gibt es an den Wänden weitere von 11 Aposteln, der Taufe Jesu und eine des heiligen Petrus an der Eingangstür. Die Decke schmückt ein großes Gemälde "Der Sündenfall", das die Verführung von Adam im Paradies darstellt. Gemalt hat es 1714 vermutlich der Königsberger Maler Gottfried Hintz. Zur Ausstattung gehören außerdem:

  • Ein Spätgotischer Altar von 1518: Auf der Mitteltafel des Triptychons ist die Marienkrönung zu sehen. Die Bilder auf den Seitenflügeln zeigen vier Bilder aus dem Leben von Jesus und Maria und stammen aus den Jahren 1517 und 1558. Die Predella, den Sockel des Altars, schmückt ein Gemälde mit dem Leichnam Christi.
  • Eine Barockkanzel (1714) mit folgenden Darstellungen: Berg- und Seepredigt, Evangelisten und Ölberg.
  • Eine Holztür mit der Darstellung von Petrus, der einen Schlüssel trägt.
  • Patronatsgestühl von 1713
  • Verzierte Kirchenbänke aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • Drei Engel auf dem Altartisch (um 1700)
  • Im freistehenden Glockenturm hängt eine Glocke aus dem Jahr 1922. Ihre Vorgängerin wurde wahrscheinlich während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) für Waffen eingeschmolzen.

Eine Nachbildung der Reichenauer Kirche entstand zwischen 1910 und 1913 im damaligen ostpreußischen Heimatmuseum in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland), das zwischen 1938 und 1942 nach Hohenstein (Olsztynek) verlegt worden ist. Allerdings stammt der dort neben der Kirche stehende Glockenturm aus Manchengut (Mańki). Ihr Hauptaltar ist keine Nachbildung des Altars in Reichenau, sondern ist das Überbleibsel einer Kirche in Groß Rosinsko (Rożyńsk Wielki) und ein Werk von Wenceslaus Paristus aus dem 17. Jahrhundert.

Bildnis von Martin Luther Kirche in Reichenau (Rychnowo)
Luther-Bildnis hinter dem Altar der Kirche in Reichenau.

Reichenau muss einmal ein verschlafener Ort im südlichen Teil Masurens gewesen sein, der unmittelbar an Masowien grenzt. Inzwischen hat ihn die Industriegesellschaft eingeholt und verändert. In nur einem Kilometer Entfernung fahren täglich tausende Autos auf der mehrspurigen Schnellstraße 7 vorbei, die Warschau (Warszawa) mit Danzig (Gdańsk) verbindet und deren Rauschen bis nach Reichenau zu hören ist. Im Dorf haben sich kleine Betriebe, ein Hotel und ein Restaurant angesiedelt. Inmitten des Treibens wirkt das Nonnenkloster mit der Kirche und einem Park wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Um die Kirche besichtigen zu können, muss man an die Klostertür klopfen. Eine Nonne begleitet die Besucher und versorgt sie mit zahlreichen Informationen über die Geschichte. Voraussetzung ist allerdings, dass man Polnisch spricht und versteht. Der Schlosspark ist Besuchern nicht zugänglich.

Reichenau wurde im 14. Jahrhundert von Herzog Luther von Braunschweig gegründet, dem Komtur von Christburg (Dzierzgoń) und späteren Hochmeister des Deutschen Ordens. In der Liste der Besitzer tauchen die Namen Ritter Hans von Otatz, Hoverbeck, Siegmund Ernst von Kikoll und Kleist auf. Der letzte Gutsherr hieß Robert Thomasius.
Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und erhielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein heutiges neobarockes Äußeres. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Nonnen des Ordens der Theresianerinnen hier ein. (fh)

 

 

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