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Masurische Pyramide in Angerapp (Rapa) – Familiengrab der Familie Fahrenheid, Masuren

Eine der ungewöhnlichsten Bauten in Masuren steht in Angerapp (Rapa)[1]: die Familiengruft der Familie von Fahrenheid. Die Adelsfamilie ließ sie Ende des 18. Jahrhunderts nach dem Vorbild ägyptischer Pyramiden errichten. Alle in ihr bestatteten Toten sind mumifiziert.

Masurische Pyramide in Angerapp (Rapa) in Masuren
1795 ließ Wilhelm von Fahrenheid die Pyramide errichten. Fotos: Frank Hilbert

Die von Fahrenheids gehörten zu den wohlhabendsten Familien in Ostpreußen. Ihre neoklassizistischer Palast in Klein Beynuhnen (heute Uljanowskoje in Russland), das sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichten ließen,  beherbergte eine bedeutende Kunstsammlung. Sie unternahmen Bildungsreisen durch Europa und begeisterten sich für die antike Geschichte und Kultur. 1793 kaufte die Adelsfamilie Klein Beynuhnen und andere Güter von den Döhnhoffs. Darunter befand sich das Gut Angerapp. Hier ließ Friedrich Wilhelm von Fahrenheid 1795 die Pyramide aus Feld- und Ziegelsteinen errichten. Der Architekt ist unbekannt. Warum er sich beim Bau an ägyptischen Pyramiden orientierte und welchem Zweck sie zunächst diente, ist nicht überliefert. Es gibt nur Vermutungen. In der damaligen Zeit ließen sich Architekten und Landschaftsgestalter oft von der Formensprache der Antike inspirieren. Es entsprach dem Zeitgeschmack. So verwundert es nicht, das die Masurische Pyramide große Ähnlichkeit mit der im Neuen Garten in Potsdam hat, die zwischen 1792 und 1793 erbaut worden war. Wie die Pyramide in Potsdam könnte auch die in Angerapp zunächst als Eiskeller für die Aufbewahrung von verderblichen Lebensmitteln gedient haben. Es gibt noch eine andere Theorie für die Wahl der Pyramide als Bauform: Die Pyramide war ein Freimaurersymbol. Und Friedrich Wilhelm von Fahrenheid war Vermögensberater der Freimaurerloge "Zu den drei Kronen" in Königsberg.

Auch Friedrich Heinrich Johann von Fahrenheid (1780–1849), der Sohn von Friedrich Wilhelm, begeisterte sich für die Antike, vor allem für das Alte Ägypten. Als seine Tochter Ninette 1811 im Alter von drei Jahren an Scharlach starb, ließ er sie in der Pyramide in Angerapp beisetzen. Die klimatischen Bedingungen im Inneren der Pyramide führten dazu, dass die Leiche des Mädchens und die aller anderen Toten, die hier später ihre letzte Ruhestätte fanden, einem natürlichen Konservierungsprozess unterlagen, der zu ihrer Mumifizierung führte. Im Laufe der Zeit wurden in der Pyramide fünf Erwachsene und zwei Kinder bestattet. Neben Ninette fand auch Friedrich Wilhelm hier seine letzte Ruhestätte. Nicht von allen ist die Identität bekannt. Nachforschungen in der jüngeren Vergangenheit verliefen erfolglos, weil die örtlichen Kirchenbücher verschollen sind.

Autos auf einem Parkplatz in der Nähe der Masurischen Pyramide in Angerapp (Rapa)
Besucher können ihr Auto auf einem Parkplatz in der Nähe der Pyramide abstellen.

Es gibt viele Erklärungsversuche für die Mumifikation. Die einen meinen, es liege an der Bauweise in Form einer ägyptischen Pyramide, die anderen glauben, dass die Lage der Familiengruft auf einer Ley-Linie, an der besondere Kraftfelder existieren sollen, die Ursache sei. Vermutlich ist die Erklärung ganz einfach: Als man nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) die drei Öffnungen für die Luftzirkulation in der Pyramide schloss, begannen die Mumien zu schimmeln. Es spricht also alles dafür, dass es aufgrund des Raumklimas zu einer Austrocknung des Weichteilgewebes und damit zu einer Konservierung der Leichen kam.

Die Familiengruft der Fahrenheids wurde im 20. Jahrhundert mehrmals geschändet. Zum ersten Mal verwüsteten und plünderten zaristische Soldaten zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) die Pyramide, das zweite Mal waren es Soldaten der sowjetischen Roten Armee 1945.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gruft zwar gesichert. Sie befand sich aber in einem schlechten baulichen Zustand. Auf Fotos ist zu sehen, dass mindestens zwei Särge geöffnet waren und den darin liegenden Mumien die Köpfe fehlte. Nachdem die Familiengruft 2015 von Warschauer Wissenschaftlern untersucht worden war, wurde sie 2018 restauriert. (fh)

Hinweise für Besucher

  • Die Gruft ist geschlossen. Man kann durch die Fenster die Särge im Inneren sehen.
  • An der Pyramide gibt es einen kostenlosen Parkplatz, öffentliche Toiletten und einen Souvenirladen.
  • Eine Tafel informiert über die Geschichte der Pyramide und die Schlösser in Angerapp, Groß Medunischken und Klein Beynuhnen, allerdings nur auf Polnisch.

 

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Angerapp (Rapa), Polen17.02.2020 – 13:36 Uhr
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Luftdruck: 1010 hPa
Windgeschwindigkeit: 7.51 m/s
(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)

Sehenswürdigkeit

Masurische Pyramide
19-520 Rapa

Geodaten: 54.309952,22.021664
Wegbeschreibung auf Google Maps

Anmerkungen

  1. Zwischen 1938 und 1945 trug der Ort den Namen Kleinangerapp.

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